Irgendwas über Privatsphäre…

Berlin, 7:30, Tag 495

Das fühlt sich jetzt grade mal richtig schön an, wieder im guten alten Tagebuchstil, diesen Eintrag mit Ort, Zet und Zähler zu beginnen.

Heute Nacht habe ich wild und schräg geträumt, an einem Strand sollte eine Übergabe stattfinden, ich legte die Flasche oder was auch immer es war an einem steinigen Strand ab, eine entfernte Verwandte meiner Frau holte es ab, deren erwachsene Kinder assistierten der Matriarchin vorbildlich.

Ohne die Mädels habe ich sehr wenig und unruhig geschlafen, selbst meine sonst so bewährte Atemberuhigungseinschlafpseudopille half nichts. Halb 1 freute ich mich aufs Aufstehen und einen Augenblick später schlief ich doch ein und wachte ganz ausgeruht auf.

Gestern stolperte ich über einen Tweet oder irgendwas, irgendwo hier, den ich jetzt nicht mehr finde. Dort schrieb der Autor so etwas wie: Warum zeigen mir nur entfernt bekannte Menschen auf Facebook Bilder ihres Essens, ihrer Kinder und sogar ihre Körper? 

Ich dachte, es war @PeterBreuer, der wirklich grossartig twittert. Vermutlich habe ich es nur geträumt. Na jedenfalls, dachte ich daran, dass diese Frage vielleicht ein paar von Euch hier auch interessiert: wie kommt es, dass Menschen einfach so ins Internet private Dinge schreiben? Ist das die neue Offenheit, von der ich immer spreche, die mir so wichtig ist (und der ich magische Kräfte zuschreibe)? Ist das Unkenntnis oder Unwissen, wie manche meiner Freunde mein(t)en. Müssen wir und vor allem unsere Kinder nicht geschützt werden vor solch bösen Fallen?

Um die Frage zu beantworten, Menschen tuen immer und ständig komische Dinge in der Öffentlichkeit und somit auch im Netz. Ich sitze hier in einem Cafe und ca. 30 Menschen haben mir heute morgen schon ihre Klamotten und ihre Gebrechen (Brille, Verband) gezeigt und ihre sogar Vorlieben (welche Zeitung, welches Getränk, wer wird gegrüßt).

Im Netz sei das nun aber alles unauslöschlich für immer auffindbar und vor allem durch Maschinen in verschiedenen Zusammenhängen verknüpfbar, das sei das neue und gefährliche! Andere würden an mir viel Geld verdienen können, das gehört sich nicht! Und vor allem bei den Kindern, das sei ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der noch unmündigen, als ob Eltern mit Kind (in einem Cafe) nicht ständig in die Persönlichkeitsrechte ihres Kindes eingreifen (und diese für sie wahrnehmen) würden.

Es gibt tausend gute Gründe, warum man etwas ablehnt. Es gibt genau so viele Gründe, warum man etwas gut findet. Mit Offenheit meine ich, dass man anderen Menschen einfach ihr Leben lässt und nicht meint, besser zu wissen, was gut für sie ist.

Wenn jemand mich in meinem Namen vor mir selbst schützen möchte, also zum Beispiel zu stärkerem Datenschutz oder zur stärkeren Regulierung von Facebook & Co aufruft und mich mit solchen Argumenten einfangen möchte, kriege ich in letzter Zeit immer die Krise. Für mich entblößen Menschen, die im Netz ihre Ansichten, ihre Werte ausbreiten viel mehr und viel tiefer von sich, als wenn sie Bilder vom Essen, ihren Kindern oder ihren Körpern zeigen.

Meine Privatsphäre hat für mich mit Würde, mit Anstand und mit nicht diskriminierenden, also nicht trennenden und nicht wertenden Ansichten anderer Menschen auf meine Aktivitäten, mein Sein zu tun. Ich fühle meine Privatsphäre gewahrt, wenn andere Menschen sensibel und angemessen auf meine Sein, den Ausdruck all meiner Aktivitäten reagieren. Privatsphäre bedeutet für mich, dass ich selbst bestimmen kann, ob und wann ich die Meinung anderer Menschen zu mir und meinem Leben hören möchte. Das reicht von Bemerkungen zu meinen Essgewohnheiten, zu meinem Aussehen, zu meinen Handlungen bis hin zu Weiterverarbeitung von Daten, die ich produziere, zu Werbezwecken oder dem Kopieren meiner Arbeit.

Alle Regeln, alle Gesetze, alle Normen sind das Ergebnis eines Verhandlungsprozesses zwischen Menschen oder Gruppen von Menschen. Die Verletzung von solchen Regeln bedeutet für mich keine Verletzung meiner Privatsphäre, sondern erst mal nur die Verletzung von diesen Regeln. Auch die Konsequenzen einer Verletzung von Regeln liegt natürlich nicht in meinem Ermessen.

Wenn ich mir anschaue, wie heute in Deutschland oder Europa Verordnungen, Richtlinien und Gesetze gemacht werden, dann spüre ich extrem deutlich, dass jemand mein Schutzbedürfnis, meinen Selbstbestimmungswunsch, nur ausnutzt und es sich zu eigen macht, um vorrangig eigene Interessen durch zu setzen, sei es eine Lockerung von im Vergleich mit anderen Ländern restriktiven, einschränkenden Gesetzgebung für die Etablierung von neuen Geschäftsmodellen oder andere, die eine Verschärfung und Modernisierung von Datenschutz oder allgemein von Schutzrechten fordern.

Ich glaube, Auslöser dieses Posts heute war die Aktion von Richard Gutjahr und anderen, die aufgedeckt haben, das ganze EU Verordnungen zum Thema Datenschutz 1:1 Kopien von Lobbypapieren sind. Und gleichzeitig als Gegenreaktion zum Beispiel hier der Untergang des Abendlandes -ähm, das Ende des Datenschutzes- heraufbeschworen wird.

When I give you my time, I’m giving you a portion of my life, that I will never get back. So please, don’t make me regret it!
~Love Quotes And Sayings

Mit diesem weit hergeholten Zitat verabschiede ich mich nun von Euch. Wenn ich Amazon, Facebook, Google oder Apple meine Zeit schenke, dann gebe ich diesen Firmen ein Stück meines Lebens und ich erwarte von denen und auch von unseren Regierungen und Parlamenten, dass sie mich das nicht bereuen lassen. So einfach und so schwer!

2013-02-11 07.09.12-2

Ich wünsch Euch einen grossartigen Start in die neue Woche!

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