Life. Drink deeply.

Istanbul, 7:42, Tag 88

Erinnere mich wieder nicht an meine Träume, nehme mir wohl etwas zu wenig Schlaf gerade.

Gestern habe ich die in US gesammelten Giftcards einfach mal bei Flickr und Facebook eingestellt. Diese Giftcards sind ein tolles Beispiel für amerikanisches Marketing und spiegeln Trends wieder. Sie gibt es in jedem Supermarkt, Drogerie, Tankstelle – eigentlich an jeder Kasse.

Es gibt auch eine Sammelcommunity, die schon über 3.500 Giftcards zusammen getragen und kategorisiert hat. Allein Facebook hat schon 14 verschiedene Giftcards verkauft, da habe ich immerhin mit meinen 35 für den Start schon 1% der Population erfasst. 😉 Ich hab auch noch eine kleine Sammlung von Telefonkarten, die ja für die Telko Industrie einen ähnlichen Sinn in den 90igern hatten, wie die Giftcards heute im Retail- und Servicebereich.

Zum Hintergrund oder der Geschichte von Geschenkgutscheine oder Geschenkkarten, wie wir Deutschen umständlich sagen müssen, will ich mal nicht so tief einsteigen, nur so viel: sind für mich mehr ein schlechter Geldersatz, als ein Geschenk. Mir wurden von lieben Menschen schon ein Gutscheine für Baggerfahren, Hubschrauber in echt-, ne Boing 747 im Simulator fliegen oder auch ein Wellnesstag mit Shiatsu geschenkt, aber ich kriege eben auch von meinem Autohändler monatlich eine Bonuskarte „im Wert“ von mehreren tausend Euro (Rabatt!), damit ich mit endlich nach über 10 Jahren wieder einen neuen Wagen bei ihm hole. Aber solche Geschenkkarten, wie die obigen oder auch diejenigen, die es bei uns gibt, habe ich bisher noch gar nicht verschenkt und auch noch keine erhalten…

Das was ich aktuell bei den Giftcards so faszinierend finde, ist die Fähigkeit der Ami’s alles(!) so kompakt zu einem Produkt zu verschnüren, dass man es per Giftcard an jeder Kasse mitnehmen und anderen schenken kann. Ob das jetzt Restaurantketten sind, Kaufhäuser, Tankstellen, Klamottenläden, Klamottenlabels oder Firmen, die virtuelle Güter „herstellen“ , Zynga, Facebook Credits oder auch Guthaben in iTunes, Amazon und Groupon oder sogar Firmen, die nur Geld verwalten, wie Visa, American Express oder auch virtuelle Geldanbieter (im doppelten Sinne) wie Karma Koin, die so funktionieren:

Here’s the deal. Karma Koin transforms your cash into virtual currency. When you spend it on the stuff you want, Karma Koin donates 1% of your purchase to making a difference.

Das das überhaupt jemand kauft, ist mir persönlich ein Rätsel…

Sehr heftig sind auch die Giftcards für Telefonhotlines, wie zB die Techsupport for Dummies Karte, bei der man „unbegrenzten“ Telefonsupport für 15$ in 30 Tagen bezahlen kann, die ich nur – als Wink mit dem Zaunpfahl – und in größter Not – an Bekannte oder Verwandte (aber doch nicht Freunde!) verschenken würde, von deren ständigen Berichten ihrer Computerproblemen man genervt ist.

Ebenfalls verwunderlich finde ich, dass man in US Kreditkartenguthaben verschenken kann. Man kann somit anonym – echte US Prepaid Kreditkarten von Amex oder Visa in jedem Supermarkt erwerben. Übrigens könnte man dafür auch in eine Bank gehen, was ja eigentlich bei Kreditkarten erst mal naheliegt. Aber dort kommt man ohne Ausweis und Sozialversicherungsnummer nicht mal an der Security vorbei: do u know Patriot Act, Homeland Security… see! Aber so kann ich ohne Ausweis, einfach nur mit meiner ausländischen Kreditkarte eine US (PrePaid) Kredit Karte erwerben, aufladen und dann fürs Shopping benutzen.

Die vielleicht (un)ehrlichste Karte ist wohl die Instant Happiness Karte von Chipotle, einer mexikanischen Restaurantkette. Aber meinen die eigentlich das Instant von Tütensuppe? Oder: „Du machst uns von Chipotle sofort glücklich, wenn du jetzt schon das Geld ausgibst und dann irgendwann später ein Beschenkter mal zum Essen zu uns kommst“. Und da sie es vermutlich auch noch schaffen, ihre Lieferanten und ihre Mitarbeiter erst nach Erbringung ihrer Leistung zu bezahlen, erhöhen sie die Profitabilität und Liquidität des eigenen Ladens zulasten der ihrer Kunden und Zulieferer. Da genau das aber jeder(!) zumindest versuchen kann, habe wir hier den Kern oder einen Antrieb des amerikanischen Wirtschafts- und Finanzsystems. Und genau dieser ständige, fest eingebaute sportliche Wettkampf  zwischen allen Markteilnehmern fasziniert mich so bei den Amis und hat sie meiner Überzeugung nach in der Vergangenheit so erfolgreich sein lassen.

Dann von Starbucks, deren Strategie und Management ich absolut bewundere, habe ich gleich drei Karten dabei. Zweimal normale Giftcards, aber die dritte – kleine –  kann man auch gleich als Dauerzahlungsmittel/Kundenkarte einsetzten und als Beschenkter immer wieder selbst aufladen und damit sehr schnell bezahlen. In US macht das zwar keinen grossen Unterschied zur Zahlung mit Kreditkarte. Bei den hochfrequentierten Starbucks wird eh kein Beleg unterschrieben oder sonst irgend etwas bestätigt, aber bei uns – mit den üblichen Zettel, Stift, Unterlagedrama bei Kreditkartenzahlungen – wäre das ein Riesenfortschritt. Der Druck scheint auch bei Starbucks Deutschland nicht so hoch zu sein, dass sie solche Instrumente für ihre Kundschaft hierzulande schnell übernehmen und in ihre Cafe’s prominent vermarkten.

Dann, auch Groupon hat eine Giftcard. Wer die Folgen von Guerrilla FM gehört hat über Gutscheinportale und Terrormarketing, der wird die Ehrlichkeit erschreckend finden oder bewundern:

Give the gift of ridiculously HUGE deals at great local spots.WARNING: You may appear more generous than you really are.

Und wie schräg findet ihr die Gas Card – for food, fuel and fun von BP eigentlich? Die haben richtig viel Geld, aber ein bescheidenes Image – und ich finde, das merkt man auch ihren Gas Cards an.

Zum Schluss noch die meiner Meinung nach besten Claims (aka Slogans), einmal von Nike mit Reward Your Champion oder auch Starbucks mit Life. Drink deeply. Die sind wirklich richtig gut!

Wünsche einen schönen vorletzten Tag in diesem Jahr!

 

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