Anfängergeist…

Bad Saarow, 8:05, Tag 110

Ich habe heute auch geträumt, aber unspannend, geschichtenlos, schon beim langsamen Aufwachen war mein Eindruck, dass diese Träume keinen haben werden.

Bin noch geblieben zum Nachdenken, den zweieinhalb Tagen nach denken… nach grossen Workshops nehme ich gerne die Metaplanwände, setzte mich davor und schreibe alle Karten mit ordentlicher, einheitlicher Schrift noch mal ab, sortiere sie neu, vereinheitliche die Sprache und klebe sie dann wieder an eine leere Metaplanwand. Es hat viele Effekte für mich und vielleicht auch für die anderen. Ich inhaliere quasi die gemeinsam erarbeiteten Ergebnisse noch einmal ganz tief.

Ich lerne durchs Aufschreiben, immer schon. Der Prozess, Gedanken in Worte auf Papier zu bringen, den habe ich ganz bewusst in meiner Bankausbildung vor 20 Jahren das erste mal benutzt, um beliebige Themen auswendig lernen zu können. Es ist für mich fast anstrengungsloses Lernen. Denn ich brauche es ja nur aufzuschreiben und schon kann ich später das Bild der geschrieben Seite wieder abrufen. Am Computer geht das nicht so gut, aber mit dem Stift in der Hand auf Papier, da hat es diese (ein)prägende Wirkung bei mir.

Dabei fällt mir mein zweiter Trick fürs Lernen ein: Aufmerksamkeit, ständiges Aufpassen. Egal, was passiert, wie langweilig es ist, wie anstrengend oder auch unruhig: immer in dem jeweiligen Thema drin, bei der Sache bleiben. Das war mein Trick von etwa von Klasse 5 an, um die Anforderungen des ostdeutschen Schulsystems und dann auch später mit 20, denen des westdeutschen Berufsschulsystems und noch später der Fernuni und allen Kursen, Trainings, Meetings und Workshops zu entsprechen.

Zurück zum Strategy Retreat… wir hatten uns vorher ein einfaches Programm überlegt:

Und zu jeder Session hatte unser Moderator Fragebögen vorbereitet, die wir in Zweier Gruppen bearbeitet haben. Dann haben wir die Ergebnisse der „Interwiews“ in der ersten Session noch gegenseitig (das verbindet sehr stark), in den späteren drei Sessions dann die eigenen Ergebnisse immer vor der Gruppe präsentiert (das intensiviert sehr gut). Nach den Präsentationen haben wir Begriffe unterteilt in vier Ebenen: Werte, Ziele, Strukturen, Prozesse und dann an Metaplanwänden festgehalten.

Und während wir das gemacht haben, enstand jedes mal vor den Interview Runden und auch während der Interviews eine Unsicherheit, ein Zweifel, eine Unruhe: was mach ich hier eigentlich; boah, ist das langsam/lahm; ich verstehe das nicht; was soll das alles hier; was will er jetzt mit dieser Frage; ich will darüber nicht nachdenken, nicht jetzt zumindest; nicht schon wieder dieses Thema…

Aber nur in dieser Unruhe entsteht etwas Neues, nur dann verbinden sich die Charaktere, die Fähigkeiten, die Stärken der einzelnen Teilnehmer. Nur dann erzeugen wir einen Unterschied. Nur dann verlassen wir bekanntes Terrain. Denn nur, wenn wir bekannte Wege verlassen und eingeübte Konzepte vergessen, wirklich nur dann – entwickeln wir uns selbst und als Gruppe weiter. Sonst schreibt man ja doch nur auf, was man alles schon weiss und glaubt und denkt… und das ist nicht der eigentliche Sinn unserer mtc Strategy Retreats.

Ein Zufall bestärkte mich enorm: die Leser dieses Blogs wissen, dass ich viel Zeit in Istanbul verbringe, um meine Akkus zu laden, Reflektion zu ermöglichen und besseren Zugang zu meiner Kreativität zu finden. Anfang Dezember hatte ich einen deutschen Grafiker und Designer – der ebenfalls in Istanbul lebt – gebeten, sich eine Weiterentwicklung für unser Logos/unser CIs  für mtc und deparom zu überlegen. Ich weiss, dass ich bei mir kreative Prozesse nicht erzwingen oder planen kann… und so habe ich nach der Beauftragung, einfach losgelassen. Alle Zieltermine habe ich zur Kenntnis genommen, aber ich habe nach Überschreitung der Termine nur irgendwann mal nachgefragt, wie es geht und ob wir uns treffen wollen, aber nicht, wann und ob es fertig ist oder wann ich etwas sehen kann.

Und gestern morgen, nach über 6 Wochen kam genau zum Frühstück die Präsentation eines einzigen Entwurfes für unser neues kombiniertes Logo, incl. einer Herleitung und dem Satz:

Das gute ist, heute ist Freitag.
Und es gibt keinen besseren Tag
für Präsentationen 🙂

bei mir an. Und es hat mich umgehauen! Die Präsentation habe ich zum Abschluss unseres Workshops den anderen gezeigt und die ersten Reaktionen waren ausschliesslich positiv. Und so etwas habe ich eigentlich bei Logo Entwürfen noch nie erlebt… aber vielleicht hat sich da meine Begeisterung gleich auf die Gruppe übertragen. Aber egal wie, und egal, wie die anderen heute empfinden sollten: dieser Zufall der Synchronizität der Ereignisse war für mich der krönende Abschluss unseres diesjährigen mtc Strategy Retreats 2012+

Nun aber wünsche ich allen ein wunderbares Wochenende! Und lächel dabei ganz besonders strahlend, denn meine beiden Mädels landen hoffentlich gleich wohlbehalten in Berlin…

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