Minecraft bei Empty Sea…

Berlin, 7:37, Tag 249

Habe etwas zu kurz geschlafen. Erinnere mich nicht an meine Träume. Hatte gestern mindestens drei sehr intensive Gespräche. Meine beiden Süssen sind wieder in Istanbul. Ich fahr heut nach Hamburg.

Seit gestern läuft unser Empty Sea Minecraft Server. Zwar nur aufm Mac Mini ausm Meetingraum, aber die Performance scheint trotzdem ganz OK.

Hab meine grosse Map eingespielt in der meine U-Bahn, mein Sommerhaus, meine Farm und einige Ressourcen für einen einfacheren Start gesammelt sind.

Hab auch schon eine erste Runde gedreht. Es fehlt noch hier und da am Finetuning, so erfreuen sich plötzlich Dschungel Tiger an meinen Haustieren, das kannte ich noch gar nicht aus der – wie ich nun weiss – wohl etwas älteren Singleplayerwelt.

Bin nun gespannt, ob und wann wir die ersten gemeinsamen Erkundungen und Projekte in Angriff nehmen.

Jetzt steht erst mal noch die Jira Itegration an, für das wir unser internes Jira von 4.2 auf 5 heben dürfen. Jetzt haben wir noch einen ‘nen triftigen Grund mehr für ein Update!

Wir spielen den Server erst mal geschlossen mit ner whitelist, wer sich das also mal anschauen oder auch mal gemeinsam spielen möchte, schickt mir bitte einfach seinen Minecraft User Namen per eMail.

Mich zerreißt es…

Istanbul, 7:57, Tag 233

Früher hätte ich gesagt, ich habe heute nicht geträumt. Weil ich beim Aufwachen so viel Aufmerksamkeit auf meine Träume lege, einfach weil ich sie hier aufschreiben möchte, kann ich beim Schlafen meinem Denken zu sehen.

Also heute habe ich nicht geträumt, ich errinnere mich nur an eine Vielzahl von kleinen, irgendwie unzusammenhängenden Szenen, dich ich hätte aufschreiben müssen, um sie jetzt noch zu erinnern. Das Kurzzeitgedächtnis hat einen gnadenloser Filter, der schaltet den Zugriff aus, knallhart, auf alles, was ihm unwichtig erscheint…

So viel Entschlusskraft, so viel Fokus grade, mich zerreisst es förmlich! Aber alles und alle sind zu langsam, zu schwerfällig, zu schwierig, zu kompliziert. Aber vor allem ich selbst bin viel zu… begrenzt, beschränkt, behindert.

Ich lese in Facebook am Morgen etwas rum und sehe mir kurz Gronkh’s neueste Werke an und erstarre vor Ehrfurcht, der Typ spielt vier Games gleichzeitig: Diablo 3, Risen 2, Edna Bricht Aus und Minecraft. Nimmt alles auf, uppt (also lädt) jeden neue Folgen auf youtube und seinen Blog, kommentiert die auch noch superfrech und schlagfertig, ob er nun grade nach New York fliegt oder umzieht oder auf Preisverleihungen rumhängt! So krass!

Stolpere weiter über Sherilynn Macale, die mal eben per Google Hangout ein Interview mit Richard Branson gehostet hat und mir ausserdem noch die Augen öffnet, warum Instagram Bilder auf Facebook so wenig Interaktion kriegen: weil sie in ganz  modern unter Ausnutzung der neuen Facebook Open Graph Features in zwei Posts gesplittet werden: einmal die Anwendungs Aktivität und einmal ein Foto im Instagram Album.

Path im Gegensatz dazu, erzeugt nur ein Foto! Da muss man erst mal drauf kommen und 157k Follower haben, um zu sehen, welche Auswirkungen das hat.

Solche eigentlich einfachen Foto Sharing Anwendungen, bekommen in der Interaktion mit den grossen sozialen Netzwerken und über die Zeit eine Komplexität, und eine Abhängigkeit von einander, die mich einfach nur furchtbar erschreckt!

Fühle mich sofort als absoluter Laie, als blutjunger Anfänger, als überhaupt Nichts-Wissender. Und es gibt keine Abkürzung, keinen Zauberspruch, um irgend welche Dinge erledigt zu kriegen, man muss es einfach nur tun, und es immer wieder aufs Neue probieren…

Da fallen mir Glück zwei Tweet ein, die ich letztens gefavt habe:

Und mit einem Bild vom Sonnenaufgang voller kreischender Möwen…

…verabschiede ich mich angespannt lächelnd in den Mittwoch.

PS: morgen schau ich mir wieder nur Twitter an! Facebook ist mir zu heftig… ;-)

Es gibt nur Details…

Istanbul, 7:16, Tag 162

Heute ist mein letzter voller Tag hier, ich spüre die Unruhe der Reise und der Veränderung bereits und doch habe ich schön geträumt und vergessen…

Eben ganz kurz die Homepage von Spiegel Online durchgescrollt und bei diesem Artikel über Frank Lloyd Wright hängen geblieben. Gar nicht gelesen, sondern gleich weiter zu seinem wunderbaren Sommerhaus “Fallingwater” geklickt.

Bildquelle: cc by jaqueline.poggi

Tolle Architektur hat mich schon immer fasziniert und kann sofort meine Seele berühren. Wie bei Musik entsteht auch bei Architektur eine Verbindung zwischen Menschen auf einer Ebene, die sich der Beschreibung mit Worten und Konzepten entzieht.

Ich suche ständig nach neuen Projekten und Ideen, auch nach Anregungen für Bauvorhaben und habe Lust bekommen, dieses Fallingwater in Minecraft nachzubauen: Hach, schon wieder Computerspiele, das ist nichts für mich… höre ich da Eure inneren Stimmen flüstern?

Man kann eine ganz wichtige Erfahrung in diesem Spiel machen, die man natürlich auch ausserhalb des Spiels macht, nur dauert es dort meist länger und ist nicht so einfach klar zu erkennen:

Meist entwickle ich eine Vorstellung davon, wie etwas aussehen soll, was ich haben möchte, wie etwas funktioneren könnte… eine Ursache dafür ist meine Entschluss- oder Willenskraft, die mich Dinge erschaffen lassen möchte. Meine Wohnung, mein Schreibtisch, mein Auto, mein Projekt sind so die klassischen Dinge, die ich gestalten kann.

Nun entwickle ich also eine Vorstellung davon, wie mein zB Arbeitszimmer aussehen soll und dann mache ich mich an die Arbeit und merke, dass die Wandfarbe nicht meiner Vorstellung entspricht, dass der Schreibtisch nicht ideal ist, eine Lampe fehlt, etc. usw. und mache einen Plan, wann ich was wie kaufen, bauen, besorgen will, um mein Arbeitszimmer so zu gestalten, dass es meiner Vorstellung entspricht. Meist dauert das jetzt alles etwas, es zieht sich hin. Wer schon mal in einem Möbelhaus sein Traumsofa gesehen hat und es auch gekauft hat, weiss wovon ich rede… Lieferzeit 6-8 Wochen, weil grade Betriebsferien sind, eher 8 Wochen ist die frustrierende Erkenntnis, nachdem man bereits viel Geld sofort überwiesen hat. Ich verliere also relativ schnell die Lust. Wenn ich jetzt nichts aufgeschrieben habe, wie ich mir mein Arbeitszimmer vorstelle, dann kann es schnell passieren, dass ich in 6 Wochen etwas unglücklich mit dem Sofa bin, weil die Lampe, die ich in der Zwischenzeit geschenkt bekommen habe, so überhaupt nicht dazu passt.

Ich rede von der Erfahrung, dass das Realisieren unserer Vorstellungen erstens Zeit in Anspruch nimmt und zweitens aus einer Vielzahl von kleinen Schritten und Teilen zusammen setzt. Und dem schliesst sich eine weitere Erfahrung an: dass sich meine Vorstellungen sich im Laufe der Zeit ebenfalls ändern (was übrigens genau der Ursprung unseres Firmennamens Moving Targets Consulting ist).

Das Minecraft Spiel hat kein eigentliches Ziel, man landet in einer zufällig generierten weitestgehend leeren, unbebauten Landschaft und steht dort erstmal einfach so rum. Das Spiel bietet etwas Unterstützung: ein Unterschlupf wäre zu bauen, etas Beleuchtung und Essen wären zu finden, denn Nachts kommen böse Gestalten und man stirbt und fängt wieder von vorne an. Natürlich, es ist ein Spiel, kann man die bösen Gestalten auch abschalten… nur, dann steht man eben ohne Angst vorm Sterben komisch in der Landschaft rum.

Eine Minecraft Welt besteht aus lauter kleinen quadratischen unterschiedlichen Blöcken. Alles ist daraus zusammengesetzt. Es gibt Erde, Sand, Holz, Stein, Kohle, Eisen Blöcke, selbst für Wasser gibt es einen “Block” in Summe wohl etwas über 100 verschiedene Blöcke. Nun kann man sich aus einem Holzblock, Bretterblöcke machen, aus Bretterblöcken wiederrum einen Werktischblock, aus dem Werktischblock kann man sich durch Kombination von Holzstöcken (die man aus den Bretterstapeln gemacht hat) und Steinblöcken, eine erste Axt oder auch eine Hacke bauen. Mit der Hacke wiederum kann man schneller Steine sammeln, was ohne die Steinhacke einfach länger dauert. Und so weiter und so fort… das ist das Prinzip!

Wenn ich mir nun vornehme, dieses heute morgen gefundene und für toll befundene Fallingwater Haus auch haben zu wollen, dann ist dieser Traum in Minecraft zumindest realisierbar. In echt kriege ich das wohl nie hin, ich bräuchte einen echten Fluss, eine echte Baugenehmigung, einen so tollen Architekten wie Wright, viel Zeit und Geld und überhaupt… ich echt würde ich das gar nicht wollen!

Was nun aber in Minecraft passiert ist, dass ich merke, obwohl die einzelnen Schritte alle super simpel sind und ausschliesslich aus einer Kombination von einzelnen Blöcken bestehen… ich vielleicht so ein, zwei oder drei Stunden brauchen würde, um dieses Haus dort nach zubauen. Und ich merke, dass mir die Vorstellung davon fehlt, wie es genau aussehen wird, und was die Essenz dieser tollen Architektur ist, dass also selbst das Kopieren in einem Spiel gelernt sein will. Ich brauche für dieses Spiel jede Menge Planung, Koordination und eben auch viel nachhaltige Entschlusskraft, um dieses Designerhaus in Minecraft nachbauen zu können.

Und auch, dass es Rückschläge geben wird, weil es einfach nicht so funktioniert, wie man es sich vorstellt oder man doch nicht alle Blöcke in ausreichender Zahl hat und man sich erstmal wieder auf die Suche machen muss… dass es eben stat 3 nun 6 Stunden dauern wird, so viel mehr Arbeit dahinter steckt, als am Anfang zu erkennen war. Und der Berg dahinten auch noch weg müsste, weil er den Sonnenaufgang in der Bucht verdeckt… etc. usw.

Dabei bin ich ständig versucht – statt geduldig einen Block mit dem nächsten zu kombinieren – sogenannte Mods oder Cheats zu suchen. Statt einfach in Ruhe die Dinge weg zu arbeiten, würde ich manchmal meine Zeit lieber einsetzen, um die vom Spiel gesetzten Regeln zu umgehen, um damit mein Ziel – das Fallingwater Haus – schneller, auf anderem Wege zu erreichen.

Und gerade habe ich gesehen, dass es das Fallingwater Haus sogar schon als Lego Edition gibt. Ja, auch das macht Sinn. Lego ist sehr verwandt mit dem Minecraft Spiel… sehr verwandt mit dem echten Leben! Auch spannend, aus nur 811 Details besteht das Lego Fallingwater Haus übrigens.

Was ich heute hier einfach mal ausbreiten musste, ist die immer wieder kehrende Erfahrung, dass unser Leben aus einer unendlichen Anzahl von kleinen Details besteht. Selbst das tollste Haus, die beste Software, die erfolgreichste Firma – alles besteht aus einer Vielzahl von kleinen, einzeln anfassbaren, begreifbaren Details, die irgendwann mal durch irgendwen auf eine bestimmte Weise kombiniert worden sind, denn… es gibt nur Details!

Es gibt eine Minecraft Jira Integration, na klar!

Istanbul, 9:18, Tag 158

Heute habe ich gegraben, in komischen Löchern, die vom Einsturz bedroht waren. Es war eine Art Test oder Prüfung, jemand schaute immer von oben zu, wie ich mir einen abbrach… mehr als dieses Bild und das zugehörige Gefühl sind nicht geblieben von meinem Traum. Vermutlich habe ich mir den Traum aus Minecraft geborgt.

Apropos, unser Gerald hat mir letzte Woche schon einen Tip gegeben, dass unser Tasktracking System Jira nun mit der Version 5 eine offene API bekommt. Zur Demonstration gibt es eine Minecraft Building Tasks Integration, die mich absolut umgehauen hat:

Das macht so etwas von Sinn! Wir hatten die spontane Idee einen eigenen Empty Sea Minecraft Server auf einer VM aufzusetzen und zB allen Bewerbungsgesprächen eine halbe Stunde gemeinsames Bauen in Minecraft vorweg zu schicken. Oder wir könnten all unseren Tasks eine Entsprechung in Minecraft geben, so dass wir zB Zeitbuchungen einfach in Form von Bauvorhaben vornehmen: 15min = 1 Block, verschiedene Blöcke könnten ja sogar die unterschiedlichen Stundensätze repräsentieren usw.

Mit diesem Gedanken und einem Blick von meinem Weg ins Büro verlasse ich mein Tagebuch für jetzt und heute…

und wünsche Euch einen tollen Freitag!

Statt Tagebuch: Über Kulturelle Phänomene

Istanbul, 8:13, Tag 50

Was hab ich heute geträumt? Ja, ein schöner Traum war’s, daran erinnere ich mich noch. Bin um 6 vom “Ich werd jetzt heiss”-Knacken der Heizung mitten im Traum wach geworden und hab mich sehr gefreut, noch eine Stunde liegen bleiben zu können. Jetzt – nach Duschen, Aleyna fertig machen und zum Bus bringen – ist noch die Erinnerung an eine schwebende Insel vorhanden. Von der bin ich zusammen mit meinem Vater abgeholt worden, um eine Design Agentur in einem wichtigen Meeting incl. deren Chefetage zu treffen. Eine mittelschwere Dame sorgt dafür, dass wir an alles denken, alles einpacken, noch einen Kaffee kriegen und dann den Lift zur Erde finden und auch bedienen können. Unten wartet ein Motorrad auf uns und ich wache auf.

Und was war gestern? Ein ruhiger Arbeitstag im Homeoffice mit Telefonaten nach Hause, Vorbereitung der mtc Strategiekonferenz, weiteres Einrichten meines Macbooks, Erforschen des Online DATEV Zugangs, dann eine Porsiyon Döner im Durak Bufe. Am frühen Nachmittag, einmal quer durch Istanbul mit Metro, Funikular und Strassenbahn bis nach Sultanahmet, wo in Aleynas altehrwürdiger Schule ihr Laternenfest statt fand. Selbstgebastelte Laternen, selbstgebackener Zopfkuchen und aufgeregte Lehrer und Kinder.

Abends bin ich dann, statt ein Buch zu lesen, einmal komplett durch meinen Google Reader geflogen… hab versucht, alle Posts des Tages zu lesen (allein die Amis haben über Nacht schon wieder 138 neue produziert *uff*) und bin bei Johnny’s Minecraft Post hängen geblieben.

Ich kann nur empfehlen, sich dieses Phänomen mal anzuschauen, auch die ersten Kommentare unter dem Post sind ganz interessant. Sogar Aleyna hat mit mir zusammen bereits ein paar Runden Minecraft hinter sich. Dafür hatte ich ihr aber auch eine schöne Villa auf einen Hügel incl. Baumhaus und Brunnen im Wohnzimmer und auf der Terasse gebaut.

Und sie lief rum und hat das Konzept relativ schnell verstanden, war völlig begeistert. Natürlich hatte ich die Creepers, Zombies und Spinnen abgestellt, die doch etwas arg gruselige Geräusche für 5-jährige Damen machen. Eben hatte ich das Spiel für den Screenshot hier wieder installiert und werde nun vorsichtig sein müssen, man verliert schnell ein paar Stunden im Erforschen der nächsten Höhle oder beim Bau eines neuen extravaganten Häuschens im Kreativmodus. Dabei fiel mir auf, dass ich noch gar keinen Artikel hier über Minecraft verfasst habe… krass!

Also, hier noch mal als extra Absatz die Empfehlung zum Dienstag: Versucht, dieses absolut einzigartige, kulturelle Netzphänomen zu verstehn. Warum entstehen eine Vielzahl von kleinen und größeren Gemeinschaften oder Communities rund um das relativ simple Spiel eines Entwicklers, ohne Marketing und fast völlig ohne Beachtung durch die traditionellen Medien. Was sind die tieferen Ursachen, was sind die mittelfristigen Folgen?

Zum Schluss vor dem traditionellen Guten Morgen Bild noch die Wiederholung eines mittellauten Glücksschreis. Gestern Abend habe ich folgende Mail bekommen:

Hammer, oder? Instagram ist ja auch so ein kulturelles Phänomen, das ich durch Mitmachen verstehen wollte und nun Teil meiner kulturellen Identität geworden ist. Aber nun darf ich mich für zwei Photos entscheiden, eines von Berlin und eines von mir, das wird super spannend! Und dann noch je 2-3 Sätze dazu schreiben, noch spannender… ich glaub, da mach ich gleich mal einen Termin mit mir! ;-)

Wünsche Euch einen herrlichen, spannenden Dienstag, ohne Creepers!

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