Lang war die Nacht. Kurz war die Nacht. Ein schönes Sommerfest! So viele Gäste, ausgelassene Stimmung, heiser gesprochen, so ein tolles Catering. Wir haben endlich mal wieder getanzt… danke an unser mtc Organisationsteam, toller toller Job! Danke an das tolle, freundliche Serviceteam von Aldente und für die super Deko von Flores y Amores!

So, hier nach ein paar Bildern traditionell der Text meiner Rede.

 

Das traditionelle Gruppenbild von unserem Matze:

Alle Zusammen, 11. mtc Sommerfest 2017

Hier nun endlich die Rede:

 

Liebe Mitarbeiter,
liebe Kunden,
liebe Gäste,
meine liebe Aleyna, meine lieben Eltern,

Herzlich Willkommen zum 11. Sommerfest der mtc in Berlin!

Vor 11 Jahren haben wir uns gegründet. Die Gala letztes Jahr zum 10-Jährigen ist mir noch in lebendiger Erinnerung.

Es ist unsere Tradition, einmal im Jahr alle Mitarbeiter, ihre Familiem und Kundenkollegen einzuladen, um gemeinsam auf die Zusammenarbeit anzustossen. Wir wollen DANKE für das vergangene Jahr sagen, hier im schönen Innenhof unseres Weissen Schlosses.

Das letzte Jahr ist schnell vergangen, es ist so viel passiert.

Wir haben das alte DEPAROM abgeschaltet!
Applaus bitte!
Wir haben nun monatliche „One Pager“ für jeden Vertrag!
Applaus bitte!
Wir haben drei neue Büros für Support, Backoffice und in Leverkusen in Betrieb genommen!
Wir haben achtzehn neue Mitarbeiter seit dem letzten Sommerfest eingestellt! Achtzehn! Ich fasse solche Zahlen kaum…

Die neuen Mitarbeiter sind:
Yara, Service Chefin
Rene, Webautor
Thomas, Java Entwickler
Markus, Sitecore Dev
Anja als Teamassistentin, grade in Elternezeit
Tobias, Sharepoint Support
Johannes, Physiker und BI Consultant
Felix, aus mem Startup zu uns als Dev
Krystina als weitere Teamassistentin
Susann für Personalarbeit
Saskia als Koordinatorin
Dmytro als Sitecore Dev,
Jan als Dev,
Antje in Hamburg,
Antonio als Verstärkung unseres IT Admins,
Michał, erster polnischer Mitarbeiter (bitte keinen Poxit!)
und Romy, die Neue Scrum Masterin.
Und das waren erst Siebzehn!

Mit Alice, die seit Januar nicht mehr als Werksstudentin bei uns ist, sondern sich als unsere erste Online Redakteurin „Content“ erzeugen darf, haben wir tatsächlich Achtzehn neue Mitarbeiter seit letztem Juni!

Ich wollte unbedingt diese neuen Mitarbeiter heute vorstellen, nachdem wir im letzten Jahr die zwölf Gründer geehrt haben. Ihr erinnert Euch? Henry, Johnny, Gülcin, Ira, Iris, Timo, Udo, Manfred, Matze, Thomas, Kirsten… Tony.

Also, letztes Jahr haben wir zurück,
zu den Anfängen, in die Vergangenheit geblickt.

Wir haben die Kollegen der ersten Stunde geehrt,
für ihre damalige Entscheidung, das Engagement seitdem,
ihren Mut und ihre Treue und Loyalität,
für die Freundschaft, die auf dem gemeinsamen Weg
in dem Jahrzehnt entstanden ist!

Die Situation bei mtc hier war für die achtzehn Neuen in 2016 und 2017 sicher eine komplett andere,
aber auch irgendwie nicht.

Solch ein Wechsel zu uns,
ein jeder Neuanfang, ist immer mit viel Mut verbunden!

In einem Neuanfang stecken jede Menge Chancen,
aber sicher auch Risiken
für beide Seiten.

Auch dürfen wir nicht vergessen,
das vor jedem Neuanfang immer auch ein Abschied nötig ist.

So ging es allen bei der Gründung von mtc und
so war es sicher auch für jeden der achtzehn Neuen.

„Es ist leicht Menschen in der Erinnerung zu lieben.
Das harte ist doch, sie zu lieben wenn sie vor dir stehen.“
habe ich von John Updike vorgestern gelesen!

Ich mach daraus:
Es ist leicht in seinen Erinnerungen an die Vergangenheit
und den Erwartungen an die Zukunft zu leben,
hart wird es erst, wenn man hier bei mtc im Jetzt arbeitet!

Es ist leicht, sich einen neuen Job vorzustellen,
es ist meist auch noch leicht, einen neuen Job zu bekommen.

Ich möchte, dass wir zusammen versuchen,
dass die Zusammenarbeit im Hier und Jetzt auch leicht bleibt!

Dafür habe ich mir etwas überlegt, was ich den achtzehn Neuen denn unbedingt mit auf den Weg bei uns geben möchte!

Dafür gibt zwei starke Bilder und zwei Begriffe.

Raumschiff VOYAGER und ein KUHSTALL sind die Bilder.

HELFEN und ERKENNEN sind die Begriffe.

Das Raumschiff Voyager, das erste Bild, ist die Erinnerung an die im Delta Quadranten am anderen Ende unserer Galaxie gestrandeten Crew. Das ist mein Bild der ersten 6-8 Jahre von mtc. Ein kleines Raumschiff, eine kleine Mannschaft, weit weg von zu Hause, viele spannende Missionen, Warp 10, Dilithium als Treibstoff, das scheinbar alles möglich macht: Überlichtgeschwindigkeit, Replikatoren, Beamen, Überleben!

Diese im ersten Bild versteckte Arbeitsweise
änderte sich vor etwas mehr als zwei Jahren.
Ich hatte das Gefühl, wir kehrten nun endlich nach Hause,
zurück auf die Erde.

Mit dem Kuhstall einer LPG begleitet mich seit zwei Jahren ein zweites Bild. Das Bild meines Heimatdorfes.

Ich entdeckte, was die Tierproduktion, das Kühe melken meiner Kindheit und Jugend mit IT Support gemeinsam hat.

Ich entdeckte, das Gunnar in einer Gärtnerei aufgewachsen ist, und was das mit Softwareentwicklung zu tun hat.

Das GoLive der Anwendungen, die entwickelt werden, gleicht einer Ernte. Die Anwendungen verschaffen dem Supporter Arbeit. Die Fehler der Anwender sind doch das Futter unserer Supporter!

Der Servicebereich ist die Sonne, Wasser und Erde. Er bietet uns den Raum, führte zur heutigen mtc, er erzeugt die Strukturen für Wachstum: Die Felder und Ställe in denen unsere Organisation, als ein SOZIALER ORGANISMUS, wachsen und sich weiter entwickeln kann.

Mit den beiden Begriffen möchte ich die Brücke zurück ins Jetzt schlagen:
HELFEN und ERKENNEN.

Sie sind ganz frisch, sie richten mich täglich aus.

HELFEN! Die achtzehn neuen Kollegen möchte ich bitten, sich zu überlegen, wie und womit sie sich selbst und anderen Menschen um sie herum wirklich helfen können?

Aus dem Impuls anderen zu helfen und aus dem Vertrauen in unsere Werkzeuge: Technologien, Programmiersprachen, Tools und Methoden entsteht unsere Dienstleistung. Diese vom Kunden entlohnte Leistung ist eine wichtige Bedingung für, die Voraussetzung unserer Existenz als mtc!

Der zweite Begriff ist ERKENNEN. Mit diesem Begriff habe ich eine weitere Bitte an die achtzehn neuen Kollegen: überlegt Euch doch, woran Eure Familie, eure Freunde und Eure Kunden wirklich erkennen können, dass ihr bei mtc arbeitet?

Mit einem Zitat aus dem Brief an die zwölf Gründungsmitarbeiter schliesse ich: „Diese Firma hat nur einen Zweck. Sie ist durch Euch, was sie ist und sie soll Euch in Eurem Leben dienen: vor allem als Ansporn und Quelle für Inspiration, Anerkennung und unseres Lebensunterhaltes.“

Damit sage ich ganz herzlich DANKESCHÖN bei allen,
die dieses 11. mtc Sommerfest möglich gemacht haben!

Auf Euch, Prost!

Es gilt wie immer das gesprochene Wort 😉

Danke nochmal und noch immer aufgewühlte Grüße durch den Morgen!

 

Gestern war hier in ganz Berlin Vorparty für unser mtc Sommerfest. Nennt sich Fete de la Musique und ist ein richtig toller Abend. Überall gibt es Musik in der Stadt. Alles klingt und schwingt und tanzt, vor allem natürlich in solch lauen Sommernächten. Also, raus aufs Moped mit der Kleenen und ab in die Stadt. Wir hatten natürlich Glück. Elisa, unsere Service Desk Zauberin spielt in einer Band und hatte uns ’nen Tip gegeben. Im Birgit&Bier garten hier gleich ums Eck, spielten schon gegen 17:30. Wie schön, zu sehen und zu spüren, alles mit zu erleben. Ein richtig tolle Lokation, die Gegend kannte ich noch von früher, war „damals“ schon gut. Heute erst! Das Konzert lief spitze, hab einen Livestream ins Facebook geschossen, ein paar Fotos gemacht und ansonsten ganz stolz auf Elisa und ihre Band mit geschaukelt und gezuckt… hat richtig Spass gemacht! Danke an Rosie and the Amateurs of Speed für dieses Erlebnis! Grossartig!

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Tolle Energie! Tolle Stimme, tolle Musik! Danke!

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Elisa, Aleyna und ich mit der Setlist von Rosie.

Kurz vorher und danach habe ich beschwingt meine Sommerfestrede geschrieben. Bin nun etwas müde und knapp in der Zeit, aber das wird schon alles. Einfach ruhig und im Moment bleiben und nicht an der Angst vor dem Auftritt oder der Aufregung vor dem Chaos kleben bleiben.

Heute habe ich nichts zu sagen. Heute habe ich nichts zu zeigen. So sitze ich hier und versuche, davon zu kommen. Ich übe das sehr viel. Widerstand!

Erinnerungen. Es gab schon einmal einen Post hier, bestimmt nicht nur einen. Widerstand!

Reaktionen. Das WordPress Thema hier ist nicht das Neueste. Das unterste Menü hat ja noch Standardtext. Schön, dass ich wieder hier schreibe. Freuen auf das Sommerfest. Freude und Spannung auf meine Rede. Widerstand!

Meine Gedanken denken und denken und ich fühle Unruhe. Ich spüre den Widerstand körperlich. Ich sabotiere meinen Fokus. Prokrastination. Ärger. Ablenkung. Unterhaltung. Facebook? Spiegel Online? Schokolade zum Frühstück? Widerstand!

Finde doch zurück zur Arbeit. Abwartend. Vertrauend. Mutig. Freundlich und liebevoll. Im ständigen Wechsel. Wie mein Atem. Ein und Aus.

Hier zu Hause geht grad das Internet nicht. Zum ersten Mal seit langem. Eine willkommene Hürde. Eine Ablenkung. Ärger. Nein, dafür ist es zu klein, zu sehr mein Gebiet. Aber Ablenkung. Logs checken, Neustarten. Abwarten. Erhöhte Aufmerksamkeit.

In einem der letzten Posts hier habe ich über meine Morgenroutine geschrieben. Über meinen idealen Start in einen neuen Tag. Auch finde ich so viel Widerstand.

Ich werte und messe mich daran, ob ich meine Routine blogpostmässig durchgezogen habe oder nicht. Hab hier doch geschrieben, wie ich das jeden Tag, also jeden Tag, mache. Und fühle mich gescheitert, wenn ich mal keinen Bock habe, müde bin und Teile davon ausfallen lassen oder auch nur abkürze. Sind ja nur ganz kurze Gedanken, aber sie bestimmen meine Richtung, die Stimmung am Tag.

Sie beeinflussen mein Leben, mein Wachstum, meine Entwicklung.

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Manchmal beneide ich Menschen, die sich einfach immer für ok halten, für gut, vollständig, erfolgreich und toll. Ich stelle mir vor, dass es das gibt. Ich stelle mir sogar vor, dass ich diese wertenden Gedanken einfach nicht denke und es mir damit besser geht. Selbstreflektion my ass!

Ein weiteres Feld für diese Übung in Impulskontrolle und Willenskraft ist meine Ernährung. Hier habe ich in den letzten Monaten wirklich viel geübt. Es ist so einfach. So banal. Und man kann wirklich sehr viel scheitern. Und trotz allem Widerstand bemerke ich doch, wie sich mein Leben verändert. Immer mehr. Immer wieder. Immer!

Es war bei der Mediation doch auch so! So oft ausfallen lassen, so oft gescheitert, so oft so viele Gedanken auf dem Kissen. Und doch! Es war beim Sport doch auch so. So oft geflucht, so oft abgebrochen, so oft geschummelt. Und doch! Es ist beim Essen genau so. So oft doch wieder schwach geworden, und die Schokolade genossen. Und doch!

Was wäre ich ohne diese wertenden Gedanken, ohne den Widerstand? Wie schön könnte es doch sein, wenn ich mich nicht über mich selbst aufrege? Mich selbst nicht so wichtig nehmen, um mich wirklich wichtig zu nehmen?

Widerstand ist zwecklos. Was doch nur bedeutet, dass er keinen Selbstzweck hat. Es gibt andere Wege. Ich kenne sie schon! Bin sie schon gegangen!

Internet geht jetzt übrigens wieder. Der Neustart hat es gerichtet! Na dann! Auf in den Tag…

Ein neuer Blogpost von mir! Yeah! Sitze endlich mal wieder vor meinem Laptop und habe den WordPress Editor offen, schreibe einfach los. Denke diese Tage gerade viel an meine alte Routine, des täglichen Tagebuchbloggens hier. Will das wieder haben und besser machen. Frage mich oft, wo ich eigentlich die Zeit hergenommen habe, wie ich das geschafft habe, jeden morgen über Jahre. Unglaublich: mein früheres Selbst.

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Mein Leben fühlt sich aktuell sehr bewegt, sehr intensiv an. Es passiert so viel, die Tage sind lang und voll und abwechslungsreich. Arbeit, Familie, Sport, Spass. Dinge erledigen, machen, besorgen, wegschaffen, tun, lesen, lernen, vergessen, erinnern, suchen, finden, besprechen, erhalten, geben, schaffen, nicht schaffen. Viele Momente, die schnell vorüber ziehen und kein Ort, sie zu würdigen, sie kurz fest zu halten, sie zu teilen, ausser das eigene trügerische Gedächtnis.

Wo bin ich? Mitten drin natürlich, voll dabei. Die Fotos sind noch geblieben, viele Fotos auf meinem iPhone, auf der Mavic, der Fuji. Diese durchzuschauen, zu sortieren und zu taggen wird wohl nie gelingen. Ab und an synce ich alles in meinen Lightroom Katalog, lege ein paar Albums an und frage mich, was von der Stunde geblieben ist, die das gedauert hat.

Es geht schnell, das hier jetzt aufzuschreiben. Die drei Absätze haben keine 20min gedauert. Wenn ich jetzt nicht werte und denke, dass diese Zeilen es doch nicht wert sind, hier gespeichert zu werden, dass sie schlecht, ungenügend, belanglos sind, dann wird hier bald wieder mehr gespeichert werden. Die Erinnerung an die Routine wird gerade stärker, die Erinnerung an genau dieses Gefühl, was jetzt entsteht. Schön!

Bei @dailyzen gestern das hier gefunden:

Meine Sommerfestrede steht am Donnerstag bevor und sich suche schon seit Tagen nach der Inspiration dafür. Heute morgen, bei der Meditation kam die Erinnerung an diesen Tweet, an dieses Zitat von John Updike wieder hoch. Hatte es eigentlich der Liebsten geschickt, weil… tja, weil es uns manchmal, oft so geht.

Und heute morgen fiel mir ein, dass es mir bei mtc auch so geht. Es ist oft einfach, eine Erinnerung an etwas zu lieben, aber mit der Realität nicht klar zu kommen, Ärger, Widerstand, Gleichgültigkeit, Ignoranz zu empfinden. Oder auch das Gegenteil! Aber den Moment zu lieben? Das ist die Kunst, das ist Aufgabe und selten erreichtes, wertvolles Ziel!

 

 

Nun sitze ich im neuen Balzac, das mal die Espressolounge war. Ich will seit Wochen ein Goodbye schreiben, mit meinen schönsten Erinnerungen, ein paar Bildern. Ja, das Blinis, das ich mit meiner Verwandlung im Jahr 2009 so sehr verbinde, das gibt es nicht mehr. Ende Februar 2017 war Schluss. Es hat nicht sollen sein. Der Ort, der mir und vielen anderen so viel bedeutet hat, musste verschwinden. Platz für etwas neues, etwas anderes machen. 

Jetzt werde ich traurig, nehme Abschied. 

So viele Erinnerungen. Fast den ganze Blog hab ich hier geschrieben. Jahrelang. Einen neuen besten Freund habe ich hier gefunden. Viele Freundschaften, noch mehr Bekanntschaften geschlossen. 

Die Organisation, der Organismus Espressolounge, das Blinis ist nicht mehr. Ja klar, es gibt um die Ecke in der Schenkendorfstrasse den kleinen Nachfolger, das Team, die Maschine, die Atmosphäre, die netten Menschen sind jetzt dort in einem geschrumpften, kleinen Überbleibsel. Das ist gut. Für den Kiez, noch mehr für die Stammgäste und die Beziehungen untereinander. Aber mein Blinis ist weg. Für immer weg!

Ich war so nah dran am Ende. Hab doch mit allen Beteiligten seit November mehr oder weniger intensiv gesprochen. Der Betreiberin, dem Eigentümer, dem Team, den Stammgästen. Verstehe den Kampf. Bedauere den Ausgang. Vermittlung gescheitert. Bis ganz zum Schluss, als klar wurde, dass es nicht um Geld, sondern ums Ego, ums eigene Selbst geht. Das Ende des Blinis ist das Ergebnis einer von Beginn an zum Scheitern verurteilten Beziehung zwischen Mieter und Vermieter, zwischen Betreiber und Besitzer, zwischen zwei Unternehmern, die unterschiedlicher nicht sein konnten.

Der neue Ort, das Balzac ist sehr schön geworden, ich finde es richtig schön hier. Der Kiez bestreikt den neuen Laden noch, zwischen sieben und acht eben waren nur drei Gäste da. Das wird sich vielleicht ändern. Das ändert sich. Das Team ist nett, das Angebot gut. Ja, es ist eine Kette, damit etwas anonymer, etwas beliebiger, etwas kommerzieller. Das passt vielleicht nicht in den alten Kiez hier. Aber den gibt es eh nur in unserer Erinnerung.

So, nun geb ich Euch noch eine kleine Tour durchs neue Balzac. 


Die besten Bilder von 8 Jahren Esspressolounge, die such ich noch raus und hebe mir den Post noch etwas auf. Einen Titel hab ich dafür schon: Evolution. 

Der Titel ist ein Schreibfehler. Ausserdem sollte es Evet veya Hayır heissen. Hier klebt alles voller Plakate, entweder mit Präsident oder Prime Minister oder mit einem kleinen Mädchen. Auf einem steht Evet auf dem anderen Hayır. Andere Werbung gibt es kaum noch und ich hab auch einige leer Flächen gesehen, ganz anders noch als vor einem Jahr. Am Ostersonntag gibt es hier das Referendum. Es fahren die Lautsprecherwagen durch die Stadt, die es immer vor Wahlen gibt. Auf belebten Plätzen stehen Zelte der Parteien. Es scheint um viel zu gehen.

„‪Are you a one or a zero? That’s the question you have to ask yourself. Are you a yes or a no? Are you going to act or not?“ habe ich vor drei Tagen in Mr. Robot gehört.

Eben las ich hier in „When Pixels Collide“: „Hindu philosophers theorized that the Heavens were made of three competing, but necessary, deities that they called the Trimurti. They were Brahma the Creator, Vishnu the Protector, and Shiva the Destroyer.“

Es ist natürlich nicht nur schwarz oder weiss! Es ist immer beides. Es geht immer um einen Balance von beidem. Nächsten Sonntag kann man hier drei Dinge tun: nicht oder ja oder nein wählen. Ich bin sooooo sehr gespannt, was passieren wird, wofür sich die Mehrheit hier entscheiden wird.

Als wir gestern kurz vom Spiel durch Beşiktaş liefen, kam plötzlich eine Autokolonne. Vielleicht fünfzig schwarze, schnellfahrende Autos: SUVs und grosse Limousinen. Manche der SUVs hatten offene Fenster, aus denen Maschinengewehre ragten. Alle blinkten sie blau, rot. Sie fuhren mitten durch Menschen und Automassen, durch eine Demonstration, durch tausende Menschen, die an einem Samstag Abend durch einen bei den Einheimischen sehr beliebten Stadtteil liefen, vorbei an den Plakaten und Fahnen.

Das war entweder Erdogan oder sein Prime Minister, sagte einer meiner Begleiter. Und ich konnte nur daran denken: Was passiert mit diesem Menschen, der sich nur noch in solchen Konvois durchs Land, durch die Stadt bewegen kann? Einem Mensch, dem ständig in fünfzig Autos hunderte Menschen vor- und nachfahren?

Ja oder Jetzt? war die Frage. Ja zum Jetzt! ist meine Antwort!

Diesen Satz werde ich wohl immer mit den diesjährigen Strategietagen verbinden. Einmal im Jahr, meist im Februar oder März, fahren wir bei mtc mit ein paar Leuten für zwei Tage raus. Schon seit fast von Anfang an, seit 2008 machen wir das.

Jedes Jahr ist es etwas besonderes. Dadurch ist es mir sehr wichtig geworden. Zusammen mit dem Jahresauftakt und dem Sommerfest sind die Strategietage D I E drei Termine im Kalender von mtc.

Mit dem Hotel in Sommerfeld haben wir einen idealen Platz für uns gefunden. Nicht zu fancy, gutes Essen, direkt an einem ruhigen See, mit kleinem Spa, das ein  Schwimmbad und Sauna hat. Das Hotel hat drei Räume hinter dem Restaurant, die direkt neben einander liegen, ein grosser und zwei kleine. Die passen ideal zu unserem Dutzend Kollegen.

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(c) Christian Sonntag

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(c) Matze Schmidbauer

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Es sollte dieses Jahr um Kaizen gehen, um Veränderungen zum Besseren. Das ist schon lange Thema bei uns. Wie können wir Dinge erledigen, tun, einfach machen? Je größer wir werden, um so wichtiger erscheint es mir, dass wir uns weiter darauf fokussieren, Dinge einfach zu erledigen. Dass wir uns nicht nur mit uns selbst beschäftigen: mit unserer eigenen Wichtigkeit, den grossen Projekten, dem nächsten Workshop, Termin.

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Kai Zen

Es geht um das Ergebnis unseres Tuns. Haben wir heute jemandem geholfen (nicht gerettet)? Haben wir die Software, das Produkt, die Doku, unseren eigentlich Job heute besser gemacht (nicht fertig)? Haben wir einen Schritt in die richtige Richtung unternommen (nicht, sind wir angekommen)?

Aber wie beschäftigt man sich nun zu zwölft mit diesem Thema? Ohne das man sich gegenseitig Vorträge darüber hält.

Tony und ich hatten uns drei Fragen überlegt, nach und mit einigen Gesprächen zwischen Gregor, Gunnar und mir:

Woran erkennt man mtc? Was bedeutet es, zu helfen? Was bedeutet es, zu dienen?

Und zwischendrin haben wir zusammen diesen Film geschaut: „Jiro Dreams of Sushi“.

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Es gibt bei unseren mtc Stratgie Retreats immer gemeinsame Arbeit an den jeweiligen Fragen. In kleinen Gruppen mit wechselnden Teilnehmern. In einstündigen Blöcken. Eingestimmt durch ein paar Erinnerungen von mir und am Ende des ersten Tages unterbrochen durch den Film und abgeschlossen durch neue Vereinbarungen.

Mein Ziel dabei ist es in diesem Jahr gewesen, unsere Management Prinzipien zu erarbeiten und aufzuschreiben. Es geht um Begriffe, Sätze, Werte, Ideen die wir gemeinsam haben. Auf deren Bedeutung für uns, wir uns gemeinsam verständigen. Und an die wir uns im Alltag erinnern können: wenn wir uns sortieren, priorisieren und motivieren. Aber auch, wenn wir Konflikten begegnen, wenn wir fest stecken oder uns mal verloren fühlen.

Mit den Ergebnissen der Arbeit in diesem Jahr bin ich sehr zufrieden.

Eine grosse Präsentation ist daraus entstanden, die in den letzten vier Wochen immer weiter verbessert, ergänzt, verfeinert worden ist. Gestern wurde sie auf dem 4. mtc All Hands 2017 gehalten. Es sind schon einige viele Slides, viel Stoff für eine Stunde. Das empfinde ich als eine Herausforderung.

Parallel findet auch gerade eine Sitecore Schulung bei uns statt, so dass zehn unserer Kollegen eigentlich nicht beim All Hands dabei sein wollten. Das war spannend! Wenige Minuten vor dem Start um 11 kamen sie doch dazu. Normalerweise ist es immer so, dass eigentlich nur etwa die Hälfte unserer Kollegen es schafft, vor Ort zu sein. Ein paar weitere schauen noch beim Livestream zu, den wir seit langem schon mitlaufen lassen. Gestern war die Hütte voll und unsere Lounge platze aus allen Nähten, hab leider nicht genau gezählt, es waren sicher mehr als 50 unserer Kollegen anwesend.

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Nun noch zur Präsentation und unseren Management Prinzipien. Es sind am Ende 12 Prinzipien entstanden, jeweils drei für Erkennen, für Helfen und Dienen. Nach der Vorstellung haben wir gemeinsam darüber gesprochen. Das erste Mal überhaupt haben länger diskutiert. Wir dabei den Grill oben auf der Terasse fast vergessen und eine Viertelstunde überzogen. Das war ganz fantastisch!

Nun denn, klickt mal durch, wenn Ihr Interesse habt:

 

Mit dem Begriff Dienen hatten die meisten Kollegen echte Schwierigkeiten: eine eher negative, abwertende Definition erzeugte Ablehnung, Widerstand. Den im gemeinsamen Gespräch zu überwinden, hat uns richtig weiter gebracht. Die Prinzipien zum Dienen gefallen wir mir eigentlich am Besten.

Mit dem Satz: Wir helfen gern hatte ich die meisten Schwierigkeiten: als dieser Satz an der Wand stand, sträubte sich alles in mir. Ich erinnerte mich an Momente, in denen ich nicht gern geholfen habe, weil… tja, weil es keine echte Hilfe, sondern Rettung war. Nicht Rettung aus Not, sondern Rettung aus Bequemlichkeit, Gier oder vor Frust. Auch erinnerte ich mich an Momente, in denen mir geholfen wurde. Aber nicht, um meiner Selbst willen, sondern um etwas zu erhalten, einen Pluspunkt, eine Gegenleistung, ein Dankeschön.

Im Streit um diesen Satz: Wir helfen gern! entstand die Einsicht, in den Management Prinzipien nicht unsere Absicht, unseren Wunsch oder unser Ideal oder Anspruch an uns selbst zu formulieren. Es geht nicht darum aufzuschreiben, wie wir gerne wären, wie wir die Welt und uns gerne sehen würden. Sondern es geht vielmehr darum, unsere Einsichten zu formulieren und unsere Klarheit auszudrücken in sorgsam gewählten, wenigen Worten.

Und so wurde aus: Wir helfen gern unser §4 Wirkliche Hilfe bedeutet, das in diesem Moment notwendige zu tun. und Wirkliche Hilfe ist selten und wertvoll.

Das ist jetzt nur ein Beispiel von vielen, wie diese Prinzipien entstanden sind. In den nächsten Tagen und Wochen werden mein Team und ich sicher weiter an diesen Themen arbeiten. Uns vor allem überlegen, wie wir diese Prinzipien bei uns tiefer verankern können, wie wir sie präsentieren und in unserer Erinnerung wach halten. Ich glaube wirklich, dass sie uns bei unserer weiteren Arbeit helfen können. Und ich helfe doch wirklich gern. 🙂