Heute habe ich geträumt, von einem (mir in echt unbekannten) Bekannten, um das klar zu stellen, für die Leser, die mein Umfeld oder mich kennen. Der unbekannte Bekannte, vom Typ her ein grosser wacher, schlanker Mann hatte einen Freund, einen dickeren, älteren Herrn, der sich für den Kredit für den Kauf eines herrlichen Retro Motorrades verbürgt hatte. Nun stellte sich heraus, dass mein Bekannter seine Raten nicht mehr zahlen konnte und er beichtete dem Bürgen, seiner Frau und mir die Situation. In einem Anfall von Offenheit beichtete er, dass er zusammen wohl über 40.000 € Schulden hätte, sich die Raten für das Motorrad nie hätte leisten können und den Kredit dafür deshalb auch ohne den Bürgen nie bekommen hätte. Im Traum war das der Moment, an dem ich mich sehr peinlich berührt fühlte… weil Vertrauen missbraucht worden war und ich Zeuge dieses Missbrauchs geworden bin und ich fühlte mit. Was hat den Bekannten wohl dazu gebracht, so den Bezug zur Realität zu verlieren?

„Schnitt“ zur zweite Szene, ich bin mit den gleichen Typen auf einer Wiese, da steht eine Art flaches Gewächshaus, die Herren erklären mir bedeutungsschwer, das sei der Zugang… dort würden wir das Problem berichten und lösen. Sie klettern gerade raus aus dem Kasten, lösen ein paar Drähte und gehen. Durch meine Anwesenheit bei der Beichte habe ich die Berechtigung  erhalten,  den Zugang ebenfalls zu benutzen. Ich schiebe das dunkle Glasdach weiter auf und klettere hinein. Damit mich niemand sieht, ziehe ich gleich wieder halb zu und versuche mich zurecht zu finden. Ich erkenne, wo man sich hinlegen muss – lege mich – und finde ein erstes Kabel, eine Kopfmaske aus 6 Drähten bestehend, die sich an das Gesicht oder die Kopfhaut anpassen. Ich probiere das an und die Drähte passen auf das Gesicht. Wie im Film – warte, das war X-Man – zieht sich die Maske etwas zusammen um sich an meine Konturen anzupassen. Ich höre eine englischen Nachrichtensprecher, so klar – als ich ob ich neben ihm in der Studio sitze, das ist die Zukunft des Musikhörens: Direktübertragung! Es kommen zwei Techniker, die mich stören, als ich grade die zweite Sonde aus einem Kabelgewirr zu befreien versuche. Das muss die Sonde für die Bilder sein, die Kabel bewegen sich von selbst, ich bin mir unsicher – ob die Sonde irgendwo so a la Matrix „rein“ will oder nur dem Solar Plexus platziert werden muss. Es sieht nichts steril oder silbrig aus, eher wie iPhone Kabel, es wird also der Solar Plexus sein, ich bin beruhigt. Die Techniker reden kurz mit mir, wünschen mit viel Spass und gehen. Ich bin allein, setze die Sonde an den Brustkorb und… der Wecker klingelt. Mist!

Denn der Wecker klingelt eine Stunde zu früh: um 6 statt um 7, Siri muss wohl gestern zu Abend müde gewesen sein und die Zeitzonen verwechselt haben. Ich steh auf, setz mich an das Laptop und fange an, den Traum direkt hier rein zu tippen… so sieht es aus, wenn man nicht erst aufwacht, sich anzieht und duscht und die Kleene zum Bus oder sich selbst in die Espressolounge bringt. Alle Details sind noch da, die Verbindung zur Traumwelt noch voll vorhanden… man träumt nicht mehr aktiv, aber die Vorstellungen, Konstrukte, Gedanken sind alle da, sie haben sich im Traum manifestiert und bevor sie wieder verschwinden, spürt man deren Schatten noch und kann ihnen nachgehen.

Mir ist eben klar geworden, was hier so spannend langweilig irrelevant bedeutsam ist.

Hier im Internet, in diesem „meinem“ WordPress Blog sehe ich einer neuen Öffentlichkeit beim Entstehen zu. Diese Öffentlichkeit ist für mich wie die Strasse, eine Wiese im Wald, ein Platz inmitten der Stadt, eine  Höhle, ein Fluss, die Wolken, die Luft.  Erst einmal gehört diese Öffentlichkeit  jedem und niemandem zu gleich.

Ich besetze sie für mich, mit meinen Worten, Bildern, Meldungen, Strukturen… es ist wie eine Landnahme, ich ramme eine Flagge ein und sage  einfach so laut ins Nichts hinein: das hier ist mein Platz.

Andere bauen Häuser, arbeiten ein Leben lang, akkumulieren Werte, um sie dann mit einer Unterschrift unter Zeugen bei einem Notar, einzutauschen gegen ein Stück Papier auf dem steht: diese Wiese, an dieser Strasse, in diesem Land gehört jetzt mir.

Was bedeutet das denn? Ich darf jetzt – im Rahmen der geltenden Bauordnung, gemäss der Flurplanung, unter Einhaltung des Umwelt- und Denkmalschutzes, nach Vorgabe des kommunalen Bebauungsplanes, zur Erfüllung der Stadtentwicklungskonzption oder was und wie auch immer je Land und Stadt und Dorf unterschiedlich – nun endlich… wirklich, in echt tatsächlich machen, was ich will, auf meinem neu erworbenen Eigentum, meinem eigenen Stückchen Land. Boah!

Ich besitze kein Stückchen Land, kein Haus, keine Wohnung … vielleicht ist das der Grund, vielleicht ist das so, dass man dann nicht mitreden kann. Genaus so, wie alle Väter und Mütter immer sagen: wenn man keine Kinder hätte, dann wüsste man nicht, wie das ist.

Aber die Konzeption von Eigentum an Grund und Boden oder den darauf stehenden Häusern, das ist für mich genauso – haargenauso virtuell – genau so voller „Freiheiten“, wie dieses Stückchen Bildschirm hier, auf dem diese Buchstaben, Bilder, Gedankengebäude entstehen. Wenn ich meine Gebühr für den Internetanschluss nicht zahle, dann habe ich keinen Zugriff mehr darauf, wenn ich meine Grundsteuern nicht zahle, dann wird mir der Zugriff auf meine Land entzogen. Sicher, ich kann das Land hier einfacher löschen, als das Land da draussen, das geht nicht so schnell weg, da muss man etwas länger warten… und ja: materiell und immateriell, ich kenn den Unterschied dieses Gedankens schon, trotzdem!

Trotzdem lässt mich der Gedanke nicht los, dass jeder der ein Haus baut… dies in der Öffentlichkeit tut, sich darstellt, sich exponiert. Der Kritik aussetzt: „hast Du gesehen, die Müllers haben gar keine Vorhänge an den Fenstern“ und „Schau, wie ungepflegt der Vorgarten von den Meiers immer noch ist, das sind doch noch die Blumen vom Vorbesitzer, dabei sind die schon vor einem halben Jahr hier eingezogen“. Das ist doch genau wie „Guck mal, der Krueger bloggt hier schon seit 2008 und hat noch nicht mal ein eigenes Logo im Header“ und „hast Du gesehen was für langweilige Sachen der jeden Tag da rein schreibt, es interessiert doch keinen“. Seht ihr, was ich meine?

Genauso wie ich hier einfach zeige – wer und was ich bin und denke, ob nun jemand hinschaut oder nicht, … ob kommentiert, kritisiert oder ignoriert wird, das ist für mich völlig spannend langweilig irrelevant bedeutsam, wie alles andere in meinem Leben auch.

Heute ist Reisetag. Guten Morgen!

Verfasst von Herr Krueger

vater · ehemann · mitgründer der moving targets consulting gmbh · services, development und support · zazen · fotografie

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