Heute habe ich geträumt, ich müsste ein windows basiertes CMS reparieren, ich hatte gar kein Windows mehr auf meinem Laptop, was tun – eines borgen, meine VMWare wieder aktivieren? Vor dem Job selbst hätte ich schon hingekriegt, aber ich sollte das System schon vorher auf meinem Rechner haben und von hier aus administrieren können. Dann musste ich zu dem Job kommen, das Fahrzeug war eine dunkelgrüne Simson S51, die aber nicht ansprang. Ein Mädchen suchte den Startknopf, ich stellte die Zündung an und begann zu treten. Seit ich 16 bin, dachte ich beim antreten einer Simson immer, das der Starter eigentlich abbrechen muss… man musste sie gefühlvoll treten. Und genau hier kam Aleyna angetrippelt und weckte mich…

Gestern war bestimmt von einem herrlich kurzem produktiven Skype Workshop mit Sarah, Moritz, Robert und Henry und davor von einer herrlich intensiven Google+ Diskussion zu einem Interview mit dem Chef von Kiepenheuer & Witsch, in diesem dieser prophezeite „Bei Amazon wird es knirschen“.

Das habe ich so ganz spontan dahin geklimpert… beim Durchlesen des Interviews:

Punkt 1
…wieviele Handschriften haben wir denn noch? Nach der Erfindung des Buchdruckes verschwand diese jahrhundertlang entwickelte und sehr verbreitete Kulturtechnik des händischen Kopierens von Büchern in den Klosterbibliotheken. Man brauchte plötzlich die professionelle Auswahl, Veredelung und den Vertrieb durch die gut vernetzten Äbte der Klöster nicht mehr.

Punkt 2
… was für einen direkten Kontakt haben die klassischen Verlage denn zu ihren Lesern? Wieviele Bücher habe ich denn bereits gefunden, in denen Sätze markiert sind, mit dem Hinweis „xx andere haben das auch markiert“? In welcher Buchhandlung kann ich alle meine jemals bestellten Bücher durchblättern, bei welchem Verlag kann ich eine Wunschliste anlegen und mit meinen Bekannten „teilen“. Wo bekomme ich algorithmische Empfehlungen, basierend auf meinen historischen Einkäufen. Es ist nicht auszudrücken, auf wie vielen Feldern Amazon durch den Daten getriebenen Ansatz Vorteile und intensivere Kontakte zu seinen Nutzern, Kunden und Lesern hat.

Punkt 3
… der Verlag in seiner Funktion als kulturelle Instanz. OK, hier muss man ein wenig durchatmen. Aber welche kulturelle Instanz haben denn die Verlage bei der mit iPad & Co aufwachsenden Generation noch? Ich beobachte bei mir, wie Plattformen und Persönlichkeiten im Netz zunehmend diese Funktion ersetzen, die Intensität der Diskussion, die Ausführlichkeit der Empfehlung trägt doch viel maßgeblicher zu meiner Bewertung eines Autors bei, als der Verlag an den er sich gebunden hat. Dieser rückt mehr und mehr in den Hintergrund, wird überlagert durch die Qualität und Anzahl der Tweets, Rezensionen, Kommentare – vor allem, wenn diese aus meinem Umfeld oder von den von mir „abonnierten“ Bloggern/Autoren stammen.

Die meiste Zeit ging es in der Diskussion um die Vorteile von eBooks oder die Funktion von Verlagen… ein Prinz v. Sinnen mischte sich als Drucker und Verfechter der Tradition intensiv ein und dies führte zu diesem meinem zweiten Beitrag:

Ich sehe beides Co-existieren, es gibt auch heute noch Menschen, die mit Stiften schreiben, ins Kino gehen, auf Pferden reiten… etc.

Die Erfindung von etwas Neuem, wie hier diskutiert zB. das eBook, verändert zwangsläufig die Sicht auf das bisherige – hier Papierbuch – mit. Und die Adaption an das Neue findet so oder so statt.

Ich streite dem Papierbuch seine Vorteile nicht ab, ich kann nur einfach die Statik der Verlage nicht verstehen, die das Undenkbare einfach nicht denken (um mal +Clay Shirky von 2009 zu zitieren).

Es gibt jetzt einfach neue Technologien, neue (Kultur)Techniken, neue Geschäftsmodelle: passt Euch an oder werdet mit Eurem vermutlich schrumpfendem Bestandsgeschäft einfach in Würde alt.

Aber versucht doch bitte nicht, Eure Papier- und Druckpressen (also auf Mangel und hohen Transaktionskosten) basierenden Geschäftsmodelle auf das Internet zu übertragen, das wird scheitern!

Das war alles schon Montag abend, am Dienstag früh dann mischte sich Sascha Lobo ein mit einem längeren Statement, während ich an diesem Diskussionsbeitrag hier schrieb:

Beim Verfolgen der Diskssion hier, kam mir vorhin folgender Gedanke:

Vielleicht ist ja das eBook nur ein Übergang, nämlich der Versuch das Konzept „Buch“ eines Autors in eine Welt zu retten, in der es für dieses Konzept eigentlich keine Notwendigkeit mehr gibt. +Kathrin Passig’s Beiträge hier sind kein Buch im eigentlichen Sinne mehr, aber in der Diskussion mit Ihren Lesern entsteht doch ebenso Ihr ganz eigentliches Werk – hier und genau jetzt. Ein Werk, für das es in der Vergangenheit keine Entsprechnung gab, keine Beispiele, keine Technologien, welches einfach unmöglich war… aber welches mich doch konzeptionell an ein Buch erinnert, Herausgeber/Verleger wäre in diesem Fall der Toolhersteller und Betreiber Google, der die Plattform schafft, die Regeln setzt und die Mechanismen für die Kommunikation bestimmt. Genau das, was in Zeiten der nur analogen Kommunikation eben Verleger, Lektoren, Drucker und Händler übernommen haben und für die sich in der Gesellschaft Kompensationsmodelle etabliert hatten… das Werk hier wird aber in einem gemeinsamen Prozess mit uns, den den Lesern und Co-Autoren vervollständigt, erzeugt, beeinflusst.

Ebenso geht es mir nämlich manchmal mit eBooks, zB bei der Problematik des Seitenkonzeptes, welches sich so schwer übertragen lässt auf einen Kindle aufgrund der möglichen Skalierung, welches damit Zitate in der herkömmlichen Form obsolet werden lässt – und welche ja schon seit 20+ Jahren eigentlich durch Links (besser nat. URI) ersetzt worden sind. Also, das eBook als Übergangsform im beginnenden digitalen Zeitalter der globalen Vernetzung… bei dieser These würden doch einige der Argumentationen überflüssig, oder?

Und Marcel Weiss, hat auch angeregt durch diese Diskussion einen Artikel veröffentlicht. Und die Diskussion ging noch bis gestern Abend weiter und wie bereits gesagt, enthält sie jede Menge Denkstoff und Gesprächstoff sowie weitereführende Links zum Thema „Zukunft der Buchbranche“…

Das gehörte nun eigentlich nicht in ein Tagebuch, sondern in einen eigenen Post. Da ich dieses Tagebuchformat aber wähle, um hier schnell am Morgen aufzuschreiben und damit festzuhalten, was mich bewegt hat oder bewegen wird… passt das doch auch wieder. Und wie jeden Morgen, wünsche ich verbunden mit einem Bild des Himmels, einen schönen Tag…

PS: habt Ihr das hier mitbekommen? 6 Monate meines Lebens in 15 Sekunden oder auch in 45 Sekunden

PPS: oder habt ihr das hier schon mitbekommen? Ein Rundblick über Istanbul in High Definition

 

 

 

Verfasst von Herr Krueger

vater · ehemann · mitgründer der moving targets consulting gmbh · services, development und support · zazen · fotografie

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