Statt Tagebuch: Reisetag…

Istanbul Atatürk Airport, 7:44, Tag 55

Heute habe ich wieder auch von Landgrafroda geträumt (und ich frage mich gerade, wie stark dieses aktive Erinnern und Reflektieren durch das konsequente Aufschreiben hier die Träume verändert und ob wirklich immer, wirklich jede Nacht so viel los ist in unserem Schlaf?). Wir sind ausgezogen, die Räume waren leer und alle Zwischenwände wurden rausgenommen, unsere Wohnung bestand aus zwei riesigen Sälen, unten die Wohnung von Oma H. auch. Dort fand ich mich wieder, lief herum und das leitet über in die nächste Szene. Die Erinnerung wird brüchig, es war ein glatter Übergang. Ich sitze mit T. von Schering und unterhalte mich. Es geht um Informanten und unsere Beziehung zu diesen, es kommen Leute dazu, es handelt sich um eine Besprechung des BND, ich spiele als Kontaktperson nur eine unbedeutende Rolle, es geht um meinen Livescribe Stift und ob die erzeugten PDF meiner Kladde auch Langzeitarchiv sicher sind. Ich erläuterte gerade, dass ich die PDF deshalb immer auch aus der Anwendung exportiere und auf einem Fileserver ablege, weil ich der Software nicht traue, da haut mich der Wecker abrupt aus der Szene raus, aus einem Tiefschlaftraum…

Musste mich beim Zazen mehrmals ermahnen, nicht zu arbeiten. Sie war sehr schnell vorbei heute, vermutlich habe ich nun die Fähigkeit entwickelt im Sitzen zu Schlafen. Ich werde wohl versuchen, wie die Asiaten nun mit halb offenen Augen zu meditieren.

Auf dem Weg zum Flughafen dann fing sofort mein Reisethema an, mich zu beschäftigen. Ich habe bemerkt, dass ich an meinen Reisetagen vornehmlich über wirtschaftliche Zusammenhänge nachdenke, meist makroökonomisch, manchmal aber auch sehr im Detail. Ich stelle mir vor, wie und warum die Gesellschaften der Länder die ich überfliege funktionieren, welche Informationen ich habe, wie so ein Landwirt, eine Kiesgrube, das Dorf, der Bürgermeister dort, die Kirche, die Fabrik, das Werk so tickt. Wie sie entstanden sind, was sie heute tun, wo ihre Probleme liegen, wie es sich so lebt, 100km nordwestlich von Istanbul am Schwarzen Meer oder in Bulgarien, der Slowakei, Polen in Brandenburg, Stadtrand von Berlin oder eben heute morgen im Taxi, was für Geschäfte, Büros, Firmen sich in den Bürogebäuden an dieser Stadtautobahn von erster Brücke zum Flughafen befinden… wann wachsen Firmen, wann bleiben sie gleich, wann gehen sie ein? Wie kriegt man Werbung an die Fassade, wieviel kostet das, was bringt das… die Werbung an den Bürogebäuden entlang der Autobahn sieht so aus, als ob die vor 20 Jahren mal jemand angetackert hat, weil er den Eigentümer entweder kennt oder der grad mal nicht aufgepasst hat. Nun ist es zu teuer, die Plakate und Schilder wieder abzubauen, deshalb bleiben sie einfach dran, wie Graffiti sieht das aus.

Oh, schon Boarding… dann schnell hier ein Bild von gestern geladen und zu geklappt. Ciao Bosporus, bis in 10 Tagen wieder.

Wünsche eine absolut wunderbaren, stressfreien 1. Advent und Sonntag.

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