Ein Colt für alle Fälle…

Berlin, 10:33, Tag 104

Wie sollte ein Sonntagspost eigentlich aussehen? Entspannt, ohne Zwang einfach mal so… habe die Unruhe, nicht gleich los zu schreiben vorhin um 8 schon sehr genossen. Und ich habe einen Rückfall erlitten und mir einen Spiegel gekauft und den grade von hinten nach vorne durchgelesen: nichts Aufregendes – reine Unterhaltung.

Heute auch geträumt, von einem alten Mann im Rollstuhl der uns mit seiner Tochter besuchte. In einem engen Innenhof haben wir uns unterhalten, er konnte nicht richtig atmen und hatte eine komplizierte Apparatur im Rollstuhl dabei, die er mir andeutungsweise zeigte. Wir sind zu einer Veranstaltung gelaufen, an einem schmalen Strand sind wir an Hochleistungsjachten und -booten vorbei, die Besitzer kamen aus Hütten und erklärten, warum die Motoren fehlten, dann zu einem Flughafen mit flachem Dach, dort in den Gästezimmern angekommen, wachte ich auf.

Gestern habe ich an einer Tour durch die Beelitzer-Heilstätten teilgenommen, die von Instagram ausging und von Michael (aka @king_fisher) organisiert worden ist. Mit bestimmt 30 anderen haben wir an einer Führung von Frau Krause teilgenommen. Die Instagramer sind im Anschluss noch durch die eingefallenen Pavillion Chirurgie und den Pavillion B IV gelaufen und haben wie die Wilden Photos über Photos gemacht. Eine schöne Idee und ein richtig toller Samstag unter Gleichgesinnten.

Auf dem Pavillion B IV wächst ein Wald. Eine Attraktion an sich. Viele grosse Bäume im vor vielen Jahrzehnten ausgebrannten Dachstuhl…

Im Inneren endlos lange Flure bestimmt vom Licht…

Natur, Zeit und eine lange zurückliegende Vergangenheit. Gebaut als Krankenhaus vor über 100 Jahren…

Magische Treppenhäuser…

Ein kreisrunder, kuppelüberspannter, grün gefliester Operationssaal in der Chirurgie auf der Schattenseite…

Und die wohl vor 50 Jahren ausgeräumten Krankenzimmer auf der Sonnenseite des Gebäudes… 

Und über allem der blaue Brandenburger Himmel…

Ich hatte gar kein so starkes Interesse an den sicher vielfotografierten Motiven, habe eigentlich erstaunlich wenig Bilder für „meine Verhältnisse“ gemacht. Lag vielleicht an der intensiven Stimmung und den extrem vielen kleinen Details des endlosen Zerfalls, die direkt noch stärker wirkten als durchs iPhone/die Kamera.

Mit Beelitz selbst verbinde ich nicht viel, ich kannte es nur vom schnellen durch- oder vorbeifahren als Standort einer riesigen Kaserne der sowjetischen Armee. Aber da mein Grossvater in den 70igern ganz in der Nähe in Borkwalde eine Datsche erbaute und mein Onkel in den 80igern heimlich in Potsdam als Panzergeneral die Heimat verteidigte, fühle ich mich der Gegend und dem Wald doch irgendwie sehr verbunden.

Die Russen hatten hier einen riesigen Truppenübungsplatz, der durch panzerfahrende Onkel ausgestellte Passierscheine für Pilze suchende Grossväter mit ihren Enkeln an ruhigen Tagen zugänglich war.

Panzerstrassen durchzogen den gesamten Brandenburger Wald… die einmal zu befahren war ein Traum für jeden Jungen, der heimlich im Westfernsehen Colt Seavers sehen durfte.

Mit diesen Gedanken verabschiede ich mich selig lächelnd in den Sonntag!

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