Wer baut endlich eine API für meinen Supermarkt?

Warum kann mir mein Supermarkt nicht sagen, wann ich das letzte Mail wieviel wovon einkauft habe? Er könnte das, aber er versteckt diese Daten vor mir – in seinen Kassen-, Warenwirtschafts- und Logistiksystemen. Die Daten, die ich bei jedem Einkauf produziere: was genau womit, wie teuer, wo und wann ich gekauft habe, das verschwindet aber nicht einfach – es verschwindet nur vor mir, dem Kunden. Ich kann meine ganz persönlichen Daten nicht einsehen, habe keinen Zugriff  darauf und um Michael Seemann zu konterkarieren, ich erleide somit einen völligen Kontrollverlust!

Ich weiss, dass mein Supermarkt diese Daten sehr wohl speichert und selbst nutzt. Natürlich naheliegend für Steuerermittlung, Nachbestellungen, Steuerung und Optimierung des Sortiments, für Preisverhandlungen mit den Zulieferern, etc. Ganz sicher ja auch dafür, um bestimmte sehr häufig gekaufte Waren an weit entfernte Stellen im Laden zu platzieren, damit man durch den ganzen Laden muss und so noch zu dem ein oder anderen Spontankauf animiert wird. Ebenso wird mir auf mein Kaufverhalten zugeschnittene Werbung zugeschickt, wenn ich denn eine mich identifizierende „Kundenkarte“ benutze.

Was mein Supermarkt aber nicht macht: mir als Kunde die Kontrolle über meine Daten zu geben. Ich kann selbst bei Verwendung der Kundenkarten nicht die einzelnen Positionen meines letzten Einkaufes, geschweige denn des letzten Monats, Quartals, Jahres noch mal anschauen. Das darf ich – genau wie vor 100 Jahren – schön in einem Haushaltsbuch (oder einer App auf meinem iPhone) selbst pflegen. Warum eigentlich?

Seit Tante Emma weg ist, bekomme ich eh keine Empfehlungen mehr beim Einkauf, wie zum Beispiel: wer diese Wurst gekauft hat, hat diesen oder jenen Käse gekauft und der Wein da hinten würde gut dazu passen. Auch wenn manche Werbung suggeriert, dass dies im modernen Supermarkt doch noch so sei. Ebenso habe ich natürlich keinen Zugriff auf Bewertungen oder Kommentare anderer Käufer, wie früher bei Tante Emma, die mit ihrem: ja, dieser Apfel wird gerne genommen, dies übernahm. Und unser Supermarkt interessiert sich nicht wirklich für meine Meinung, eigentlich interessiert er sich nur für mein Geld. Die Öffnungszeiten, eine Anfahrtskizze, ne Telefonnummer des Filialleiters sind doch meist die einzigen Infos im Netz. Die Zentrale hat immerhin mittlerweile eine Onlineversion der wöchentlichen Sonderangebote im Netz und eine Facebook Page haben sie seit gestern auch, boah!

Und ich dagegen? In Foursquare, Twitter, Facebook lege mit Check-Ins, Tweets, Bildern, Kommentaren selbst Datenbanken meiner Eindrücke über mein Umfeld und auch über die Supermärkte an. Wann begreifen Walmart, Carrefour, Tesco, Metro und die anderen Riesen endlich, dass sich die Welt weiterdreht und fangen an ihren Kunden Zugriff auf ihre Daten zu geben? Vielleicht nur eine Utopie, es kann noch ein paar Jahre dauern, aber dieser Kontrollverlust über die Kundendaten vor allem der grossen Konzerne wird beendet werden. Für den ersten Supermarkt, in dem meine Daten auch wirklich mir gehören, würde ich sehr weit fahren.

Ich will zumindest Zugriff auf meine Daten erhalten, will sie in Apps verlinken, die ich heute schon täglich benutze. Will sie in Verbindung mit anderen Daten setzen können, die ich täglich produziere und auf die ich bereits zugreifen kann. Ich will endlich selbst und nicht vom statistischen Bundesamt wissen, wie schlecht oder gut meine Ernährungs- und Einkaufsgewohnheiten sind, wieviel Liter Milch, wieviel Reis oder Kartoffeln, wieviel Gemüse und Obst ich pro Jahr verbraucht habe. Amazon, der mittlerweile größte Buchhändler macht das doch auch, dort kann ich jederzeit auf meine mittlerweile 10 Jahre alte Einkaufsgeschichte zugreifen. Wann wird Amazon.com eine Supermarktkette übernehmen? Das Cash dazu haben sie doch. Lange dauert es hoffentlich nicht mehr…

Gunter Dueck hat auf der diesjährigen re:publica unter anderem gesagt: „Sie sollten endlich mal sagen, wie Sie die Zukunft gerne hätten“. Das mach ich hiermit: Ich hätte gerne Zugriff auf meine Daten, die ich in den ganzen alten Konzernen hinterlasse und um die sich heute niemand kümmert. Viele schimpfen über Google, Facebook & Co. und sprechen von Datenkraken und ähnlich bedrohlichem Zeugs, lassen ihre Häuser verpixeln und reichen dann beim nächsten Einkauf der freundlichen Kassiererin Ihre Kundenkarte für 0,2% Rabatt.

Ich will diese Daten auf der Treuekarte mit meinen Ausgabentracker verbinden können, mit meinen Fitnessdaten und Sportdaten und ab und zu möchte ich auch die letzte Einkaufsliste, da für mein Samstagsmenü, gleich in Facebook posten, einfach weil mich die Gäste danach fragen werden und das doch einfach und ach nett ist, neben meinem Rezept auch gleich noch diesen Service bieten zu können.

Und ich möchte endlich auch im Supermarkt Empfehlungen bekommen, die auf meinen persönlichen, echten Daten beruhen und nicht auf den Marketingideen der Agenturen oder der Pipeline der Hersteller.

Die Daten sind da, die Technolgien sind da, im Netz geht das doch schon… jede erfolgreiche Website, hat doch heute eine API,  ist erfolgreich als Plattform.

Wer baut endlich eine API für meinen Supermarkt?

5 thoughts on “Wer baut endlich eine API für meinen Supermarkt?

  1. schaut mal das kontaktformular eines der größten handelsunternehmen der welt an: http://www.metro24.de/pages/DE/Contact und ich soll denen meinen metromarkt, meine kundennummer und meinen namen geben! die site der metrogroup is nicht besser. der hammer, die brauchen das wohl einfach nicht. und haben >260.000 mitarbeiter und machen 70Mrd Umsatz und denen gehts gut… die brauchen keine API! ich will aber trotzdem eine haben.

    es sind doch meine daten, die dort unter meiner kundennummer gespeichert werden! gibts nicht auch ein informationsfreiheitsgesetz für private firmen oder werden die alle nach dem datenschutzgesetz verdonnert, nicht offiziell zu zu geben, was sie alles mit meinen daten anstellen…

    ich drück hier voll auf die post-privacy tube, ich weiss schon! aber was kann ich machen. ich glaube, dass kein weg dran vorbei führt… sich über so etwas zumindest mal richtig gedanken zu machen!

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