Meine Tips zu Meditation

Bergmannkiez, Berlin, 7:23, Tag 58

Heute habe ich vom Wasser geträumt, bin Speedboot gefahren (kenn ich nur aus Filmen bisher!) und zwar so wirklich echt, mit allem drum und dran, der Beschleunigung, der Gischt, den Geräuschen, der Vibration, dem Fahrtwind und ich konnte die Geschwindigkeit in mehreren Stufen ins sehr, sehr Schnelle steigern und bei jeder Stufe kamen neue Eindrücke hinzu. Dann eine weitere Bootsszene, die allerdings bereits verschwimmt, es ging mehr um die Beziehung zu den Personen, ein langsames, mühsames Leiter klettern, auf dem Bootsdeck stehen und sich unterhalten.

Bin heute müde, irgendwie auch unruhig, gedankliche Reisevorbereitungen, ausstehende Entscheidungen, ein paar viele Todos auf der Liste, auch ein paar neue als Folge von Unachtsamkeiten und dann doch auch wieder starke Reflektion, viel Distanz, Ruhe und Gelassenheit.

Na dann, heute vielleicht ein paar Hintergründe zu meinem Zazen. Ich schaffe es aktuell, wohl auch wegen meinem Tagebuch hier, täglich nach dem Aufstehen ob in Istanbul, hier in Berlin oder auch im Hotel auf Reisen mind. 20 Minuten eine Sitzmeditation durchzuführen. In Berlin oder Istanbul habe ich mir dafür hier Sitzkissen gekauft, lege eine Decke oder abgeschnittene Schaumstoff Iso-Matte  für die Knie unter. Im Hotel setze ich mich einfach in den Sessel oder auf einen Stuhl, lehne mich aber nicht an. Im Flugzeug geht das auch gut, dort achte ich aber darauf, weil man sich nicht nicht anlehnen kann, dass zumindest mein Kopf nicht anlehnt. 😉

Auf den Kissen sitze ich in einer Form des sogenannten Diamant Sitz. Mir schlafen zwar auf niedrigen Sitzkissen öfter dabei die Beine ein, beim Sitzen über 40 Minuten werden die Beine auch ganz schön steif, so dass das Aufstehen schwer fällt. Ganz ohne Sitzkissen ist dieser Sitz für mich anstrengend, weil mir die Beine dabei sehr tief einschlafen. Wenn mir irgendwas weh tut oder unangenehm ist, verändere ich es einfach während der Meditation. Ich stehe auf und gehe ein paar Schritte, ich versuche aber die Konzentration aufrecht zu erhalten, also alles sehr ruhig und langsam, eben mit Achtsamkeit zu tun und nicht im Autopiloten.

Dann, seit ich ein iPhone habe, stelle ich den Time dort vorher auf die gewünschte Minutenzahl ein. Ich habe als Klingelton den ZenGong hier als Download oder zum direkt anhören. Das ist meine Glocke der Achtsamkeit, die daran erinnern soll zum Atem, zu mir selbst zurück zu kehren.

Die Meditation selbst ist in meinen Augen äusserst unspannend, einfach sitzen und beim Einatmen 1 und beim Ausatmen 2, beim Einatmen 3 und so weiter bis 10 zählen und dann wieder von vorne anfangen. Immer wenn ein Gedanke auftaucht, der mich vom Zählen ablenkt – ich also bemerke, dass ich nicht mehr zähle, fange ich wieder von vorne an. So habe ich Tage, an denen ich nicht über 2 oder 3 hinweg komme, an anderen Tagen erwische ich mich, dass ich bis weit über 10 hinaus, einmal sogar bis 52, weiter gezählt habe. Die Gedanken, die auftauchen, versuche ich nicht zu werten oder ihnen nachzugehen oder an ihnen hängen zu bleiben, was auch nicht immer gelingt. Es gibt Tage an denen ich während der Meditation quasi konzentriert Themen abarbeite und ToDo Listen erstelle oder Gespräche vorbereite. Ich beginne zumindest immer mit dem Zählen des Atems und ich versuche immer, die voreingestellt Zeit dann auch sitzen zu bleiben.

Zu Beginn meiner Meditationspraxis vor sechs Jahren war dies das größte Problem, das Durchhalten der 10 oder 20 Minuten, das nicht eher Abbrechen. Die Unruhe, der Widerstand, die entstehen, wenn man nur sitzt und nichts tut, nur seine Gedanken hat und nur seinen Atem zählen soll, können sehr stark werden. Mit andauernder Übung fällt das dann leichter und leichter. Deshalb gilt für Anfänger die Regel, nur mind. täglich 2 Minuten zu sitzen… dann sind die positive Effekte der Meditation schon „messbar“.

Ebenfalls sehr geholfen haben mir in der Anfangsphase mein Freund Tony, der mich regelmässig an die Meditation erinnerte, mich ausfragte, sich sehr interessierte für meine Erfahrungen mit oder ohne Mediation und wann immer es möglich war, mit mir gemeinsam meditierte. Ebenfalls entscheidend sind die jährlichen Retreats im Frühjahr: von Tony initiierte einwöchige Meditationsreisen, die mir immer einen starken Schub, Motivation und auch Erfahrung gegeben haben. Dazu kommt, dass wir vor etwas über 3 Jahren im Büro eine kleine Mediationsgruppe gegründet haben, bei der wir einmal in der Woche morgens zusammen 20 Minuten meditiert haben. Die ist zwar wieder eingeschlafen, aber dieses Zeit des wöchentlichen gemeinsamen Termins hat auch dazu beigetragen, dass ich nun selbst täglich meditiere. Dazu kamen dann aber auch noch jede Menge Bücher vor allem von Thich Nhat Hanh, die dazu ebenfalls einen grossen Teil beisteuerten.

So, das sollte es es jetzt mal gewesen sein – ein spontan aus der Hüfte geschossener Artikel zur Art und Weise und etwas zur Geschichte meiner täglichen Meditation.

Mit einem etwas anderen Bild vom 2008er Retreat und Rømø’s tollem endlos breitem Sandstrand mit auflaufender Flut und einem Lächeln verabschiede ich mich heute in den Mittwoch.

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