Sonntagsunruhe

Istanbul, 7:04, Tag 780

Heute Nacht hatte ich einen Knick in meinem neuen Laptop. In der Unterseite mitten längs durch die Tastatur, durchs zu dolle Aufklappen oder was auch immer. Auf dem Weg zum Flughafen in der falschen Strassenbahn, kurz vor der Endhaltestelle bemerkte ich das. Dann lief und sprang und hüpfte ich in einem lässigen Parkour Stil durch ein Gewerbegebiet über Treppen, Autos und Geländer (das mach ich ab jetzt im Traum immer so).

Nach einer Weile bemerkte ich, dass ich die Abflugszeit gar nicht kannte und packte mein fast auseinander fallendes, nagelneues Laptop aus. Dabei dachte ich bei mir: das ist ein Zeichen, eigentlich reicht mir ja mein iPhone mittlerweile. Nun fummelte ich an diesem rum, um mich zu orientieren. Wo bin ich, wann ist mein Abflug und wo der nächste Apple Store? Dann bemerkte ich, dass ich meinen uralt Wecker in der Hand hielt und auf dessen klassisches Zifferndisplay schaute. Neben mir eine junge Frau, die verständnisvoll darüber hinweg sieht. Auf der anderen Seite taucht mein Freund Michael auf, der äusserst besorgt darüber hinweg sieht. Ich wache mehrmals immer wieder erleichtert auf.

Mitten in der Nacht habe ich mir noch an eine weitere Sequenz aufgeschrieben: Stewardessen laden mich auf einen Flug ein, der Weg zum Flugzeug führt durch die Wüste: ich mache ein Wüstenrennen draus mit Scheichs in mattschwarzen Jeeps. Am Ende gewinne ich, und bekomme einen Burger namens Olaf. Und nun möchte ich nicht wissen, welche Träume ich noch alle vergessen habe.

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Ist etwas trübe hier. Hat die ganze Nacht geregnet, nach einem grossartigen Frühlingstag gestern, an dem wir bei 18 Grad in Yeniköy am Bosphorus lang spaziert sind. Vorher ein neues Fishrestaurant, das Yelken dort, ausprobiert. Uhhhhi, welch eine Gaumenfreude am frühen Nachmittag.

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Mein Zorn ist fast verflogen und ein Gefühl hat sich ausgebreitet, dass eher zärtlich, etwas müde, mit einem leichten Anflug ins Alberne und doch, ja doch, Offenheit für alles was ist ist. Trotzdem fühle ich noch der Aggressivität nach.

Hatte vorhin eine neue Idee, mein Leben und meinen Blog hier zu kategorisieren. Jeden Beitrag hier möchte ich nach: Lernen, Leben, Familie, Gesellschaft, Welt, Universum einteilen. Das klang vorhin unaufgeschrieben in meinem Kopf noch besser, als sich das jetzt hier liest. Vielleicht erinnert ihr euch. Diese Einteilung stammt von Bernie Glassmanns: Instructions to the Cook, der damit die Gänge des Festmahles eines erfüllten Lebens beschreibt.

Habe mir gestern final meinen Haupt Lightroom Katalog zerschossen. Meine über 100.000 digitalen Photos und Videos, passen grade noch so alle auf die allergrößte Festplatte, die es für diese Laptops hier aktuell gibt. Da ich mir selbst und meinen Backupwarmhaltefähigkeiten auf externen Festplatten nicht 100pro traue, dachte ich mir vor zwei Wochen schon: ich verschieb die Bilder einfach in meine Dropbox. Dort ist Platz und Cloud ist eh die Zukunft.

Nun synct sich jede Nacht ein kleiner Teil der über 400 Gigabyte dort hoch. In einem Monat will er fertig sein, egal.

Eine weitere unangenehme Folge dieser Aktion ist nun, dass nachdem Dropbox alle Bilder indiziert hat, Lightroom meint, 100.000 neue Bilder gefunden zu haben und 100.000 alte Bilder vermisst. Früher ging das mal alles über den Dateinamen, was modernen Filesystemen natürlich viel zu trivial wäre. Uffja!

Und ja: ich hab alles mehrfach gesichert, den Katalog und die Bilder doch auch. Ich könnte das in ein, zwei, drei lockeren Stunden alles wieder in den Urspungszustand versetzen. Will ich aber nicht! Macht ja irgendwie auch Spass, sich neue Kategorien für sein Leben in Bildern zu überlegen und dabei immer weiter zurück blickend neue Zusammenhänge, einen neuen Sinn zu entdecken.

Wir müssten eigentlich gleich los. Fräulein Kruegers Schule lädt am Sonntagmorgen um 9:00 Uhr zu irgendwas ein, und das am Tag der Sommerzeitumstellung. Kaderschmiede nannten sich solche übereifrigen Einrichtungen früher. Aber als wir sie vor 4 Jahren dort zur Vorschule anmeldeten, war das nicht absehbar, aber die Zeiten ändern sich offensichtlich! Ich glaub, ich mach erst mal Frühstück.

Wünsch Euch einen ruhigen Start in diesen Sonntag!

Tonglen

Istanbul, 5:03, Tag 779

Heute Nach war ich mit meiner Familie in einer Fabriketage, wir wohnten da, hatten uns eingerichtet. Wir schliefen eine Nacht, ich wachte zeitig auf, meine Morgenroutine war mir unbekannt. Dann wachte ich mitten in der Nacht auf… wollte mir Details des Traumes ohne Notiz merken. Tsss.

Danach träumte ich von einem Spaziergang mit Kollegen aus dem Büro und Tony. Wir waren in einem Moor, markierten den Weg mit Holzlatten, die man durch die feste aber federnde, oberste Schicht treiben musste. Später kletterte ich durch das Treppenhaus der Fabriketage, das total zerfallen war. Über Eisenbewehrung aus dem zerbröselndem Beton, benutzte halsbrecherisch Leitern, musste über Riesenlöcher. Auf jeder Etage gab es unterschiedlichste, schöne Wohnungen, alles WG’s. Die Bewohner wachten langsam auf und klettern mit uns eine Holzleitern runter, wir hoch und sie redeten mit uns. Aber eher wie Zootiere über Zoobesucher reden. Sie waren es offenbar gewohnt, dass die anderen Hausbewohner durch ihre Flure klettern mussten. Ich wachte wieder auf. Es ist immer noch sehr zeitig.

Habe mich schon beim ersten Aufwachen darauf gefreut, gleich hier zu schreiben. So weit, so gut!

Gestern und auch heute spielte mein Zorn wieder mal eine grosse Rolle. Eine Angewohnheit, eine Gewohnheit. Wenn etwas nicht nach meinen Vorstellungen, meinen Erwartungen entsprechend läuft, reagiere ich erst ärgerlich, ablehnend und wenn ich damit nicht weiter komme, dann gar zornig. Das Gefühl umklammert mich, ich verliere die Kontrolle, die Entscheidungsmöglichkeiten, der Zorn übernimmt mich.

Es fühlt sich danach schrecklich an. Ich brauche Zeit, da wieder raus zu kommen, ein Spaziergang, Ortsveränderung, andere Menschen, irgendeine körperliche Tätigkeit. Danach gibts meist Trauer und Leere und Apathie. Eine Gefühl der Machtlosigkeit, der Kater des Kontrollverlustes.

Dabei bin ich doch ein Optimist, schaue positiv aufs Leben, glaube immer an Veränderung, Entwicklung. Will lernen, lerne jedes mal, reflektiere, nehme an, schaue hin. Doch fehlen mir die genauen Muster, die Wendepunkte. Ich hab da kaum Zugriff drauf. Wenn der Zorn mich übernimmt, fühlt sich das an, wie im Rausch. Ach, das ist die Verbindung…

Eines weiss ich sicher, positiv ist Ärger und Zorn nicht. Sich darin zu verlieren, löst Leid und Schmerz in mir und dann in anderen aus. Ziehe ich die Wertung davon ab, bleibt Energie. Nehme ich das Ego aus der Gleichung, dann bleibt Klarheit übrig. Klarheit ist nicht im Rausch, aber kurz davor und sicher eine Weile danach!

We breathe in what is painful and unwanted with the sincere wish that we and others could be free of suffering. As we do so, we drop the story line that goes along with the pain and feel the underlying energy. We completely open our hearts and minds to whatever arises. Exhaling, we send out relief from the pain with the intention that we and others be happy.

Schreibt Pema Chödrön in The Places That Scare You: A Guide to Fearlessness in Difficult Times, das Buch, welches ich schon seit geraumer Zeit langsam lese.

In dem Kapitel mit diesem Zitat, wird eine schöne Meditationsübung beschrieben: Tonglen, was übersetzt etwa Geben und Nehmen oder Empfangen und Senden heisst.

Sie beginnt mit einem einem Moment der Offenheit, der Leerheit. Ich stelle mir dabei manchmal einen grossen leeren Raum vor. Eine riesige Halle mit einer dunklen Decke, die flach aber fast unsichtbar ist, wie ein schwarzer Nachthimmel. Der Raum weitet sich. Ich werde kleiner in einer der Ecken, die Wände entfernen sich von mir, die Perspektiven verschieben sich.

Im zweiten Schritt konzentriere ich mich auf meinen Atem. Wenn ich laufe, synchronisiere ich meinen Atem mit meinen Schritten. Meist: eins, zwei, drei beim Einatmen, dann eins, zwei, drei beim Ausatmen. Das dauert einen kleinen Moment, ehe Schritte und Atem synchron laufen.

Beim Sitzen geht es darum, dass man den Atem nicht kontrolliert beim Zählen, sondern sich atmen lässt. Eine Hilfe hierbei ist es, dass ich ausatme und dann ruhig warte, bis mein Einatemimpuls von alleine kommt. Wenn man ausatmend wartet, gibt es einen Moment, an dem man einfach von selbst wieder atmen möchte. Wenn ich mich nur auf das Erfühlen dieses einen Momentes konzentriere, kann ich die Kontrolle über meinen Atem abgeben. Und ihn dann in der Folge einfach zählen.

Beim Tonglen atme ich den Schmerz ein, den ich empfinde oder sehe oder an den ich mich erinnere. Genau nur den Schmerz den mein Ärger, meine Wut oder mein Zorn bei mir verursacht. Ich renne nicht weg, unterdrücke diesen Schmerz nicht, nehme ich wahr, erkenne seine Existenz an. Dann atme ich ihn ein. Dabei stelle ich mir dicke, schwere, heisse, dreckige Luft vor, die meine Lungen füllt. Und ich atme in meine Großzügigkeit, in den freien Raum wieder aus. Beim Ausatmen strömt nun frische, leichte, kühle, saubere Luft aus mir. Hier liegt für mich der Schlüssel des Tonglen, dies ist mein Bild, meine Vorstellung der Transformation in mir.

Wenn ich in dieser Atemtransformation eine Balance gefunden habe, wenn ich spüre, das Ein- und Ausatmen im Gleichgewicht, regelmässig geworden sind, dann überlasse ich diese Bilder sich selbst. Dann stelle ich mir die Schmerzen, den Ärger, die Wut und den Zorn von anderen Menschen vor, und wie ich deren Schmerz einatme und wie ich Linderung ausatme.

Als ich das letzten Freitag auf dem Weg zum Zahnarzt ausprobiert habe, sah ich das Bild einer Frau, die einen streunenden Hund am Bauch streichelte. Mitten im Ausgang der Istanbuler Metro, an der ITU Station. Andere Menschen liefen meist achtlos vorbei. Ich hatte meine Konzentration nicht auf einen bestimmten Menschen gerichtet, sondern einfach auf jeden, den ich gerade während der Fahrt sah. Danach fühlte ich mich beschwingt und leicht und froh. Es fühlte sich an wie eine Lösung, wie die Lösung.

Bis ich wenige Stunden, Tage später, wieder die Kontrolle verlor. So geht das schon eine ganze Zeit lang, eigentlich mein ganzes Leben. Im Kopf ist irgend eine Klarheit, da weiss ich meist, was ich grad mache. Aber im alltäglichen Leben, tappe ich immer wieder in die gleichen selbstgestellten Fallen. Leben ist Leiden, hatte der Buddha wohl schon vor 2.500 Jahren mal gesagt, fällt mir in den letzten Tagen immer wieder ein. Echt jetzt, das war damals schon so? Uffja!

So, jetzt sind die tausend Zeichen erreicht. Als ob ein Stau sich löst, gleich am zweiten Tag. Ich erinnere mich, warum ich das hier Schreibmeditation genannt hab. Sicher ‘nen schweres Thema für nen Samstag, musste aber sein!

Nun mach ich gleich Pfannkuchen!

Die Erdbeeren habe ich schon geschnitten und gezuckert.

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Gleich sind beide Mädels wach und ich kann in der Küche richtig Krach machen und unser Frühstück vorbereiten. Habe das vor vier Wochen beschlossen, dass ich eine neue Tradition einführe, einfach jeden Samstag fluffige Eierpfannkuchen zu brutzeln.

So, aber nun wünsch ich Euch erst mal einen fluffigen Samstag!

Mein Tagebuch – Teil II

Istanbul, 7:36, Tag 778

Heute Nacht war ich bei einem amerikanischen Bekannten zu Besuch, der eine deutsche Frau hat, die eigentlich eine Türkin ist. Bis 4 in der Früh waren wir in einem Club. Danach setzte die Erinnerung aus und ich erwachte am nächsten Tag um 10 auf seinem Sofa. Wir waren schon zu spät. Aber er wollte mir unbedingt den Weg zu einer Eisdiele in der Nähe erklären. Dabei nuschelte er nur sehr verkatert den Namen und ich durfte Google Maps nicht verwenden, um seinen Erklärungen auf der Karte zu folgen. Nach drei Anläufen wurde ich ärgerlich und stürmte auf die Auffahrt in mein Auto. Ein Kollege kam mit seiner Frau gerade an, um uns abzulösen und schaute genau in dem Moment in mein Auto, als ich mich umzog. Ich erwachte eine halbe Stunde vor dem Wecker mit peinlichem Ärger in Bauch und Hals, der sich überraschend schnell verzog…

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Hier mein zweiter Anlauf, denn ich möchte doch wieder Tagebuch schreiben. Jeden Morgen eine Stunde der öffentlichen Reflektion und des Innehaltens. Ich habe so lange gewartet, ob meine Lust am Schreiben dazu führt, dass ich meine Themen finde, also dass ich nur noch über meine Photos, mein Zazen, meine Firma, meine Projekte schreibe. Aber das hier, ist doch mein Projekt. Das hier umfasst das alles, gibt ihm eine Routine und einen Rahmen.

Richtig klar geworden ist es mir erst letzte Woche, als mir Frau Novemberregen folgendes sagte:

Es ist so schwer auszuhalten für mich, dass ich weiss, ich könnte mir nur etwas mehr Mühe geben und dann könnte es perfekt, noch perfekter, sein. Vor diesem Gefühl weg zu rennen, in die Arbeit, in die Ignoranz, in den Ärger, in den Zorn, ist aber auch keine Lösung. Es wird noch schwerer, je öfter ich morgens einfach die News gelesen oder schon die Mails bearbeitet habe. Spazieren gehen hilft manchmal. Doch nichts zu tun, ist noch schwerer auszuhalten, als etwas nicht perfekt zu tun.

Mein Flug gestern war eine grosse Übung. Als ich mich setzte, auf 11A, schlug mir ein stechender, alles durchdringender Knoblauchgeruch entgegen. Ok, bin auf einem Flug nach Istanbul, das sollte ich gewohnt sein, denkt der kleine Rassist in mir. Doch ein asiatisch aussehender Mann sass in der Mitte, er war die Quelle. Sein Sohn sass eine Reihe hinter ihm. Er drehte sich häufig um, lehnte sich dabei mit Knie und Arm an mich, um mit ihm zu sprechen. Die Lüftung über mir stellte ich auf meine Stirn ein. Immer dann, wenn mir schlecht wurde, nahm ich meine Hand vor meine Nase und Mund. Um mich an meinem eigenen Handschweiss und all den anderen Gerüchen derjenigen Dinge zu erfreuen, die ich seit dem letzten Händewaschen alle berührt hatte.

Ich habe mir angewöhnt, die 20min beim Take Off zu meditieren. Gerade sitzend, mit in einander gelegten Händen, die Füsse gerade unter dem Sitz, stecke ich mir meine Kopfhörerstöpsel Sicherheitsanweisungs und Miles&Smiles Werbung dämpfend in die Ohren, stelle den Meditationstimer an und konzentriere mich auf meinen Atem, ich zähle ihn einfach. Beim Einatmen Eins, beim Ausatmen Zwei. Dabei nehme ich meine Abneigung gegen den stechenden Geruch einfach wahr. Komischerweise verschwindet diese Abneigung aber nach kurzer Zeit der Konzentration und macht anderen Gedanken und Gefühlen Platz.

Die Woche war gut bisher, viel Aktion, viele gute Gespräche, viel Execution, einfach Machen. Wir haben sehr viel Bewegung, sehr viel Veränderung in der Firma. Sind nun über 90 Mitarbeiter, oh wie gross das klingt! Unsere Organisation muss sich an diese Größe anpassen. Und wir ächzen und stöhnen unter den Wachstumsschmerzen. Mal nenn ich das Professionalisierung, mal Optimierung, mal sind es strategische Projekte, mal wieder einfach Restrukturierung. Doch es ist immer das Gleiche! Doch nur mehr Klarheit bei mir und uns allen, führt zu lindernder zu positiver Veränderung.

Und wie lange habe ich diese Klarheit im Aussen gesucht, in neuen Mitarbeitern, in Konzepten, Produkten, Kunden? Es ist so verführerisch, die Verantwortung und die Kontrolle von sich weg zu schieben. Sich als Spielball des Lebens, des Schicksals, der Gesellschaft, der Umstände, der Kollegen, der Technik, der eigenen Unklarheit zu sehen, scheint so viel einfacher. Das ist eine wirklich grosse Illusion. Eine Täuschung! In sich zu schauen und dann auszuhalten, was man dort findet, davor rennen wir weg. Wir rennen mit allen Mitteln, unter Einsatz aller verfügbaren Mittel, mit allen Kräften.

Es brauchte ein neues Laptop, einen Tweet von Frau N., den gestrigen Flug, eine Knoblauch Meditation, mein Zazen Retreat und so viel mehr, um diesen Text jetzt hier zu schreiben. Ich habe die Hoffnung, dass ich morgen früh hier wieder sitze, die gleiche Spannung und Freude empfinde. Ach, eines noch ganz spontan: ich teile diesen Post nur hier. Kein Twitter, Facebook, Google, LinkedIn Spamming mehr! Wer’s finden will, wird’s finden. Ich brauch Euch das doch nicht überall unter die Nase zu reiben.

Wünsch Euch einen tollen Tag!

Zurück in die Zukunft…

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Seite Tagen spüre ich das dringende Bedürfnis in mir, nach einem Reset meines Medienkonsums. Ich möchte aufräumen. Ich möchte wegwerfen. Neu anfangen. Frisch. Frei. Unbeschwert.

Anfangen könnte ich mit denen sich seit Jahren aufstapelnden Blogs erst im Google Reader und nun in Feedly. Ein paar der mir wichtigen habe ich in den Must Reads. Ein paar andere habe ich schön sortiert in Kategorien, nach Themen die mich interessieren… sollten. Ich betrachte mein Feedly als meine Morgenzeitung mit Artikeln von über den Jahren sehr vertrauten Autoren. Und ich bin der Chefredakteur! Und ich möchte einen Neustart!

Dann zum geliebten Facebook. Mit Facebook verbindet mich viel. Ich mag die App, ich beschäftige mich lange damit. Mit den Games dort habe ich schon vor, ohmeingott, 6 Jahren aufgehört. Also von ein paar gelegentlichen Rückfällen u.a. auf dem iPad mal abgesehen. Die Verfolgung von fast allen Pages, habe ich schon vor Wochen aufgegeben und nun sehe ich dort fast nur noch Links, die meine Bekannten und Freunde liken oder kommentieren. So gefiltert fühlt sich Facebook viel persönlicher an. Auf der anderen Seite lass ich meine Freunde die Drecksarbeit des Folgens der Nachrichtenseiten und Aufmerksamkeitsfresser erledigen. Einige -stark von Clickbait abhängige- Freunde verstecke ich schon vor meinem Newsfeed, was irgendwie schade ist.

Bei Twitter ist es irgendwie ähnlich, es gibt ein paar Menschen deren Tweets ich sehr gerne lese, aber wenn ich die App öffne, fühlt sich das doch erst mal schräg an. Eine andere Welt: Wo seid ihr grade? Wer warst du nochmal? Was ist grad los? Echt, oh Mann! Und klick, bin ich meist nach wenigen Swipes schon wieder weg… ich poste meist Links auf Twitter, ein paar Bekannte sind dort viel. Und wenn dann Interaktionen zustanden kommen, freu ich mich eigentlich sehr darüber, das vorher auch getwittert zu haben.

Dann zu den Tumblelogs, das zu meinem Magazin der schönen Bilder geworden ist, die mich wann immer das möchte ablenken und unterhalten. Schöne Architektur, schöne Landschaften, schöne Menschen, schöne Fotos. Schön, oft im künstlerischen Sinne…

Vor zwei Jahren hab ich noch geschrieben, wie sehr ich meine Morgenzeitung auf Flipboard liebe. Ach, Flipboard, das schöne Flipboard auf dem iPad zum noch schöneren Lesen der ganzen Posts und News und Bilder und Nachrichten und Meinungen und Ankündigungen und Reviews…

Was ich bemerke ist, wie leicht sich diese Gewohnheiten verselbständigen. Wie sehr sie zum Automatismus, zur Übersprungshandlung werden und wie schnell es geht, dass man sich routinemässig einer Newsquelle zuwendet, die man vor Jahren oder Monaten mit Abonnements gefüllt hat.

Es fühlt sich ein wenig so an, wie der Snack, die Schokolade, die Chips am Abend. Oder der Zucker im Kaffee. Oder wie Kaffee. Irgend etwas hat es auch mit der Zigaretten zu tun, oder dem Glas Rotwein zum Abendessen.

Ist man nicht aufmerksam, geht es zurück in die Zukunft.

Deshalb räume ich grad auf. Deshalb versuche ich achtsam zu sein, was ich lese, warum ich etwas lese und zu sehen, was mit mir passiert, wenn ich lese. Es gibt eine Sehnsucht nach Büchern, die ich in mir spüre. Das Lesen von längeren Geschichten, von Gedanken die sich ausbreiten über Seiten und Seiten und die ich abends vorm Einschlafen lesen möchte. Und es gibt eine Sehnsucht in mir, produktiver und besser zu sein, als gestern noch.

Deshalb mache ich schon jetzt Frühjahrsputz, im Schatten der Bäume, die durch die Fenster in unseren Flur hier in Istanbul scheinen. Ich verschiebe alles ins Archiv und fange meine Tage schlanker, leerer, mit mehr Platz für Neues, mit mehr Möglichkeiten für die Zukunft an.

Heute morgen liefen mir zw..ei Infografiken von Jeremiah Owyan über den Weg, die mich gleich faszinierten. Seit Ende der 0er Jahre verfolge ich die Strategie von ihm, Brian Solis und Charlene Lee ab und an. Sie verdienen ihr Geld damit, den Grosskonzernen dieser Welt zu erklären, welche Auswirkungen das Internet auf sie hat. Mit Charlene hab ich sogar schon mal bei einem Twitter Meetup in der Solarbar zu Abend gegessen, weil ich der Einzige war, der auftauchte. Ich glaube, sie war sehr enttäuscht. Mit Brian hab ich mal am Rande einer NEXT geplaudert. Beide Male war auch ich enttäuscht.

Egal… zurück zum Thema.

Bin ja seit langem sehr fasziniert vom Internet an sich, den Verbindungen, der Offenheit, den Open Data, dem Linked Web und APIs. Eine zweite und dritte Seite ist die Selbstvermessung, bzw. der Trend zu Wearables, zu Internetfähigen Geräten oder Gadgets, mit denen wir unseren Lebensstil transparenter machen können, also Fitbit&Co, Google Glass, Smartwatches und so weiter. Ein drittes Feld ist sicherlich das Internet der Dinge, incl. dem weiten Feld der Home Automatisierung.

Jeremiah untersucht immer schon die Auswirkungen auf unsere Wirtschaft und veröffentlicht viel auf Blog und im Twitter. Seine Art von Marketing, denn er berät mit seinen Strategien eben Grosskonzerne. Und gestern veröffentlichte er sein neuestes Werk: den Honeycomb 2.0. eine Übersicht über 12 Industriebereiche und die Startups darin, die sich unter dem Segel der Collaborative oder Sharing Economy aufmachen, die Welt zu verändern und zu verbessern.

Collaborative Economy Honeycomb 2.0 (Dec 2014)

Mag ich sehr und hat mir gleich wieder Lust gemacht, mich hier viel mehr mit dem Thema zu beschäftigen. Es ist wirklich nur ein Beginn, dieser Trend setzt sich mehr und mehr durch. Auch wenn die Grossen sich heftig zur wehr setzen und den Trend schlucken wollen und werden.

Hier passiert grad was! Hier ist etwas in Bewegung und die Budgets und Investoren sind auch schon da…

Sei glücklich mit wenig…

Wir lehnen ab, was ist. Wir wollen, was nicht ist. Bitte mehr von dem Schönen. Und gerne weniger von dem Schlechten bitte! Das finden wir logisch, das passiert uns doch immer und ständig und überall für jeden von uns!

Nur macht es eben überhaupt keinen Sinn und das ignorieren wir nach Kräften!

Akzeptieren, was ist. Annehmen und wieder Loslassen.

Es braucht so wenig, um glücklich zu sein!

Habe ich mein Netzteil dabei?

Ahmmja.

Den Adapter für den Projektor? Jap.

Mein Telefon ist nicht in meiner Hosentasche. In der Jackentasche? Ahchmann, liegt hier neben mir auf dem Sitz.

Den Termin am Freitag muss ich noch vorbereiten.

Die Mail gestern war zu frech, der gesetzte Termin zu kurzfristig.

Hoffentlich klappt das mir dem Flug gleich.

Ständig versuche ich, mich, mein Leben, mein Umfeld zu beeinflussen, zu korrigieren, zu kontrollieren und schaffe es doch nie, was den Treibstoff für ständig neue “waswärewenn” Gedanken liefert.

Zu viele Worte!

Meine Unruhe kommt nicht vom Nachdenken über die Zukunft, sondern vom Wunsch, sie zu kontrollieren.

Das Wandern auf kritischen Pfaden…

Heute ist Reisetag. Es geht zurück nach Berlin. An Reisetagen ist mein wichtigster Meilenstein die Abflugzeit: 16:05.

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Je nachdem wie wichtig die Reise ist, plane ich die Fahrt- und Wartezeiten entsprechend, meist sehr großzügig. Da ich schon sehr viel fliege, ist mein “kritischer Pfad” sehr kurz. In Berlin beträgt dieser ca 60min vom Aufwachen im Bergmannkiez bis zum Takeoff in Tegel für einen internationalen Flug am frühen Morgen.

Das ist eine phänomenal kurze Zeit für: Anziehen, Zähne putzen, Taxi rufen, Tasche schnappen, Treppen runter, Hof überqueren, Taxi fahren, Gate finden, Boardkarte drucken (ohne Gepäck), Passkontrolle passieren, Sicherheitskontrolle bestehen, Kaffee und Croissant kaufen, Toilette benutzen, Boarding, Setzen, Anschnallen, Abheben.

Dabei brauchen keine Regeln gebrochen, kein Gefallen erbeten, kein Ziel verschoben werden. Das Taxi fuhr nicht viel schneller als erlaubt, eingecheckt hatte ich am Vorabend, Gepäck habe ich meist keines, 5 min vorm Boarding setzte ich mich neben die Schlange der ungeduldigen, bereits anstehenden Mitreisenden.

Am 18. Oktober hatte ich verschlafen. Kommt sehr selten vor. Aber statt um 5 bin ich um 6 erst aufgewacht. Kurz fluchend erschrocken, und dann kurz entschlossen den Sprint gestartet. Und ich hab den TK1728 mit 7:00 Abflugszeit echt geschafft. Der eigentlich für 5:30 vorbestellte Taxifahrer kann als Zeuge dienen.

In Istanbul ist der Weg zum Flughafen etwa gleich lang. Und obwohl der Flughafen hier um viele Dimensionen größer als Tegel ist, schätze ich den kritischen Pfad etwa gleich lang ein. Meine Referenz hier sind die etwa 40 Minuten vom Touchdown auf der Landebahn bis in die Arme meiner Lieben, die ich am 31. Oktober abends brauchte.

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Die wichtigsten Zutaten für das Gelingen von Reisetagen – für das Wandern auf kritischen Pfaden – sind einerseits ganz offensichtlich und wohl allgemein anerkannt:

1. Planung und

2. Erfahrung durch Übung.

Das ist beim Reisen nicht anders, wie in (Software)projekten, wie eigentlich wohl überall. Planung ist notwendig, und dazu muss ich vorher die notwendigen Schritte im Kopf durchgehen, mir genau vorstellen, wie der Ablauf ist, wie und wann ich die Zwischenziele erreiche, wie lang die Wege sind, was die Regeln sind, was alles passieren kann. Um mir das klar und deutlich machen zu können, brauche ich Erfahrungen, Referenzen und Erinnerungen, kurz Übung. Ohne diese Erfahrungen ist die Planung mehr Wunsch, mehr Traum, als konkrete Vorstellung eines zukünftigen Geschehens und Handelns.

Intelligenz, Wille, Ausdauer oder auch Druck, Konzentration, Entschlossenheit spielen eine eher untergeordnete Rolle und führen zu Stress, Konflikten oder dazu, dass man auf das Brechen von Regeln oder das Einholen von Gefälligkeiten angewiesen ist, um dem kritischen Pfad nahe zu kommen.

Aber es gibt eine weitere, für mich die wichtigste, Zutat. Und das ist

3. Gelassenheit

Ich meine mit Gelassenheit eigentlich das Loslassen des Zieles, das ge…lassen…sein. Ich meine damit das Vertrauen in den Prozess, in mich, in die Stadt, die Menschen, das Leben selbst. Und das Vertrauen entsteht nur durch Hingabe und Aufgabe des eigentliches Zieles. Durch das Annehmen können, was auch immer passieren wird, ob man den Flug nun schafft oder nicht.

Ohne diese Gelassenheit ist das Wandern auf kritischen Pfaden jede Sekunde lang ein einziger Höllenritt! Nur mit dieser Gelassenheit können wir flexibel und angemessen auf die Herausforderungen des Weges reagieren, die Schwierigkeiten und Hürden angemessen und damit effizient überwinden.

Nur mit Gelassenheit fühle ich, dass ich wirklich am Leben bin!

 

Nachtrag (28.11.14): Neuer Rokord! Um 14:16 Anruf beim Taxifunk im Bergmannkiez. 14:49 nehme ich Platz auf 6A im Airbus TK1728 an Gate 4 in Tegel.

Der Traum einer lebensbejahenden Wirtschaft

Nicht erst seit einer Woche schmoren wenige Worte, zusammen gesetzt zu grossen Fragen, in meiner Inbox.

Wo befinden wir uns?

Wo sind wir in fünf Jahren?

Wie sollen wir das erreichen, welchen Weg sollen wir heute dazu wählen?

Welche Veränderungen brauchen wir dafür? Und was aber soll erhalten und verstärkt werden?

Welche Zwischenstationen gibt es bis dahin?

Fragen, die sich doch jeder -mal mehr mal weniger- stellt. Fragen, die träumen lassen. Fragen, die offen und suchend sind. Fragen, die das Leben bejahen. Fragen, die Angst machen.

Auf der Suche nach der Vision, nach einem Bild weit in der Zukunft, nach Sinn und Bedeutung meines täglichen Handelns, meines Seins bin ich schon lange. Klarheit empfinde ich dabei selten.

Aber wenn die Selbstgespräche leiser werden, können wir die Stimme des Lebens in uns hören. Und heute morgen kam ein Teil einer Antwort. Ein kurzes Video lieferte den Funken. Denn ich träume von einer lebensbejahenden Organisation in einer lebensbejahenden Gesellschaft.

Denn ich träume von einer  natürlichen Transition zu einer Umgebung, in der Kreativität und Spass am Leben in uns frei fliessen kann, gefördert wird und Weg und Ziel zu gleich ist.

Denn ich träume von einem Umfeld, in der Raum und Zeit, Menschen und Natur in ihrer einzigartigen Existenz erkannt und respektvoll in ihrem Leben, in ihren Träumen unterstützt werden. Ich träume davon, das schon Vorhandene klar zu sehen, zu schätzen und zu erhalten.

Denn ich träume von einer Wirtschaft, die nicht zwangsläufig zu Mangel, Zentralisierung und Isolation führt. Ich träume von einer Zeit, in der die Kontrolle über grosse Haufen Geldes kein Kriterium für Erfolg mehr ist.

Auch ich träume vom Ende der Gewalt, der kleinen alltäglichen, der Gewalt gegen uns selbst, der Gewalt in der Sprache, im täglichen Umgang, in den Familien, auf der Strasse, im Büro, in den Medien. Ich träume von einem Tag, an dem wir Gewalt nicht mehr fördern, idealisieren, legitimieren und auch nicht mehr rechtfertigen.

Denn ich träume von einer Welt, in der Grosszügigkeit, Freundlichkeit und Ehrlichkeit anerkannt, belohnt und gefördert werden.

Ich träume davon, dass er erfolgreichste Manager des Landes, der Welt, auch der grosszügigste, der freundlichste und der ehrlichste Manager ist, den wir finden konnten. Der Superstar, der ehrlich gegenüber sich selbst und seinem Umfeld ist. Der Preisträger, der freundlich zu sich selbst und seinem Umfeld ist. Das Vorbild, dass grosszügig im Teilen von Wissen, Erfahrung und den erarbeiteten Ressourcen ist.

Es ist möglich! Das ist mein Traum. Das ist meine Mission. Ich bin auf dem Weg…

Auch das wird vorüber ziehen…

…habe ich am Freitag gelesen und mir erst mal nur ein Bookmark für später gemacht.

Heute morgen wachte ich auf, lächelnd und voller Optimismus. Als ob ich nun genug gestritten hätte. Ich erinnerte mich daran, dass in meinen Bookmarks noch etwas wartete. Ich nahm den Schwung und öffnete mein Laptop:

This will blow over… denke ich leider noch sehr oft und warte erst mal ab. Dabei sagt mir meine Erfahrung, dass einen die wichtigen Themen doch immer einholen, früher oder später.

Frust und Ärger sind gute Indikatoren dafür, dass etwas meine Aufmerksamkeit dringend verdient, dass ich mich um etwas kümmern sollte, was ich bisher vernachlässigt habe.

Die Betonung von Unterschieden (in Meinungen, Leistung, Wissen, Engagement, Fähigkeiten…) erzeugt nur Konflikte, die Betonung von Gemeinsamkeiten dagegen erzeugt eher Lösungen.

In meinem Ärger neige ich oft dazu, mich abzugrenzen, mich einzuigeln, mich über oder unter andere zu stellen, die Ursachen, die Auswirkungen nur in mir oder nur bei anderen zu suchen. Ich rede mit mir und tue nichts.

Dabei sehe ich doch sehr klar durch allen Nebel, dass es etwas zu tun gibt, dass ich etwas tun kann, dass ich etwas tun muss! Oder doch nicht? Doch was bringt es, wenn ich dabei – ganz voller Widerstand- den Sturm im draussen zum Sturm in mir werden lasse?

Es kostet gleich viel Kraft, etwas zu tun oder nichts zu tun, wenn es draussen stürmt…

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