Ärgersucht

Istanbul, 6:14, Tag 836

Heute bin ich bin meinen Träumen aufgewacht und zeitig hoch. Habe detailreich und spielfilmhaft geträumt, habe eine gute Erinnerung daran. Bin nicht ganz ausgeschlafen, aber mir war die morgendliche Routine, die Meditation zum Sonnenaufgang, grad wichtiger.

Beim Übertragen meines Sonnenaufgangs, habe ich gleich die Bilder des gestrigen Tages sortiert. Das fühlt sich gut an. Dauert, wenn täglich früh erledigt, nur ein paar Minuten. Durchgezogen, würde ich mir das schlechte Gefühl beim Anblick der 27.384 anderen unsortierten Fotos ersparen, die ich in den letzen Jahren mit dem iPhone gemacht hab.

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Gestern Abend habe ich noch eine Runde um den Block gedreht. Ich hakte fest und brauchte Bewegung. Nicht so sehr ich, mehr mein Umfeld sollte sich bewegen. Am frühen Samstagabend hier in Gayrettepe ist nicht viel los, die E5 zieht wie ein Starkstromkabel einmal quer durch. Laut und schnell, kurz vor der Brücke, kurz vor Asien. Der Gemüsemann räumt seinen Stand weg. Zwei Taxis stehen lauernd am Rand. Im Sürmeli gibt es eine Firmenfeier. Es gibt kleine Parks, wenig Grün, die paar Spielplätze haben Bänke zum Sitzen.

Mein Ärger, meine Wut sind direkt, direkt verbunden mit meinen Süchten. Wenige Schritte brauchte ich, bis sich dieser Gedanke breit machte. Ich spürte die klare Verbindung, die Linie, den Zusammenhang. Der Ärger dient dabei als Rechtfertigung, als Ursache und Grund. Mehr noch. Ärger erzeugt den Handlungsimpuls in mir.

Es ist ein Ärger auf mich selbst, in mir selbst, der mich vergessen lässt, was mir gut tut. Vergessend, nur mich selbst vergessend, kann ich Cola Light trinken, Zigaretten rauchen, Süsses fressen und das andere alles auch. Ignorierend, nur alle Konsequenzen ignorierend,  kann ich Gifte atmen.

Mein Ärger dient dabei als Schmerzmittel. Vorab verabreicht.

Wie soll es auch anders gehen? Schwierig zu erkennen, wenn beides zeitlich nicht zusammen hängt, wenn man abends in gemütlicher Runde sitzt. Kollektive Normen, gesellschaftliche Rituale, das viele Geld erschweren die Erkenntnis zusätzlich.

Wir stellen uns viele unserer Wahrnehmungen nur vor, wir erfinden sie einfach. Können wir aufmerksam, achtsam sein, erkenn wir den wahren Charakter unserer Wahrnehmungen. Die Bilder in unseren Köpfen, die damit verbundenen Gedanken, die daraus resultierenden Gefühle – alles Illusion, alles selbst erzeugt. Von uns und unserem Umfeld.

Selbst meine Erkenntnisse über den Zusammenhang, nur ein Bild, das mir hilft. Im Moment. Mich motivierend, weniger zu streiten, sanfter, nachlässiger, nachgiebiger, offener, freier zu sein. Den Kreislauf des Rennens, des Hetzens, des Ärgerns und des Leidens zu durchbrechen, das ist mein Weg.

Frohen Mutes wünsche ich einen guten Sonntag.

Ärgersucht

Träume leben

Istanbul, 5:58, Tag 835

Heute bin ich sehr zeitig aufgestanden. Aufgewacht aus einem wilden Traum. Und hab beschlossen, ich muss bald noch mal in die Beelitzer Heilstätten. Naja, von oben filmen wird immer gehen. Denn, die ziehen grade echt einen Zaun drumherum.

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Nun habe ich schon angefangen, hier überall rum zu lesen und zu schauen und aufzuräumen. Eine Stunde ist so vergangen. So schnell.

Zwei Themen beschäftigen mich grade privat. Also eher das Spielkind in mir.

Einmal die Apple Watch. Endlich ist meine vorgestern angekommen. Die ersten Eindrücke sind sehr sehr positiv. Und die Erwartungen waren hoch. Sie ist unaufälliger und brauchbarer, als gedacht.

Ein paar ihrer Funktionen wirklich beeindruckend: Herzschlag senden! Natürlich. Ohmann, wie toll fühlt sich das an, genau den Takt zu spüren.

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Aber auch, dass die Spracherkennung gut funktioniert oder man damit sogar telefonieren kann, was irgendwie creepy cool ist. Einfach sehrsehr gut gemacht. Es ist ja meine dritte Smartwatch, nach der Moto360 und der Pebble. Ich wage mal zu prognostizieren: diese jetzt bleibt länger als vier Wochen um mein Handgelenk.

Dann, das mit den Drohnen.

Ich hab mir letzten Sommer ‘ne DJI Phantom II zugelegt und auch gleich geschrottet. Nach den ersten Flugversuchen wurde ich mutiger und vor den Augen meiner gesamten Familie, bei Grossvaters Geburtstag, crashte ich sie ne Woche später auf einem Balkon eines Hauses in Bitterfeld. Scham und Pein.

Ohh, war das schlimm (Immer wieder danke, Ma, dass du echt geklingelt hast). Verboten müsste das werden, rief der Nachbar, dessen Balkon ich fast getroffen und der mich sicher verklagt hätte. Doch dieser Spass ist mir erspart geblieben. Der eigentliche Balkonbesitzer, ein entspannter Käpt’n eines Ausflugsdampfers, hat sich eher über meine Scham amüsiert, als aufgeregt. Puh!

Doch das konnte mich nicht abhalten.

Reparieren -selbst oder beim Hersteller- war fast so teuer, wie ein Neukauf. Und das bedenke bitte jeder, der auch überlegt, sich einen Quadkopter, eine fliegende Kamera, eine Drohne zuzulegen. Aber für mich ist mit dieser Technologie ein ewiger Traum in Erfüllung gegangen.

Kurz nach der Wende war das erste: Campen. Zelten und alle damit in Verbindung stehenden Technologien, leichte Zelte, leichte Kocher, Iso Matten. Aber das zweite war Fliegen: doch immer wieder schreckte ich davor zurück. Weil ich keinen Hobbykeller hab. Doch mit der DJI Phantom konnte ich endlich auspacken und los fliegen, ohne zu basteln, zu schrauben, zu kleben. Wahnsinn!

Viel Zeit habe ich mir bisher nicht dafür genommen, vielleicht zehn Flugstunden, 30 Akkus hab ich leer geflogen. Aber, aber ich das jetzt kann, ohne mir das vorher selbst zusammen gebaut haben zu müssen, fand ich jede Minute davon grossartig.

Das Fliegen selbst erinnert mich viel an Computerspiele.

Die Hand Auge Koordination, die Abstraktion der Bewegungen der Drohne in der Luft, dreidimensional über diese kleinen Sticks der Fernbedienung muss ich erst erlernen. Wie einst beim Traktor und LKW fahren, sitze ich manchmal Abends da und übe: damals das Schalten und Kuppeln unsynchronisierter Getriebe mit den Bewegungen meiner Füsse. Heute sind es die Bewegungen meiner Finger. Dabei stelle ich mir mit geschlossenen Augen die Auswirkungen auf die Drohne vor, wie sie steigt und fällt, sich dreht und dabei(!) vor zurück und seitwärts fliegen kann.

Das eigentlich irre dabei ist aber, dass ich eine Kamera fliege. So verbindet so ein Quadkopter mein liebstes Hobby mit einer alten Sehnsucht.

Hier in HD und noch etwas wackelig, ungeschnitten, unbearbeitet, so wie es die Drohne aufgenommen hat, während des Fluges:

Verrückt, oder?

In Istanbul traue ich mich das nicht. Zu verantwortungsbewusst, zu alt, bin ich dafür. Wirklich gefährliche Drohnenflüge finden hier schon statt. Die Diskussion beginnt wegen diesem Idioten grade, zumal es hier noch keine Regulierung, kein eigentliches Verbot gibt.

Aber trotzdem träume ich davon, über den Bosphorus zu fliegen, unter der Brücke durch. Über den Grand Bazaar, am Golden Horn. Vielleicht schaff ich das doch noch. Ein paar Werbeagenturen, ein paar Filmcrews kenn ich hier schon. Baustellen kann man dokumentieren, neu eröffnete Shoppingmalls überfliegen. So viele Ideen kommen mir.

Ich denke, es wird eine richtig kleine Industrie um Drohnenkameraflüge entstehen, die heute wegen zu teurem Equipment und nem dafür notwendigen Helikopter für 99,99% der Menschen unerreichbar, unvorstellbar sind.

So, heute ging es darum, dass man seine Träume lebt. Nicht wartet, dass etwas passiert, sondern aktiv daran arbeitet. Zwei meiner Träume erfülle ich mir von Zeit zu Zeit. Genau das macht auch mein Leben aus.

In Dankbarkeit für diese tollen Möglichkeiten, verabschiede ich mich in den Samstag und brutzel uns jetzt Pfannkuchen.

Wünsch Euch einen erfüllten Samstag!

Träume leben

Drama pur

Istanbul, 6:33, Tag 834

Heute Morgen bin ich in Istanbul aufgewacht an einem freundlichen, bedeckten Morgen. Die Morgenmeditation verlief schnell und unruhig, kurz unterbrochen von einem vergessenen Wecker klingeln.

Mein Plan heute ist es, einen Tag im Kolektif House zu verbringen, einem sehr schönen Co Working Space hier bei mir in der Nähe. Die Tochter ist schon im Schulbus. Und ich sitze schon beim Tee im Durak Bufe vor unserem zu Hause und schreibe meinen Blog.

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Habe meinen Traum vergessen lassen. Eine schnelle Bemerkung meines besten Freundes, hat mich zum Nachdenken gebracht. Die Verbindung mit meinem Traum, die Suche nach den Fetzen der Nacht als Einleitung hier zu überdenken.

Nun suche ich nach einem neuen Einstieg. Wie geht es mir heute morgen? Wie lief meine echte Morgenmeditation? Das sind die beiden Alternativen, die mir gleich in den Sinn kommen.

Ich habe keine Lust, mich selbst mit dem Finden von genialen ersten Sätzen unter Druck zu setzen. Denn hier gibt es eine Erinnerung über die Bedeutung von ersten Sätzen in Büchern von berühmten Autoren. Die führte dazu, dass Jungautoren extrem viel Aufwand und Aufmerksamkeit in die ersten Sätze stecken. Diese Erinnerung gilt es, nun los zu lassen.

Bestimmtheit, statt Ärger war auch gestern das Thema im Job. Ich spreche meinen Ärger an. Wenn ich dabei Zugriff auf meine Motive bekomme (kleines Ego, schlechte Erfahrungen, Machtgerangel, Konkurrenzdenken, oder oder oder… letztlich Angst), lege ich diese sofort offen. Stelle mich der Schwäche, öffne meine Arme, rede mich um Kopf und Kragen.

Halte inne, lasse los.

Die Energie dabei ist sehr hoch. Es ist viel Druck im Kessel, ich spüre meinen Blutdruck, einen leichten Druck in den Schläfen. Es fühlt sich neu an. Es fühlt sich richtig an.

Türkische Nachrichtensender wiederholen dramatische Szenen, die meist nur wenige Sekunden dauern, meist 5 – 10 mal, ab und zu ergänzt durch kurze Sätze von Zeugen und leicht variierten Schnitten oder Hervorhebungen. Drama pur. Immer mit dem O-Ton, den Schreien, dem Krachen, dem Schlag, dem Schmerz. Drama pur.

Aktuell eine Überschwemmung, ein Mann rappelt sich auf die Beine in einem reissenden Fluss und wird sofort von einer Kiste getroffen und weggespült. Frauen neben dem Filmenden schreien in Panik.

Nachdem das 5 Sekunden Video 2 Minuten lang immer und immer wiederholt wurde, gab es einen kurzen Abstecher an den Strand nach Alanya (mit Touristinnen in Bikinis von hinten). Und dann ging es zum nächsten Hochwasser. In diesem wurden allerdings nur mehrere überspülte Autos von Traktoren abgeschleppt, dafür gab es nur 3 Wiederholungen.

Wie langweilig, beschaulich ist dagegen das deutsche Morgenprogramm im Fernsehen. Jetzt ahne ich, warum das niemand mehr anschaut. Da passiert ja nix! ;)

So! Die geplante Zeit naht dem Ende. In 45 min startet mein erster Termin, mein Weg ins Kolektif House dauert etwa so lang. Also.

Wünsch Euch einen anregenden Freitag!

Drama pur

Welle machen

Berlin, 5:44, Tag 833

Heute Morgen war ich sehr müde und erschöpft. Ich glaub, die letzten drei Tage Dauerfeuerwerk und zu wenig Schlaf sind dafür verantwortlich.

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Die Nachricht gestern erinnerte mich daran, dass es jederzeit vorbei sein kann. Mit allem. Es fing am Morgen auf Facebook an und setzt sich den Tag über fort.

Erinnerung an die Einsicht in die Unbeständigkeit unseres Lebens.

Krankheit oder Unfall und alle Pläne, aller Ärger, alle Sorgen, alle Ziele, alles Sehnen, alles Träumen hat ein Ende. Unerbittlich. Unausweichlich.

Und wir ignorieren nach Kräften diesen Fakt und stemmen uns dagegen.

Nein, es ist nicht wahr, sagt die Welle, ich bin nicht nur Wasser! Ich bin Welle, ich fühle es, Du kannst es doch auch sehen. Ich bin Welle!

Ausrufezeichen. Ende. Punkt.

Bestimmte Menschen in bestimmten Situationen stören mich. Sie ärgern, provozieren, enttäuschen, lösen sie negative Gefühle in mir aus.

Meine Standardreaktion: ich ärger mich, ich lass meine Ablehnung, mein negatives Gefühl an die Oberfläche, verziehe das Gesicht, spanne den Körper an, wende mich ab, erhebe die Stimme, senke die Stimme. Ich geh rein in den Ärger und lass ihn machen.

Warum? Nein, das ist nicht die richtige Frage. Was ist die Wurzel? Woher kommt das? Und was habe ich davon? Was ist die Frucht?

Anstrengend, empfinde ich diese Praxis. Es gefällt mir nicht, was ich dort als Antwort sehe. Vor allem, wenn ich nach der ersten Antwort weiter schaue und einfach immer weiter frage, in der zweiten, dritten, vierten Ebene.

Wem das auch zu anstrengend ist, aber trotzdem etwas ändern möchte, dem empfehle ich wieder zurück zu Schritt Eins. Konzentrier dich auf das Positive, auf den Überfluss, auf das Schöne, der jeweiligen anderen Person.

Sicher, man kann sich über alles aufregen, aber Aufregung an sich bringt nichts, aber auch gar nichts. Wenn man nicht handelt. Wenn man sich selbst nicht bewegt. Und wie oft regen wir uns nur auf, tratschen, lamentieren und machen dann doch nichts.

Mein Ärger ist eine meiner Methoden, mich ins Handeln zu bringen. Es ist der scheinbar einfache, aber schmerzhafte Weg. Zu allererst für mich, dann für die anderen!

Ich schreib das hier, um es wirklich zu verstehen. Weil ich denke, Verständnis, Einsicht hilft mir, mich zu ändern, weniger zu leiden, weniger Leid zu verursachen. Und im Anfang steckt schon der Fehler: weil ich denke… es ist diese Einschränkung, die ich mir selbst auf erlege, die der wahren Transformation im Weg steht.

Selbst das weiss ich, fühle ich.

Und doch bleibt nur der Weg, es auch zu tun! Sehr stark wahr heute morgen mein Ärger und meine Ablehnung gegen alle diejenigen, die erst Quatschen, erst Ankündigen, erst erzählen, was sie alles wissen, was sie alles könnten, was sie alles sollten. Ich will das nicht mehr! Ich will vor allem in der Arbeit, eigentlich nur noch schreiben, was ich getan habe! Und nicht, was ich tun möchte.

Habe gestern in drei Mails den jeweils letzten Absatz wieder gelöscht, in dem stand, was ich als nächstes tun möchte. Nicht weil ich es nicht tun werde, aber weil die Ankündigung einfach nichts tut, nichts bringt, nichts macht, ausser Anerkennung fordert, ausser Aufmerksamkeit auf mich, mein kleines Ego zieht.

Als ob, ich meinen Akku damit aufladen möchte, um es dann erst zu tun. Weil mein Akku leer ist, weil ich nicht gelernt habe, meinen Akku selbst zu fülle, mit Liebe, mit Freude und Lust am Leben.

Deshalb schreie ich raus: ich müsste mal wieder diese Blog hier verbessern, mehr schreiben, dies tun, jenes lassen. Und nun, gebt mir, liebe Leser, jetzt die Kraft und die Mittel, dies jetzt auch zu tun. Lest und Kommentiert und Liked hier wie die wilden, weil sonst, ja sonst, mach ich es einfach nicht.

Was ist das bloss für ein bescheuerter Mechanismus!

Welle machen

Loslassen

Berlin, 5:33, Tag 832

Heute Nacht bin ich vom Strand ins Wasser zu tausenden Menschen, die über ihnen kreisende Vögel beobachteten und mit ihnen tanzten. Ein so schönes Bild. Ich bin zu ihnen gewatet und über dem Wasser geschwebt und habe mir eine Gruppe gesucht, die mir sympathisch ist. Sie haben auf mich gewartet und mich herzlich begrüßt. Ich wachte trotz spätem Einschlafens schön zeitig aber müde auf.

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Heute war der Sonnenaufgang hier etwas wolkenverhangen, ein leichtes Leuchten zwar, aber mehr ein Foto für Kenner. Deshalb gibts einen Eindruck von einem Knallerstart gestern in Köln, in den Regen hinein. Wir sind sogar fast durch einen Regenbogen durchgeflogen.

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Der gestrige Tag war anstrengend. Ich war aufgeregt, wegen des Treffens am Nachmittag, hatte die Slides zwar schon gedanklich fertig, aber noch nicht erstellt am Morgen. Als ich ins Büro kam, stürmten Eindrücke auf mich ein und andere Themen, musste mich relativ brutal raus nehmen, um die Präsentation fertig zu stellen. Und es war gut. Der Plan ging auf, die vorbereitete Struktur wurde akzeptiert und funktionierte sogar. Ein Erfolg.

Die Anstrengung, die nötig war, überhöht unser Ego oft. Die Slides hätte ich genau so letzte Woche fertig machen können. Durch die Zeitnot, in die ich mich unnötig bringe, stresse ich mich, um mich dann erhöhen zu können.

Obwohl doch wir einfach machen könnten, können wir oft nicht. Wir tun etwas wichtiges, wider besseres Gewissen nicht oder zu spät oder nur mit Druck oder Lob oder Hilfe oder oder oder. Wir reden viel lieber mit uns selbst und mit anderen. Darüber wie schwer oder leicht oder toll es ist, statt zu tun.

Wenn so eine Einsicht da ist, wird es oft noch schwerer! Keine Ausrede funktioniert dann mehr. Nicht wirklich. Und ich werde dann oft traurig. Unwillkürlich. Auch jetzt.

Dabei mach ich doch schon mehr, als andere, sagt mir mein Umfeld dann und auch ich selbst. Aber es ist das Ego, welches mich vergleichen lässt (und wieder selbst erhöht). Und es ist der gleiche Mechanismus, der der mich an den Rand der Klippe bringt.

Es geht darum, auch diese Einsicht loszulassen.

Sich nicht dran zu klammern. Sie nicht jedem und vor allem sich selbst, immer wieder erzählen zu müssen. Sich nicht selbst die ganze Zeit zu programmieren. Sondern: Einatmen, Ausatmen. Zurück zur Mitte. Zurück zur Balance. Zurück zu sich selbst, zum Atem, zu dem was ist. Was jetzt hier in diesem Raum, auf dieser Couch, in dieser Luft, in diesem Tee, in diesem Laptop hier vorhanden ist.

Die Welt ist voller Möglichkeiten!

Alles, was wir tun, hat seine Folgen: auch wenn wir nur denken, wenn wir warten, wenn wir nichts tun. Wir werten. Wir glauben, dass nichts tun, nichts tut. Ich stresse mich, weil ich es gewohnt bin, mich zu stressen. Erziehung, Gesellschaft, Umfeld, Herkunft, Kultur. Die Gründe sind in mir, um mich herum, weit weg. Vergangen und präsent.

Die Welt ist voller Möglichkeiten!

Frieden ist möglich. Im hier und jetzt! Ich kann die stressenden Gedanken los lassen und einfach tun, was ich jetzt hier tun kann: denken, schreiben, atmen, beobachten, aufstehen, gehen…

Nun schliesse ich hier ab! Lese nochmal durch. Starte meinen Tag. Ein schöner Tag!

Loslassen

Über Krieg

Berlin, 5:11, Tag 831

Heute Nacht habe ich von einer langen Baracke geträumt. Ich sollte Vorhänge im linken Teil zu ziehen. Viele Räume, an einem langen Flur. Schwere Decken, die bis zum Boden reichten. Gemeinsam mit ganz alten Freunden hatte ich noch mehrere andere Aufgaben zu lösen. Es schien nur das Ende eines viel grösseren Traumes zu sein, dessen Anfang ich aber beim sehr zeitigen Aufwachen schon vergessen hatte.

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Empathie statt Ärger und hartes Feedback schnell geben, schreibt Boz grad heute morgen in meinen Facebook Feed. Wieder mal sehr passend! Der gestrige Tag war voller Unruhe und unterdrücktem, verstecktem Ärger über mich selbst. Schräg, wie schwer es mir manchmal fällt, mich selbst gut zu behandeln, gut über mich zu denken und ruhig zu bleiben.

Ich bin es so gewohnt, mich über etwas aufzuregen und dann mir selbst und anderen Druck zu machen. Eine starke Gewohnheit, lange Jahre geübt. Weg von Typ eben. Gut darin, Missstände, Fehler, Schwächen zu erkennen und dies als Motivation zu benutzen. Wenn ich auf dieser Strasse gehe, dann fällt es schwer, andere Motivationen zu sehen und zu nutzen. Die, von einem gemeinsamen Ziel oder Ideal oder gemeinsamen Werten. Der Fokus liegt ja auch dem, was nicht funktioniert, nicht gut ist!

Man kann diese Fehler dann sicher weg rocken, mit Brute Force, mit Arbeit bekämpfen, weg machen. Aber das ist im Grunde wie Krieg. Man will mit Aggression und Gewalt seine Ziele erreichen und wenn man sie erreicht hat, dann soll und kann und darf Frieden herrschen. Und doch erzeugt man nur mehr Leid.

Und weil es kurzfristig so überaus gut funktioniert, übersehen wir die mittelfristigen Nachteile, die Schwächen und Kollateralschäden, ja wir belügen uns selbst.

Gestern schreibt Jochen Todenhöfer auf Facebook u.a. folgendes:

Die Befürworter von Drohnen behaupten, Drohnen schützten das Leben unserer Soldaten. Das ist ein Denkfehler. Das Leben der Soldaten schützt man am besten dadurch, dass man Kriege erschwert und durch Verhandlungen überflüssig macht. Nicht aber dadurch dass man Kriege erleichtert.

Drohnenangriffe sind Terrorzuchtprogramme, die am Ende auch unsere Soldaten, unsere Zivilbevölkerung und unsere gesamte Werteordnung gefährden. Wenn auf der ganzen Welt Killerdrohnen eingesetzt werden, wird es weltweit immer mehr Terroristen geben. Unsere Terroristen-Jäger merken noch immer nicht, dass sie Terroristen-Züchter sind.

Ich bin für starke, moderne Streitkräfte zur Verteidigung (!) unseres Landes. Damit potentielle Feinde nie auf dumme Gedanken kommen. Aber nicht, um Angriffskriege zu führen. Zur Verteidigung braucht Deutschland keine Killerdrohnen.

Ein weiter Sprung, aber all das beginnt bei mir und hat etwas ganz konkret mit mir zu tun. So lange ich glaube, mit mehr Ärger statt mehr Empathie Probleme lösen zu können, mache ich nur meinen Ärger stärker. Mit dem Lösen des einen Problems, züchte ich einen Haufen neue Konflikte.

Es ist Angst, die das mit mir macht. Und meine Angst in mir zu transformieren, und mich nicht mehr beherrschen zu lassen, das ist mein Weg.

Wünsche Euch frohen Mutes einen schönen Dienstag!

Über Krieg

Blitzstart

Noch Istanbul, 6:02, Tag 830

Heute Nacht habe ich von Sitzbänken voller Schokolade in einer grossen Halle und viel mehr geträumt. Es war ein Geheimtip. Entweder Schokoladensüchtige, die aufhören wollten, brachten ihre Reste mit hierher und lagerten sie in einer Schublade unter eine Bank oder es war eine Initiative der Stadt oder der Firma, die die Halle voller Bänke betrieb. Ich wachte vom Wecker auf.

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Heute ist Reisetag. Ich bin trotz der Routine leicht unruhig, Abschied liegt schon seit gestern Abend in der Luft. Bin noch nicht sicher, wann ich wieder hier bin, das erschwert das ganze.

Draussen ist viel Nebel. Ein wolkenloser, nebelverhangener Sonnenaufgang. Ich wär jetzt gern schwebend über den Hügeln von Istanbul am Bosphorus für DAS Foto. Für sol…

Eben riss ein Klingeln an der Tür mich aus dem Schreiben und die Mädels aus ihrem Schlaf. Muss los, die Rückreise nach Berlin beginnt jetzt.

Wünsche Euch einen schönen Start in die neue Woche!

Blitzstart