Wahlmöglichkeiten

Berlin, 7:14, Tag 807

Heute Nacht habe ich von einer Matheprüfung geträumt. Die Aufgaben waren für mich unlösbar. Ich hatte den Kurs nicht besucht, der hier geprüft wurde und da ich den Rechenweg nicht kannte, half alles Überlegen nicht. Ich schrieb mit Bleistift in ein Heft und riss immer wieder Seiten mit meinen falschen Lösungen heraus. Als zwei Nashörner auftauchten und miteinander kämpften, wachte ich schön zeitig auf.

IMG_4503

Gestern war ich dann doch noch überraschend produktiv, gefühlt.

Habe aus der Morgenunzufriedenheit ein Machen erzeugen können. Habe angefangen, etwas zu tun. Und schon wurde es gut.

Wir machen uns unsere Probleme oft selbst. Wir überhöhen uns und unsere Erwartungen an uns selbst und an andere. Diese Unzufriedenheit ist oft unser Treibstoff, der uns aktiviert und anschiebt. Wenn wir mit etwas oder jemandem nicht zufrieden sind, dann wollen wir es ändern. Oder wir weichen der Situation aus, die wir scheinbar nicht ändern können.

Dabei probieren wir alle möglichen Taktiken, die wir in unserer Vergangenheit erlernt haben, wieder aus. Vor allem, wenn diese Taktiken in der Vergangenheit für uns funktioniert haben, sind wir schnell dabei, uns darin zu verbeissen. Das hat doch immer funktioniert, so wird es auch jetzt klappen und passen. Das sollte doch hier auch…, das muss doch jetzt…, wieso klappt das nicht?

Unsere Werte und unsere Identität, manche sagen Glaube, andere Charakter, wieder andere Kultur, sind dabei die entscheidenen Faktoren.

Es sind aber auch genau die Faktoren, die uns limitieren!

Die uns in unseren gewohnten Bahnen schwimmen lassen, die uns schützen, die wir gewohnt sind, an die wir uns gewöhnt haben. Wir haben so oft vor uns und anderen wiederholt, wer wir sind, was uns wichtig ist, was wir glauben, was wir können.

Wir glauben selbst daran. Wir können es uns nicht vorstellen, nicht mal im Ansatz, dass es nicht so sein könnte. Um aus dieser Falle unseres Egos zu kommen, hilft nur Achtsamkeit.

Es hilft nur Aufmerksamkeit auf die Details, auf den Moment, auf das, was wirklich passiert und was nicht wirklich passiert. Was sind Gedanken und Gefühle in uns, was hat diese Gedanken ausgelöst, was ist die Wurzel. Und was haben wir davon, was passiert, wenn wir jetzt so handeln, was wird das Ergebnis, die Frucht sein. Was sind unsere Wahrnehmungen, was wollen wir sehen, was wollen wir nicht sehen.

Wie könnte es noch sein? Welche Möglichkeiten des Handelns habe ich jetzt. Es sind immer mindestens zwei: etwas tun, und etwas nicht zu tun. Dabei denke ich doch so oft, dass ich keine Wahl habe. Dass ich nur so oder so auf meine Umwelt, auf etwas, das mir passiert reagieren kann.

Zu meinen größten Freuden gehört es, dass ich mich rückblickend dabei ertappe, wie ich mir selbst mehr Wahlmöglichkeiten geschaffen habe. Wie ich in scheinbar ausweglosen Situationen, einen anderen Weg, die Lösung gefunden habe.

Mich motiviert ungemein, wenn mir jemand sagt, es gäbe nur diese eine, seine Lösung! Ich möchte es ihm, mir und der Welt beweisen, dass es noch eine andere Möglichkeit gibt. Und sei es nur darum, um zu beweisen, dass es so ist.

So habe ich mit dem Rauchen aufgehört vor über 6 Jahren. Jemand sagte irgendwann mal zu mir: “Arne, Du hast doch keine Wahl. Rauchen ist die schlimmste aller Süchte. Du wirst nie damit aufhören können, ohne fremde (meine) Hilfe.”

Challenge accepted!

So meine Reaktion. Es war mir eine riesige Freude, als ich in mal vor einiger Zeit wieder sah um ihm erzählen zu können, dass ich nicht mehr rauche.

Und ja, es gab noch viele andere Faktoren und Menschen und Erfahrungen und Einsichten, die dazu beigetragen haben, dass ich heute keine Zigaretten mehr rauchen muss oder will. Aber diese eine Unterhaltung, diese kleine Bemerkung am Rande, fällt mir immer wieder ein. Vor allem, wenn mir jemand erzählt, dass etwas nur so, und genau nicht anders zu sein hat.

Aber diese Wahlfreiheit ist oft auch sehr erschreckend für mich. Weil sie mir keine Wahl bei einer anderen Sache lässt: ich bin allein verantwortlich für mich und mein Leben.

Ich kann niemand anders verantwortlich machen für mein Unglück, meine Gefühle oder was auch immer mir passiert. Wenn ich akzeptiere, dass ich eine Wahl habe, dann erst, akzeptiere ich meine eigene Verantwortung für mein Leben.

Die schlimmste der Illusionen für mich ist, dass es uns so viel einfacher scheint, andere Menschen, die Umstände und unsere Vergangenheit für uns verantwortlich sein zu lassen. Das es unsere Entscheidungen waren, dass wir eine Wahl hatten, das blenden wir zu gerne aus.

Huih, jetzt ist es schon um Acht!

Hab meiner Tochter etwas versprochen, was ich nun einlösen möchte. Und sage deshalb hier schnell Ciao und wünsche Euch einen erholsamen Samstag!

Wahlmöglichkeiten

Brückentag

Berlin, 6:56, Tag 806

Heute Nacht habe ich auch geträumt, doch. Na, jedenfalls ist keine Erinnerung daran geblieben, als ich vom Wecker geweckt wurde.

FullSizeRender

Nun ist Brückentag. Ich war schon unten im Büro, hab meinen Papierkram sortiert, mir nen Tee gekocht und zwei informelle Abstimmungen hinter mir. Und meine Mails gelesen.

Werde wohl den Tag heute zum Sortieren und Arbeitspakete erzeugen nutzen. Es gibt so viel zu tun, dass ich sonst nicht weiss, wie ich anfangen soll und dann eher gar nichts mache.

Habe schon wieder so viele Ideen und Wünsche.

Würde Euch am liebsten erst mal vom gestrigen Spaziergang in dem mittelalterlichen Dorf erzählen. Der schönen Kirche dort, der Kapelle mit dem modernen Innenleben, der Menschen dort, die wie im Zoo leben, die Strassen immer voller Touristen.

Dann müsste noch die Idee der “kuratierten Sammlungen” wieder her. Als ich am Dienstag auf der Bühne sass und den 5 Vorträgen aktiv zuhörte, kristallisierte sich diese Idee heraus.

Es gibt es einige Baustellen im Tagesgeschäft, vor allem Organisations-, Meeting- und Reviewstrukturen, Ziele und Aufgabenzuordnungen die zu fehlen scheinen, weil sie informell vereinbart sind oder ich sie nicht erinnere, nicht im Zugriff habe.

Alles zusammen hab ich ein Gefühl der Rückkehr, mit einem Hauch von wieder in Besitznahme und einer leichten Überforderung zu Beginn, aber einer gespannten Zufriedenheit im Abgang.

Wünsche Euch einen fröhlichen Freitag!

Brückentag

Wochenmitte

Nizza, 7:35, Tag 805

Heute Nacht in einem Treppenhaus zum neuen Büro. Alle Fahrstühle in den Etagen wurden im laufenden Betrieb durch neue Gläserne ersetzt. F. stand telefonierend hinter einer Ecke und beobachtete mich. Ich gefährdete durch mein zu Spät kommen meinen Job hier in Istanbul und wachte pünktlich vor einem wolkigen Sonnenaufgang auf.

IMG_4334

Heute Abend geht es schon zurück aus unserem kurzen Urlaub, der irgendwie gar keiner war, mehr ein kurzes Wochenende in der Wochenmitte. Bis zum Flieger am späten Nachmittag haben wir noch ein paar Stunden, werden uns wohl das Musée des Arts Asiatiques anschauen und vielleicht noch kurz ins Inland nach Saint Paul de Vence.

Wünsch Euch einen tollen Tag!

Wochenmitte

Kurzurlaub

Nizza, 7:17, Tag 804

Heute Nacht wurde ein Tal komplett in eine Stadt umgewandelt. Überall standen Kräne und entstanden Hochhäuser. Habe mich an Istanbul erinnert gefühlt. Ein Stausee wurde gerade gefüllt, als ich mit einem Taxi am linken Ufer des noch leeren Sees vorbei fuhr. In meiner Küche versteckte sich eine kleine Katze. Ihre Mutter schaute am offenen Fenster gerade nach dem Rechten. Ich versuchte, sie wieder raus zu bugsieren und fand dabei immer mehr kleine Katzen und wachte zeitig auf.

IMG_4258

Nach dem gestrigen aufregenden Morgen auf der Konferenz haben wir unseren Kurzurlaub dann wirklich begonnen. Wie das bei Kurzurlauben so ist, fällt mir das Loslassen schwer. Das schlechte Gewissen beim Mitlesen von Mails. Das bewusste dagegen entscheiden, etwas jetzt zu tun. Das Verschieben auf die Rückkehr, erschweren das zusätzlich, damit erschwere ich mir das hier zusätzlich.

Die Küste hier ist aber grossartig. Im vollen Frühling, knapp 20 Grad, laues Lüftchen, nette Leute, wenig Verkehr, optimale Jahreszeit. Sogar am Strand könnten wir rumliegen.

Meine Morgenroutine kriege ich grad nicht hin, fühle mich dadurch untermeditiert. Das ist so ein Gefühl der emotionalen und gedanklichen Unsauberkeit. Wir haben die Größe des Zimmers gegen den Ausblick getauscht. Dadurch nutze ich den fehlenden Raum und den Schlaf meiner Mädels als meine Ausrede.

Das so als kurzer Zwischenstand! Jetzt schalte ich den Out-of-Office Agent ein. Hoffe, dann wird der Tag entspannter und klappe auch hier zu.

Wünsch Euch einen angenehmen Mittwoch.

Kurzurlaub

Überrascht auf dem Stuhl

Nizza, 7:30, Tag 803

Heute Nacht davon geträumt mit einem Moped eine abschüssige Strasse erst runter, dann wieder hoch gefahren zu sein, zwischen Häusern, mit Treppen. Dann dort einige Szenen mit meiner Kleinen und verlorenen Schuhen und ein zeitiges, unruhiges Aufwachen.

unnamed

Sitze heute morgen für 90min auf dem Chair der Konferenz hier, der International Information Conference on Search, Data Mining and Visualization. Wie das jetzt wieder passiert ist, weiss ich nicht so ganz genau.

unnamed-2

Und eh es hier losgeht, noch ganz schnell abgeschickt. Euch einen tollen Dienstag!

Überrascht auf dem Stuhl

Regeln, Vereinbarungen, Verabredungen

Nizza, 7:08, Tag 802

Heute Nacht bin ich hier in der Stadt durch eine schlammige Baustelle gefahren und hab das Cabrio eingesaut, es abgestellt und bin dann fast von einem Tennisball getroffen worden. Grosse Hunden sprangen hinterher. Dann kamen zwei komische skateboardartige Flügel geflogen, die mich ebenfalls nur knapp verfehlten. Oh! Ich war hier wohl in der Nähe von etwas, in dessen Nähe ich sein sollte. Ich erkannte ein paar Passanten, als Bewohner, die hier aufpassten. Ich sagte laut: sorry, ich verstehe, ich verstehe und gehe davon und wache auf…

IMG_4106

Mein Traum erinnerte mich an Regeln, an Verabredungen und Vereinbarungen, die wir an der ein oder anderen Stelle im Leben brechen.

Wohl auch weil ich beim Aufwachen über die Co-Creators 2015 gestolpert bin und mich grade fragte, wie es kommt dass Menschen, die ein anderes Leben und Arbeiten leben, mich einerseits so anziehen. Anderseits frage ich mich, wo diese manchmal fast religiöse Verehrung und die oft so aggressive Ablehnung von Regelbrechern herrührt.

Alles wie immer eine Frage der Wahrnehmung, unserer Achtsamkeit. Worauf wir reagieren, was wir durch die Filter unserer Sinne an uns ran lassen. Dazu unsere Fähigkeiten zu vergleichen, Muster zu erkennen, wieder zu erkennen.

Vor zwei Tagen hatte ich Abends eine kurze Phase, in der ich alles, was mich umgibt, alles was benutze, was ich besitze, alles aber auch alles, als Ergebnis der Verabredung, von Regeln und Vereinbarungen zwischen mindestens zwei Menschen sah.

Einmal kurz alles in Frage gestellt.

Den Geist so frei laufen gelassen, dass man Mietverträge, Firmen, Webseiten, Geld, einfach alles virtuelle als das und daraus folgend die Vergänglichkeit und Änderbarkeit auch dieser Dinge erkennt. Alles was es braucht, ist eine neue Vereinbarung, Verabredung oder Regel zwischen mindestens zwei Menschen.

Im Dialog meiner kleinen Familie, aus zwei sehr unterschiedlichen Kulturkreisen, aus zwei sehr unterschiedlichen Familien stammend und in Aleyna verschmelzend, fällt mir genau das jeden Tag auf. In der ein oder anderen Form erfinden wir unsere eigenen Regeln, einfach weil meine oder ihre nicht auf Dauer funktionieren für uns beide. In unserer Umwelt, empfinde ich mich deshalb oft als Aussenseiter. Und das zieht wiederum an oder stößt ab…

So, nun gleich auf die Konferenz hier! Dann ein wenig die Gegend erkunden. Es ist 20 Jahre her, dass ich das einzige Mal hier in Nizza war, auf einem ewig denkwürdigen Roadtrip mit einem heute immer noch sehr guten Freund übrigens.

Wünsch Euch einen tollen Start in den Montag.

Regeln, Vereinbarungen, Verabredungen

Viele Gedanken über Nichts

Berlin, 6:56, Tag 801

Heute Nacht war sehr unruhig und ich habe mir meinen Traum nicht gemerkt. Hier ist noch ein halbes Krankenlager, aber wir bereiten uns auf unseren kurzen Urlaub vor und die Vorfreude lässt auch die Mädels schnell wieder fit werden.

IMG_4016

Es entwickelt sich hier gerade in meinem Kopf ein Dialog mit Himmelsscheibe. ;)

Die Assoziation mit dem inneren Zuhause lassen mich seit vorgestern nicht los. Ja, wir suchen doch sehr im Aussen nach Lösungen. Und so sehr entfernen wir uns dabei von uns selbst. Wir suchen und finden im Aussen, in anderen Menschen die Ursachen für unsere Gefühle und Gedanken.

Wir hängen diesen Illusionen an, wir brauchen sie, wir kämpfen dafür, dass es genau so ist, dass sie unsere Realität sind. Dabei selektieren wir unsere Wahrnehmung, filtern unsere Sinne. Wir wollen (nicht) verstehen, dass wir das Aussen benutzen, um uns unser Inneres zu rechtfertigen, zu bestätigen, zu entschuldigen.

Er hat aber x zu mir gesagt, …
S
ie hat mir doch y getan, …
Es ist mir doch x passiert, … 

Wir brauchen das. Unser Selbstverständnis basiert darauf. Unser Geist konstruiert sich dazu unser scheinbar eigenständiges Selbst aus diesem Aussen. Er erzeugt so unsere Identität, d.h. wir geben uns Bezeichnungen, sortieren uns in Kategorien und geben uns Eigenschaften, die genau unseren Erfahrungen, Erinnerungen und Erwartungen, Wünschen an uns selbst und unser Leben entsprechen. Wir untermauern das mit den positiven Gefühlen, die wir erspüren, wenn wir diesen Gedanken in uns Raum geben.

Ich bin doch Arne, der einen Vater, der anderen Mann, dem nächsten Freund…
Ich bin doch Berater, und dann Manager, und auch Inhaber…
Ich bin doch (un)ruhig, (un)glücklich, erfolgreich, gescheitert, entschlossen, schwach…

Ergänzt doch mal Eure eigenen Bezeichnungen, Kategorien und Gefühle: positive, wie negative. Macht mal eine kurze Inventur im Kopf, als wer und was und wie ihr Euch jetzt, heute Sonntag morgen seht, hört, fühlt oder denkt.

Nothing ever goes away until it has taught us what we need to know.
~Pema Chödrön

Das habe ich grade in zwischen meinen Fotos gefunden, die ich hier noch nebenbei importiere und sortiere, während Ihr noch mit der Inventur beschäftigt wart.

So wie das Zitat eben, so kommen auch oft Menschen, Situationen wieder und wieder scheinbar zufällig oder schicksalshaft in mein Leben. So lange, bis ich verstanden, bis ich gelernt habe, warum und wozu sie da sind.

Und so kommen auch unsere Bezeichnungen, Eigenschaften und Gefühle wieder und wieder in mein Leben. So lange, bis ich gelernt habe, warum und wozu diese da sind.

Einen Grund im Aussen zu suchen, eine Flucht nach Aussen zu wagen, führt mich dabei nur weg von meinem Zuhause, von meinem wahren Selbst. Die Antworten auf meine Fragen, die Lektionen, die ich im und vom Leben lernen kann, sind schon und nur in mir selbst vorhanden.

… … …

Auch die Nachfrage der Himmelsscheibe nach meiner Unterscheidung zwischen Ego und Selbstwertgefühl lässt mich seit gestern Mittag nicht mehr los. Auch hier suche ich nach den Ursachen und den Folgen meiner Unterscheidung.

Beim Schreiben waren es noch andere Gründe. Ich dachte im Aussen, an die grossen deutschen Manager, die Egos der Winterkorns und Piechs, über die grad in der letzten Woche so viel geschrieben wurde. Ich dachte an die Egos von Kollegen und von Menschen auf der Strasse mit grossen Autos, tollen Klamotten, wichtigen Aufgaben. Und ich dachte an die Selbstzweifel und Unsicherheiten, die ich bei den gleichen Anderen vermute, die ich vermutlich wahrnehme.

Später betrafen einige Gedankensplitter dann erschrocken mein eigenes Ego, mein eigenes Selbstwertgefühl. Ich erinnert mich. Ich kann manchmal beobachten, wie stark, wie gross das eine, wie schwach und klein das andere werden kann. Und ich bemerkte auch, wie sehr dieses Festhalten an beidem, etwas von dem Leid erzeugt, welches mich umgibt.

Doch dann die Lösung!

Es ist der Hungergeist, der uns nicht los lässt. Ein grosser Körper, ein grosser Magen, ein unstillbarer Hunger, ein Verlangen nach mehr, kommt unserem Ego gleich. Die Illusion unseres Egos, eines eigenständigen Selbst, etwas abgetrenntes, wir sind etwas, wir sind jemand und genau diese Vorstellung macht uns hungrig.

Im Gegensatz dazu steht unsere Fähigkeit, die Nahrung -die uns umgibt- aufzunehmen, zu zerkauen, zu spüren, zu schmecken, zu geniessen und zu verdauen, uns die enthaltene Energie zu erschliessen, uns nähren zu lassen.

Unsere Kehle ist schuld daran. Sie ist zu dünn, so spindeldürr und lang, so haarnadelfein, dass all das Essen, welches vor uns auf dem Tisch liegt, gar nicht von uns aufgenommen werden kann.

Und dies verbinde ich mit meiner Selbstwahrnehmung. Und abhängig davon, meinen Selbstwert, den ich mir beimesse.

Und ihr wisst, dass ich wenn ich hier von Essen rede, eigentlich unsere Beziehungen, unsere Arbeit, unsere Umgebung, das Wetter, die Kollegen, die Aufgaben, die Anerkennung, das Lob, die Sonne und die Luft meine, die um uns herum sind.

So entscheidet unsere Offenheit (die Dicke unserer Kehle) dafür, ob wir glücklich oder unglücklich, ob wir zufrieden oder unzufrieden sind, mit dem was wir haben. Unsere Offenheit entscheidet, ob wir glücklich oder unglücklich, ob wir zufrieden oder unzufrieden sind, mit dem was wir nicht haben. Und letztlich, ob wir uns diesen Zusammenhang überhaupt eingestehen können…

Doch glaubt mir nichts! Denn all die Konzepte und Gedanken über Nichts werfe ich nun weg, drücke befreit Publish, überlasse sie dem Netz.

Und wünsche Euch so erleichtert, einen luftig leichten, sonnig erholsamen Sonntag!

Viele Gedanken über Nichts