Monat: August 2008

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Sex Sells Sofas

Belauscht, als die Agentur ihrem Kunden den Prospekt erläutert:

„Durch die sprachlich geschickt induzierte, direkte Verbindung von Produktfunktionen mit den Gebrauchshandlungen der potentiellen Käufer auf unseren Sofas, sprechen wir sowohl den Jadgtrieb von männlichen Konsumenten als auch den Nestbautrieb der weiblichen Konsumenten schon beim Betrachten der Werbung an.

Übrigens haben wir den Rabatt in „10% Vertrauensbonus“ umbenannt, damit wird zusäztlich durch Überdimensionierung der Worte VERTRAUEN für ein wohliges Sicherheitsgefühl und BONUS für aktive Ansprache des Belohungszentrums gesorgt.

Dies alles führt zu einer unterbewusst erzeugten, erheblich gesteigerten positiven Wahrnehmung durch den Rezipienten und trägt damit zu der geforderten signifikanten Erhöhung der VPA-Quote (VisitStore per AdView) bei.“ 😉

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AUSZIEH-FUNKTION

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Easy-Glider-Funktion

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Schlaffunktion

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If your heart is small, …

Ein gefundenes Zitat von meinem Freund Tony muss ich hier auch posten – das ist sooo schön:

“If your cup is small, a little bit of salt will make the water salty. If your heart is small, then a little bit of pain can make you suffer.

Your heart must be large.”

-Thich Nhat Hanh-

Ja, wir sollten uns die Zeit nehmen, unser Herz zu öffnen… die Qualität unseres gesamten Lebens wird automatisch steigen.

Die Entscheidung für eine Beziehung, Ehe, das Zusammenleben hat sicher als Auslöser meisstens eine starke Verliebtheit, wird später aber niemals durch ein zu grosses Herz der Partner gefährdet – in dem auch andere Dinge/Menschen Ihren Platz bekommen können – sondern viel mehr: unterstützt! Gesellschaftliche Konventionen bzw. romantische Vorstellungen scheinen dagegen zu sprechen – und sind für viele Eifersüchteleien, Streitereien und damit Leid verantwortlich. Es fällt schwer, sich davon zu lösen. Dieses schöne Zitat von Thich hilft dabei – mir zumindest!

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Sich ans Web gewöhnen ist ein bisschen wie Sterben

Ein viel zu kurzes Interview auf SPON mit David Weinberger hatte ich heute den ganzen Tag geöffnet und hab überlegt, ob ich es hier einstellen soll.

Hab mich dann doch dafür entschieden – einfach weil es meine aktuellen Überlegungen aufgreift, was das ganze hier soll: Twittern, Bloggen, Facebooken, etc..

Bin immer noch im Ausprobierstadium… könnte sein, dass ich das in einem Monat, einem Jahr einfach wieder lasse. Fühle mich oft so, als ob ich lieber arbeiten – leben sollte, statt hier vorm Schirm so viel Zeit zu investieren.

Aber dann bin ich auch dankbar, für die vielenvielen Anregungen die ich bereits in den wenigen Monaten meines verstärkten Engagements in sozialen Netzen erhalten habe – Dinge, für die ich mich interessiere – die ich aber mit Google/NewsSites nie gefunden oder in persönlichen Gesprächen erst viel später vielleicht nie erfahren hätte. Menschen, mit denen ich nun Kontakt halten kann – wofür ich bisher scheinbar keine Kraft hatte.

Ganz klar dabei ist für mich, dass erst mit dem – mit von meinen Bekannten und/oder mir erfassten und verknüpften Informationen – eine Art Return on Invest möglich ist. Die Verknüpfung von Wissen mit Personen, die ich kenne oder zu kennen glaube, führt zu einer gefühlt intensiveren, effizienteren Nutzung dieses Mediums Internet.

Aber was ist mit all denen, die noch draussen sind? Bin ich nur ein GeekNerdDork?

Verändert sich wirklich  meine Internetnutzung? Oder ist das nur wieder so ein Hype?

Ist diese von mir gefühlte kleinegrosse Revolution wirklich real? Oder ändert sich nix in unserer Gesellschaft?

David Weinberger sagt zum Schluss des Interviews:

Es wird in diesem Bereich unvorhersehbare Entwicklungen geben.

Ja, aber welche!!!?!!! 😉

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How To Demo Your Startup

Ein schöner Artikel auf TechCrunch darüber, wie man am Besten (s)ein Produkt auf einer Konferenz oder vor Investoren, Businesspartnern präsentiert.

  1. Zeige das Produkt in den ersten 60 Sekunden
  2. Auch das beste Produkt braucht weniger als 5 Minuten für eine Demo
  3. Lass die Leute mehr wollen
  4. Rede darüber, was du gemacht hast – nicht was Du tun wirst
  5. Verstehe/Kenne deine Wettbewerber – aktuell und historisch
  6. Kurze Antworten sind die Besten
  7. Powerpoint Aufzählungen sind tot
  8. Über Telephone: immer Festnetz mit einem guten Headset
  9. Wie geh ich mit Fragen um, deren Antwort ich nicht kenne…
  10. Termin immer bestätigen, immer 15 min früher da sein

Die Punkte 8 und 10 sind natürlich Sachen die eigentlich nicht erwähnt werden müssten … aber sie machen Sinn für die Zielgruppe des Artikels.  Die Erklärungen sind oft schon sehr amerikanisch und trotzdem… 1, 2, 4 und 5 sind für mich die zentralen Themen bei der Vorbereitung einer Präsentation! Schön zusammengefasst – unterhaltsam verpackt!

Hier der Original Text von TechCrunch:

1. Show your product within the first 60 seconds
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Most folks start their presentations with information like the size of the market they are tackling (tens of billions, we only need 1%!), their inflated corporate bios, the philosophical approach they’re
taking, and boring Powerpoint graphics explaining some convoluted workflow of their product.

The longer it takes for you to show your product, the worse your product is. Folks who have a kick-ass product don’t spend five or ten minutes “setting the stage” or “giving the background.” Folks with killer products CAN’T WAIT to show you their product. Their demos start with their homepage and quickly jump into the users experience. If a picture tells a thousand stories, then a product demo tells a million.

Show your product immediately, and if you don’t have a product to show don’t take the meeting.

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Eine Meinung zu Obama

Hab ich eben beim Stöbern über luebue’s Blog gefunden: einen Blogeintrag, der mein diffuses Unwohlsein bei aller Begeisterung irgendwie erklärt. Jedenfalls super spannend, dass diese uralte Kreuzfahrermentalität und die verwendete Sprache zusammengeht und in der westlichen Hemisphäre so viele Menschen in seinen Bann ziehen kann.

also so ein bisschen verwundert bin ich ehrlich gesagt schon: herr obama ist doch lediglich ein kandidat. oder hab ich da was verpasst? wieso wird der denn hier plötzlich gefeiert wie der messias?

wahrscheinlich weil er so spricht:

“Aber ich bin gekommen um euch zu sagen, dass wir die Erben eines Freiheitskampfes sind. Wir haben eine unwahrscheinliche Hoffnung. Lasst uns auf unserer gemeinsamen Geschichte aufbauen, unser gemeinsames Schicksal annehmen und einmal mehr den ehrenhaften Kampf aufnehmen, der Welt Gerechtigkeit und Frieden zu bringen.”

klingt doch wie:

“ich bin das Licht, das in die Welt gekommen ist, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt. Wer meine Worte nur hört und sie nicht befolgt, den richte nicht ich; denn ich bin nicht gekommen, um die Welt zu richten, sondern um sie zu retten. (joh. 12, 46.47)

fühlt sich irgendwie nicht richtig an, dieser hype.

Fliegen ohne Flügel

Habe im Urlaub u.a. gerade Tiziano Terzani’s „Fliegen ohne Flügel“ ausgelesen, welches mir ein lieber Freund zum Geburtstag geschenkt hat (Danke, Tony!).

Eine „Reise zu Asiens Mysterien“ heisst es im Untertitel. Ein schönes Buch, man begleitet den Spiegel Journalisten und Asienexperten auf seinen Reisen ohne Flugzeug durch Asien 1993. Trifft mit ihm Menschen, fühlt sich den Plätzen, die er besucht hat, nah… Terzani hat es wirklich geschafft, mich mitzunehmen auf seine Reise.

Der grandiose Schluss des Buches hat mich am meisten überrascht: auf den letzten paar Seiten berichtet er über einen 10 tätigen Meditationskurs, den er voller Skepsis besucht hat. Mit seinen 55 Jahren und über 20 davon in Asien, hat er sich nie dafür interessiert.

Hier ein kleiner Auszug mit seiner lesenswerten Meinung über den Buddhismus, die ich fast komplett teile:

Am Buddhismus hat mir immer die Toleranz gefallen, die Tatsache, daß es keine Sünde gibt, nicht diese dumpfe Last, die wir mit uns herumschleppen und die im Grunde unsere ganze Kultur zusammenhält: das Schuldgefühl. In buddhistischen Ländern gibt es etwas derartig grundsätzlich Verurteilenswertes nicht. Keiner macht einem irgendwelche Vorwürfe oder will einem eine Strafpredigt halten, eine Lektion erteilen. Darum fühlt man sich in diesen Ländern so wohl, und darum suchen dort so viele junge Reisende aus dem Westen die Freiheit. Der Buddhismus läßt einen in Frieden. Er verlangt nichts, schon gar nicht, daß man Buddhist wird. Eines der zahlreichen Verbote der Mönche – interessant, daß es auch untersagt ist, sich seiner Fortschritte in der Meditation zu rühmen – besteht darin, daß sie niemanden in ihrer Religion unterrichten dürfen, der nicht eigens darum ersucht hat. Der Buddhismus läßt einen sein, wie man will. Er schreibt zwar vor, nicht zu töten, aber alle tun es. Und die Mörder? Ausschließlich deren Sache. Ihre nächste Inkarnation ist dann eben weniger gut! Keiner ist bestrebt, hier und jetzt Recht und Gerechtigkeit zu üben. Das am allerwenigsten. Es geht uns nichts an. Deshalb ist auch Nächstenliebe keine moralische Pflicht. Im Gegenteil: wer den Armen hilft, hindert sie daran, sich von schlechtem Karma zu befreien; wer sich um einen Aussätzigen kümmert, verhindert dessen Erlösung durch das Ertragen von Leid und damit dessen günstigere Wiedergeburt. Wenn das Haus den Nachbarn in Brand gerät, so hat das bestimmt mit seinem früheren Leben zu tun!

Der Buddhismus ist weniger eine Religion als ein Lebensstil; er ist eine Deutung der Welt aus der Sicht einer bäuerlichen Gesellschaft, die stets eng mit der Natur verbunden war und nach den Erklärungen für deren unerbittliche Grausamkeit suchte. In der Natur herrscht keine Gerechtigkeit, wir keine Rechenschaft gefordert. Warum also sollte sie bei den Menschen herrschen, die doch ebenfalls ein Teil der Natur sind?

Weiterhin fehlt dem Buddhismus der Eroberungsdrang, er kennt keine missionarischen Eifer, er ist nicht auf Seelenfang. Du willst Buddhist werden? Bitte sehr. Deine Sache! Deshalb haben sie auch nie die Medtation gelehrt. Und es ist bestimmt kein Zufall, daß – vom tibetischen Buddhismus einmal abgesehen – sich der Buddhismus heute vor allem dank westlicher Bekehrter überall auf der Welt ausbreitet. Es sind diese Leute, die mit ihrem angeborenen Kreuzfahrerinstinkt allendthalben Zentren für die Verbreitung dieser Religion gründen.

Wenn man den Buddhismus ernst nimmt und ihn in seinen letzten Konsequenzen weiterdenkt, ist er im Grunde die Negierung der bürgerlichen Gesellschaft und damit natürlich auch des Fortschritts. Wenn alles vergänglich ist, wenn man dem Gesetz von Ursache und Wirkung nicht entrinnen kann und wenn der einzige Weg zur Erlösung darin besteht, Gleichmut gegenüber dem Leben zu erlangen, durch Meditation, durch die man dem verhängnisvollen Kreislauf von Tod und Wiedergeburt entgeht – dann ist alles unbedeutend, alles sinnlos, und alles müßte zum Stillstand gebracht werden: eine äußerst pessimistische Sicht der Dinge mit nihilistischen Konsequenzen.

Wie sähe eine Gesellschaft aus, deren Mitglieder diese Gedanken konsequent weiterführen? Eine wahrhaft buddhistische Gesellschaft wäre unbeweglich und untätig. In der Praxis hat es eine solche Gesellschaft jedoch nie gegeben. Alle Gesellschaften haben weiter existiert dank einer höchst toleranten Formel: Das Meditieren wurde den Mönchen überlassen (besonders den weniger begabten, denn die intelligenteren widmeten sich der Lehre), und die Leute sammelten „Verdienste“ an und machten Schenkungen, mit denen sie die Klöster unterstützten. Die gewöhnlichen Sterblichen lebten weiter gemäß ihrer Natur, während die Bonzen ihnen alle jene Tugenden vor Augen führten, die sie noch nicht erworben hatten. Auf diese Weise herrschte ein Gleichgewicht, die Gesellschaft fuhr fort zu existieren und ließ den Pessimismus der reinen Lehre außer Acht.