Statt Tagebuch: Reisetag…

Noch Berlin, 9:13 Uhr, Tag 45

Hab mich wohl gesund geschlafen und auch geträumt, aber fast alles vergessen… nur noch ein Bild einer Gruppe kleiner Kinder ist vorhanden, ein Junge im Strampler stolperte ständig… bin krank ins Bett und gesund wach geworden, der mir mehrfach empfohlene und tatsächlich 4 grosse Tassen getrunkene frische Ingwer Tee wird’s wohl gewesen sein – danke!

Das erste Meeting von 7-9 liegt schon hinter mir, deshalb heute hier etwas später, ungewohnt spät, für mich jetzt schon fast mitten am Tag. Bin auf dem Weg zum Flughafen, fliege heute für eine lange Woche nach Istanbul. Freue mich sehr auf meine Mädels, auf 10 Grad mehr, auf den Bosphorus und darauf, dass ich mich nicht mit jedem dort unterhalten kann. Diese Ruhe die entsteht, wenn man in einem Land ist, in dem man die Sprache nicht spricht, diese Einfachheit in der Kommunikation, diese Eingeschränktheit in den Ausdrucksmöglichkeiten, diese Reduktion auf kurze stark körpersprachlich basierende Verbindungen, auch das mag ich sehr an meine Arbeitswochen in Istanbul. Auch das lässt mich reflektieren, in Ruhe Themen bearbeiten, stärker fokussieren.

Aber das Thema von gestern beschäftigt mich immer noch, es gibt einen weiteren Aspekt, den der heilsamen und unheilsamen geistigen Gebilde, die ich hier vor 3 Jahren in einem der ersten Artikel hier schon mal zitiert habe. Heute morgen im Termin ist mir nämlich eine ganz andere Ursache für meinen Ärger aufgefallen… denn es spielt nicht nur die Werteverletzung eine Rolle, auch meine Angst vor Veränderung, mein Beharren auf Bekanntem, mein Festhalten an Gewohnheiten erzeugt diese Wut oder die Gedanken an Abwehr, Verteidigung und Gegenangriff bei mir. Und ganz wichtig – die Erklärungen, die ich gestern suchte, haben wohl nichts mit den wirklichen Ursachen zu tun. Was ich heute denke, versucht ja auch wieder nur zu rationalisieren und etwas zu erklären, es in einen für mich akzeptablen Rahmen zu setzen. Unser Leben hat soo viele Facetten, so viele unterschiedliche Sichtweisen und es verändert sich permanent. Vielleicht will ich ja nur meine negativen Gefühle, meine unheilsamen geistigen Gebilde erklären, vielleicht sogar entschuldigen, schlussendlich aber transformieren, wohl schon ahnend, dass dies nur durch Aufmerksamkeit und von ganz allein passieren wird.

Und manchmal denke ich, ich denke zuviel… 😉

Und deshalb kommen hier jetzt noch zwei Bilder, das erste aus der U-Bahn gestern… ich bin immer wieder platt, wenn ich in eine der neuen Bahnen steige. In den durchgehenden Abteilen kann man gefühlt einen ganzen Kilometer durch einen Tunnel voller Menschen blicken, der sich durch Berlins Untergrund schlängelt. Und mit diesem Staunen habe ich das Bild gemacht…

Und dann ein Sonnenuntergangsblick aus dem Pausenraum im 5. Stock der Gerichstsstrasse… kurz vor einem sehr wichtigen Vorstellungstermin. Eine klassische Übersprungshandlung. Es geht noch nicht los, man ist 15 min vorher da. Der Countdown schon gezählt und die Energie, die Anspannung ist schon voll auf das kommende Meeting eingestellt, die Haupttriebwerke sind quasi schon gezündet. Dann fange ich entweder an völligen Blödsinn zu reden oder auf Toilette zu müssen und mehr und mehr auch Fotos zu machen… das letzte ist Gewohnheit, gibt Ruhe, verbindet mich wieder mit der Umgebung, dem Moment. Einfaches Ein- und Ausatmen und Lächeln würde dies ja auch tun, ich weiss das wohl, aber dann würde nichts bleiben für Euch heute morgen…

2 thoughts on “Statt Tagebuch: Reisetag…

  1. Ich lese Deine Texte mi Aufmerksamkeit und es entstehen Gedanken…
    Hier:
    Das „wirkliche“ Leben bedarf der Rationalisierung nicht. Es benötigt unsere Vorlieben, Meinungen und Interpretationen nicht, um zu sein und wir sind Teil davon.
    Dieses „Wissen“ (im Unbewußten) steht unserem Rationalisierungsveögen gegenüber.
    Das sollte uns nicht aus der Ruhe bringen…:-)

    Wenn Dich meine Kommentare stören oder nerven, dann laß mich das wissen.

    Bin schon gespannt was Morgen kommt…

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  2. Lieber Detlef, ich geniesse Deine Kommentare sehr, finde es sehr schön, dass Dich meine Texte zum kommentieren bringen! Bitte weiter so. Auch an alle anderen, die mir Mails zu meinen Texten schreiben… oder mich persönlich ansprechen! Immer her damit, auch wenn ich nicht immer sofort antworte, ich schätze das/jedes Feedback sehr.

    Und zu Deinem Kommentar ganz speziell: genau, das ist es! In unserer relativen Wirklichkeit spielen solche Rationalisierungen eine zentrale Rolle, in der absoluten wirklichen Wirklichkeit, spielt es keine Rolle… aber! Genau das ist auch das wirklich Leben, es ist ein Teil davon, wir können nur darüber hinaus gehen indem wir versuchen zu akzeptieren, was ist! ;-)))

    Und ich merke, wie ich in Wellen schreibe, nach intensiven Tagen kommen wieder weniger intensive, als ob die Energie sich erst wieder stauen muss. Ich empfinde diese leichteren, inhaltsloseren Posts, wie von heute, jedenfalls als weniger intensiv und bemerke auch, wie die Reaktionen/die Lesezugriffe viel geringer sind… auch spannend!

    Lieben Gruss aus Istanbul nach Hause, A

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