Online Collaboration mit kostenlosen Tools…

Istanbul, 7:35, Tag 101

Heute ist Reisetag und passend dazu ein Traum im Flugzeug, in einer ausgemusterten MIG oder doch einer Phantom mit D. aus V., der mich dazu bringen wollte, das Ding selbst zu fliegen. Er erklärte mir alle Hebel und Knöpfe, die ich zum Starten brauchte. Es sah alles sehr mechanisch, grau grün lackiert aus. Das Flugzeug stand in einer Scheune, er wusste auch, welche Teile des Tores und des Daches zu entfernen sind, um starten zu können. Dann flogen wir, ganz langsam und gerade über ein Flussbett, später dann über Wiesen in engen Kurven um Bäume herum, dann lieferten wir uns kleine Duelle mit drei Cessnas, die so ausssahen, als ob sie auch im Wasser landen könnten und wir wurden mutiger mit den Bäumen. Wir streiften schon mal einen Wipfel, ich hatte immer Angst, dass wir die Kurve nicht kriegen. Dann sahen wir einen riesigen Baum, unvorstellbar riesig, auf der Seite liegen. Er war eine Attraktion! Wir flogen lange Minuten den zerklüfteten Stamm entlang… dann Landung, jetzt war die MIG natürlich ein Senkrechtstarter. Der Hebel links im Fussraum sah aus wie eine überdimensionierte Handbremse, über deren Seile mit diesem Hebel die Triebwerke nach unten gebogen werden mussten, es quietschte dabei. Dann musste ich mich anstellen, um eine Karte zu Besichtigung des Stammes zu bekommen. Ich wachte auf…

Gestern habe ich so richtig wirklich und in echt mit der internationalen Online Collaboration begonnen.

Bisher bin ich immer irgendwie in alten Arbeitsweisen, zwischen Telefonaten, Mails und asynchronen Tools hängen geblieben. Wir haben zwar das grossartige Jira als Projektmanagement Tool für das Operations des Bestandsgeschäftes, aber ich war nie so richtig glücklich mit Jira oder Confluence bei neuen, eher explorativen Projekten, also allem, was vor der Specification zu tun ist. Da gibt es zwar CRM’s, die sind aber zu sehr auf die Optimierung der Kundenbeziehungen zu geschnitten, wir haben dafür vor 1,5 Jahren Dynamics eingeführt. Ich gestehe, dass ich dies bisher noch nicht selbst benutzt habe.

Wie nun den Bogen zu gestern kriegen…? Am besten mit einem Screenshot, den ich dann erkläre.

 

Also, ich bin schon ein Fan von Google Produkten, ich benutze täglich nur noch Google Mail oder kurz GMail. Google Maps für Karten, Routen und Reisevorbereitung, Google Suche sowieso, mein Standardbrowser ist Chrome. Vor 2 Jahren habe ich mal einen Versuch gemacht, auch Google Documents zu benutzen und das hat damals irgendwie keinen Spass und Sinn gemacht. Nun scheint es soweit zu sein, hier oben seht ihr Henry und mich gleichzeit an einem Dokument schreiben. Er hat den roten Cursor, ich bin in Blau unterwegs. Rechts unten das Skype Video Fenster. Henry sitzt in London in der Küche, ich in Istanbul im Wohnzimmer auf dem Sofa. Gestern habe ich mich das erste mal richtig so gefühlt, wie sonst am Schreibtisch ihm gegenüber. Wir haben einfach laufen lassen und so über zwei Stunden gemeinsam diskutiert und das Dokument gefüllt, also richtig synchron – wie in einem Büro – zusammen gearbeitet.

Ich weiss nicht genau, warum mir das gestern wie ein Durchbruch, eine Transformation vorkam: weg vom Einzelkämpfer, der alles remote koordinieren, kontrollieren also managen soll und sich immer „aussen vor” fühlt, hin zu gemeinsam, gleichzeitig an einem Ding arbeiten.

Die Tools dazu gibt es ja schon seit Jahren, vor allem für Lotus Notes Nutzer wie uns, fast seit Jahrzehnten. Ich glaube aber, dass erst jetzt die Verhaltensänderung, die Anpassung bei mir und uns beginnt. Erst jetzt geht das raus aus der Phase des geekigen Ausprobierens: „Oha, kennste schon das Neueste? Müssen wir unbedingt mal beim nächsten Jour Fix probieren…“ und weg von elitären Besonderheiten: „Nein, wir haben uns keine Videokonferenzsystem für x Tausende Euro geleistet, wir müssten deshalb schon persönlich zu ihnen kommen.“

Erstens haben zwei Milliarden Menschen Internet Zugriff, in der westlichen Welt knapp 80% der Bevölkerung*. Zweitens ist die Bedienung der Tools soweit, dass sie funktionieren und keine Spezialkenntnisse oder Bastelei oder besondere Infrastruktur und damit viel Geld erfordern, welche sich nur ein kleiner Teil der Bevölkerung leisten kann. Drittens ist die Bandbreite so stabil, dass Video, Sprache und Tools in „Realtime“ übertragen werden können.

Die Verhaltensänderung und die breite Akzeptanz dauert aber noch viel, viel länger… noch sind zB Facebook und Youtube beim Deutschen Patent und Markenamt für die Mitarbeiter gesperrt, vermutlich gibt es Ausnahmen für externe Berater und die Abteilungsdirektoren. So wie man früher (also noch bis in die 90iger) nur mit den Telefonen der Abteilungsleiter Ferngespräche führen konnte. Und noch gibt es die riesigen Rollouts von zB Microsoft Office in der neuesten Version, welches dann echt Dokumente in der Cloud (= Sharepoint;) speichern kann, wobei dazu der Speichern unter Dialog noch einen extra Tab bekommen hat, um das auch gaaaanz einfach zu machen. Ich glaube, Google hat für Google Doc’s nicht mal Schulungen im Angebot, die gehen davon aus, das das mittlerweile jeder benutzen kann… und wenn nicht, können die Leute ja Word Kurse besuchen, danach können sie auch Google Docs.

Das gleiche funktioniert übrigens auch mit Mindmapping, das ich sehr gerne zur Visualiserung und Strukturierung von Ideen benutze. Den alten Mindmanager, den ich nur alleine benutzen konnte, den habe ich nun gar nicht mehr installiert, seit ich von mindmeister erfahren habe.

Dazu gibt es Tools wie trello.com, die die Zusammenarbeit an ToDo Listen in das neue Zeitalter übersetzt haben.

So, mit diesen drei Anregungen verabschiede ich mich etwas abrupt lächelnd in den Tag, ich nehme nun den Metrobüs und begebe mich zum Flughafen. Ciao!

3 thoughts on “Online Collaboration mit kostenlosen Tools…

  1. Teamarbeit mit gDocs mach ich in der Uni schon seit ein paar Semestern. Insbesondere die Erstellung von Dokumentationen ist einfach der Hammer, wenn 3-4 Leute gleichzeitig am selben Dokument arbeiten und man immer auf dem Laufenden ist, wer gerade an welchem Teil arbeitet.

    Mindmeister sieht cool aus, ich hätte aber lieber ein in gDocs integriertes Mindmapping Tool. Das kommt ja vielleicht (bestimmt) noch … 🙂

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  2. @alexander: trello ist ganz aktuell wieder ausm prozess genommen, die todo listen bei basecamp reichen uns erst mal aus.

    vielleicht gewöhnungssache…? ja, auf viele informationen kann man bei trello erst zugreifen, wenn man die karte aufmacht… dadurch können die listeneinträge sehr fett sein, was dann im team nicht so einfach gesehen wird. ich vermute mal, wenn wir kein basecamp hätten, würden wir weiter mit trello machen… so fiel das einfrieren der listen dort leicht. und basecamp ist ja nicht „kostenlos“, auch nicht in der basis variante, deshalb hat ich’s nicht mit erwähnt.

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