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Mehr Selbstbestimmtheit…

Istanbul, 8:39, Tag 87

Heute intensiv geträumt, aber nur beim Aufwachen zwei Stichworte gerettet: ein Konferenzraum und Telefone, die umzustellen sind. Ich kann nicht einmal grob die Szene rekonstruieren. Wenn die Notiz nicht wäre, würde ich glauben, ich hätte nicht geträumt.

Heute wollte ich zu Selbstsabotage schreiben. Schweres Thema! Ich renne schon eine Stunde vor dieser Aufgabe davon und drücke mich vorm Schreiben heute, das kann ich als Teil meines Programmes zur Selbstsabotage sehen. Statt mich hinzusetzen, ruhig zu atmen, Gedanken und Gefühle kommen und gehen zu lassen und einfach in der Aufgabe drin zu bleiben, tue ich lieber tausend andere Dinge. Das gestern angesprochene News lesen zum Beispiel, man kann wunderbar ein wenig durch Facebook, Twitter oder Google Reader schweben und sich von Assoziationen treiben lassen, man findet sehr sicher wunderbare Artikel, Erkenntnisse anderer und auch immer wieder Anregungen. Eine Art gerichtete Aufmerksamkeit sorgt dafür, dass wir immer wieder Artikel finden, mit denen wir etwas anfangen können, die uns irgend etwas geben.

Eine andere häufige Form von Selbstsabotage setzt bei Erfolg ein, den ich mir selbst nicht gönne. Manchmal, so wie ich Anzeichen für Glück oder Erfolg verspüre, setzt bei mir ein ähnlicher Mechanismus wie oben ein, ich renne irgendwie davor weg. Man könnte ja dran bleiben, einfach so weiter machen auf der Strasse des Erfolges, das Verhalten einfach noch intensiver fortsetzen. Aber irgend etwas in mir drin hält mich dann zurück – lässt mich das Interesse verlieren, findet plötzlich andere Themen viel interessanter.

Ich bin von Natur aus eher ein ”Weg von“ Typ. Ich versuche, meine Probleme zu lösen, wenn sie gelöst sind, suche ich mir neue… ich bin keiner, der von innen heraus „Hin zu“ etwas arbeitet, mir  also meine Ziele vorstelle und dann bis zu deren Erreichung daran arbeiten kann.

Probleme ziehen mich viel stärker an, als Lösungen.

Kurzfristig, also heute, diese Woche, diesen Monat, dieses Quartal – bin ich fast vollends Problem getrieben: nimm mir meine Probleme und ich fühle mich nicht gebraucht, nicht gut, ohne Motivation.

Mittel- bis langfristig funktioniert das besser mit Zielen, da habe ich dann Listen oder fotografierte Whiteboards, auf denen ich festgehalten, was wir zusammen oder auch ich ganz allein, so erreichen will. Und ab- und zu schaue ich da rein und freue mich, was ich durch das kurzfristige, immer spontane Lösen von den Problemen, die grade dran waren, dann doch von den mittelfristigen Zielen alles abhaken kann. Das funktioniert am besten, je länger man sich nicht mit seinen langfristigen Zielen beschäftigt. Man merkt auch, was für ein mächtiger Faktor Zeit und Geduld sind. Ich bin vorsichtiger mit diesen langfristigen Zielen geworden, eben weil sie so mächtig und mein Unterbewusstsein sehr stark programmieren und mich stark beeinflussen Aber eigentlich esse ich nur, wenn ich Hunger habe.

Nun wieder zurück zur Selbstsabotage: ich erinnere mich an viele Beispiele, bei denen ich mich selbst sabotiert habe, um grössere Veränderungen meiner Lebensumstände zu verhindern: vor allem in Beziehungen und mit Geld bin ich darin ein Meister. Die Beispiele hier auch noch aufzuschreiben, das erspare ich Euch, na eher mir.

Ich habe aber ein paar Ideen entwickelt, wie ich mit meiner Selbstsabotage umgehe, wie ich meine Selbstsabotage selbst sabotieren kann.

Der erste ist aus dem Buch Yes or No von Spencer Johnson. Wenn ich mich bei Selbstsabotage erwische, fällt mir die private Frage aus dem Buch ein: Bin ich ehrlich mit mir selbst, vertraue meiner Intuition und verdiene ich besseres, ja oder nein? Vor allem das „verdiene ich (etwas) besseres“ ist mir eine grosse Hilfe und lässt mich dann aus diesen Autopilotphasen wieder herauskommen und Dinge tun, mit denen es mir sofort, kurz-, mittel- oder auch langfristig wirklich besser geht.

Zweitens hilft mir sehr, wenn ich mir für die Felder meiner Selbstsabotage smarte Ziele setze. Das kann in meinem Fall auch bedeuten, dass ich mir künstliche Probleme schaffe, an deren Lösung ich mich dann abarbeiten kann. Aber ich muss da schon etwas Zeit investieren, denn die Probleme/Ziele müssen wirklich S.M.A.R.T. sein, um mich als „Weg von“ Menschen wirklich zu motivieren. Ich stelle mir dann also vor, wie es mir geht, wenn ich das Problem nicht mehr habe: wie es sich genau anfühlt, wie das aussieht und wo ich dann bin, mit wem ich bin, was wir reden, etc.

Ein letztes noch: Aufmerksamkeit hilft immer! Ein Erkennen (wollen) dieser Mechanismen bei einem selbst und auch bei anderen Menschen, ein sich Bewusst werden (und machen) dieser oft unbewussten ablaufenden Vorgänge ist der beste Weg weg von Selbstsabotage hin zu mehr Selbstbestimmtheit.

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