Statt Tagebuch: Über Motivation…

Istanbul, 7:57, Tag 52

Mein Traum heute war schön und flüchtig, ich habe ihn gerade so festhalten können beim Aufwachen. In einer Wohnung, in einer Strasse mit einer ganz spezifischen Stimmung: in einer neuen fremden Stadt, in der man wenig Fixpunkte hat, man gerade so diesen Strassenzug wieder erkennt und dann weiss, dies Haus da, dort wohne ich. Dann die Treppen hoch, dunkel, unrenoviert, mit Glühbirnen beleuchtet. Aber  das trifft es nicht ganz genau, es kommt dieses Wissen dazu, dass schon viele Menschen jeden Tag diese Treppen benutzt haben und dieses Vorahnen, dass ich bald diese Wand, dieses Licht, dieses Flurfenster auch kennen, zu jeder Tages und Nachtzeit erlebt haben werde. In der Wohnung so ähnlich. Es ist schon meine Wohnung, aber nichts von mir ist darin. Dass Wissen, dass ich hier viel sein werde, lässt mich die Wohnung anders anschauen, mich den Nachbarn neugierig vorstellen. Ja, ich bin der Neue, ja mein Büro liegt gleich um die Ecke, praktisch, nein ich kann ich nicht mal Limonade anbieten, es ist nichts da. Dann Schnitt. Eine trockene, gelbe, staubige Strasse, eine Gruppe junger Leute marschiert und sie balancieren das Holzmodell einer Boing 747 auf ihren Köpfen. Sie treten eine Landebahn und testen, ob die Breite ausreicht? Rechts und links am Weg stehen in Parkbuchten weitere, kleinere Flugzeuge. Einen Airbus sehe ich genauer. Der Airbus braucht zum Start 20t weniger Kerosin als die Boing, erkläre ich dem ganz vorne links in der Reihe. Sie ziehen weiter, ich wache auf.

Ich habe heute beim morgendlichen Zazen (Sitzen) nachgedacht, dass ich drei Motivationen unterscheide… und hier erklären möchte.

1. Die Motivation Angst
Das Spiel Minecraft zum Beispiel funktioniert so, man wird in eine fremde Welt geworfen ohne alles nur mit seinen Händen und der Fähigkeit Holz zu hacken oder Erde zu graben und soll die erste Nacht überleben, in der Spinne, Monster oder Creeper kommen. Nun bekommt jeder eigentlich etwas Angst – auch vor dem virtuellen Tod kann man Angst empfinden – und fängt an, sich in den nächsten 8m eine Behausung zu suchen, um die Nacht zu überleben. Holz und Kohle ergeben Licht, damit man nicht im Dunkel sitzt und mit den vielen Geräuschen verrückt wird, versucht man eben Kohle zu finden. Verläuft sich, rennt wild rum, die Zeit wird knapp, die Musik kündigt an, dass nur noch 2m bis zum Sonnenuntergang sind. Hektik, aus einer diffusen Angst heraus geboren, bricht aus. Jeder kann sich selbst seine Beispiele für seine ganz speziellen Ängste aus seinem Leben selber suchen.

2. Die Motivation Wertung
Die funktioniert sehr gut durch Vergleichen mit anderen, man hat Bilder im Kopf, man fängt an, etwas haben, bauen und machen zu wollen und projiziert in die Zukunft, wie das andere finden werden. Eine Motivation, aus dem Vergleichen, dem Wettbewerb heraus entsteht, das klassische Beispiel: mein Nachbar hat eine schöneres Haus, ein größeres Auto, das will ich auch. Ich glaube, dass diese Motivation aus dem männlichen Teil in uns allen stammt, wenn wir schneller, ausdauernder rennen können, dann kriegen wir das Mammut eher erlegt. Also vergleichen wir untereinander, werten unser Handeln ständig zur Positionsbestimmung, zur Identitätsbildung: Du bist zwar der schnellste Mammutjäger im Dorf, aber ich habe die meisten Hasen gefangen. Das Vergleichen ist ein ebenso starker Motivator, wie die Angst.

3. die Motivation Mitgefühl
So, nun zu etwas ganz anderem: zum aus Liebe oder Leidenschaft heraus geboren Handeln, weil ich etwas tun muss, weil ich dabei Freude empfinde, weil ich anderen eine Freude bereiten kann. Wenn ich mir ein Problem dieser Welt nehme und es versuche, mit meinen Fähgkeiten zu lösen oder es zumindest zu lindern. Jeden Moment, den ich in der Welt bin. Mit meinem bisschen freien Willen, diesem kleinen Entscheidungsspielraum, den ich habe. Und mit den Dingen, die gerade hier bei mir und jetzt vorhanden sind, kann ich etwas mit meinem ganzen Herzen tun… oder eben nicht. Die Entscheidung liegt bei mir.

<pathos>Auch deshalb schreibe ich hier täglich! Weil ich meine Angst überwinden, weil ich dem Vergleichen entkommen will und auf diesem Weg vielleicht auch andere finde, denen es auch so geht. </pathos>

Dies Video habe ich gestern gefunden, auch das hat mich wohl dazu gebracht, dies hier so aufzuschreiben.

Nun abrupt zum Schluss hier, ein regnerisches Guten Morgen Bild.

Wünsche eine wunderbaren Tag!

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