Wenn Du zweifelst, wird’s schwerer zu glauben…

Berlin, 8:07, Tag 375

Guten Morgen zusammen! Erst kommt mein Traum, der ein spannender Traum war, von dem ich vieles schon vergessen habe. Ich erinner’ mich nur noch dunkel an Kampf, an Training in einem Ferienlager, es ging natürlich ums Gewinnen, ich sollte bei einem Bauern nach etwas fragen und wache viel zu zeitig sehr erholt auf…

Dann bekam ich leichte Panik, die schnell zu einer schweren Panik wurde. Aber der Reihe nach.

Ich habe zwei ausserordentliche Termine in dieser Woche, einmal mein Vortrag auf der ICIC, für den ich mir schon die ganze Zeit überlege, wie offen, wie ehrlich, wie authentisch ich sein möchte. Das tue ich auch für den zweiten Termin am Freitag, bei dem es eigentlich nur um ein Kennenlernen geht.

Aber wie immer, mache ich in meinen Gedanken, mit Wünschen und Hoffnungen so viel mehr draus, das Unerreichbare, das Idol, die Traumvorstellung versetzen mich in Panik. Ich meine zu wissen, wie es laufen könnte, wenn ich perfekt wäre…

Denn eigentlich müssten seit letztem Freitag die Slides für den Vortrag in Hamburg am 7. November auf der EPOPIC fertig sein. Und eigentlich brauchen unsere “normalen” Termine ebenfalls meine volle Aufmerksamkeit. Und eigentlich müsste ich noch dies und das machen und schon lange gemacht haben. Und eigentlich fliege ich doch Freitag Abends schon wieder zu meiner Familie, die jetzt grade so sehr vermisse.

Versteht ihr jetzt in etwa, wie ich es schaffe, mich in Panik zu versetzen?

Dabei wurde meine Panik heute sehr schnell zu einer Machen Panik. Während ich den Anfall habe, bin ich nämlich zu gar nichts in der Lage, aber ich weiss dann ganz genau, was ich hätte machen wollen, was ich hätte machen sollen und was ich eigentlich hätte machen müssen. Meist unrealistische Gedanken, die von einer perfekten Welt ausgehen, von unendlicher Motivation, von übersprudelnder Kreativität und unendlichen Ressourcen.

Dazu erwarte ich dann, dass sich jetzt, wo ich die Panik habe, alles nur noch um mich drehen müsste! Ich weiss sofort, wer mir alles helfen kann und soll und muss, und dass die Probleme aller anderen einfach nur noch stören. Und eigentlich möchte ich erst mal nur ein ganz lautes Hiiiiilfeeee in die Welt da draussen rufen!

Ok, das ist jetzt nichts wirklich Neues für mich, ich kenn das ja schon zu Genüge, in -mich in Panik zu versetzen- bin ich wirklich gut. Dann stehe ich meist zeitig auf, auch wenn es erst kurz vor 6 an einem Sonntag ist. Zeitiges Aufstehen beruhigt mich, meine Panik und mein schlechtes Gewissen schon mal ungemein. Dann überlege ich: Laufen oder Meditieren? Es regnet zum Glück, also setze ich mich hin.

Die Panik ist dann schnell wieder voll da, statt meinen Atem zu zählen, mich zu entspannen, alles los zu lassen, plane ich dann vor, überlege und lege mir alles zurecht, alles in meinem Kopf, aber ich mache mir Notizen, mir fallen geniale Einleitungen ein, ich sehe mich gleich Mails schreiben, sehe die Slides vor mir, ich komme auf Ideen, all das während ich eigentlich nichts denken, nur sitzen und nichts machen sollte. Ich nenne so etwas dann Arbeitsmeditation, aber eigentlich könnte es auch Sitzen wie auf glühenden Kohlen heissen.

Dabei bemerke ich, wie der Regen aufgehört hat und die Wolken sich zügig verziehen und ich schlinge mein Frühstück runter. Jetzt könnte ich drei Sachen machen: ins Büro gehen und mich an des Laptop setzen oder ins Cafe gehen und mich ans Laptop setzen oder? Genau, ich mache was ganz anderes!

Dann gebe ich einfach meiner Sehnsucht nach, die ich schon seit Tagen jeden Morgen habe und für deren Erfüllung sich der Sonntag morgens um 7:00 besonders gut eignet. Und ich fahre nach Stralau, denn es gibt Sonntags gar keinen Verkehr, so dass ich statt einer halben Stunde nur knapp 15min brauche, um an einer für mich traditionsreichen Stelle, den Sonnenaufgang zu fotografieren.

Dort, neben der ersten Kita meiner Tochter habe ich im Dezember 2008 angefangen, mit meinem iPhone jeden Morgen ein Bild vom Sonnenaufgang zu machen. Der Ort hat eine magische Bedeutung für mich bekommen, ich verbinde jetzt gerade so viel mit ihm, es tut gut, ab und zu dort hin zurück zu kehren und mich zu erinnern, an den Anfang vom Ende meiner grossen Krise.

Der Sonnenaufgang ist für mich das Symbol für den Neuanfang, für den Ausweg aus jeder Panik geworden, der Beweis eines allmorgendlich möglichen Neustarts. Selbst wenn Wolken und Nebel die Sonne verbergen, so ist jeder Morgen einzigartig und auf seine Art immer schön.

Und dann wurde meine Panik schon leichter, schon weniger. Langsam kommt mein Selbstvertrauen zurück. Langsam breitet sich eine Ahnung aus, dass -wie immer es auch laufen wird- es gut sein wird, zumindest zu etwas gut sein wird.

Ich werde etwas lernen, werde schon jetzt und die ganze Zeit viele kleine Entscheidungen treffen, und werde auf jeden Fall die Energie nutzen, um etwas zu machen, irgend etwas zu schaffen.

Ob es allen gefällt, keine Ahnung. Aber ist es wichtig, ob allen gefällt, was ich mache? Ob es das Richtige ist, keine Ahnung.

Aber zu glauben, das etwas richtig oder wahr ist, funktioniert bei mir nicht mehr:

When you doubt and ask, it get’s a little harder to believe.

I can live with doubt, and uncertainty, and not knowing. I think it’s much more interesting to live not knowing than to have answers which might be wrong.

I have approximate answers, and possible beliefs, and different degrees of certainty about different things, but I’m not absolutely sure of anything, and in many things I don’t know anything about, such as whether it means anything to ask why we’re here, and what the question might mean.

I might think about a little, but if I can’t figure it out, then I go to something else. But I don’t have to know an answer.

I don’t feel frightened by not knowing things, by being lost in a mysterious universe without having any purpose, which is the way it really is, as far as I can tell, possibly. It doesn’t frighten me.

-Richard Feynman, 1981

Die Panik vorm Nichtwissen ist nun fast ganz verschwunden. Das passiert immer dann, wenn ich anfange, einfach etwas zu machen, dann bleibt von der Panik nur noch der Zweifel, vom dem Richard hier spricht.

Und dann erinnere ich mich an zwei extrem gut zu passende Fundstücke aus meinem Reader. Erst mal Wired’s Chris Anderson The Maker Movement. Und dann das hier von Claudia vor ein paar Tagen: der Kurzfilm  The Maker, den ich ohne viel mehr Worte, die sind nun alle schon gesagt, hier als Schluss des heutigen Sonntagsposts stehen lassen möchte.

Wünsche Euch ein wunderbaren Tag voller Zweifel… ;-)

 

Berichtigung: in der ersten Version i fucked up und habe ein falsches Video verlinkt! ;-)

Die Menge an Glück…

Noch Silivri, 11:24, Tag 327

Ein schöner Spielfilmtraum, dessen Details verschwunden sind. Der letzte Morgen hier ist nun vorbei. All diese letzten Dinge, die man so macht, diese letzten Gedanken, die man so denkt, bekommen eine besondere Bedeutung. Aber nur durch die besondere  Aufmerksamkeit, die sie heute bekommen. Alles bekommt ein: oh, bald geht es los. Nur ein paar Minuten noch, dann ist alles wieder anders. Einen schönen Schlusssatz für die Zeit hier habe ich heute morgen hier gefunden.

‎”The amount of happiness that you have depends on the amount of freedom you have in your heart” ~Thich Nhat Hanh

Wann immer ich mich frei fühle, frei vom Denken und Werten, von Zeit und Ort, dann sehe ich mein Glück klar und deutlich.

Nun wünsche ich Euch noch einen freien, glücklichen Sonntag!

Mich zerreißt es…

Istanbul, 7:57, Tag 233

Früher hätte ich gesagt, ich habe heute nicht geträumt. Weil ich beim Aufwachen so viel Aufmerksamkeit auf meine Träume lege, einfach weil ich sie hier aufschreiben möchte, kann ich beim Schlafen meinem Denken zu sehen.

Also heute habe ich nicht geträumt, ich errinnere mich nur an eine Vielzahl von kleinen, irgendwie unzusammenhängenden Szenen, dich ich hätte aufschreiben müssen, um sie jetzt noch zu erinnern. Das Kurzzeitgedächtnis hat einen gnadenloser Filter, der schaltet den Zugriff aus, knallhart, auf alles, was ihm unwichtig erscheint…

So viel Entschlusskraft, so viel Fokus grade, mich zerreisst es förmlich! Aber alles und alle sind zu langsam, zu schwerfällig, zu schwierig, zu kompliziert. Aber vor allem ich selbst bin viel zu… begrenzt, beschränkt, behindert.

Ich lese in Facebook am Morgen etwas rum und sehe mir kurz Gronkh’s neueste Werke an und erstarre vor Ehrfurcht, der Typ spielt vier Games gleichzeitig: Diablo 3, Risen 2, Edna Bricht Aus und Minecraft. Nimmt alles auf, uppt (also lädt) jeden neue Folgen auf youtube und seinen Blog, kommentiert die auch noch superfrech und schlagfertig, ob er nun grade nach New York fliegt oder umzieht oder auf Preisverleihungen rumhängt! So krass!

Stolpere weiter über Sherilynn Macale, die mal eben per Google Hangout ein Interview mit Richard Branson gehostet hat und mir ausserdem noch die Augen öffnet, warum Instagram Bilder auf Facebook so wenig Interaktion kriegen: weil sie in ganz  modern unter Ausnutzung der neuen Facebook Open Graph Features in zwei Posts gesplittet werden: einmal die Anwendungs Aktivität und einmal ein Foto im Instagram Album.

Path im Gegensatz dazu, erzeugt nur ein Foto! Da muss man erst mal drauf kommen und 157k Follower haben, um zu sehen, welche Auswirkungen das hat.

Solche eigentlich einfachen Foto Sharing Anwendungen, bekommen in der Interaktion mit den grossen sozialen Netzwerken und über die Zeit eine Komplexität, und eine Abhängigkeit von einander, die mich einfach nur furchtbar erschreckt!

Fühle mich sofort als absoluter Laie, als blutjunger Anfänger, als überhaupt Nichts-Wissender. Und es gibt keine Abkürzung, keinen Zauberspruch, um irgend welche Dinge erledigt zu kriegen, man muss es einfach nur tun, und es immer wieder aufs Neue probieren…

Da fallen mir Glück zwei Tweet ein, die ich letztens gefavt habe:

Und mit einem Bild vom Sonnenaufgang voller kreischender Möwen…

…verabschiede ich mich angespannt lächelnd in den Mittwoch.

PS: morgen schau ich mir wieder nur Twitter an! Facebook ist mir zu heftig… ;-)

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 1.455 Followern an

%d Bloggern gefällt das: