Über Weises Führen…

Istanbul, 5:31 CET, Tag 594

Heute Nacht habe einen Tintenfischmann gesehen, als ich auf die Strasse trat. Sein Gesicht, wie aus Star Wars. Erst starrte ich kurz, ich wollte heraus finden, ob es sich um eine Show oder eine offizielle Sehenswürdigkeit handelte. Nein, es war nur ein Mann mit einem Gesicht wie ein Tintenfisch. Meine Kleine weckte mich. Später erinnerte mich der Wecker daran, aufzustehen

Gestern hab ich mir hier eine Playlist für Leadership erstellt. Es gibt zwar iTunes U, in denen Kurse von Universitäten kostenlos verfügbar sind. Ich hab das schon vor einer ganzen Weile entdeckt, aber nie wirklich reingeschaut. Beim letzten Flug hierher war es aber soweit, vorher die Vorlesungen und Kurse runterladen und man kann sich ganz bequem offline alles anschauen.

Eines meiner ersten Abos war das von TED – Leading Wisely, einer Auswahl von 11 TED Vorträgen zum Thema Leadership. Weil man in iTunes U ausser offline schauen, nicht viel mehr machen kann, habe ich mir die Playlist auf youtube erstellt.

Den Start machte ein Video von Itay Talgam, ein Dirigent, der am Beispiel von anderen, sehr bekannten Dirigenten deren Führsungstile erklärt: und deren Körpersprache hat mich dabei umgehauen.

Dann ging es weiter mit Simon Sinek und seinem Vortrag über die kleine Idee von Was? Wie? und Warum? Er erklärt in seinem Vortrag, warum uns manche Organisationen sympatisch sind und sehr erfolgreich. Es liegt daran, dass sie zuerst erklären, warum sie etwas tun, dann wie und was. Die überwiegende Mehrzahl aller Menschen und Firmen aber nur erklären kann, was sie tun. Einige können uns auch noch erläutern, wie sie etwas tun. Aber beim Warum reduzieren sich viele auf Lebensunterhalt, Geld verdienen.

Aber Geld zu verdienen ist eben nur ein Ergebnis, aber nicht der Zweck, der Sinn von Arbeit und von Unternehmen. Sicher gibt es Unternehmen, die nur für den Zweck des Geldverdienens gegründet wurden. Das Problem dabei ist aber, dass sie das natürlich nicht so direkt kommunizieren können. Man erkennt solche Firmen daran, dass sie im Marketing fast ausschließlich an unseren Geiz und Gier appellieren. Mir sind beim Anschauen die Probleme in meinem Leadership Seminar im letzten November wieder eingefallen, denn genau diese Aspekt des Warum spielen einfach eine zu kleine Rolle in unserer Gesellschaft. Dabei ist es doch so klar!

Als dritte und letzte Empfehlung dann noch Dan Pinks Talk über das Puzzle der Motivation. Er stellt ganz klar dar, dass Icentives, also Boni, Prämien oder ähnliches nur bei einfachen, klar geregelten Aufgaben funktioniert. Bei den unspezifischen Aufgaben unserer heutigen Zeit, die mehr Kreativität und Engagement verlangen, sind solche Incentives eher kontraproduktiv.

So, mit diesen drei Empfehlungen möchte ich diesen Freitagspost beschliessen.

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Wünsche Euch einen tollen letzten Arbeitstag in dieser Woche!

 

Ein zeitiger Pausenpost…

Istanbul, 6:02 CET, Tag 593

Heute Nacht hab wieder spielfilmreif geträumt und es vergessen. Langsam wird es komisch, dass ich nach dem Augen aufschlagen so gar nicht mehr ran komme. Aber ich sollte wohl aufhören, mich erinnern zu wollen.

Heute ein ganz zeitiges Bild, kurz vor halb 6 aufgenommen. Und ich mach heute Schreibpause, laufe los und versuche irgendwie produktiv zu sein. ;)

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Wünsch Euch einen tollen Donnerstag!

Vier Bilder zum Mittwoch…

Istanbul, 5:47 CET, Tag 592

Heute Nacht habe ich wieder einen ganzen Spielfilm geträumt. Beim Aufwachen war alles so präsent. Ich ahnte, wenn ich die Augen wieder schliessen würde, dann könnte ich genau an der Stelle weiter träumen. Aber ich stand auf und vergass selbst die beeindruckendsten Szenen beim Duschen.

Nein, ich hör nicht auf und schreib ein Buch. Ich mach hier weiter, auch wenn es mal nicht so leicht fällt. Schon heute war es einfacher, aber ich hab mich stark ablenken lassen. Bevor hier gleich Mittag ist, möchte ich aber meinen Post beenden. Wieder mit ein paar Bildern, statt Geschichten.

Gestern ist mir eine Lampe aufgefallen, die genau auf die Sonne passte. Als ich mir später dann das Foto ansah, bemerkte ich die geometrischen Strukturen der umgebenden Häuser. Damit gefiel mir das Bild gleich viel mehr.

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Vorhin bin ich zu meinem Büro hier gelaufen, mit ein paar kleinen Umwegen um meine Ingress Portale zu versorgen. Hier werden die glänzenden Steine einer Bank poliert, die wohl von den pausierenden, meist rauchenden Bankerinnen immer wieder befleckt werden.

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Die beiden Jungs machen Pause im Park gleich vor meinem Arbeitsplatz. Neben dem Fährhafen Kabatas und vielen Teegärten gibt es hier immer wieder mal ein paar grüne Flecken.

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Ich kletterte auf einen Stein am Kai und eine Frau bot mir an, mich zu fotografieren. Ich lehnte dankend ab, sie hockte sich hin und leerte ihre Plastiktüte mit Brotresten ins Wasser aus. Im Gegenlicht fand ich das ganz interessant.

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Und mit meinem traditionellen Bild vom Sonnenaufgang schliesse ich heute, viel zu spät…

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Wünsch Euch einen schönen Rest vom Tag!

Nur ein paar Bilder zum Dienstag…

Istanbul, 6:24 CET, Tag 591

Heute hab ich toll geträumt, aber beim langsamen Aufwachen habe ich zu schnell festgestellt, dass ich müde bin. Als ich mich dann an meinen Traum erinnern wollte, war er schon verschwunden.

Auch heute kriege ich es nicht hin, wieder ordentlich zu schreiben. Es fühlt sich leer an. Die revolutionäre Idee, hier mal einen Tag aufzuhören und die schier endlose Reihe von fast zwei Jahren täglichen Postens zu unterbrechen, erfüllt mich mit mehr und mehr Vorfreude. Und dann?

Ach, ein paar Bilder gehen doch immer. Es ist hier auch ein Tagebuch und nicht nur eine Schreibmeditation, ich kann auch mal durchhängen und mich durchmogeln.

Ich meine mich zu erinnern, dass Volkan die App für die Garanti Banki gebaut hat. Frag ich nachher gleich mal. Die türkischen Banken strengen sich an, ihre jungen, innovativen mit Smartphones ausgestatteten Kunden happy zu machen. Aber die haben hier nicht mal HBCI, jede Bank kocht ihr eigenes Süppchen. Im übrigen ist die Werbung einfach nur geschmacklos!

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Eine späte Fahrt mit der Tünel und ein Blick zurück, den Berg hinunter. Wenn jetzt noch eine Bahn käme, wäre das Bild perfekt, aber die 5min Zeit habe ich mir gestern nicht genommen.

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Statt dessen habe ich Freunden aus Hannover das Litera auf dem Dach vom Goethe Institut gezeigt. Ich glaub, es hat ihnen gefallen.

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Obwohl ich zeitig um 10 zu Hause war, konnte ich gestern nicht einschlafen. Die Sonne stand schon hoch am Himmel, als ich das Morgenbild  gegen halb 7 schoss.

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Wünsch Euch einen ruhigen Start in die kurze Woche!

Pfingstmontagspausenpost…

Silivri, 7:07 CET, Tag 590

Heute Nacht wieder wild geträumt. Über einen Hindernisparkour bin ich gestolpert, sehr langsam über glühende Kohlen, meinen Turnschuhen beim sich auflösen zuschauend, aber selbst keine Wärme spürend. Bin zur üblichen Zeit aufgewacht, einen Moment nach dem Sonnenaufgang.

Gestern gabs hier Pinienpollensturm. Ein Windstoss und wie bei in einem ausgewachsenen Wüstensturm war alles um uns herum eingestaubt. Zum Glück reagieren wir nicht allergisch. So war es einfach nur schrägschön. Leider filtert das Hirn nach einer Weile den tollen Duft.

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Der Sonnenuntergang kam dann unter Wolken hervor. Den ganzen Tag war es zugezogen, gegen Abend kam die Sonne zwischen den Bäumen hervor, nur um unterzugehen.

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Heute morgen dann kurz nach 6, die Wolken haben sich komplett verzogen, alles ist ruhig, die Vögel zwitschern. Die Katze springt erschrocken von der Hollywoodschaukel, als ich auf die Terrasse gehe. Gleich gibt’s Frühstück…

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Wünsch Euch sonnige Pfingsten!

 

 

Pfingstsonntagspausenpost…

Silivri, 9:08, Tag 589

Heute Nacht gab es viele Träume, aber der Zugang dazu ist schon wieder weg. Jetzt, wenn ich mich hier erinnern möchte.

Der Spätflieger ist super anstrengend. Also nicht der Flieger selbst, sondern die Tatsache, dass die Passkontrollen gegen 23 Uhr am Atatürk Flughafen einfach nur stark überfüllt sind. Tausende Menschen, die gerade sehr lange gessen haben, schlängeln sich in langen Schlangen entland, warten. Selbst mein Fast Track ist rappelvoll. In der Schlange habe ich den türkischen Chef einer Berlin Frisörkette kennen gelernt, ich kannte einer seiner Laden in der Bergmannstrasse sogar. Er lebt auch zwischen den Welten. Dadurch hatten hatten wir sofort einen Draht.

Niemand weiss, was aus solchen Verbindungen wird. Oft verläuft das ja im Sande. Man schreibt die Mail nicht, die die Verbindung vertiefen würde. Oder der Anruf geht auf die Mailbox und man ruft nicht zurück. Es ist oft so, wie mit dem Wein und dem Tee und dem Gebäck im Urlaub, das dort so köstlich schmeckt. Nach Hause mit genommen, wundert man sich, was man daran so toll gefunden hat. Aber was auch passiert, dass man gerade beim Reisen solche Gelegenheiten vermehrt bekommt. Gespräche, Kontakte, Eindrücke von fremden Leben. Man sucht automatisch das Verbindende, die Gemeinsamkeiten.

Ich lasse hier grade wieder meinen Gedanken freien Lauf und erzähle keine Geschichte. Ein Post wie früher? Ich glaube ja. Denn ich sollte eigentlich eine Pause machen. Also schreib ich jetzt mal nichts um, sondern erhol mich ein wenig. Ist ja schliesslich Sonntag!

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Wünsch Euch auch einen erholsamen Tag!

 

Ein gelungener Start ins lange Wochenende…

Berlin, 9:08, Tag 589

Heute Nacht hat jemand meine Schuhe mit Säure auflösen wollen. Ich habe eine kleine Plastikflasche gefunden, unter einem Türspalt zurückgeschoben, dabei drauf gedrückt. Jetzt haben die Dielen ein Loch. Ich wachte vom Wecker auf und fotografierten einen Sonnenaufgang hinter Wolken.

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Mann, hab ich viel gelernt gestern. Es ging morgens los und hörte bis Mitternacht nicht auf. Ich komm gar nicht hinterher, mit der Verarbeitung, dem Aufschreiben, dem Verifizieren der vielen Ideen. Der Tag war so proppevoll, dass ich heute morgen meine Routine in Ruhe gelassen habe und mich nach dem Aufstehen einfach noch mal hingelegt hab. Das tat gut. Ausgeschlafen meditiert es sich leichter.

I want to be alive to all the life that is in me now, to know each moment to the uttermost…

Sagt Kahlil Gibran drüben bei Facebook! Und ja, das war nah dran am Äussersten und geht noch weiter, für die Nachbereitung sprudelt mein Kopf über, so dass mein Herz hüpft vor Anspannung und Vorfreude.

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Doch wie krieg ich die PS auf die Strasse… kennt Ihr das, wenn man weiss, was man tun sollte und nicht die Kraft, Motivation oder den Mut findet?

Dann zurück zu meinem Atem zu finden. Dann zurück zu mir zu finden. Dann mich selbst einfach erst mal toll finden. Das, was ich schaffe, ok zu finden. Das, was passiert ist, anzunehmen. Und nicht daran zu hängen, was passiert hätte sein können. Was wäre, wenn ich eine Maschine, perfekt und vollkommen wäre. Selbstbewusstsein ist tricky! Selbstbewusstsein sieht Blindheit so verdammt ähnlich. Und doch ist es das Gegenteil.

Das Konzert war toll! Ich war so aufgeregt, als ob ich hätte spielen müssen. Die Musik hat mich gegen Ende voll gepackt, vor allem César Franck.

Die beiden Schwestern Aiki und Asa Mori sind grossartige Künstlerinnen, die für Gando auf ihre Gage verzichtet haben, so dass wirklich jeder Cent der 1.536,19€ Spenden dem Projekt zugute kommt. Bestimmt 100 Unterstützer haben zu uns gefunden. Das ist ein schöner Erfolg für alle Beteiligten!

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Und heute ist Reisetag. Und deshalb wünsche ich Euch jetzt einen tollen Start in das lange Pfingstwochenende…

 

Habt keine Angst…

Berlin, 6:10, Tag 588

Heute Nacht habe ich mich mit Aleyna in einem Haus voller Menschen versteckt. Sie war ernsthaft bei der Sache. Ich wusste nicht, ob sie Angst spürt oder nur aufmerksam ist. Johanns riesige Dachlandschaftsterasse über den Dächern einer unbekannten Großstadt hat uns gerettet. Er hatte Besuch. Wir zogen uns für die Begrüßung in eine Ecke der Terasse zurück. Ich hatte Höhenangst, das Geländer nur zwei Stangen und so niedrig, dass ich an den Rand robben musste. Unten sah ich Menschen, die sich auf einem Stück Rasen in der Mitte einer Allee mit 20l Kanistern halbvoll Wasser bewarfen. Es war ein grosses Spiel. Ich wunderte mich über ihre Kraft. Ich wollte fotografieren, mir eine Kamera besorgen. Es gäbe einen Laden unter uns. Es war nur ein Rossmann, der nur für mich in das Haus eingebaut wurde und nachher gleich wieder verschwunden sein wird. Es blieb nur ein grosser leerer Raum übrig, mit kahlen neonbeleuchteten Wänden. Ich wachte auf…

Der Unruhegeist ist gerade sehr stark in mir. So stark, dass ich versucht bin, mich krank zu fühlen und zum Arzt zu gehen. Mein Geist springt noch schneller als sonst von Thema zu Thema, von Gefühl zu Gefühl. Es ist so, also ob ein Turbo angesprungen ist, der mich noch sensibler für alles um mich herum macht, als ich eh schon bin.

Als ob gleich alles aus einander fliegt und seine wahre Natur offenbart: ist vielleicht doch nur alles nur eine Simulation. Aliens spielen ihr Civ 23 – Universe Edition. Der Spielstand nach 13,73 Mrd Jahren: unentschieden, sich immer noch ausdehnend.

Ein lieber Freund lobte mich für die Entwicklung meines Schreibstiles hier. Nun fühle ich mich gehemmt. Wie? Ich habe mich entwickelt, was wie warum, wieso? Gut oder schlecht? Was, wenn es wieder weg geht?

Gestern habe ich das schönste Grab auf der ganzen Welt entdeckt. Es ist hier gleich um die Ecke und ich habe es gestern zum ersten Mal gesehen. Obwohl dort der naheliegendste Geldauatomat ist. Jetzt weiss ich auch, warum. Er ist nur deshalb dort, damit ich diese Stelle entdecken konnte.

Gestern war es endlich soweit. Man sieht das Grab vom Fussweg aus. Man braucht nur durch den Zaun zu schauen. Der Moment der Entdeckung war tausend mal schöner und intensiver, als es sich hier auf dem Bild wiedergeben lässt. Und niemand ausser mir, nahm davon Notiz.

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Dabei verstehe ich das Friedhofsphänomen eigentlich gar nicht so richtig. Ich habe keine Zugang dazu, das religöse Verbrämen des Todes stört mich am meisten. Dieses spekulieren über ein Leben danach, ein Bewusstsein danach, die Drohung der Hölle, die Verheissungen des Paradieses. Echt? Ihr meint das wirklich so, wie ihr das sagt? Wow!

Ein Platz der Erinnerung an seine Lieben zu haben, die Errinerung in einen Stein zu meisseln. Vielleicht solch einen Platz dafür zu schaffen. Und dann die Verbindung von allem mit allem zu spüren. Ja, das ist es. Für mich.

Ich laufe beschwingt nach Hause, nur fünf Minuten. Ich sehe den Menschen in die Augen. Ich sehe, manche wundern sich über meinen Blick. Ich lächle sie innerlich einfach an, dann haben sie keine Angst vor mir, dem Unbekannten.

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Wünsch Euch einen ganz leichten, luftigen Freitag…

 

 

Move First, Think Later…

Berlin, 8:19, Tag 587

Heute Nacht habe ich wohl etwas wenig geschlafen. Ich bin müde aufgewacht. Habe mich ganz kurz beim Duschen an meinen Traum erinnern wollen, es aber nicht getan.

Nach einem Tag voller schöner, intensiver Gespräche bin ich abends noch zwei Stunden durch die Stadt gelaufen. Hab nach Details und nach Berührung gesucht und immer dann Fotos gemacht, wenn ich eines entdeckt hatte oder ich berührt wurde.

Zuerst ein Versuch, die Yorkbrücken zu fotografieren, weil das eigentlich nicht geht. Ich laufe und fahre da seit Jahren, fast Jahrzehnten drunter durch und gestern habe ich zum ersten Mal das Malerschild des letzten Anstrichs vor 72 Jahren entdeckt. Der 2. Deckanstrich erfolgte mit der Farbe: 463579, der Maler war Joh. Müller aus Wittenau und es hat vom 15. September bis zum 15. November 1941 genau drei Monate gedauert.

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Dann weiter über den Kreuzberg zum alten Tempelhofer Flughafen. Ein paar Rollos fielen mir auf…

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Und ein schöner alter Berliner Hauseingang, das wohl auch seit 72 Jahren nicht mehr verputzt worden ist.

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Das nächste war ein Elektroschach Laden, der seit 31 Jahren hier existiert. Irgendwie süss, schon der Name: Elektroschach. Das erinnert mich immer an EDV. Elektronische Datenverarbeitung. Aber wenn es ein Schachfan schafft, von seiner Leidenschaft zu leben, toll! Es gibt sogar einen Webshop, und der sieht auch aus wie der Laden hier, und das passt dann doch irgendwie.

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Und die ausgestellten Bücher und Pokale und alle Versionen von Fritz in Originalverpackung, grossartig!

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Dann etwas trauriges, hier hat es ein neuer Blumenladen nicht geschafft. Die Eröffnung ein gutes halbes Jahr her. Viel Text im Schaufenster, was sie alles können. Ein Werbers Alptraum.

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Daneben der Anwalt hinter strafzettel.de, ne Spielhalle, ne Pizzeria und ne Taxischule. Klassisch Berliner Kiez vor der Gentrifizierung. Aber dann war ich auch schon am Tempelhofer Flughafen. Dort habe ich ein wenig Ingress gespielt. Die Sonne ging unter, der Himmel war toll.

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Und dann war die Sonne weg und der Pförtner vom Polizeipräsidenten rauchte eine Zigarette vorm Eingang. Ich machte trotzdem ein Foto, das ist extreme Hochstatus Kommunikation, des Werbers Sextraum. Stellt Euch mal vor: ihr klebt über der Eingangstür Eurer Wohnung in güldenen Lettern Euren Namen? Ist schon sehr herrschaftlich, erinnert an Obrigkeitsdenken, Gehorsam, Gewaltmonopol. Polizei muss wohl so sein…

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Obwohl die Nacht kurz war, zum Abschluss diesen Pausenpostes ein Bild vom Sonnenaufgang heute morgen…

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Wünsch Euch einen achtsamen Donnerstag!

 

Über die Dynamisierung des eigenen Verhaltens…

Berlin, 6:10, Tag 586

Heute bin ich mitten im Traum aufgewacht. In der letzten Szene quetschte ich mich grade zwischen eine Glastür und einen Tresen, um zu einem Herrn x vorgelassen zu werden. Im Rücken drückte die Glastür, am Bauch drückte der Tresen und nun bitte einmal das Wir-Lieben-Pförtner-Programm abspulen. Der Wecker haute mich aus dieser Szene und liess mich alles davor instant vergessen.

Jetzt habe ich hier schon fast zwanzig Minuten mit verschiedensten Dingen verdaddelt, also Mails gelesen, ein paar Tickets kommentiert, ein paar Benutzer in einer neuen Umgebung eingerichtet. Aber beim Meditieren vorhin, wollte ich doch über die Dynamisierung des eigenen Verhaltens schreiben.

Eigentlich hat jeder Mensch, den ich so treffe und mit dem ich mich näher unterhalte, irgend ein Problem oder einen Traum. Also irgend ein Ding, was stört oder wenn es gelöst oder da wäre, das Leben verschönern würde. Man braucht gar nicht lange, um bei einer Unterhaltung darauf zu stossen. Ich nenn das jetzt mal Entwicklungsfelder.

Ich hatte hier letzte Woche über die Motivatoren geschrieben, die uns antreiben: also Lust/Schmerz, Hoffnung/Angst und Anerkennung/Ablehnung. Damit komme ich schon sehr weit. Es gibt dabei aber immer noch so etwas wie: Ego, Identität oder auch Besitz und Fähigkeiten.

Manche Menschen identifizieren sich zum Beispiel über ihr Bankkonto: wenn sie viel drauf haben, halten sie sich für wichtig, erfolgreich und besser als andere. Nimmt man ihnen Geld weg oder ist man vermeintlich dafür verantwortlich, dass sie nicht so viel Geld bekommen, wie sie meinen zu verdienen, fühlen Sie sich angegriffen und erzeugen Konflikte.

Manche Menschen identifizieren sich zum Beispiel über ihren Job: wenn sie als Steuerberater, Entwickler oder Chef gebraucht werden, dann halten sie sich für wichtig, erfolgreich und besser als andere. Kritisiert man sie in ihren Job, oder gibt ihnen auch nur Feedback, dann fühlen sie sich persönlich angegriffen und verteidigen ihre Entscheidungen vehement. Meist versuchen sie mir dann zu beweisen, dass ich ja keine Ahnung von ihrer jeweiligen Profession hätte, ich wäre ja kein Steuerberater, Entwickler oder Chef in ihrer Firma deshalb kann ich das nicht ver- oder beurteilen und schon gar nicht kritisieren.

Mansche Menschen identifizieren sich zum Beispiel über ihre Hobbies, andere über ihre Familie, andere über ihr Frau oder Mann sein. Manche identifizieren sich nur mit ihren Erfolgen in der Vergangenheit und vergessen das jetzt. Andere leben nur für die Zukunft und leiden unter dem Jetzt.

Hah! Ich nenn das mal Besitz/Verlust Motivation , als viertes Paar. Ich zum Beispiel, bin eigentlich ein klassischer Weg-Von-Mensch, ich renne weg von Schmerz, Angst, Ablehnung und Verlust. Wenn ich davon nicht bedroht werde, bin ich normalerweise nicht motiviert, faul, mache nichts. Ich habe dann ein Verhalten entwickelt, das ich auch Selbstsabotage nenne, mit dem ich mir ein entsprechendes “schlechtes” Umfeld erzeuge, einfach um motiviert zu bleiben.

Aber wie ist das denn jetzt mit der Dynamisierung des Verhaltens? Ach ja klar, darum ging es hier ja. Also, all die Konzepte, die ich eben beschrieben habe, zeigen ja leider keinen Weg zu einem glücklicheren und schöneren, erfüllterem Leben. Sie erzeugen im besten Fall eine Erkenntnis oder Einsicht in bislang unbewusste Prozesse.

Der Schlüssel zur Veränderung von wiederholt unangenehmen Erfahrungen, Misserfolgen oder Fehlern liegt ausschliesslich in der Dynamisierung des eigenen Verhaltens, in der Flexibilisierung unserer eigenen Muster und Gewohnheiten. Wenn wir merken, dass wir Angst, Ärger, Schmerz, Leid erfahren … dann reagieren wir sehr oft sehr eindimensional, berechenbar.

Vielleicht noch ein Beispiel: Angstvertrieb. Es wird oft Werbung erstellt, um bei uns Ängste auszulösen, meist vor einer beliebigen Bedrohung: Jobverlust, Haus brennt ab, Krankheit, Unfall. Und zufällig hat der Werbetreibende, der die Angst bei uns erzeugt, ein Gegenmittel, vielleicht gar Versicherungen parat.

Nur gehen diese Ursachen der Ängste -also die Gefahren- ja mit Abschluss einer Versicherung nicht weg, sondern sie bleiben bestehen. Auch wenn man alle Versicherungen hat und alle mit dem RundumSorglosPacket und dem Europa Schutzbrief für alle Eventualitäten zusammen. Das Haus ist nicht besser gesichert, man ist nicht besser im Job, man wird nicht nicht krank, man verhindert durch eine Versicherung nicht einen einzigen Unfall, man mildert nur die Folgen ab.

So ähnlich ist es mit all unseren Ängsten, Ärger, Schmerz und Leid und genauso natürlich mit all unseren Träumen, Wünschen, Zielen und Idealen. Auch dabei reagieren wir sehr oft berechenbar, wir sind wie im Autopilot. Wir vergleichen uns vielleicht oder suchen noch nach Abkürzungen. Aber meist begründen wir uns nur, warum das Leben so ist, wie es ist und dass man mal müsste, könnte, sollte.

Aber wie ist das denn jetzt mit der Dynamisierung des Verhaltens? Stimmt, darum ging es hier. Stellt Euch mal vor, wir würden nun anfangen, unsere üblichen Reaktionen auf unsere Ängste zu flexibilisieren. Vielleicht merken wir dann, dass unsere Angst genau so ein flüchtiges Gefühl ist, wie unser Glück. Wir können unsere Ängste oder die Suche nach Glück unser Leben bestimmen und kontrollieren lassen oder wir entscheiden uns anders. Wir können uns die Ursachen und die Wirkungen dieser Gefühle mal genauer anzuschauen. Allein dadurch gewinnen wir eine enorme Zahl an Möglichkeiten, unser eigenes Leben selbst zu gestalten.

Die Buddhisten nennen das Loslassen. Wir können unsere Ängste loslassen, wir können das wirklich tun. Wir können unseren Traum vom Lottogewinn loslassen, ja wir können das!

Eine Warnung: Diejenigen, die bisher unsere Knöpfe gedrückt haben und von unseren immer gleichen Reaktionen ihren Lebensunterhalt bestritten haben, die können richtig sauer auf uns werden, wenn das plötzlich nicht mehr funktioniert.

Wir können uns aus Angst vor Krebs die Brüste amputieren lassen oder alle Versicherungen kündigen. Es ist immer nur unsere eigene Entscheidung, es ist unser eigenes Leben. Nur wir haben es selbst in der Hand!

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Wünsch Euch einen klareren Tag!

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