Willkommen in Stuttgart…

Stuttgart, 7:56, Tag 267 (noch 97 Tage)

Geträumt vom Gespräch mit einem Kunden. Sie bezahlen in Zukunft die Steuern für uns und wollen uns deshalb komplett übernehmen. Er ist falsch freundlich, wie immer. Das Argument stimmt sicher nicht, da ist was im Busch… Ich unterhalte mich mit anderen und fühle mich immer unwohler. An einem Ballon am Seil hängend gleite ich aus der Szene. Durch Gedanken zu steuernd, gleite ich zusammen mit G. dahin, über ein Feld, knapp an Pappelbäumen vorbei landen wir. Ein Parkhaus, der Eingang verschüttet, zugemüllt und das Treppenhaus so niedrig, dass ich es auf allen vieren krabbelnd frei räume. Auf halber Treppe kommt von unten ein gehetztes Reh und schaut mich aus grossen Augen an und stürzt sich todesmutig an mir vorbei ins Freie, es folgen ein Hirsch und ein Rehbock. Eine Geschäftsfrau erscheint die meine Fische füttern möchte und mich um Futter bittet. Ich schicke sie ins Dorf. Nach 10min Fussweg dort gibt es Poğaça (eine türkisches Brötchen). Ihr ist es zu weit und ich wache zu früh auf und fotografier den Sonnenaufgang vom Hotelzimmer aus…

Heute halte ich hier auf dem Tag der gewerblichen Schutzrechte den Schlussvortrag gegen halb 5. Ich bin nicht so aufgeregt, wie in Ilmenau und mache mir schon Sorgen, dass deshalb nachher die Anspannung fehlt. Klassische Selbstsabotage. Auch fühle ich mich schlecht vorbereitet, was wohl auch Quatsch ist, weil ich wohl keinen Vortrag in meinem Leben öfter gehalten, stärker variiert und weiterentwickelt habe, also mich nie intensiver mit den paar Slides auseinander gesetzt habe, wie mit diesen.

Den Fokus zu entwickeln, scheint schwierig heute. Das Programm richtet sich an ein reines Fachpublikum: Besichigungsverfügungen, White-Spot-Analysen, Änderungen im US-Patentrecht, Herausforderungen einer Patentabteilung, Verzahnung von F&E und Patentmanagement, optimaler Produktschutz, International schützen, national anmelden  und dann ich mit Was haben Soziale Netzwerke mit Patenten zu tun? Und meiner Standardantwort: noch nix, aber das wird sich ändern und genau deshalb stehe ich hier!

Wer hier ab und zu mitliest, der weiss, ich baue gerne individuelle Einleitungen zu meinen Vorträgen, die ich dann nicht halte, weil ich spontan doch was ganz anderes erzähle.

Diesmal habe ich für die Einleitung, seit Jahren mal wieder, zwei Tageszeitungen in die Hand genommen, die Stuttgarter Zeitung und die Stuttgarter Nachrichten. Vielleicht weil ich heute ein konservatives, regionales Publikum erwarte. Wenn überhaupt jemand anders noch von der Konferenz twittert, bin ich überrascht!

Na, jedenfalls habe ich heute Morgen ganz schön viel mit irgendwie Bezug zu sozialen Netzen und digitalem Wandel gefunden:

Rette die Kassette! Günter Schlienz gründet ein Label für die guten alten Kassetten, aber “Die Vermarktung läuft über das Internet: Blogs und Labels haben die Funktion wie früher ein Plattenladen”. Stuttgarter Nachrichten, Stuttgart Flair, S. 24

Wer E-Mails sät, wird E-Mails erneten. Anitra Eggler verrät Regeln gegen das Sinnlos-Surfen, die Meeting-Malaria und die Präsentations-Pest und macht damit per Vortrag Werbung für ihr Buch. Stuttgarter Nachrichten, Stuttgart und Region, S. 18

Sandberg neben Zuckerberg. Ist nur ne kurze Meldung, aber mit einem riesigem fast halbseitigem Bild der schicken 42jährigen Marketingchefin von Facebook, die jetzt auch im Verwaltungsrat des Börsenneulings und mit knapp 1 Mrd Mitgliedern grössten sozialen Netzwerkes der Welt sitzen wird. Stuttgarter Nachrichten, Wirtschaft, S. 11

E-Akten ersetzen bald das Papier! Die Bundesagentur für Arbeit schafft ihre Papierakten ab. Ab 3. September soll es in Baden-Würtemberg soweit sein, dann sind 22,2 Millionen Kundenakten gescannt und digitalisiert. Täglich kommen in der BA 400k Dokumente hinzu. Stuttgarter Zeitung, Landespolitik, S. 5

Flirten oder Fernsehen? Neue Leute lernt man nicht mehr zufällig kennen. Mobile oder Online-Dienste bringen Fremde für gemeinsame Aktivitäten zusammen. In Deutschland machen Millionen mit. Stuttgarter Zeitung, Aus Aller Welt, S. 10.

Microsoft übernimmt soziales Netzwerk. Der Softwareriese kauft “Yammer” für 1,2 Mrd Dollar, Stuttgarter Zeitung, Wirtschaft S. 14

Das geballte Wissen der Stadt. Rund 128000 Medieneinheiten enthält die Rathausbibliothek, die 2009 bereits geschlossen werden sollte und knapp von den Gemeinderäten gerettet wurde. Nähere Infos: http://www.stuttgart.de/rathausbibliothek, Stuttgarter Zeitung, Stuttgart, S. 24

Zum Computerspiel und zurück. Über die Durchdringung moderner Medien, Teenager entwickeln aus Computerspielen Filme, der Archivar wird zum Animateur, Grenzen zwischen den Medien heben sich auf. All das wurde in einem zweitägigen Symposium der Merz-Akademie behandelt. Stuttgarter Zeitung, Medien, S. 34

 

Wenn auf der Konferenz so gar nichts gesagt werden sollte, was sich für eine Einleitung eignet, dann werd ich wohl die Zeitungsartikel hochhalten und so etwas sagen wie: Auch wenn sie nicht bei Facebook, Xing, LinkedIn, Twitter sind, das Thema findet sie auch so und ich erklär ihnen warum, sagen.

OK, jetzt registriere ich mich mal und verabschiede mich von Euch mit einem nun doch langsam aufgeregten Lächeln…

PS: eine Werbung in Form des Ortsschildes für diese Facebookseite hängt draussen am Schillersaal, dem Konferenzgebäude heute,  nicht schlecht, oder? ;-)

Die Einleitung, die ich wohl nicht halten werde…

Ilmenau, 8:34, Tag 255

Fast vergessen, hier zu posten. Ich bin so in dem Vorbereitungsrausch zu meinem Vortrag gleich auf der PATINFO vor 400 Patent Spezialisten, dass ich vor lauter Energie und Aufregung sicher gleich platze.

Kurz und gut geschlafen, geträumt habe ich auch, nur keine Kraft ihn mir zu merken oder aufzuschreiben, zu präsent ist das Thema meines Auftritts nachher.

Jetzt kommt hier ein Text, der schon länger in meinem Laptop schlummert. Und zwar, die Einleitung zu meinem Vortrag die ich nachher sehr wahrscheinlich nicht halten werde, einfach weil ich mich noch nicht traue, diese Metapher wirklich zu benutzen…

bei meinen vorträgen über soziale netze, cloud computing, crowd sourcing werde ich ab und zu gefragt: wie machst du das nur? das ist doch privatkram, für so etwas habe ich auf arbeit keine zeit. aber am interessantesten fand ich die aussage: ich seh einfach nicht, was ich davon habe. ja, ok in xing muss man ja leider mittlerweile mitglied sein, aber facebook nein, das ist privat und twitter, das habe ich gar nicht verstanden, das ist bestimmt nur etwas für die jungen leute…

also rede ich heute nicht über facebook, twitter und die andere sozialen netze, sondern nur über moderne werkzeuge und technologien, über menschen und gemeinschaften und über schönheit und geschwindigkeit.

die drei themen: tools&technologyspeople&communityusability&design wirken heute zusammen und machen es möglich, dass sich 950 mio menschen täglich in einer software einloggen können und wie fürs privatfernsehen, einfach nichts dafür bezahlen müssen.

überlegen sie mal wie lange sie warten müssen, bis sie in ihrem elsa, sap oder lotus notes oderoderoder angemeldet sind? wie lange sie gebraucht haben, eh sie das wirklich beherrscht haben?

warum denken sie, braucht es keine facebook oder twitter schulungen, warum können das so fast alle menschen einfach so benutzen?

warum tun die menschen dort dann dinge, die sie nie vorher tun konnten, weil sie zu umständlich, zu langsam, zu schwer, zu aufwendig, zu teuer waren?

weil heute tools und technologien verfügbar sind, die schön und schnell sind und so von vielen menschen einfach benutzt werden können.

manchen menschen geht es dabei aber wie beim alkohol. sie wissen, dass es den schon eine weile gibt, sie haben ihn auch mal ausprobiert, aber haben sich gegen die nutzung entschieden. es ist aber nicht so, dass sie nicht wissen, was sie davon haben!

ich persönlich weiss das ganz genau, ich verzichte seit über drei jahren auf den geschmack, auf das gemeinschaftsgefühl, auf den leichten schleier, der sich über meine gedanken legt. ganz bewusst habe ich dafür entschieden, die vorteile, die das angebot, die erfindung und die viele mühe, die die herstellung von alkohol – einem tollen rotwein – kostet, nicht in anspruch zu nehmen.

ich grenze mich damit aus, nehme nicht mehr an dieser gemeinsamen aktivitäteil, ich schaffe aber auch identität durch die nichtnutzung. 59 bier und ein wasser für arne… wurde in der moritzbastei mal gerufen, war das 2009?

ähnlich ist es bei sozialen netzen, es gibt sie, wir wissen davon, fast alle haben sie schon mal probiert und manche von ihnen entscheiden sich nun gegen die nutzung.

aber ohne, dass man es selbst ausprobiert, kann man einfach nicht wirklich erfahren, was man davon hat oder haben könnte.

wie beschreibe ich denn meiner tochter, was alkohol ist… wie erkläre ich ihr das am besten: es schmeckt mir einfach, aber du darfst das noch nicht. na klar, dass sie mit vermutlich 14 sofort auch mal probieren will.

da haben sie es es mit sozialen netzen wie facebook eindeutig besser, die darf man schon ab 13 benutzen, und selbst sie könnten – wenn sie wissen wollen, was sie davon haben, es einfach selbst ausprobieren. versuchen, heraus zu finden was die vor- und nachteile sind.

heute kann ich ihnen nur von meinen erfahrungen beim ausprobieren, beim selbst versuchen berichten. ich kann ihnen versuchen zu erklären, was ich davon habe und wie ich mir mit diesem wissen wünsche, wie es morgen sein soll.

beim alkohol zum beispiel, kenne ich viele, die sich wünschen würden, keinen kater zu haben. so wünschen sich manche zum beispiel, dass bei facebook mitmachen können, ohne dafür ein paar private daten von sich ins internet zu stellen.

es gibt dann die anderen menschen, die sagen, nein das gehört doch dazu, wer feiern kann, kann auch arbeiten, stell dich nicht so an, wegen dem bisschen kater da.

findige forscher machen sich daran, heraus zu finden, ob man die wirkung von alkohol auch ohne dessen nebenwirkungen haben kann.

irgendwie scheint es aber so zu sein, dass viele menschen der patent industrie denken, noch nicht alt genug zu sein für soziale netze. denn, nachdem ich das ein paar jahre ausprobiert habe, ist mir aufgefallen, dass ich dort keine patentinformationen finden kann. und habe versucht heraus zu finden, woran das liegt.

nachdem ich gesehen habe, wie die sozialen netze für präsentationen, bier oder bücher alles machen, wie mächtig crwodsourcing sein kann. wie toll diese technologien sind, die dabei helfen können, dass menschen an etwas gemeinsamen arbeiten können. wieviele daten man verarbeiten kann, in welch kurzer zeit, das alles soll nichts für die patent informationen sein?

die gute nachricht ist, noch gibt es kein patentschutzgesetz, in welchem die nutzung von sozialen netzen für unsere arbeit verboten ist (ausser beim DPMA).

wie ich mir die verbindung von sozialen netzwerken im internet und patentinformationen vorstelle, darum geht es in den folgenden folien.

Wünsche allen einen grossartigen Tag!

Technologiebegeisterung und -kritik in der Patent Information

Berlin, 8:28, Tag 254

Geträumt hab ich auch! Von Verhandlungen, aber beim Augenaufschlag war der morgige Vortrag so präsent und ich sehr schnell schlimm aufgeregt, dass schnell alle weiteren Verbindungen zu meinen Träumen gekappt waren.

Und ich habe viel zu viele Folien!

Bin eben, nachdem ich einen letzten 5km Testlauf für Freitag gelaufen, 20min meditiert und meine Sachen für die nächsten drei Tage ins Auto geschafft habe, meine Folien durchgegangen und will eigentlich mit 6 neuen Folien frei vortragen, ähnlich wie in Lyon… alles andere hat doch keinen Sinn! Alles muss jetzt Neu, im Stress. Panik! Oje, das Timing, das muss ich mir dann auch noch überlegen, oder ich lass es drauf ankommen. Was sind eigentlich die Hauptthesen? Aaahhrg… also jetzt gaaaanz langsam!

Cloud Computing, Soziale Netze und Soziales Design sind Treiber von Innovationen im Internet, die ganz sicher (irgendwann) auch die Patent Informationsbranche verändern werden.

Nun ertappe ich mich oft dabei, dass ich das Neue, die Digitalisierung, die sozialen Netze sehr optimistisch sehe: die komplizierten Herausforderungen der Vergangenheit  in der Patent Industrie sind bald alle überwunden. Alles wird besser und ganz einfach, wie die Qualität wird steigen, die Quantität sinken, die Relevanz sich erhöhen, unterschiedliche Klassifizierungsysteme werden vereinheitlicht, Sprachbarrieren verschwinden, unvollständige, uneinheitliche Rechtstände gehören durch die neue Technologien endlich der Vergangenheit an, schwammige ST36 und andere Standards werden plötzlich überflüssig. Das Ende der Knappheit von IT-Ressourcen und Spezial Know How ist nahe, die Cloud, die Crowd, gutes Design lösen alle Probleme. Alles wird umsonst oder zumindest dramatisch billiger werden. Technologien wie die soziale Netze schaffen Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und letztlich Weltfrieden.

Und die Patentämter, Patent Informations Anbieter, also alle Patent Professionals nutzen die Innovationen, die dabei entstehen, heute einfach (noch) nicht für ihre Arbeit. Gaaanz Schlümm!

Ich glaube, sie denken viel zu konservativ und pessimistisch: Das geht schon bald wieder weg, das ist nur ein Hype oder alter Wein in neuen Schläuchen. Soziale Netzwerke sind doch Privatsache, die braucht niemand bei der Arbeit, deshalb haben wir Facebook und Youtube einfach mal geblockt, aus Datenschutzgründen, versteht sich. Das Eine ist doch so wie das Andere, das Neue wie das Alte. Was soll denn daran besser sein? Ich bin mit den Datenbanken, die ich habe, ganz zufrieden. Und ausserdem bin ich bei Xing, dann brauche ich nicht auch noch bei LinkedIn oder Facebook zu sein, und Google+ das ist von Google, die verdienen eh schon Milliarden mit meinen(!) Daten, das unterstütze ich nicht. Und ausserdem ist das nur Unterhaltung oder Spielzeug für Kinder, wie soll man denn damit sein Geld verdienen können. Die paar Leute, die das Neue wollen, sollen erst mal beweisen, dass es beser ist. Und die können es sich ja auch leisten, mal auf die Nase zu fallen. Wer soll das alles noch lesen? Ich habe gar nicht so viel Zeit, mich um all das Neue auch noch zu kümmern, ich sitze schon genug vorm Rechner. Einiges, was sie gesagt haben, ist ja ganz ok. Aber doch noch irgendwie auch mangelhaft und unprofessional. Das Killerfeature der alten Anwendung fehlt ja! Und wie sollen die Anderen da noch mitkommen. Unsere Kunden sind schon heute völlig überfordert mit den Informationen, die sie von uns bekommen. Dazu kommt ja auch noch, dass diese ganze Neue unsere langerprobten (wissenschaftliche, juristsche, technische), und sehr wichtig gewordenen Arbeitsweisen, unsere Werte und Gewohnheiten einfach nur zum Schlechten verändert! Früher war alles noch besser. (Auf zu Manufactum,) Denn es gibt sie ja auch noch, die guten alten Dinge.

Also, was sage ich morgen?

Ich habe keine Ahnung!

PS: Dieser Post wurde inspiriert von der tollen Kathrin Passig, die hier auf der re:publica so grossartig beide Seiten: die der Technologiekritiker und die der Technologiebegeisterten beleuchtet hat.

Vorfreude auf die heißen Themen der PATINFO in Ilmenau…

Berlin, 8:01, Tag 253

Heute Nacht war ich einkaufen mit meiner Liebsten, dann fand ich mich auf einem Motorboot wieder, mit dem wir durch ganz Kanäle gedüst sind (das kenn ich von älteren Träumen schon, hmm). Der Kanal wurde zu einer Strasse über die das Boot voll schnell geschrammt ist, abschüssig zu einem Hotel (kommt auch ab und zu vor;). Das Hotel war sehr voll und eng, viele Menschen kampierten auf den Fluren, Reisegruppen. Plötzlich Aufregung: eine Invasion des Faro Hopper könnte bevor stehen, alle müssen sich mit Schutzcreme einschmieren. Ich sehe nur ein Exepmlar eines grünen Insektes mit grossen Augen und langen Fühlern auf dem Boden sitzen zoome raus und wache auf…

Übermorgen werde ich den nächsten grossen Vortrag dieses Jahres haben, diesmal vor bestimmt 400 Patentinformationsexperten auf der schon seit Ewigkeiten (34. Jahre!) statt findenden PATINFO im schönen Ilmenau mitten im Thüringer Wald.

Ich lese mir grade die Ankündigung durch: es geht um Qualität und Quantität im gewerblichen Rechtschutz und um:

…weitere heiße Themen: open data, crowd sourcing und cloud computing.

Komischerweise sind diese Trends/Buzzwords klein geschrieben, warum nur? ;-)

Es gibt genau drei Vorträge im Programm zu den heißen Themen. Die Keynote von Richard Flammer vom EPA über Open Data traditionell im ersten Vortragsblock nach dem DPMA. Dann mein Vortrag über die Sozialisierung von Patenten am Ende des zweiten Blockes. Und den Vortrag von Jan Stütz von bluepatent über seine Ansätze von Crowd Sourcing bei Patentrecherche zum Schluss des ersten Konferenztages. Am Freitag habe ich nichts heißes mehr im Programm entdecken können.

Ich bin so gespannt und aufgeregt und würde so gerne, wie immer eigentlich, meine Folien bis zur letzten Sekunde noch überarbeiten, verbessern, aktualisieren und austauschen und kann es diesmal einfach nicht, einfach weil der Abstrakt und die Slides im Konferenzband schon gedruckt worden! Aaaaargh…

Ausserdem sind die Folien von Lyon über Open Patent Data so viel besser, knackiger! Aber leider hatte ich die im Dezember letzten Jahres, als ich den Vortrag auf der PATINFO beantragt habe, noch nicht fertig. Ich war noch nicht so weit, so klar in meinen Gedanken. Der letzte Termin zur Einreichung war zwar erst Ende April. Das waren zwar zwei Wochen nach Lyon, aber eben auch inmitten von re:publica und einem langen Seminarwochenende, ausserdem schien Mitte Juni damals noch soweit weg, dass ich die im Dezember beantragten und Ende März erstmalig eingereichten Slides einfach nicht komplett umwerfen wollte.

Auch hatte ich in Lyon das erste Mal überhaupt einen radikaleren Ansatz versucht. Ich bin mit viel weniger Folien ausgekommen und habe zB die ganze Einleitung und das ganze Fazit weggelassen und frei gesprochen. Ich werde wohl am Donnerstag auch einige Folien einfach weglassen, überspringen und sogar versuchen, vorher noch das PDF anzupassen, damit nur die Slides drin sind, die ich auch wirklich zeigen muss.

Zum Schluss heute mein erster Tweet von der PATINFO 2009:

Drei Jahre hat’s gedauert, dann wird auch auf dem Podium darüber gesprochen, yeahh!!!

Beginnen wir…

Noch Berlin, 7:16, Tag 168

Hab ich heut geträumt? Nope. Ein unrunder Sonntag gestern, der – obwohl ich um acht schon im Bett lag – noch arbeitsreich bis Mitternacht dauerte. Zumindest ist die Präsentation für heute Abend in Jena nun noch fertiger…

Habe gestern und auch heute morgen bei der Meditation gedacht, ich sollte hier meine Einleitung veröffentlichen. Die Slides, die ich leider immer noch benutze, sind ja schon länger hier zu finden. Videos gibt’s bisher nur von unseren mtc All Hands Meetings. Ich habe noch nicht auf den grossen Publikumskonferenzen gesprochen. Heute in Jena versuche ich mal, zumindest Audio mit dem iPhone mitzuschneiden, aber nur, wenn es mich nicht zu sehr ablenkt.

Also, ich mach das jetzt mal mit der…

einleitung

guten tag, mein name ist arne krüger. und ich bin seit meiner jugend absolut von computern fasziniert.

vor 25 jahren, 1987, fiel meinem vater ein computer hinter dem eisernen vorhang vor die füsse und ich konnte mit einem vorläufer von excel, supercalc, die berechnung der futterrationen unserer kühe von bleistift & taschenrechner auf computer umstellen, und damit ein 328 seiten starkes tabellenwerk ablösen.

vor 20 jahren dann, 1992 schaltete ich – im westen angekommen, in der wechselabteilung der sparkasse leer-weener – einen dort in einer ecke stehenden computer an. kein jahr später traf ich dann den kollegen wieder: er verlängerte kreditverträge. die wechsel verbuchte eine andere kollegin mit dem computer nebenbei.

ich bin überzeugt, dass das erste erlebniss mir einen knappen vorsprung verschaffte und zusammen sind sie die ursache, dass ich heute chef von 55 mitarbeitern im schönen kreuzberg bin und immer noch das gleiche versuche: meinem umfeld und mir, das leben und die arbeit zu erleichtern. informations technologie ist für mich seit diesen ersten erlebnissen keine spielerei, keine modeerscheinung, sondern meine leidenschaft und berufung.

2004 bin ich das erste mal mit der patentgemeinde in berührung gekommen. wir haben begonnen, die bundesdruckerei und das deutsche patentamt im bereich patent publikationen, patentschriftenproduktion zu unterstützen. alles was ich über patente weiss, habe ich hier lernen können.

2006 konnten wir deparom übernehmen und sind seit dem offizieller anbieter von patent informationen mit ca. 200 treuen kunden.

ich bin ein sehr neugieriger mensch und zur informations technologie gehört seit anfang der neunziger das internet dazu. aber erst im januar 2009 hatte ich ein erlebnis, welches wohl der auslöser war, dass ich heute hier bin und über soziale netzwerke zu ihnen spreche.

ca. 2 min nachdem ein flugzeug im hudson river in new york notgelandet ist, sehe ich das bild davon auf meinem telefon. ein gewisser janis hat es gerade von einer vorbeifahrenden fähre aus aufgenommen und in twitter gepostet.

es dauert vermutlich noch eine halbe stunde eh das kamerateam von cnn aktiviert und vor ort war und dann die breaking news über den fernseher und die newsticker liefen.

das internet ist für mich kein neuer virtueller raum, in dem man sich verlieren kann. sondern das internet verbindet auf neuartige weise, menschen, orte und dinge miteinander, die sich sonst nicht verbinden lassen.

nach dem hudson erlebnis begann ich, mich intensiv mit sozialen netzen zu beschäftigen und vor allem begann ich, die hintergründe, zusammenhänge und konkreten auswirkungen auf meine arbeit, meine firma und mein leben zu untersuchen.

im letzten sommer hörte ich – noch über xing – von einem startup aus berlin, die crowdsourcing und patentrecherche verbinden wollten. ich schaute mir das an und fand die idee spannend. endlich traut sich das mal jemand! technologisch finde ich das nicht besonders kompliziert oder neu, aber bluepatent.com ist eine grossartige konzeptinnovation.

nach einer erfolgreichen finanzierung auf seedmatch, einer deutschen crowdfunding plattform, nahmen wir kontakt auf und tauschen uns seitdem regelmässig aus. also vorsicht bei all meinen worten über bluepatent, ich bin stiller teilhaber mit 1.000€ und habe also ein gewisses eigeninteresse am erfolg.

heute werde ich nicht über die gefahren, über sicherheit und datenschutz oder die verschiebung von privatsphäre sprechen.

nein, ich möchte ihnen in den nächsten minuten nur erklären, warum 22mio deutsche das hochkomplexe facebook benutzen, ohne je eine schulung, ausbildung oder zertifikate dafür zu haben, und warum diese tatsache auswirkungen auch auf sie, die patent informationsgemeinde, haben wird.

mein vortrag ist in drei teile gegliedert, den ersten – die einleitung – haben sie nun schon hinter sich.

im zweiten teil erläutere ich ihnen, was ich unter crowdsourcing verstehe und stelle ihnen aktuelle beispiele vor.

und im dritten teil erläutere ich dann meine sicht auf die hintergründe und ursachen des erfolges der sozialen netzwerken und zeige ihnen zum schluss wie espacenet in 2 jahren aussehen wird.

beginnen wir…

Nun denn! Schhhh*t, bin ich wieder aufgeregt… aber was für ein toller Sonnenaufgang zur Unterstützung, oder? Nun wünsche ich allen, die es bis hierhin geschafft haben…

…einen wunderbaren Start in die neue Woche!

Statt Tagebuch: Ein Vortrag…

Berlin, 7:11, Tag 37

So, heute bin ich dann doch mal aufgeregt… eigentlich wie immer vor kleinen oder großen Vorträgen. Habe aber geträumt: ich sass mit Damen an einem Tisch, Seda links neben mir, sie haben Schmuck angeschaut, ich mich unwohl gefühlt. Und noch viel mehr, aber alles vergessen.

Ich möchte meine Vorträge eigentlich immer so eröffnen, wenn ich mehr als 30min habe und nicht nur vor meinen Kollegen präsentiere:

Meine Name ist Arne Krüger. Ich freu mich sehr, heute das tun und darüber reden zu dürfen, was ich liebe.

Zu meiner Person: ich komme aus dem Osten und habe Melker gelernt. *pause* Ich besitze einen Melkanlagenberechtigungschein und habe die Handmelkprüfung mit nur 1050g/min und der Note 2 bestanden. *pause* Dann kam die Wende und ich wurde Banker in Ostfriesland, danach Sanitäter, Rettungsschwimmer und Busfahrer *pause*

Anm.: wenn jetzt keiner aufsteht, hab ichs geschafft… :-)

Da ich mich in jedem dieser Berufe mit Computern oder Mathematik beschäftigt habe, war es nur logisch, dass ich dann in einer kleinen Beratungsfirma anfing, um meiner Leidenschaft hauptberuflich nachgehen zu dürfen: ich wurde 1995 zum EDV-Berater (wenn im Publikum jemand unter 30 ist, füge ich hinzu: Elektronische Datenverarbeitung, ja – so hiess das damals!)

1997 hatte ich das grosse Glück, mich gemeinsam mit einem ehemaligen IBM Vertriebsmanager selbständig machen zu dürfen, wir gründeten den Vorläufer der heutigen mtc in Hannover und Berlin und in den folgenden 8 Jahren lernte ich einen weiteren Beruf: Geschäftsführer.

2005 machte ich mich mit 12 Kollegen meines damaligen Berliner Teams noch einmal selbständig, seit dem gibt es die mtc. Mit heute 33 festangestellten und 18 weiteren freien Mitarbeitern, beschäftigen wir uns mit IT Forensic, Legacy System Support, Patent Informationen und der Digitalen Revolution.

Oder so ähnlich… und dann versuche ich irgendwie überzuleiten. Den ersten Teil des Vortrages von heute nachmittag habe ich eben schonmal bei Slideshare hoch geladen. Wer Lust klickt sich mal durch:

So, jetzt muss ich aber zum Amtsarzt. Der prüft jetzt, ob ich noch tauglich bin, meinen Busführerschein verlängert zu bekommen. Guten Morgen!

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