Ein Sonnenaufgang und das Grosz…

Heute bin ich mitten in der Nacht wachgeworden, mitten drin scheine ich noch schräger, schrankenloser zu träumen. Ich hatte einen Krampf in der Brust, so etwas wie diesen Schlaganfall, ich konnte mein iPhone noch bedienen und Siri verstand mein Gebrabbel und holte Hilfe. Dann kam ich im Krankenhaus an und sah schrecklich aus, wie eine Knetefigur, die auseinander gelaufen ist, vor allem im Gesicht. Die linke Hälfte fehlte, aber ich – ohh – das war ja gar nicht mehr ich, sondern ein mir nun fremder Patient – konnte sprechen und ihm ging es offensichtlich gut. Dann baute sich alles um und ich hatte plötzlich eine Idee, wie man viel besser mit dem Finder/Explorer arbeiten könne, ich sah eine grossartige Benutzeroberfläche zum markieren von Dateien incl. einer neuen Ja/Nein Funktion, deren Sinn sich mir nun, wach, nicht mehr erschliesst, die im Traum aber das revolutionärste überhaupt war, das worauf die gesamte Welt gewartet hatte. Und hatte es gefunden und konnte es sogar noch aufmalen, allerdings verschwand die Idee und die Fähigkeit, sie zu verstehen mit dem Öffnen meiner Augen…

Nach knapp einer Woche, ist heute der erste Morgen, an dem keine dichte, geschlossene Wolkendecke den Sonnenaufgang zu einem grauen Einerlei werden lässt. Und da mein bisheriges Lieblingscafe sich entschlossen hat, wie alle anderen Cafes hier im Kiez auch erst um Acht aufzumachen, bin ich wieder mal los in die alte Heimat nach Stralau.

Dort erwartete mich das hier…

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Kurz nach Acht, kurz nach Sonnenaufgang bei minus 11,5 Grad. Ich bin nicht geblieben, ich habe auf der Rückfahrt im Rückspiegel erst einen grossen roten Sonnenball zwischen den Häusern aufblitzen sehen, der immer gelber, immer stärker, immer leuchtender, immer kräftiger wurde. Ich fühlte das Bedauern über meine Ungeduld aufsteigen und wieder abziehen.

Ich erfreute mich an den Bildern im Rückspiegel allein. Der Wunsch des Festhaltens, des Bewahrens und des mit anderen Teilen Müssens brachte mich heute morgen in Bewegung, es gibt keinen Grund einem noch schöneren nicht geschossenen Bild hinterher zu trauern, ausser man möchte unbedingt traurig sein.

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Dann wollte ich endlich mal Gregor besuchen, an seinem neuen Arbeitsplatz, dem Grosz am Kuhdamm. Das Ambiente ist sicher sehr edel, sehr teuer, sehr gross, sehr schön, eine unglaublich aufmerksam und professionelle Gastronomie. Roland Mary, der Inhaber des Borchart’s hat hier noch ein Riesending gestartet.

In Spitzenzeiten, wenn alles voll besetzt ist, sind allein vier Barristas hinter der Cafebar beschäftigt, die die verschiedensten Kaffee- und Teespezialitäten zuzubereiten, jede einzelne mit den besten Zutaten, extrem aufwändig ausgesucht und täglich optimiert, dank der Einsicht, der grossartigen Einstellung und der langen Erfahrung von Berlins bestem Barrista.

Hier ein paar Eindrücke vom Grosz vor dem Ansturm…

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So, nun könnte ich hier, weil ich so in Prosa Stimmung bin, einfach weiter zu Euch plappern. Aber ich mache dazu wohl einfach mal neue Posts auf, also vielleicht gibts gleich noch mehr. Ansonsten sehen wir uns hier hoffentlich morgen wieder?

Wünsche Euch einen ganz grossartigen Start in dieses eisekalte Wochenende.

Keine Ruhe heute…

Berlin, 8:18, Tag 405

Heute Nacht habe ich von Brandenburger Wäldern geträumt in denen ich mit einem Bus unterwegs war. Irgendwann standen wir mit dem Bus an einem Sandweg und haben Kaffee kochen wollen und dafür Truckerwasser gesucht. Der Traum ging zu Hause mit den gleichen Personen anders weiter, aber ich komme nicht mehr an die Erinnerungen ran…

Dienstage fangen meine Meetings sehr zeitig an. Ich möchte sie eigentlich noch vorbereiten und kann mich gar nicht auf mein Tagebuchschreiben hier konzentrieren. Meine übliche Stressmechanik startet. Anstatt anzunehmen, was jetzt ist und was ich jetzt machen kann und möchte, kriege ich Stress.

Mir fällt ein, was alles zu tun wäre, was ich alles tun könnte und was alles nicht so optimal läuft. Dazu kommen ein paar Dinge, die ich erledigen wollte und noch nicht erledigt habe. Ich habe das Gefühl nur dann produktiv zu sein, wenn ich diesen Stress beim Arbeiten empfinde.

Eigentlich wollte ich heute in Ruhe schreiben, wie es ist, wenn man ein altes, gewachsenes Geschäft hat und merkt, dass es nicht mehr wächst und gedeiht, sondern sich ändert… aber das schaffe ich heute einfach nicht!

Deshalb gibt es noch ein Sonnenaufgangsbild, weil mein erster Termin hier auf Stralau war sogar ganz unüblich eines von der ganz kalten Rummelsburger Bucht…

Sonntagspausenpost…

Berlin, 8:24, Tag 403

Heute schrecklich geträumt… aber nichts, was ich erzählen möchte. Und weil heut Sonntag ist und so viel los war, mach ich heut mal Pause.

Aber nicht ohne ein Sonnenaufgangsfoto, heute wieder von der Rummelsburger Bucht zu posten.

Wünsche Euch einen grossartigen Sonntag!

Die Sonne geht unter, die Sonne geht auf…

Andalusien, 7:30, Tag 357

Heute Nacht habe ich von einstürzenden Neubauten geträumt, irgendeine Installation musste getauscht werden, es war die Waschmaschine, die neue kam an, die alte musste raus aus Ruinen, ich versuchte zu basteln, die Decke hing unten, überall Dreck und herabhängender Stahlbeton, mein Vater war mit dabei, plötzlich ein Rutsch und er wurde komplett mit ganz lockerer Erde überschüttet, eine Hand streckte er geistesgegenwärtig nach oben, die ergriff ich und konnte ihn problemlos herausziehen. Es war zu keiner Sekunde gefährlich, wir mussten das einfach so machen. Ich wurde vom Wecker geweckt und war noch sehr müde, trotz der gut 7h Schlaf…

Der erste wirkliche Tag des Trainings ist nun vorbei, ein sehr langer Tag mit -wie immer bei Johann- extrem viel Input. Ich war früh schon laufen mit Simon, zwei Runden ums Hotel, nur knapp 5km und langsam, aber für einen Restart fast genau drei Monaten Laufpause ging es sehr gut. Abends gab es einen spektakulären Sonnenuntergang, den ich in der Steilküste unter dem Hotel in allen Phasen geniessen konnte.

Eben bin ich an Meer runter gelaufen, es sind 60 Höhenmeter entweder eine lange Strasse entlang, die sich in Serpentinen nach unten schlängelt oder die kurze verfallene Treppe. 30 Treppenabsätze, 3.000 Schritte 2,5km sagt wie immer etwas großzügig mein Fitbit dazu. Es war noch stockdunkel als ich unten ankam. 30 Minuten Sitzmeditation direkt am Strand, auf Steinen, waren wunderschön. Aufregend wegen der Brandung und doch ruhig, verbunden mit dem Ort, auf harten Steinen und doch konzentriert, kühl im Wind und schon voller Vorfreude auf die Erwärmung durch den Aufstieg. Die Sterne sind dabei langsam verblasst, und je blasser sie wurden, um so klarer traten die Konturen um mich herum hervor. Und jetzt, zurück im Hotel leuchtet die noch unsichtbare Sonne schon am Horizont…

Heute bin ich Co-Trainer und gleich ist unser Scrum Review… also sag ich mal einfach jetzt besser Ciao!

Wollen kann man das nicht…

Berlin, 7:32, Tag 252

Beim Einschlafen geträumt, ab und zu wach gewesen, immer daran erinnert, im Moment des Aufstehen wars vergessen, auch der Morgentraum ist verschwunden, trotz Notizen komm ich nicht mehr ran. Meine Meditation ist sehr verträumt zur Zeit. Sie vergeht sehr schnell, scheint oberflächlich, dahin plätschernd, fast langweilig. Die Dauer scheint egal, ob 20 oder 50min, hat keine Bedeutung mehr. Es fehlt an Einsicht, an irgend einem Sinn, es fehlt am Wissen und vielleicht fehlt es auch nur an Geduld.

Ich arbeite zuviel (oder zuwenig;), aber es kommt mir ja nicht wie Arbeit vor. Es ist eher wie das Spielen der Gitarre für einen Gitarristen, der jeden Tag für seinen grossen Auftritt, seine nächste Aufnahme, die nächste Stufe seines Könnens übt.

Und es macht Spass zu üben, es ist ganz natürlich. Es fühlt sich nicht wie Arbeit an. Es ist etwas, was man einfach tun muss.

Manche schauen Fussball mit Hingabe. Manche haben Autos und wissen alles über sie. Manche surfen durchs Web und bleiben Stunden um Stunden überall hängen. Manche spielen Spiele und können es nicht lassen. Manche laufen jeden Tag, Tag für Tag. Niemals würden sie auf die Idee kommen, über die viele Arbeit dabei zu klagen. Sie berichten von der Freude, den schönen Momenten, den Erfolgen, von den Siegen oder zumindest den vielen, winzigen Details ihres Lebens.

Und es ist eine Qual zu üben, das gehört dazu. Es fühlt sich an wie wirkliche Arbeit. Es ist etwas, was man einfach tun muss.

Es ist langweilig, immer das gleiche, immer wieder die Wiederholung der Wiederholung, alles schon da gewesen, keine Veränderung, keine Entwicklung, kein Sinn, fast Verzweiflung, Aufgabe und aufgeben liegen nah beieinander. Etwas kann immer immer stören, nicht ausreichen, nicht richtig oder fertig sein.

Ich nehme seit ein paar Jahren jeden Morgen ein Foto auf, kurz nachdem ich wach bin oder das Haus verlassen habe. Zu Beginn an der Kita meiner süssen Tochter/an unserem Bäcker, dann an immer den gleichen Stellen: am Ufer der Rummelsburger Bucht, an einer Ecker der Bergmannstr, aus dem Fenster in Istanbul, auf dem Dach hier in Berlin. Viele hunderte, vielleicht tausende Bilder habe ich so schon gemacht, von immer den gleichen Motiven.

Einfach so, weil ich es tun muss. Es ist nie eine Qual, es passiert immer einfach so. Ich bemerke nicht, wenn ich kein Foto mache. Vielleicht werte ich einfach nicht. Es gibt kein höheres Ziel, keine Aufgabe, es gibt nur das Tun. Und dann, nach vielen hunderten Morgen und noch viel mehr Bildern passiert doch etwas.

Man steht 10min zu spät auf, duscht ganz in Ruhe, zieht sich an und wieder aus, um sich zu wiegen und wieder an und schaut ganz kurz aus dem Fenster und da ist dieser kurze Moment, in dem man entscheidet, dem Impuls zu folgen und aufs Dach zu klettern. Man steigt die Treppen hoch, zieht das Fenster auf und steckt den Kopf raus und sieht…

Und dann macht es plötzlich alles Sinn. Dann fühlt man es. Und andere sehen es auch. Fühlen vielleicht, dass etwas besonderes passiert ist. Wollen kann man das nicht. Nicht wollen kann man das auch nicht. Und man kann es nicht faken, keine Chance. Die unerwartete Belohnung ist im Moment enthalten, mehr geht nicht. Und ich will es teilen, lächelnd…

Ohne Widerstand…

Istanbul, 7:57, 235

Krass, heute hatte ich keinen Zugang zu meinen Träumen. Ist der dritte Tag in Folge mit 2-3h zu wenig Schlaf, es gibt einfach zu viel zu tun als ein Ergebnis, habe ich hier gestern echt fünf Posts rausgehauen – oha!

Nachher geht’s los mit der Drei Tage Istanbul Tour. Bin ruhig und aufgeregt zugleich, fühle mich verantwortlich und herausgefordert…

Gestern Abend war ich mit ganz lieben Bekannten aus Berlin noch im Sunset, einem echten Schickimicki Laden voller internationaler Geschäftsleute und lokaler B-Promis, die Damen fast alle extremst aufgestylt – Istanbul eben! Die Küche ist mehr als fantastisch, aber auch ziemlich teuer, hier wird das Publikum über den Preis differenziert.

Dabei ist der Ausblick grandios: auf den Bosphorus genau zwischen den beiden Brücken gelegen. Wer das edle, schöne, reiche Istanbul erleben will, der sollte hier unbedingt hier einen Tisch reservieren (lassen).

Neben den ganzen touristischen Aktivitäten ziehen wir im Netz – voll in der Cloud – eine neue Entwicklungsumgebung hoch und richten uns gemütlich ein.

Hier werden wir uns bis zum Jahresende tummeln und viel Zeit verbringen und hoffentlich sehr schnell Fahrt aufnehmen können. Wir haben ein Riesending vor uns und können jede Welle, jeden Ruderer, jeden Windstoss, jeden Sonnenstrahl gebrauchen, um ordentlich und noch mehr Fahrt aufzunehmen. Unsere ganzen Ansätze, Vorarbeiten, Ideen des letzten Jahres fliessen nun zusammen in ein ganz konkretes Projekt, mit ganz konkreten Anforderungen, ganz konkreten Schritten.

Ich habe oft in den letzten Tagen das Gefühl, meine Arbeitsweise wieder umstellen zu müssen: zurück zu diesem Projektmanagementkrams. Das Wort “zurück” beschreibt schon, wie  ich dazu stehe. Fühle mich inmitten einer Transformation, zu etwas ganz Neuem, einer ganz neuen Arbeitsweise, einer ganz neuen Verbindlichkeit: Rework von Jason Fried und David Hansson fällt mir dazu sofort ein. Das Vorgängerbuch wurde mir gestern geschickt. Ich hatte es – obwohl ich grosser 37signals Fan bin – bisher übersehen.

Gestern Abend nun – mitten im Gespräch über alles und nichts, beim Austausch unserer Erfahrungen und Erlebnisse, unserer Sichtweisen, Werte und beim Reden über die Dinge, die wir lieben – bekam das Gespräch ein überraschend grosse  Tiefe:

Es ging um die Überwindung unseres Bedürfnisses nach Sicherheit, also der Angst,
die so oft Antrieb für unser Tun ist. 

Es ging um die Überwindung unseres Bedürfnisses nach (dem Anhäufen von) Besitz,
mit dem wir uns so oft selbst definieren.

Es ging um die Überwindung unseres Bedürfnisses nach einem eigenständigen Selbst,
das uns so oft davon abhält genau jetzt glücklich zu sein.

Genau solche Gespräche passieren nur an Tagen, in Momenten ohne Widerstand. Danke, Åsmund, dein Wünschen hat geholfen!

  

Mit drei Bildern des heutigen Sonnenaufgangs hier, wünsche ich Euch allen auch einfach einen wunderbaren Tag – ohne Widerstand! ;-)

Grossartig, verdrehte Welt…

Oslo, 6:00, Tag 149

Sogar heute habe ich geträumt, aber ich bin mitten drin aufgestanden, um zum Flughafen zu fahren, und kann mich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern. Sitze nun schon vorm Gate und warte aufs Boarding.

Der Tag der “What if…” Konferenz gestern war voller fantastischer Eindrücke, dass ich es hier kaum beschreiben kann. Es gab noch keine Zeit, um irgend etwas davon zu verdauen, alles ist noch sehr frisch, an der Oberfläche.

Seht ihr das Segelschiff? So fühlt sich das alles grade an. Ich erkenne die Umrisse im Dunst, im Nebel… bei dem Bild geht die Sonne grade unter, ich glaube der Nebel ist heute morgen noch der gleiche gewesen, denn nur Sonne löst den auf.

Berlin, 9:04, Tag 149

Habe Michael Herrndorfs Tschick nach dem Sonnenaufgang im Flieger oben weiter-, und dann eben unten in der U-Bahn fertig gelesen. Das ich diesen Knaller noch nicht früher entdeckt hatte! Dabei lese ich seinen Blog immer tief berührt, erschrocken und fasziniert doch schon sein ein paar Monaten.

Ich bin so müde, dass ich vorhin dachte, ich schaff das Boarding nicht. Wir sind im schlanken, schnellen Embraer hochgezogen und ich schaute beim Eindösen aus dem Fenster, kurz vorm Sonnenaufgang wurde ich wacher und wacher. Nach diesem Bild hier, war an Schlaf nicht mehr zu denken…

Denn von wegen Sonnenaufgang: unten orange leuchtend und oben grau blau… was ist das nur für eine grossartig, verdrehte Welt!

Und damit lass ich das jetzt hier mal, nehm noch einen Schluck Ingwer Tee und wünsch Euch allen einen ganz tollen Tag…

Vor 777 Tagen…

Berlin, 7:16, Tag 118

Heute bin ich zwei mal mitten in der Nacht wach gewesen und hatte jedes mal keine Erinnerung an meine Träume: schade eigentlich. Dann am Morgen aber, als ich aufstand, war doch ein Traum da: in türkischer Landschaft, mit Hecken und Schluchten bessere ich ein flaches Terrassendach aus und unterhalte mich mit meinem Grossvater über die unterschiedlichen Werte türkischer und deutscher Männer. Neue Szene, wieder alte Männer, diesmal mit Liege und Sauerstoffgerät. Die Liege verschwindet, das Gerät nimmt den ganzen Platz ein, zwei grosse durchsichtige Zylinder, die sich im Takt bewegen und die typischen pneumatischen Geräusche machen. Ein starker, sehr muskulöser, schwarzer Mann steht plötzlich auf dem Laufband, in dass sich die Liege nun verwandelt hat und zieht an Haltegriffen, die in die Sauerstoffzylinder übergehen und schafft es tatsächlich, sie heraus zu ziehen, über das ganze Laufband, in eine Art Wartungsstellung. Es kommen nun mehr Menschen, um sich das freigelegte Innere der Maschine anzuschauen… ich wache auf!

Heute ist Sonntag! Die Morgen Routine eine andere, etwas entspannter, später. Ich fahr jetzt einfach mal los nach Stralau, ein paar Fotos machen eh ich mich zu meinem Morgenkaffee in die Espressolounge setze. Es ist bewölkt, gerade deshalb!

Schön wars:

Am 13. Dezember 2009 habe ich das erste Foto genau an dieser Stelle aufgenommen und dann immer wieder am Wochenende und dann immer öfter. Der Blick durch den Spielplatz über die Bucht aufs Heizkraftwerk fasziniert mich wieder und wieder. Es ist die Stelle zwischen Aleynas erster Kita und dem Bäcker, genau dort parke ich immer… steige aus, gehe zu einem Pfosten am Weg und suche den gleichen Ausschnitt, mit der Häuserfassade genau am linken Bildrand. Das hier ist das erste Bild von dieser Stelle mit dem iPhone 3G aufgenommen, der Ausschnitt ist so krass anders, seh’ ich gerade:

Heute ist doch Sonntag! Vorhin sprach mein Zensor kurz mit mir, das ich zu viel Aktivität für einen Sonntag Morgen entwickele. Ich könnte doch einfach im Bett bleiben. Dann auf der Fahrt zum Sonnenaufgang bin ich am Salon zur Wilden Renate vorbei gekommen, mit vielen Taxis und noch mehr Clubgängern davor und dann auch auf dem Weg zum Ostkreuz. Später dann am Ufer, stehe ich frierend, als nach einander zwei Jogger vorbei gelaufen kamen. Da war der Zensor wieder still, ich glaube, er freute sich einfach, dass ich nicht tanze oder jogge…

Über Engel, die Brot backen…

Berlin, 6:07, Tag 117

Heute nacht bin ich mit Freunden zu einem Segelboot gelaufen, das ein älteres Paar besitzt. Auf dem Weg sind wir an Häusern in den Dünen vorbei gekommen, eines hiess Königswinter und war schon ganz verfallen. Auf dem Boot dann habe ich mich wie ein Banause gefühlt. Die Besitzer haben für alles ein System und öfter Gäste und schauen auf uns herab, wie wir uns wohl anstellen würden. Ich stosse an, stolpere über Seile, eine Planke ist locker und angebrochen… wir sollten schlafen, wissen nicht wo, und morgen geht der Törn doch los. Ich wache auf…

Gestern morgen auf dem Weg zum Sunrise Meeting ahnte ich, dass ich Fotos machen würde. Ich drehte mich ein paar mal um, und schaute zurück zum Bahnhof Friedrichstrasse, hinter dem die Sonne aufgehen sollte. Beim dritten oder vierten Mal tauchte plötzlich der Fernsehturm auf, es war ein paar Minuten vor dem Sonnenaufgang und der Himmel zeigte schon ein leichtes Leuchten, ich machte ein Foto:

Ich laufe weiter, bemerke wie kalt es ist und friere und denke, wie weit der Weg wohl noch ist zum Ziel. Ich biege um eine Ecke und eine geschäftige Baustelle beschäftigt mich. Ich schaue zum Kran hoch und sehe rosa Wolken, drehe mich in Richtung Sonnenaufgang zurück und der ganze Himmel leuchtet, alle Wolken sind beleuchtet.

Ich fange an zu laufen, ich renne, ich will zu der Stelle von eben mit dem Bahnhof und dem Fernsehturm und will es mit diesem Leuchten sehen. Ich laufe immer schneller und komme um die Ecke von eben und sehe schon einen anderen mit einem riesigen Teleobjektiv schnell und viele Aufnahmen machen:

Ich stelle mich kurz vor ihn und mache mein Bild:

…wünsche ihm einen schönen Tag und laufe beruhigt die Strecke zum zweiten Mal. Werde ich noch pünktlich sein? Ach egal, ist nicht mehr ganz so wichtig. Finde ich es gleich? Auch egal. Ich fühle kurz eine Offenheit oder anders, ich fühle eine Offenheit als Folge von Ergriffenheit… und ja, da ist es wieder, das Loslassen können.

Und ich komme 10min zu früh an. Finde das Bistro, suche den Eingang, biege um die nächste Ecke und wieder bin ich platt. Diesmal aber richtig, der Himmel leuchtet so stark, dass ich kurz mit Kloss im Hals und juckenden Augen da stehe und friere.

Der Moment dehnt sich aus…

Ich laufe über eine Brücke und mache ein Foto von dem Strahlen:

Schaue kurz auf die Uhr, noch 5min, laufe ruhig wieder zurück und mache noch ein Foto zur Erinnerung daran, dass auch die Rückseite des Sonnenaufgangs leuchtete:

Dann treffe ich die anderen und frage P. ob er das Leuchten auch bemerkt hat. Er erzählte mir von einem Gedicht seiner Kindheit: Mudder, wat is de Heben so rot, dat sund de Engel, de backen dat Brot… und das Leuchten bekam Bedeutung und ich lächelte am ganzen Körper!

Wann warst Du das letzte mal ergriffen von etwas? Das ist, wenn ein Kloss im Hals sitzt und die Augen fangen an zu tränen und man gleichzeitig weg- und hinlaufen oder drücken und gedrückt werden will… und wann hast Du das letzte mal feststellt, dass Dein ganzer Körper zu lächeln und zu glühen anfängt? Ich stolpere gerade von Ergriffenheit zu Ergriffenheit. Dies sind genau die Momente in denen ich mein Leben fühle, die ich erinnere, die eine Kerbe im Kalender hinterlassen.

So, das musste aufgeschrieben werden… und nun wünsche ich allen einen tollen Start ins Wochenende!

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