Meine Tochter weckte mich heute eine Stunde vor dem Wecker mit: „Papiiii, kommst du zu mir kuscheln…“ (wie wunderbar!) aus einem OnTheRoad Traum auf, diesmal mit meinen Eltern, Ali, Karsten und wechselnden Fahrzeugen und Zielen… sehr bewegend!

Nun sind wir wach und heute wollte ich hier über die Artikel schreiben, die mir gestern so über den Weg gelaufen sind und später dann noch darüber, wo meine Favoriten hier im Netz überall verteilt sind.

Vorgestern und Gestern auch war kurz Kulturkampf in Berlin bei mir in der Timeline Thema: eine Satire in der taz – „Die Weiber denken, sie wären besser.“  unglaublich auch die tausenden Kommentare dort. Dann gleich hinterher: Tuff Tuff um die Kirche aus der Berliner Zeitung vom April, ein mir sehr sympathischer Artikel. Es geht um Veränderungen in den Städten, um die Gestaltung des Zusammenlebens, über Ego’s und Trägheit, übers die Attraktivität des einfachen Meckerns… auch mich sprechen diese Artikel an, sie hätten beide im Bergmannkiez stattfinden können, den ich seit 15 Jahre auch als meine Heimat bezeichne.

Dann hat mich – ganz passend eigentlich – ein Artikel gefunden, der mich sehr beschäftigt hat, auch jetzt noch, auch beim Aufwachen – und zwar besonders als Unternehmer, aber auch darüber hinaus. Hier aber erst mal der Weg zu dem Artikel, der auch eine Rolle spielt: über @luebue und seine Kandidatur zum Landeschef der Grünen in Hamburg, bin ich auf das Profil von ihm hier bei flavor.me gestossen und dort steht ein provokativer Satz:

I don’t talk to anybody about the future of journalism and newspapers until he or she has read this March 09 essay of Clay Shirky.

Nun lest Euch das Essay mal durch! Oder besser erst mal hier weiter😉 … „Newspapers and Thinking the Unthinkable“ ist der Hammer und nebenbei: Clay hat diesen Artikel „uncategorized“ abgelegt, in einem uralten WordPress, mit Standard Template. Das gab mir auch sehr zu denken, ich denke oft, das das Werkzeug, die Verpackung entscheidend sei, manchmal braucht so richtig guter Inhalt nicht so viel drum herum. Und Clay Shirky ist mir schon seit ein paar Jahren ein Begriff, aber es ist nicht so, dass ich ihn regelmässig „verfolge“. Gestern musste ich mir gleich ein Buch bestellen von ihm Here Comes Everybody: The Power of Organizing Without Organizations, auch weil ich in einem Monat einen Vortrag über Crowd Sourcing und Patentinformationen halten darf, passt das ganz gut.

Zurück zum Essay, hier geht es um Veränderungen in der Medien- und Zeitungsbranche, ach seht einfach meine Markierungen schnell durch, wenn ihr die halbe Stunde nicht habt, das ganze Essay zu lesen:

Das hier ist einer der besten Sätze, die – das was grade seit ein paar Jahren im Internet passiert – beschreibt… (Facebook’s Mark Zuckerberg ist 27, Mashable’s Pete Cashmore ist grade mal 25! so als Beispiele)

(Gordy Thompson…) „When a 14 year old kid can blow up your business in his spare time, not because he hates you but because he loves you, then you got a problem.”

Das nächste ist auch spannend, genau: wie werden denn eigentlich die gesehen, die vorwärts denken, die sich Veränderungen erlauben, wobei ein kleiner Seitenhieb auf die beiden Artikel oben erlaubt sei, die Ihre Kieze ja auch eher vor allen Veränderungen bewahren wollen – statt die Veränderung als Chance zu begreifen, selbst zu wachsen.

Revolutions create a curious inversion of perception. In ordinary times, people who do no more than describe the world around them are seen as pragmatists, while those who imagine fabulous alternative futures are viewed as radicals.

Und dann der Satz, der mich als Unternehmer sehr stark beeindruckt: die Krankheit ganzer Industrien, wenn Führung religöse Züge annimmt und jaaa, wenn die Leute, die mitdenken, eingepfercht werden in den Forschungsabteilungen, um so besser ignoriert werden zu können.

When reality is labeled unthinkable, it creates a kind of sickness in an industry. Leadership becomes faith-based, while employees who have the temerity to suggest that what seems to be happening is in fact happening are herded into Innovation Departments, where they can be ignored en bloc.

Dann die beste Verteidigung der Bewahrer: Wie sieht das mit der Sicherheit/dem Datenschutz aus? und die Frage die Clay in seinem Artikel aufwirft: Was wird denn nun morgen noch funktionieren? Und die herrliche Antwort: nichts wird, aber alles kann.

“If the old model is broken, what will work in its place?” The answer is: Nothing will work, but everything might. Now is the time for experiments, lots and lots of experiments, each of which will seem as minor at launch as craigslist did, as wikipedia did.

Und genau hier im letzten Merker steckt drin, was auch mein Denken mehr und mehr bestimmt, NICHT was rettet uns, den Kunden, das Patentwesen, die Ämter sollte das strategische Denken bestimmen, sondern eher: Was rettet die Gesellschaft? Ein sehr grosser Gedanke, dessen Dichte sich aber auflöst, wenn man weiter liest: NICHT die aktuelle Situation bewahren, sondern einfach: Machen, was geht.

When we shift our attention from ‘save newspapers’ to ‘save society’, the imperative changes from ‘preserve the current institutions’ to ‘do whatever works.’ And what works today isn’t the same as what used to work.

Schönes Gefühl, dass ich das hier in meinem Tagebuch mal so kommentiert hab… das war für mich ein wichtiger Tag, ein wichtiges Fundstück!

Nun, heute ist mein letzter Tag hier in Istanbul, morgen fliege ich zurück für eine lange Woche in Berlin und Kilkenny…

Verfasst von Herr Krueger

vater · ehemann · mitgründer der moving targets consulting gmbh · services, development und support · zazen · fotografie

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