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Über Engel, die Brot backen…

Berlin, 6:07, Tag 117

Heute nacht bin ich mit Freunden zu einem Segelboot gelaufen, das ein älteres Paar besitzt. Auf dem Weg sind wir an Häusern in den Dünen vorbei gekommen, eines hiess Königswinter und war schon ganz verfallen. Auf dem Boot dann habe ich mich wie ein Banause gefühlt. Die Besitzer haben für alles ein System und öfter Gäste und schauen auf uns herab, wie wir uns wohl anstellen würden. Ich stosse an, stolpere über Seile, eine Planke ist locker und angebrochen… wir sollten schlafen, wissen nicht wo, und morgen geht der Törn doch los. Ich wache auf…

Gestern morgen auf dem Weg zum Sunrise Meeting ahnte ich, dass ich Fotos machen würde. Ich drehte mich ein paar mal um, und schaute zurück zum Bahnhof Friedrichstrasse, hinter dem die Sonne aufgehen sollte. Beim dritten oder vierten Mal tauchte plötzlich der Fernsehturm auf, es war ein paar Minuten vor dem Sonnenaufgang und der Himmel zeigte schon ein leichtes Leuchten, ich machte ein Foto:

Ich laufe weiter, bemerke wie kalt es ist und friere und denke, wie weit der Weg wohl noch ist zum Ziel. Ich biege um eine Ecke und eine geschäftige Baustelle beschäftigt mich. Ich schaue zum Kran hoch und sehe rosa Wolken, drehe mich in Richtung Sonnenaufgang zurück und der ganze Himmel leuchtet, alle Wolken sind beleuchtet.

Ich fange an zu laufen, ich renne, ich will zu der Stelle von eben mit dem Bahnhof und dem Fernsehturm und will es mit diesem Leuchten sehen. Ich laufe immer schneller und komme um die Ecke von eben und sehe schon einen anderen mit einem riesigen Teleobjektiv schnell und viele Aufnahmen machen:

Ich stelle mich kurz vor ihn und mache mein Bild:

…wünsche ihm einen schönen Tag und laufe beruhigt die Strecke zum zweiten Mal. Werde ich noch pünktlich sein? Ach egal, ist nicht mehr ganz so wichtig. Finde ich es gleich? Auch egal. Ich fühle kurz eine Offenheit oder anders, ich fühle eine Offenheit als Folge von Ergriffenheit… und ja, da ist es wieder, das Loslassen können.

Und ich komme 10min zu früh an. Finde das Bistro, suche den Eingang, biege um die nächste Ecke und wieder bin ich platt. Diesmal aber richtig, der Himmel leuchtet so stark, dass ich kurz mit Kloss im Hals und juckenden Augen da stehe und friere.

Der Moment dehnt sich aus…

Ich laufe über eine Brücke und mache ein Foto von dem Strahlen:

Schaue kurz auf die Uhr, noch 5min, laufe ruhig wieder zurück und mache noch ein Foto zur Erinnerung daran, dass auch die Rückseite des Sonnenaufgangs leuchtete:

Dann treffe ich die anderen und frage P. ob er das Leuchten auch bemerkt hat. Er erzählte mir von einem Gedicht seiner Kindheit: Mudder, wat is de Heben so rot, dat sund de Engel, de backen dat Brot… und das Leuchten bekam Bedeutung und ich lächelte am ganzen Körper!

Wann warst Du das letzte mal ergriffen von etwas? Das ist, wenn ein Kloss im Hals sitzt und die Augen fangen an zu tränen und man gleichzeitig weg- und hinlaufen oder drücken und gedrückt werden will… und wann hast Du das letzte mal feststellt, dass Dein ganzer Körper zu lächeln und zu glühen anfängt? Ich stolpere gerade von Ergriffenheit zu Ergriffenheit. Dies sind genau die Momente in denen ich mein Leben fühle, die ich erinnere, die eine Kerbe im Kalender hinterlassen.

So, das musste aufgeschrieben werden… und nun wünsche ich allen einen tollen Start ins Wochenende!

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