Monthly Archives: November 2011

Bergmannkiez, Berlin, 7:23, Tag 58

Heute habe ich vom Wasser geträumt, bin Speedboot gefahren (kenn ich nur aus Filmen bisher!) und zwar so wirklich echt, mit allem drum und dran, der Beschleunigung, der Gischt, den Geräuschen, der Vibration, dem Fahrtwind und ich konnte die Geschwindigkeit in mehreren Stufen ins sehr, sehr Schnelle steigern und bei jeder Stufe kamen neue Eindrücke hinzu. Dann eine weitere Bootsszene, die allerdings bereits verschwimmt, es ging mehr um die Beziehung zu den Personen, ein langsames, mühsames Leiter klettern, auf dem Bootsdeck stehen und sich unterhalten.

Bin heute müde, irgendwie auch unruhig, gedankliche Reisevorbereitungen, ausstehende Entscheidungen, ein paar viele Todos auf der Liste, auch ein paar neue als Folge von Unachtsamkeiten und dann doch auch wieder starke Reflektion, viel Distanz, Ruhe und Gelassenheit.

Na dann, heute vielleicht ein paar Hintergründe zu meinem Zazen. Ich schaffe es aktuell, wohl auch wegen meinem Tagebuch hier, täglich nach dem Aufstehen ob in Istanbul, hier in Berlin oder auch im Hotel auf Reisen mind. 20 Minuten eine Sitzmeditation durchzuführen. In Berlin oder Istanbul habe ich mir dafür hier Sitzkissen gekauft, lege eine Decke oder abgeschnittene Schaumstoff Iso-Matte  für die Knie unter. Im Hotel setze ich mich einfach in den Sessel oder auf einen Stuhl, lehne mich aber nicht an. Im Flugzeug geht das auch gut, dort achte ich aber darauf, weil man sich nicht nicht anlehnen kann, dass zumindest mein Kopf nicht anlehnt. 😉

Auf den Kissen sitze ich in einer Form des sogenannten Diamant Sitz. Mir schlafen zwar auf niedrigen Sitzkissen öfter dabei die Beine ein, beim Sitzen über 40 Minuten werden die Beine auch ganz schön steif, so dass das Aufstehen schwer fällt. Ganz ohne Sitzkissen ist dieser Sitz für mich anstrengend, weil mir die Beine dabei sehr tief einschlafen. Wenn mir irgendwas weh tut oder unangenehm ist, verändere ich es einfach während der Meditation. Ich stehe auf und gehe ein paar Schritte, ich versuche aber die Konzentration aufrecht zu erhalten, also alles sehr ruhig und langsam, eben mit Achtsamkeit zu tun und nicht im Autopiloten.

Dann, seit ich ein iPhone habe, stelle ich den Time dort vorher auf die gewünschte Minutenzahl ein. Ich habe als Klingelton den ZenGong hier als Download oder zum direkt anhören. Das ist meine Glocke der Achtsamkeit, die daran erinnern soll zum Atem, zu mir selbst zurück zu kehren.

Die Meditation selbst ist in meinen Augen äusserst unspannend, einfach sitzen und beim Einatmen 1 und beim Ausatmen 2, beim Einatmen 3 und so weiter bis 10 zählen und dann wieder von vorne anfangen. Immer wenn ein Gedanke auftaucht, der mich vom Zählen ablenkt – ich also bemerke, dass ich nicht mehr zähle, fange ich wieder von vorne an. So habe ich Tage, an denen ich nicht über 2 oder 3 hinweg komme, an anderen Tagen erwische ich mich, dass ich bis weit über 10 hinaus, einmal sogar bis 52, weiter gezählt habe. Die Gedanken, die auftauchen, versuche ich nicht zu werten oder ihnen nachzugehen oder an ihnen hängen zu bleiben, was auch nicht immer gelingt. Es gibt Tage an denen ich während der Meditation quasi konzentriert Themen abarbeite und ToDo Listen erstelle oder Gespräche vorbereite. Ich beginne zumindest immer mit dem Zählen des Atems und ich versuche immer, die voreingestellt Zeit dann auch sitzen zu bleiben.

Zu Beginn meiner Meditationspraxis vor sechs Jahren war dies das größte Problem, das Durchhalten der 10 oder 20 Minuten, das nicht eher Abbrechen. Die Unruhe, der Widerstand, die entstehen, wenn man nur sitzt und nichts tut, nur seine Gedanken hat und nur seinen Atem zählen soll, können sehr stark werden. Mit andauernder Übung fällt das dann leichter und leichter. Deshalb gilt für Anfänger die Regel, nur mind. täglich 2 Minuten zu sitzen… dann sind die positive Effekte der Meditation schon „messbar“.

Ebenfalls sehr geholfen haben mir in der Anfangsphase mein Freund Tony, der mich regelmässig an die Meditation erinnerte, mich ausfragte, sich sehr interessierte für meine Erfahrungen mit oder ohne Mediation und wann immer es möglich war, mit mir gemeinsam meditierte. Ebenfalls entscheidend sind die jährlichen Retreats im Frühjahr: von Tony initiierte einwöchige Meditationsreisen, die mir immer einen starken Schub, Motivation und auch Erfahrung gegeben haben. Dazu kommt, dass wir vor etwas über 3 Jahren im Büro eine kleine Mediationsgruppe gegründet haben, bei der wir einmal in der Woche morgens zusammen 20 Minuten meditiert haben. Die ist zwar wieder eingeschlafen, aber dieses Zeit des wöchentlichen gemeinsamen Termins hat auch dazu beigetragen, dass ich nun selbst täglich meditiere. Dazu kamen dann aber auch noch jede Menge Bücher vor allem von Thich Nhat Hanh, die dazu ebenfalls einen grossen Teil beisteuerten.

So, das sollte es es jetzt mal gewesen sein – ein spontan aus der Hüfte geschossener Artikel zur Art und Weise und etwas zur Geschichte meiner täglichen Meditation.

Mit einem etwas anderen Bild vom 2008er Retreat und Rømø’s tollem endlos breitem Sandstrand mit auflaufender Flut und einem Lächeln verabschiede ich mich heute in den Mittwoch.

Berlin, Bergmannkiez 7:17, Tag 57

Ein Traum? Nein, heute kein Traum. Ich erinnere mich nur noch, geträumt zu haben aber nicht mehr was… es war beim Aufwachen schon weg, kam beim Duschen schwach und flüchtig zurück, aber die Szenen ergaben keinen Sinn und versanken schnell wieder.

Choose a job you love ,and you will never have to work a day in your life.

Über dies Zitat und Alexanders Kommentar habe ich dann bei meiner Morgenmeditation nachgedacht. Und statt kurz und prägnant im Kommentar zu antworten, nehme ich den vermeintlich leichteren Weg und breite das hier mal spontan etwas aus.

Das Zitat beschäftigt sich mit den beiden Konzepten Liebe und Arbeit. Unser Empfinden von Unzufriedenheit oder auch Leid bei der Arbeit beruht auf  einer Differenz zwischen den beiden Vorstellungen. Es spricht Menschen an, die diese Trennung zu überwinden suchen. Aber es richtet sich an Menschen, die es als ein erstrebenswertes Ziel erachten, nicht mehr arbeiten zu müssen, denen Arbeit als Last oder Bürde oder notwendiges Übel erscheint. Die Trennung der beiden Konzepte Arbeit und Liebe verursacht Unzufriedenheit, jegliches Unterscheiden oder Werten tut dies im Übrigen, wenn nicht auf der einen Seite, dann auf der anderen. Und Alexander fügt dieser Trennung nun noch eine weitere hinzu, mit der Unterscheidung von Arbeit, die man lieben kann und Arbeit, die man nicht lieben kann. Aber es ging Konfuzius damals und auch mir hier eher um die Aufhebung der Trennung, um die Einsicht – dass beide Konzepte zwar nicht identisch sind, sich aber auch nicht unterscheiden (müssen). In der Aufhebung der Trennung liegt die Lösung. Wenn wir realisieren, dass beide Konzepte nur unterschiedliche Beschreibungen der gleichen absoluten Realität sind, dann verschwindet die Unzufriedenheit.

Ein weiterer Aspekt ist der, dass manche Dinge einfach getan werden müssen. Wenn mein Kind sich verletzt, dann versorge ich die Wunde einfach und frage mich nicht erst lange, ob ich diese Tätigkeit des Wunde Versorgens jetzt lieben kann oder nicht. Ich tue einfach erst einmal, was notwendig ist, was jetzt genau in diesem Moment zu tun ist. In diesem Sinne hat auch jede Arbeit Seiten, die einfach getan werden müssen, die dazu gehören, die jetzt dran sind und dies unabhängig davon, wie unsere Einstellung und Vorstellungen zu Arbeit und Liebe sind. Denn weil ich meine Tochter liebe, versorge ich ihre Wunde sofort ohne Nachzudenken ohne Zögern und Zweifel. Weil wir am Leben sind, arbeiten wir. Weil wir am Leben sind, lieben wir. Und nicht umgekehrt! Oder wie Bernie Glassman das so schön formuliert hat, dass ich mich gerne daran erinnere:

We don’t practice to attain enlightenment, just as we don’t eat or breathe to be alive. Because we’re alive, we breathe. Because we’re alive, we eat. Because we’re enlightened, we do zazen.

Und mit einem etwas später aufgenommenem Guten Morgen Bild verabschiede ich mich in einen klaren, kalten Dienstag!

Berlin, Bergmannkiez, 7:17, Tag 56

Heute Nacht habe ich lustlos geträumt, als ob mein Kopf keinen richtigen Spass am Träumen hatte: ooch, was könnte man denn so träumen? Weiss auch nicht… vielleicht ein Schwimmbad, und was könnten wir denn da machen? Hach, weiss auch nicht… lass uns mal wieder rausgehen, ertrinken ist heut nicht, auf Albtraum hab ich irgendwie auch keinen Bock. Vielleicht ein künstliches Dorf? Laufen wir mal ein wenig rum. Na, wie ist die Stimmung jetzt, auch nicht besser, oder? Manno, weiss doch auch nicht… vielleicht ’ne Konferenz, aber drei Tage lang? OK, ganz so schlimm war es nicht, aber es hat sich um 6 beim Aufwachen ein wenig so angefühlt, irgendwie leer, ohne Spannung, Intensität, Gefühl.

Vielleicht deshalb, weil ich gestern Abend während des Tatortes noch Minecraft gespielt hab. Ich spiele das Spiel und dabei entleert sich mein Kopf, ich lerne mich in diesen Welten zu bewegen, trainiere meine Geschicklichkeit, entdecke Neues aber gleichzeitig leert sich mein Kopf. Vom Tatort hab ich nur dessen erzieherischen Bemühungen im Kopf, Vorurteile, Klischees und eigentlich doch ’nur‘ ein Beziehungsdrama, die Tat eines Verrückten, wie einfach… hab aber nur den Ton gehört, meine Augen waren bei Minecraft beschäftigt.

Dann habe ich zur Strafe heute morgen 40m meditiert. 😉 Habe beim Tee zubereiten daran gedacht, welche Gewohnheiten ich ändern möchte. Ein paar fallen mir ein, bei denen ich weiss, dass sie mir nicht wirklich gut tun, ich sie aber noch nicht ändere, der zeitweilige Kontrollverlust beim Spielen gehört übrigens dazu. Dann habe ich über meine Vorliebe nachgedacht, ab 7 hier in der Espressolounge zu sitzen… und dass ich gerne zeitig aufstehe und mal probieren werde, so zeitig wie möglich aufzustehen und die Zeit bis um 7 nicht zu lesen oder schon zu arbeiten oder hier zu schreiben, sondern die Zeit zu meditieren. Den Morgen in Achtsamkeit beginnen, nicht mit Unterhaltung, Ablenkung oder bereits mit Arbeit, die bei mir ja mit Informationskonsumtion und -produktion verbunden ist.

Ein weiterer Gedanke heute morgen beschäftigte sich mit Strategien und Ehrlichkeit, also der Einsicht, dass man (also bei ihm ist es mir speziell aufgefallen) im Nachhinein alles(!) als strategisch geplant hinstellen kann. Eine interessante Methode der Selbsteinschätzung, bzw. -überhöhung. Und dass man mit allem, was man macht oder ins Netz schreibt, versuchen kann, Geld zu verdienen (was mir vor allem bei ihm aufgefallen ist). Aber dass ich die Blogs viel lieber mag, von denen die Macher nicht allein leben müssen, bei denen nicht jeder Klick berechnet – strategisch geplant – ist, sondern die dazu da sind, das Leben des Schreibers zu illustrieren, zu kolorieren und so eher indirekt zum Lebensunterhalt beizutragen.

Heute nehme ich mir etwas mehr Zeit, hier zu schreiben, ich denke das liegt an seiner motivierenden Bemerkung, vielen Dank. Denn ich muss heute noch eine neue Entdeckung festhalten, die der Sechs Vollkommenheiten, von denen ich gestern bei Bernie Glassman gelesen habe. Und jetzt, da ich das geschrieben habe und ich zwischendurch drei meiner Kollegen Guten Morgen wünschen konnte, ist der richtige Zeitpunkt vorbei. Ich werde später oder nie über die sechs Paramitas schreiben…

Aber kein Tagebuch ohne ein paar Bilder, hier von gestern…

Erst die neu eröffnete Lounge am Istanbuler Attatürk Flughafen, mit einem 130 Jahre alten Olivenbaum, einem schönen selbstspielenden Flügel und wunderbarem Essen, und genau dem Publikum, welches man sich in diesen Lounges vorstellt… ich suche mir schnell eine ruhige Ecke und verhalte mich unauffällig und geniesse den Luxus einfach.

Dann liebe ich es ja, aus dem Flugzeug zu fotografieren… hier die Boing kurz nach dem Verlassen der Wolkendecke. Der Moment, wenn man durch die obersten Wolkenschichten fliegt, ist immer wieder atemberaubend.

Ein wenig später, weiter oben, stand die Sonne günstig für einen Flugzeugregenbogen. Ein Phänomen, welches man manchmal beobachten kann. In der Mitte des Regenbogens leider auf dem Foto nicht zu erkennen, fliegt noch der Schatten des Flugzeuges mit…

Und zum Schluss noch mein Berliner Guten Morgen Bild, heute wie fast immer in Berlin um 7 über die Markthalle fotografiert und zu dunkel fürs iPhone…

Wünsche dankbar lächelnd allen Lesern hier einen tollen Start in die neue Woche!

Istanbul Atatürk Airport, 7:44, Tag 55

Heute habe ich wieder auch von Landgrafroda geträumt (und ich frage mich gerade, wie stark dieses aktive Erinnern und Reflektieren durch das konsequente Aufschreiben hier die Träume verändert und ob wirklich immer, wirklich jede Nacht so viel los ist in unserem Schlaf?). Wir sind ausgezogen, die Räume waren leer und alle Zwischenwände wurden rausgenommen, unsere Wohnung bestand aus zwei riesigen Sälen, unten die Wohnung von Oma H. auch. Dort fand ich mich wieder, lief herum und das leitet über in die nächste Szene. Die Erinnerung wird brüchig, es war ein glatter Übergang. Ich sitze mit T. von Schering und unterhalte mich. Es geht um Informanten und unsere Beziehung zu diesen, es kommen Leute dazu, es handelt sich um eine Besprechung des BND, ich spiele als Kontaktperson nur eine unbedeutende Rolle, es geht um meinen Livescribe Stift und ob die erzeugten PDF meiner Kladde auch Langzeitarchiv sicher sind. Ich erläuterte gerade, dass ich die PDF deshalb immer auch aus der Anwendung exportiere und auf einem Fileserver ablege, weil ich der Software nicht traue, da haut mich der Wecker abrupt aus der Szene raus, aus einem Tiefschlaftraum…

Musste mich beim Zazen mehrmals ermahnen, nicht zu arbeiten. Sie war sehr schnell vorbei heute, vermutlich habe ich nun die Fähigkeit entwickelt im Sitzen zu Schlafen. Ich werde wohl versuchen, wie die Asiaten nun mit halb offenen Augen zu meditieren.

Auf dem Weg zum Flughafen dann fing sofort mein Reisethema an, mich zu beschäftigen. Ich habe bemerkt, dass ich an meinen Reisetagen vornehmlich über wirtschaftliche Zusammenhänge nachdenke, meist makroökonomisch, manchmal aber auch sehr im Detail. Ich stelle mir vor, wie und warum die Gesellschaften der Länder die ich überfliege funktionieren, welche Informationen ich habe, wie so ein Landwirt, eine Kiesgrube, das Dorf, der Bürgermeister dort, die Kirche, die Fabrik, das Werk so tickt. Wie sie entstanden sind, was sie heute tun, wo ihre Probleme liegen, wie es sich so lebt, 100km nordwestlich von Istanbul am Schwarzen Meer oder in Bulgarien, der Slowakei, Polen in Brandenburg, Stadtrand von Berlin oder eben heute morgen im Taxi, was für Geschäfte, Büros, Firmen sich in den Bürogebäuden an dieser Stadtautobahn von erster Brücke zum Flughafen befinden… wann wachsen Firmen, wann bleiben sie gleich, wann gehen sie ein? Wie kriegt man Werbung an die Fassade, wieviel kostet das, was bringt das… die Werbung an den Bürogebäuden entlang der Autobahn sieht so aus, als ob die vor 20 Jahren mal jemand angetackert hat, weil er den Eigentümer entweder kennt oder der grad mal nicht aufgepasst hat. Nun ist es zu teuer, die Plakate und Schilder wieder abzubauen, deshalb bleiben sie einfach dran, wie Graffiti sieht das aus.

Oh, schon Boarding… dann schnell hier ein Bild von gestern geladen und zu geklappt. Ciao Bosporus, bis in 10 Tagen wieder.

Wünsche eine absolut wunderbaren, stressfreien 1. Advent und Sonntag.

Istanbul, 8:18, Tag 54

*schreibpause*

PS: hab im Traum meinen Trabbi zu teuer an meinen Onkel Klaus verkauft, es fühlte sich jedenfalls so an. Er baute ein nacheinander mehrere neue Armaturenbretter ein, seine Unzufriedenheit wuchs. Die letzte Armaturen erinnerten ganz stark an die frühere Formel1: spartanisch, Keflar, rote Schalter… die Abwesenheit meines Onkels, während ich meinen alten Trabi noch einmal besichtigte, verriet, dass er nun nicht mehr unzufrieden war. 😉

Das sieht nach herrlichem Wetter aus, wünsche ein wunderbares Wochenende!

Istanbul, 8:30, Tag 53

Wieder geträumt und den Traum auch gerettet: muss zu einem Vortrag, vermutlich in München und bereite mich vor, Abfahrtzeit kommt, hab ich alles? Ja, bin im Anzug, Tasche und rauf aufs Fahrrad, das kleine Tigerbaby nicht vergessen, der auf meiner Schulter mitfahren soll. Es geht los, rauf auf die Autobahn, mit zwei anderen, die vor mir fahren, leicht schneller, auch mal langsamer, man darf nur 10km/h fahren. Wir fahren schneller, aber behalten den Randstreifen im Auge wg. der Radarkontrollen. Da ist schon ein Polizist mit Laserfernglas zu sehen, wir fahren grade langsamer, Glück gehabt. Wir sind vorbei, grüßen nett und die beiden vor mir fahren wieder schneller, da hören wir ein Pfeifen und der Polizist kommt hinter uns her gerannt, wie, der kann auch rückwärts blitzen? Mist! Das gibt einen roten Punkt für die beiden, ich war eigentlich nicht zu schnell, soll aber 500€ zahlen, boah, für ein paar km/h mit dem Fahrrad zu schnell? Mein kleines Tigerbaby klettert auf meiner Schulter rum und reisst mit seinen scharfen Krallen Löcher in mein Anzug und das Hemd, dann springt er auf dem Boden während der Polizist irgendwas ausfüllt. Das Tigerbaby nimmt wie ein Chameleon die Farbe seiner Umgebung an und ist nicht mehr zu sehen, es soll sich bewegen, dann finden wir ihn, endlich verschwimmt der Asphalt ein wenig, da ist er. Ich muss zurück fahren, schaff ich das noch, 3h noch bis zum Vortrag, 2h Fahrtzeit und die Laptop Adapter für den Beamer sind noch im Büro, ich bespreche mit I. ob das zu schaffen ist, es wird knapp, aber sie kann nicht helfen, sie bereitet ihren eigenen Urlaub vor und steht kurz vor der Abfahrt. Ich fahr zurück, plötzlich über die Elsenbrücke und wache auf…

Weil die Amis heut im Shoppingwahn sind, ein Bild des Mitgefühls – denn hier sind heute die Malls genau so leer oder voll wie immer…

In Istanbul ist irgendwie noch Herbst… gestern nachmittag wurde es noch richtig schön mit grossartigem Licht!

Und auch heute wieder ein frühes Bild aus dem Fenster hier.

Mehr habe ich heute nicht, bin irgendwie leer… wünsche Euch einen erfüllten Tag!

Istanbul, 7:57, Tag 52

Mein Traum heute war schön und flüchtig, ich habe ihn gerade so festhalten können beim Aufwachen. In einer Wohnung, in einer Strasse mit einer ganz spezifischen Stimmung: in einer neuen fremden Stadt, in der man wenig Fixpunkte hat, man gerade so diesen Strassenzug wieder erkennt und dann weiss, dies Haus da, dort wohne ich. Dann die Treppen hoch, dunkel, unrenoviert, mit Glühbirnen beleuchtet. Aber  das trifft es nicht ganz genau, es kommt dieses Wissen dazu, dass schon viele Menschen jeden Tag diese Treppen benutzt haben und dieses Vorahnen, dass ich bald diese Wand, dieses Licht, dieses Flurfenster auch kennen, zu jeder Tages und Nachtzeit erlebt haben werde. In der Wohnung so ähnlich. Es ist schon meine Wohnung, aber nichts von mir ist darin. Dass Wissen, dass ich hier viel sein werde, lässt mich die Wohnung anders anschauen, mich den Nachbarn neugierig vorstellen. Ja, ich bin der Neue, ja mein Büro liegt gleich um die Ecke, praktisch, nein ich kann ich nicht mal Limonade anbieten, es ist nichts da. Dann Schnitt. Eine trockene, gelbe, staubige Strasse, eine Gruppe junger Leute marschiert und sie balancieren das Holzmodell einer Boing 747 auf ihren Köpfen. Sie treten eine Landebahn und testen, ob die Breite ausreicht? Rechts und links am Weg stehen in Parkbuchten weitere, kleinere Flugzeuge. Einen Airbus sehe ich genauer. Der Airbus braucht zum Start 20t weniger Kerosin als die Boing, erkläre ich dem ganz vorne links in der Reihe. Sie ziehen weiter, ich wache auf.

Ich habe heute beim morgendlichen Zazen (Sitzen) nachgedacht, dass ich drei Motivationen unterscheide… und hier erklären möchte.

1. Die Motivation Angst
Das Spiel Minecraft zum Beispiel funktioniert so, man wird in eine fremde Welt geworfen ohne alles nur mit seinen Händen und der Fähigkeit Holz zu hacken oder Erde zu graben und soll die erste Nacht überleben, in der Spinne, Monster oder Creeper kommen. Nun bekommt jeder eigentlich etwas Angst – auch vor dem virtuellen Tod kann man Angst empfinden – und fängt an, sich in den nächsten 8m eine Behausung zu suchen, um die Nacht zu überleben. Holz und Kohle ergeben Licht, damit man nicht im Dunkel sitzt und mit den vielen Geräuschen verrückt wird, versucht man eben Kohle zu finden. Verläuft sich, rennt wild rum, die Zeit wird knapp, die Musik kündigt an, dass nur noch 2m bis zum Sonnenuntergang sind. Hektik, aus einer diffusen Angst heraus geboren, bricht aus. Jeder kann sich selbst seine Beispiele für seine ganz speziellen Ängste aus seinem Leben selber suchen.

2. Die Motivation Wertung
Die funktioniert sehr gut durch Vergleichen mit anderen, man hat Bilder im Kopf, man fängt an, etwas haben, bauen und machen zu wollen und projiziert in die Zukunft, wie das andere finden werden. Eine Motivation, aus dem Vergleichen, dem Wettbewerb heraus entsteht, das klassische Beispiel: mein Nachbar hat eine schöneres Haus, ein größeres Auto, das will ich auch. Ich glaube, dass diese Motivation aus dem männlichen Teil in uns allen stammt, wenn wir schneller, ausdauernder rennen können, dann kriegen wir das Mammut eher erlegt. Also vergleichen wir untereinander, werten unser Handeln ständig zur Positionsbestimmung, zur Identitätsbildung: Du bist zwar der schnellste Mammutjäger im Dorf, aber ich habe die meisten Hasen gefangen. Das Vergleichen ist ein ebenso starker Motivator, wie die Angst.

3. die Motivation Mitgefühl
So, nun zu etwas ganz anderem: zum aus Liebe oder Leidenschaft heraus geboren Handeln, weil ich etwas tun muss, weil ich dabei Freude empfinde, weil ich anderen eine Freude bereiten kann. Wenn ich mir ein Problem dieser Welt nehme und es versuche, mit meinen Fähgkeiten zu lösen oder es zumindest zu lindern. Jeden Moment, den ich in der Welt bin. Mit meinem bisschen freien Willen, diesem kleinen Entscheidungsspielraum, den ich habe. Und mit den Dingen, die gerade hier bei mir und jetzt vorhanden sind, kann ich etwas mit meinem ganzen Herzen tun… oder eben nicht. Die Entscheidung liegt bei mir.

<pathos>Auch deshalb schreibe ich hier täglich! Weil ich meine Angst überwinden, weil ich dem Vergleichen entkommen will und auf diesem Weg vielleicht auch andere finde, denen es auch so geht. </pathos>

Dies Video habe ich gestern gefunden, auch das hat mich wohl dazu gebracht, dies hier so aufzuschreiben.

Nun abrupt zum Schluss hier, ein regnerisches Guten Morgen Bild.

Wünsche eine wunderbaren Tag!