Ohne Widerstand…

Istanbul, 7:57, 235

Krass, heute hatte ich keinen Zugang zu meinen Träumen. Ist der dritte Tag in Folge mit 2-3h zu wenig Schlaf, es gibt einfach zu viel zu tun als ein Ergebnis, habe ich hier gestern echt fünf Posts rausgehauen – oha!

Nachher geht’s los mit der Drei Tage Istanbul Tour. Bin ruhig und aufgeregt zugleich, fühle mich verantwortlich und herausgefordert…

Gestern Abend war ich mit ganz lieben Bekannten aus Berlin noch im Sunset, einem echten Schickimicki Laden voller internationaler Geschäftsleute und lokaler B-Promis, die Damen fast alle extremst aufgestylt – Istanbul eben! Die Küche ist mehr als fantastisch, aber auch ziemlich teuer, hier wird das Publikum über den Preis differenziert.

Dabei ist der Ausblick grandios: auf den Bosphorus genau zwischen den beiden Brücken gelegen. Wer das edle, schöne, reiche Istanbul erleben will, der sollte hier unbedingt hier einen Tisch reservieren (lassen).

Neben den ganzen touristischen Aktivitäten ziehen wir im Netz – voll in der Cloud – eine neue Entwicklungsumgebung hoch und richten uns gemütlich ein.

Hier werden wir uns bis zum Jahresende tummeln und viel Zeit verbringen und hoffentlich sehr schnell Fahrt aufnehmen können. Wir haben ein Riesending vor uns und können jede Welle, jeden Ruderer, jeden Windstoss, jeden Sonnenstrahl gebrauchen, um ordentlich und noch mehr Fahrt aufzunehmen. Unsere ganzen Ansätze, Vorarbeiten, Ideen des letzten Jahres fliessen nun zusammen in ein ganz konkretes Projekt, mit ganz konkreten Anforderungen, ganz konkreten Schritten.

Ich habe oft in den letzten Tagen das Gefühl, meine Arbeitsweise wieder umstellen zu müssen: zurück zu diesem Projektmanagementkrams. Das Wort “zurück” beschreibt schon, wie  ich dazu stehe. Fühle mich inmitten einer Transformation, zu etwas ganz Neuem, einer ganz neuen Arbeitsweise, einer ganz neuen Verbindlichkeit: Rework von Jason Fried und David Hansson fällt mir dazu sofort ein. Das Vorgängerbuch wurde mir gestern geschickt. Ich hatte es – obwohl ich grosser 37signals Fan bin – bisher übersehen.

Gestern Abend nun – mitten im Gespräch über alles und nichts, beim Austausch unserer Erfahrungen und Erlebnisse, unserer Sichtweisen, Werte und beim Reden über die Dinge, die wir lieben – bekam das Gespräch ein überraschend grosse  Tiefe:

Es ging um die Überwindung unseres Bedürfnisses nach Sicherheit, also der Angst,
die so oft Antrieb für unser Tun ist. 

Es ging um die Überwindung unseres Bedürfnisses nach (dem Anhäufen von) Besitz,
mit dem wir uns so oft selbst definieren.

Es ging um die Überwindung unseres Bedürfnisses nach einem eigenständigen Selbst,
das uns so oft davon abhält genau jetzt glücklich zu sein.

Genau solche Gespräche passieren nur an Tagen, in Momenten ohne Widerstand. Danke, Åsmund, dein Wünschen hat geholfen!

  

Mit drei Bildern des heutigen Sonnenaufgangs hier, wünsche ich Euch allen auch einfach einen wunderbaren Tag – ohne Widerstand! ;-)

Planen ist Glauben…

Berlin, 7:16, Tag 130

Heute nach wenig Schlaf, aufgrund eines Excelanfalls gestern nacht. Aber ich hab geträumt, ganz schräg irgendwie von Ballett. Ich mit auf der Bühne und als der Vorhang aufging, sind die Hälfte der Zuschauer aufgestanden und haben gebuht und rausgerannt, die Ballerinas hatten Tränen in den Augen und haben doch weiter getanzt… nun scheint wohl endlich der Nussknacker aus New York in meinem Unterbewusstsein verarbeitet.

Ich wollt gestern schon kurz über Planung schreiben, denn mir ist ReWork in Form eines Auszuges bei changethis.com wieder begegnet und da ich an der Jahresplanung für mtc sitze, fiel mir natürlich gleich das Kapitel über Planung ins Auge.

Die Überschrift lautet Planning is guessing.

Unless you’re a fortune teller, long-term business planning is a fantasy. There are just too many factors that are out of your hands: market conditions, competitors, customers, the economy, etc. Writing a plan makes you feel in control of things you can’t actually control.

Ich sitze trotzdem an einem Plan! Denn wenn ich mir die Zukunft vorstelle, so hilft mir diese Vorstellung schon dabei, sie dann auch wahr werden zu lassen. Es macht virtuelle oder verborgende Sachverhalte, Zahlen, Entscheidungen scheinbar transparent, zumindest anfassbarer für mich. Das wichtigste aber, es hilft mir, verschiedene Positionen einzunehmen und unser Geschäft aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

Now, this isn’t to say you shouldn’t think about the future or contemplate how you might attack upcoming obstacles. That’s a worthwhile exercise.

Aber das ich das nur so als lohnende Übung verstehe, dass ist meinen Kollegen, Kunden oder Partnern schwer zu vermitteln: Wir haben doch einen Plan, Du hast das doch gesagt, das ist doch noch im Budget… sie fühlen sich meist unsicher, wenn ich mich nicht an den Plan vom letzten Jahr, vom letzten Monat halte. Ich kann mir das auch leisten, denken vielleicht die meisten, Du bist ja der Chef. Aber um alle zu ermutigen, sich auch so zu verhalten… auch deshalb schreibe ich das hier wohl. Denn…

When you turn guesses into plans, you enter a danger zone. Plans let the past drive the future. They put blinders on you. “This is where we’re going because, well, that’s where we said we were going.” And that’s the problem: Plans are inconsistent with improvisation.

Diese Inkompatibilität kostet viel Kraft und Geld. Festhalten an Bekanntem, an den wenigen Dingen, auf die man sich noch verlassen kann, am Plan von gestern kann extrem teuer werden! Auch hier ist Loslassen! die Lösung. Mir fällt gerade auf, das lösen im Deutschen ja wunderbarerweise etwas mit Verbindung trennen, nicht mehr festhalten zu tun hat. Also,

Give up on the guesswork. Decide what you’re going to do this week, not this year. Figure out the most important thing to do and do it.

Wenn man einmal diese Tatsache akzeptieren kann und nicht ständig alles mit alten Plänen wertet und vergleicht, dann steigt die Qualität der Arbeit und des Lebens. Denn je genauer man die Umstände betrachtet, die jetzt da sind, je klarer einem die Fähigkeiten und die Möglichkeiten der Beteiligten heute sind und je transparenter die dabei ablaufenden Prozesse sind, um so einfacher wird es, heraus zu finden, was heute wichtig ist und heute getan werden kann!

“I don’t have enough time/money/people/experience.” Stop whining. Less is a good thing. Constraints are advantages in disguise. Limited resources force you to make do with what you’ve got. There’s no room for waste. And that forces you to be creative.

Ich lese solche Auszüge in dem Buch und ertappe mich: genau! ja! so isses! klar! endlich! herrlich! Dieses Buch ist ein herrlicher Motivator, sein Leben zu leben, Dinge zu tun, das es OK ist, anders zu denken, das es gut ist, einfach zu machen und es gibt mir sehr viel Vertrauen (zurück), dass ich OK bin…

Wünsche eine tollen Freitag!

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