Mich zerreißt es…

Istanbul, 7:57, Tag 233

Früher hätte ich gesagt, ich habe heute nicht geträumt. Weil ich beim Aufwachen so viel Aufmerksamkeit auf meine Träume lege, einfach weil ich sie hier aufschreiben möchte, kann ich beim Schlafen meinem Denken zu sehen.

Also heute habe ich nicht geträumt, ich errinnere mich nur an eine Vielzahl von kleinen, irgendwie unzusammenhängenden Szenen, dich ich hätte aufschreiben müssen, um sie jetzt noch zu erinnern. Das Kurzzeitgedächtnis hat einen gnadenloser Filter, der schaltet den Zugriff aus, knallhart, auf alles, was ihm unwichtig erscheint…

So viel Entschlusskraft, so viel Fokus grade, mich zerreisst es förmlich! Aber alles und alle sind zu langsam, zu schwerfällig, zu schwierig, zu kompliziert. Aber vor allem ich selbst bin viel zu… begrenzt, beschränkt, behindert.

Ich lese in Facebook am Morgen etwas rum und sehe mir kurz Gronkh’s neueste Werke an und erstarre vor Ehrfurcht, der Typ spielt vier Games gleichzeitig: Diablo 3, Risen 2, Edna Bricht Aus und Minecraft. Nimmt alles auf, uppt (also lädt) jeden neue Folgen auf youtube und seinen Blog, kommentiert die auch noch superfrech und schlagfertig, ob er nun grade nach New York fliegt oder umzieht oder auf Preisverleihungen rumhängt! So krass!

Stolpere weiter über Sherilynn Macale, die mal eben per Google Hangout ein Interview mit Richard Branson gehostet hat und mir ausserdem noch die Augen öffnet, warum Instagram Bilder auf Facebook so wenig Interaktion kriegen: weil sie in ganz  modern unter Ausnutzung der neuen Facebook Open Graph Features in zwei Posts gesplittet werden: einmal die Anwendungs Aktivität und einmal ein Foto im Instagram Album.

Path im Gegensatz dazu, erzeugt nur ein Foto! Da muss man erst mal drauf kommen und 157k Follower haben, um zu sehen, welche Auswirkungen das hat.

Solche eigentlich einfachen Foto Sharing Anwendungen, bekommen in der Interaktion mit den grossen sozialen Netzwerken und über die Zeit eine Komplexität, und eine Abhängigkeit von einander, die mich einfach nur furchtbar erschreckt!

Fühle mich sofort als absoluter Laie, als blutjunger Anfänger, als überhaupt Nichts-Wissender. Und es gibt keine Abkürzung, keinen Zauberspruch, um irgend welche Dinge erledigt zu kriegen, man muss es einfach nur tun, und es immer wieder aufs Neue probieren…

Da fallen mir Glück zwei Tweet ein, die ich letztens gefavt habe:

Und mit einem Bild vom Sonnenaufgang voller kreischender Möwen…

…verabschiede ich mich angespannt lächelnd in den Mittwoch.

PS: morgen schau ich mir wieder nur Twitter an! Facebook ist mir zu heftig… ;-)

Warum pinterest.com so toll ist…

Berlin, 6:19, Tag 116

Heute von einem Hotel geträumt, zusammen mit A., den ich schon lange nicht mehr gesehen habe. In einer Szene kommen ca. 30 Jugendliche in das Zimmer und verteilen sich, laufen rum, schauen alles an und ich habe Sorge um meine Sachen und überlege, was alles draussen liegt und einfach mitgenommen werden könnte. Ich rufe die Rezeption an und versuche mich zu beschweren, aber von dort kommt nur professionelles Zuhören und Verständnis und ich bräuchte doch Hilfe. Ich wache weit vor dem Wecker auf und geniesse noch eine ruhige Stunde…

Gestern habe ich so viel geschrieben, fast drei Themen zusammen, habe das Gefühl in einem Post immer nur ein Thema schreiben zu sollen oder eben Tagebuch… aber Themen, die mich beschäftigen und Tagebuch zu trennen, geht auch nicht.

Deshalb heute noch eine Vertiefung zu pinterest.com. Ich habe die Screenhots hier in einer Flicker Slideshow hochgeladen. Und auch noch einige andere interessante neue Anwendungen. Mich begeistert, diese neue Art von Anwendungen im Netz sehr. Wir arbeiten gerade an der Spezifikation unseres Socialize the Patent World Projektes. Und dort sind genau diese Fragen zu stellen, die pinterest & co bereits beantwortet haben. Pinterest ist deshalb interessant, weil sie viele Elemente, die das curating, sharing und collecting von Inhalten betreffen, sehr elegant gelöst haben.

Zum Beispiel, das Suche und Finden von interessanten anderen Menschen und Themen zum Folgen, so ähnlich könnte man auch Technischen Feldern oder Wettberbern, Erfindern folgen können, wenn man sich statt gefundenen Bildern im Web, eben gefundene Patentdokumente in EspacenNet vorstellt.

Oder auch das Erzeugen von Listen, ist wunderbar einfach und elegant, ganz klar, einfach und verständlich gemacht. Das kann jeder und ich habe keine Sekunde das Gefühl, das ich früher immer beim Erzeugen von Ordnern oder Kategorien im Mailprogramm oder auch auf der Festplatte hatte. Sie geben Beispiele, erzeugen schon mal leere Ordner=Pinboards, zeigen daneben die von anderen zu ähnlichen Themen gefüllte Pinboards.

Solches sehr durchdachte Design, konzeptionell klar und handwerklich brilliant umgesetzt, legt die Latte für alle anderen Webseiten, die neu entstehen gerade sehr hoch. Ich glaube fest, dass Menschen heute keine umständliche Bedienung von Software/Programmen oder Datenbanken lernen sollten … aber wenn sie einmal gelernt haben, mit den heutigen komplexen Systemen umzugehen und dann merken, dass sie damit gegenüber anderen einen Vorteil haben, der im Falle von Patentrechercheuren sogar zum Lebensunterhalt reichen kann, dann halten sie manchmal sehr daran fest und verteidigen die komplexe Art der Erschliessung von Inhalten mit Händen und Füssen. Sie begründen (und jammern dabei eigentlich), warum das immer so bleiben muss, warum es niemals einfacher gehen wird, warum das eigentlich noch niemand geschafft hat, dieses ach so schwierige Thema endlich mal vernünftig zu lösen. Dies gilt es zu überwinden!

Ein letztes, auf das ich noch hinweisen möchte… auch Pinterest hat von Beginn an, das frictionless sharing integriert.

Ich habe gestern eine neues Bild der Nasa von der Erde gefunden und über das pinterest bookmarklet an meine virtuelle Pinwand geklebt. Also das gemacht, was der Sinn dieser Plattform ist, mir quasi ein Lesezeichen angelegt, ein Eselsohr in die Seite der Nase mit dem Bild gemacht.

Das Ergebnis ist ein Bild an meiner Pinwand, das andere “Repin”nen oder kommentieren könnten.

Und in meinem Activitystream wird für mich und andere diese Aktion eingetragen, hier im folgenden Bild zu sehen, sind dort alle Aktionen, die ich gestern Abend auf der Plattform ausgeführt habe.

Das spannende ist, dass diese Aktionen auch nach Facebook übertragen werden, dort gibt es in meiner Timeline ebenfalls eine kleine Box mit meinen aggregierten Aktivitäten auf pinterest:

Und Henry hat dann gestern Abend noch auf Facebook meine Aktion gesehen und kommentiert.

Die Einbindung von Facebook erfolgt übrigens über die Open Graph API, die es ermöglicht durch Aufrufe von URL’s diese Art von Integration einer Anwendung in Facebook zu erreichen. Ich hatte das hier sogar schon mal kurz angedeutet…

So, nun schnell einen Kaffee und dann zum Rotary Sunrise Meeting! Wünsche allen einen grossartigen Freitag…

 

Facebooks neues Timeline Profil

Gleich heute morgen – noch beim Duschen – fiel mir die gestern Abend gestartet f8 Konferenz ein und ich freute mich schon auf das Aufklappen des Laptops.

f8, das ist die jährliche Facebook Konferenz, die ich immer mit Spannung erwarte und die – so scheint mir – auch für Facebook extrem wichtig ist, weil sie erstens dazu dient, neue Dinge vorzustellen – sich also Aufmerksamkeit und Lob für die Arbeit des vergangenen Jahres zu holen und zweitens die Reaktionen dann, die zukünftige Entwicklung maßgeblich mit bestimmt. Wer ausserdem mal geniale amerikanische Selbstvermarktung erleben möchte, der sollte sich die Videos einfach mal anschauen, die Jungs und Mädels verstehen sich echt auf die Erzeugung von weitreichenden “Reality Distortion” Feldern.

Bei Pete Cashmore, dem 26jährigen Gründer von mashable.com… ähmm, nein, eigentlich eher bei seiner Freundin und Camera+ Macherin Lisa Bettany ist mir das neue Timeline Feature von Facebook zuerst ins Auge gefallen, ganz schnell habe ich der Anleitung auf Mashable gemäß, die App eingerichtet und berechtigt und bin dabei kurz vor Ehrfurcht erstarrt, als ich mir die Open Graph Gestaltungsmöglichkeiten angeschaut habe… das ist so genial, das ist einfach unglaublich genial, was dort abgeht.

Hier nun einfach ein paar Screenshots kommentiert, das muss heute festgehalten und gepostet werden. Für mich sind solche Tage echte Meilensteine der digitalen Revolution, in der wir uns gerade befinden. Mit der Vernetzung von über 800 Millionen Menschen in einer einzigen Anwendung beginnt ein neues Zeitalter… diese Entwicklung ist un-umkehrbar und Facebook ist massgeblich daran beteiligt, ob man nun bei Facebook ist oder nicht, ob man Facebook mag oder nicht. Facebooks Ingenieure setzen neue Maßstäbe: technologisch und sozial.

Los gehts:

Also wenn man der Anleitung folgt erzeugt man eine neue Anwendung und bearbeitet die Open Graph Einstellungen für die Anwendung. Dabei hab ich diese Einstellungsmöglichkeiten für neue Anwendungen das erste Mal überhaupt gesehen und bin mehr als beeindruckt.  Man kann die Activity Stream – bzw bei Facebook ja eher Newsfeed – Einstellungen komplett und frei konfigurieren, das geht soweit – dass man die Zeit-, Einzahl-, Mehrzahlformen der Verben des Activitystreams ausserhalb der Anwendung frei definieren und damit jederzeit supereinfach ändern kann. Das alleine ist der Kracher, wenn man darüber nur ein wenig nachdenkt…

Das hat alles nur indirekt was mit der neuen Profil Timeline zu tun, aber zeigt es doch die technologischen Grundlagen oder auch Informations Architektur, nach der die Anwendungen aufgebaut sind und nach denen auch die neue Timeline funktioniert. Die Jungs bei Facebook denken offen und verteilt… verstehen alles was sie tun, immer auch als Plattform für andere Entwickler, das ist der Ausgangspunkt aller ihrer Überlegungen. Sie setzen damit meiner Meinung die neuen Standards fürs Web – die in Ihrer Bedeutung ähnlich wichtig sind, wie Netscape vor 17 Jahren einen “neuen Standard” mit der Veröffentlichung des ersten Web Browsers geschaffen hat. Und egal, ob man das mag oder nicht… es passiert grade, die Erfindung ist nun in der Welt und wird nicht mehr weggehen, ob Facebook erfolgreich damit sein wird oder nicht, ist dabei völlig zweitrangig. Diese Art sich selbst als Plattform zu denken, die Art tief sozial integrierte Anwendungen zu schaffen ist das revolutionäre dabei!

Das sieht man auch hier an der Zusammenfassung der OpenGraph Einstellungen: Action Type, Object Type und deren Aggregationen kann man hier sehen. Dabei denke ich an die Standardisierungsbemühungen von u.a. Chris Messina für den Activity Stream, die ich voll unterstütze – ich wünsche mir sehr, dass die grossen Social Networks diese Standards in Zukunft integrieren, so dass die Kultur des Teilens und Offenheit auch anderen Anbietern ermöglicht wird.

Ok, zurück zur Time Line: nach der Einrichtung der App und einem Kaffee bekomme ich die Einladung zur Beta Version, die ich natürlich mit einem freudig gespannten Klick auf “Get It Now” bestätige.

Hier ist sie also: man achte vor allem rechts oben auf die Zeitlinie, dort kann man einfach drauf klicken und bekommt nach wenigen Augenblicken die Posts, Bilder und Aktivitäten des jeweiligen Jahres angezeigt, super smooth und elegant gemacht… all mein Facebook zum Durchscrollen entlang einer Zeitline. Das ist doch einfach nur genial gemacht…

Das neue Statusbox sehe ich auch etwas skeptisch. Viele werden sich daran aufhängen können bzw. werden viele Menschen, die das nicht reflektieren und nicht wissen, was sie hier auf Facebook eigentlich tun, wieder noch mehr Informationen in die Anwendung tippen, als ihnen gut tut. Die Einstellungen zu Privatsphäre sind schon komplex geworden, die Pflege von Listen ist auch noch nicht Jedermanns Sache. Aber natürlich ist das letztendlich einfach nur konsequent, was hier gemacht wird mit der Statusbox. Neben dem klassischen Status, Photos und den Orten gibt es jetzt neu noch fünf Symbole. Wenn man auf die klickt, kriegt man Anregungen für Ereignisse, die es wert sich mit seinen Freunden und Bekannten (mit seinem Netzwerk) geteilt zu werden. “Hatte eine Operation, brach mit einen Knochen, bin verlobt, bin verheiratet, füge ein Auto hinzu, habe ein Haus gekauft…” usw. ja, das ist einfach nur konsequent.

Zwei Gedanken hatte ich sofort: mein letzter Knochenbruch – toi toi toi war 1990, da gabs noch nicht mal Internet. Ich hab also noch keine Chance, den dort zu erfassen… und zweitens sicher etwas makaber: dem Schreiber meiner Grabrede wird es echt leicht fallen, ein paar Anekdoten aus meinem Leben einfliessen zu lassen. Spiegel titelt grade: Facebook will Lebensarchiv werden und bedient damit einfach nur Vorbehalte… ich glaube, dass die Redakteure beim Spiegel es wirklich schade finden, dass sie nicht mehr die einzigen Chronisten unserer Zeit sind, sondern man bei einem Rückblick nun nicht nur noch Zeitungsartikel, sondern auch Blogposts und Statusmeldungen haben kann. 

Und wieder zurück zur neuen Time Line. Bis zum 30.9.2011 ist die Timeline in der Betaphase, ich kann sie nun durch gehen und unliebsame Posts verstecken oder eben andere Hervorheben, das ist wie fast immer bei Facebook einfach und elegant gelöst, an der richtigen Stelle mit wenigen Klicks erreichbar, sehr einfach und intuitiv.

Und so sieht meine fertige Timeline nun aus… sehr schick, oder?

Wer auch schon mal schauen möchte, einfach dem Link zur How To Artikel von Mashable folgen. Und wer das nicht möchte, diskutiert mit mir vielleicht hier in den Kommentare oder drüben auf Facebook warum nicht… freu mich drauf!

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