Ohne Erwartungen, kein Glück…

Istanbul, 8:40, Tag 85

Habe geträumt, aber was? Dieser Morgen bleibt ohne wirkliche Erinnerung an meine Träume…

Bei der Morgenmeditation kamen zwei Gedanken. Der eine: ohne Messen, kein Management. Auf die ein oder andere Weise messen wir immer: wir werten und vergleichen, das war gut, positiv, erwartungsgemäß, hat uns unseren Zielen näher gebracht, ein Problem ist gelöst, ein Vertrag nun erfüllt, ein Auftrag abgearbeitet, eine Idee ist verwirklicht, ein Traum gelebt, der Tag überstanden.

Es gibt sicher viele Definitionen für Management, eigentlich kann ich mir hier irgend eine geeignete heraussuchen und das Thema wäre erledigt. Zum Beispiel, dass durch Management der Versuch unternommen wird, das Gesamtergebnis größer als die Summe seiner Teile erscheinen zu lassen oder dass Management durch Absprachen bzw. Regeln versucht, die Zusammenarbeit von Gruppen von Menschen zu unterstützen. Management ist ein Konzept und Teil unserer spezialisierten, komplexen und hochgradig arbeitsteiligen Welt und kann nur in genauer Beobachtung – dem Messen – von Veränderungen irgendwelcher(!) Daten über einen bestimmten Zeitraum seine Grundlage haben.

Der andere: ohne Erwartungen, kein Glück. Bei dem Thema erinnere ich mich manchmal an Volker Weber, über den ich denke, dass er in seinem Impressum, vielleicht einer älteren Version seines About Dokumentes, mal geschrieben hätte, dass er seine Versprechen immer hält. Ich kenne auch noch andere Menschen, denen das ein grosser Wert ist, so etwas von sich behaupten zu können.

Oder anders, manche Menschen achten darauf, was für Erwartungen sie bei ihren Gesprächspartnern erzeugen. Sie versuchen diese zu kontrollieren und schränken zum Beispiel persönliche Zusagen ein, auf solche, deren Einhaltung für sie momentan unproblematisch scheint. Solche Menschen nennen sich oft „ehrlich, manchmal schmerzhaft ehrlich“, vielleicht weil das Management von Erwartungen manchmal weh tut? Es geht hier eigentlich nicht um die Ehrlichkeit bei der benannt oder  gesehen wird, was wirklich ist und auch nicht um die andere Ehrlichkeit, mit der Erwartungen enttäuscht oder Versprechen gebrochen werden können.

Es geht darum, dass man alle Erwartungen für das Gefühl des Glücklichseins verantwortlich machen kann. Eine Erwartung ist eine bestimmte Vorstellung darüber, wie etwas – ein Sache, eine Situation, ein Gefühl – zu sein hat oder auch wie sich andere Menschen dem etwas gegenüber verhalten sollten. Erwartungen können niemals vollständig die Realität beschreiben, sie sind immer nur eine Vorstellung davon.

Nun halte ich mich für einen eher optimistischen und neugierigen Menschen, der etwas über die Erwartungen von anderen Menschen erfahren möchte, vielleicht kann man ja etwas zusammen tun… etwas machen, vielleicht entsteht aus dem gegenseitigen Austausch von Erwartungen ein Impuls, der zu Aktion, zu Veränderung wird. Manchmal halte ich mich für einen eher sensiblen und emphatischen Menschen, dem es leicht fällt, vorhandene Erwartungen auf Lücken oder Abweichungen abzuklopfen.

Und wenn ich beides nur bei mir selbst anwende, dann kann ich mich entscheiden… bin ich glücklich darüber, dass meine Erwartungen (nicht völlig) enttäuscht worden sind oder bin ich unglücklich darüber, dass meine Erwartungen (nicht völlig) mit der Realität übereinstimmen?

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