Warum ich aufstehe…

Berlin, 7:27, Tag 113

Habe ich heute geträumt? Nein, heute kann ich mich nicht erinnern…

Ich stehe gerne auf. Nicht, dass ich nicht gerne im Bette liege, aber ich freue mich einfach jeden Tag, aufstehen zu können. Ich wähle Aufstehen, statt Liegenbleiben. Manchmal, wenn ich spät ins Bett bin und noch sehr müde bin, dann drücke ich ein paar mal Snooze und freue mich über ein, zwei, drei mal 10min mehr Schlaf. Ich träume dann meist weiter, schlafe kurz und fest ein… um 6 stehe ich dann aber doch auf. Nach dem Duschen, Anziehen, Newscheck und 20-30min Meditation, beginnt mein Tag, jeder Tag um 7.

Und diese ersten drei Stunden bis um 9, für die mache ich das… die sind etwas Besonderes für mich. Ich bin ruhig, ausgeruht, wach, klar. Ich werte noch nicht, ich bin noch frei von den Einflüssen anderer… es ist wie geschenkte Zeit, für die ich mich nicht zu rechtfertigen brauche, wenn ich nur News lese oder nur Blog schreibe oder schon etwas erledige oder einfach nichts mache und aus dem Fenster schauend, rumsitze.

Auch das ist Freiheit und Luxus für mich: frei und leer zu sein, von meinen eigenen Wertungen und Rechtfertigungen, ohne die Glaubensätze, wie man zu sein hat, als Mann, Vater, Kollege, Freund oder einer der vielen anderen Rollen, mit denen ich mich assoziiere. Jede der Rollen ist mit Vorstellungen und Konzepten verbunden, wie man zu sein hat… und in den drei Stunden von 6 – 9 bin ich am ehesten frei davon, bin ich am ehesten leer und nah dran am „wahren Selbst“.

Manchmal dehne ich diese Zeit aus, und manchmal zieht sie sich auf wenige Augenblicke zusammen…  aber immer gibt der Zustand mehr Kraft, als er nimmt. Und genau deshalb steh ich so gerne auf!

Rasanter Start…

Berlin, 7:11, Tag 112

Heute wild geträumt, von einer S-Bahn die anfänglich noch ganz normal, ebenerdig und überdacht fährt, dann aber immer steilere Berge hoch muss, schliesslich sitze ich Achterbahn ähnlich im Freien, linke Sitzreihe, ziemlich weit vorne. Wir fahren durch eine Hochhauslandschaft, auf Gleisen an Häuserwänden entlang, durch enge Tunnel, frei stehende Überführungen in weiten Schwüngen immer weiter hoch… wir kommen endlich an und ich laufe an der Spitze aller Fahrgäste auf eine Strassenkreuzung zu, hinter mir zwei Pferdegespanne, ein Pferd rempelt mich an und stupst mich vorwärts, ich wache auf…

Heute gibt es zwei Videos, irgendwie passend zu dem schnellen Traum. Dank Go-Pro, den kleinen, kompakten, sehr robusten HD Video Kameras, gibt es ja immer mehr Videos, die bei den waghalsigsten Sportarten an den Menschen oder Geräten angebracht sind und grossartige Aufnahmen machen, die mir das Gefühl geben, mitten im Geschehen zu sein, wie oben beim Traum.

Und das zweite noch viel verrückter, denn Basejumping reicht nicht mehr aus…

Wünsche allen einen rasanten Start in die neue Woche!

 

Das glücklichste Volk der Welt…

Bad Saarow, 7:01, Tag 111

Von einem alten Schloss geträumt, eines aus einer Tür auf eine Terasse inmitten von Hochhäusern. Ein Wetterleuchten beobachtet, umgedreht und mit vielen anderen Menschen zusammen vor der Tür. Das Schloss schliesst nicht mehr, die Schliessung ist rausgebrochen. Es ist unsere Wohnung, die nun ungeschützt vor dem Eindringen der anderen ist. Ich versuche das Schloss zu reparieren, werde umringt von Helfern und wache ganz langsam auf…

Heute als Sonntagspost, ein Video über das glücklichste Volk der Welt (Danke C. für den Tip!). Sie zählen nur Eine oder Viele Haken und kennen keine Zeit, keine Vergangenheit und keine Zukunft, leben ganz im Hier und Jetzt: Zufriedenheit statt Ehrgeiz. Die Amerikaner regen sich über die Entkehrung auf… warum, seht selbst:

Wünsche einen einen wunderbaren Sonntag!

Anfängergeist…

Bad Saarow, 8:05, Tag 110

Ich habe heute auch geträumt, aber unspannend, geschichtenlos, schon beim langsamen Aufwachen war mein Eindruck, dass diese Träume keinen haben werden.

Bin noch geblieben zum Nachdenken, den zweieinhalb Tagen nach denken… nach grossen Workshops nehme ich gerne die Metaplanwände, setzte mich davor und schreibe alle Karten mit ordentlicher, einheitlicher Schrift noch mal ab, sortiere sie neu, vereinheitliche die Sprache und klebe sie dann wieder an eine leere Metaplanwand. Es hat viele Effekte für mich und vielleicht auch für die anderen. Ich inhaliere quasi die gemeinsam erarbeiteten Ergebnisse noch einmal ganz tief.

Ich lerne durchs Aufschreiben, immer schon. Der Prozess, Gedanken in Worte auf Papier zu bringen, den habe ich ganz bewusst in meiner Bankausbildung vor 20 Jahren das erste mal benutzt, um beliebige Themen auswendig lernen zu können. Es ist für mich fast anstrengungsloses Lernen. Denn ich brauche es ja nur aufzuschreiben und schon kann ich später das Bild der geschrieben Seite wieder abrufen. Am Computer geht das nicht so gut, aber mit dem Stift in der Hand auf Papier, da hat es diese (ein)prägende Wirkung bei mir.

Dabei fällt mir mein zweiter Trick fürs Lernen ein: Aufmerksamkeit, ständiges Aufpassen. Egal, was passiert, wie langweilig es ist, wie anstrengend oder auch unruhig: immer in dem jeweiligen Thema drin, bei der Sache bleiben. Das war mein Trick von etwa von Klasse 5 an, um die Anforderungen des ostdeutschen Schulsystems und dann auch später mit 20, denen des westdeutschen Berufsschulsystems und noch später der Fernuni und allen Kursen, Trainings, Meetings und Workshops zu entsprechen.

Zurück zum Strategy Retreat… wir hatten uns vorher ein einfaches Programm überlegt:

Und zu jeder Session hatte unser Moderator Fragebögen vorbereitet, die wir in Zweier Gruppen bearbeitet haben. Dann haben wir die Ergebnisse der „Interwiews“ in der ersten Session noch gegenseitig (das verbindet sehr stark), in den späteren drei Sessions dann die eigenen Ergebnisse immer vor der Gruppe präsentiert (das intensiviert sehr gut). Nach den Präsentationen haben wir Begriffe unterteilt in vier Ebenen: Werte, Ziele, Strukturen, Prozesse und dann an Metaplanwänden festgehalten.

Und während wir das gemacht haben, enstand jedes mal vor den Interview Runden und auch während der Interviews eine Unsicherheit, ein Zweifel, eine Unruhe: was mach ich hier eigentlich; boah, ist das langsam/lahm; ich verstehe das nicht; was soll das alles hier; was will er jetzt mit dieser Frage; ich will darüber nicht nachdenken, nicht jetzt zumindest; nicht schon wieder dieses Thema…

Aber nur in dieser Unruhe entsteht etwas Neues, nur dann verbinden sich die Charaktere, die Fähigkeiten, die Stärken der einzelnen Teilnehmer. Nur dann erzeugen wir einen Unterschied. Nur dann verlassen wir bekanntes Terrain. Denn nur, wenn wir bekannte Wege verlassen und eingeübte Konzepte vergessen, wirklich nur dann – entwickeln wir uns selbst und als Gruppe weiter. Sonst schreibt man ja doch nur auf, was man alles schon weiss und glaubt und denkt… und das ist nicht der eigentliche Sinn unserer mtc Strategy Retreats.

Ein Zufall bestärkte mich enorm: die Leser dieses Blogs wissen, dass ich viel Zeit in Istanbul verbringe, um meine Akkus zu laden, Reflektion zu ermöglichen und besseren Zugang zu meiner Kreativität zu finden. Anfang Dezember hatte ich einen deutschen Grafiker und Designer – der ebenfalls in Istanbul lebt – gebeten, sich eine Weiterentwicklung für unser Logos/unser CIs  für mtc und deparom zu überlegen. Ich weiss, dass ich bei mir kreative Prozesse nicht erzwingen oder planen kann… und so habe ich nach der Beauftragung, einfach losgelassen. Alle Zieltermine habe ich zur Kenntnis genommen, aber ich habe nach Überschreitung der Termine nur irgendwann mal nachgefragt, wie es geht und ob wir uns treffen wollen, aber nicht, wann und ob es fertig ist oder wann ich etwas sehen kann.

Und gestern morgen, nach über 6 Wochen kam genau zum Frühstück die Präsentation eines einzigen Entwurfes für unser neues kombiniertes Logo, incl. einer Herleitung und dem Satz:

Das gute ist, heute ist Freitag.
Und es gibt keinen besseren Tag
für Präsentationen 🙂

bei mir an. Und es hat mich umgehauen! Die Präsentation habe ich zum Abschluss unseres Workshops den anderen gezeigt und die ersten Reaktionen waren ausschliesslich positiv. Und so etwas habe ich eigentlich bei Logo Entwürfen noch nie erlebt… aber vielleicht hat sich da meine Begeisterung gleich auf die Gruppe übertragen. Aber egal wie, und egal, wie die anderen heute empfinden sollten: dieser Zufall der Synchronizität der Ereignisse war für mich der krönende Abschluss unseres diesjährigen mtc Strategy Retreats 2012+

Nun aber wünsche ich allen ein wunderbares Wochenende! Und lächel dabei ganz besonders strahlend, denn meine beiden Mädels landen hoffentlich gleich wohlbehalten in Berlin…

Selbsterkenntnis durch Zahlen…

Bad Saarow, 7:22, Tag 109

Uff, ich habe geträumt und es vergessen… ich erinnere mich nur noch, dass ich den Traum eh nicht hätte aufschreiben können. So was gibt es tatsächlich auch und hier ist alles echt und es wird nichts bewusst geflunkert und ein gestriger Traum einfach zu einem heutigen gemacht.

Für heute ganz schnell ein Fundstück aus meinen Feed für Euch: denn Nike hat es auch getan und springt auf die Quantified Self Bewegung auf mit dem Fuelband und dem üblichen Megamarketing.

Ich selbst trage ja seit letztem Sommer bereits täglich den FitBit, der das gleiche kann. Solche Daten wie in dem Tweet hier zu sehen, sammelt dieses kleine Gerät und lässt mich darauf in verschiedenen Formen und Farben zugreifen.

In meinem persönlichen Dashboard habe ich hier mal den Dezember fotografiert. Ich kann deutlich das Spazieren gehen im Urlaub erkennen. Am 17. Dezember habe ich hier schon mal kurz hier eine Statistik eines der aktiveren Tage gepostet.

Ein schönes Blog zu dieser ganzen Bewegung der Selbstdatensammlung ist das quantfiedself.de Blog, welches das ganz aber sehrsehr ernst nimmt.

Apropos, ernst nehmen: nun startet gleich der Tag 2 unseres Startegieworkshops und ich wünsche noch etwas müde lächelnd allen einen tollen Freitag!

Hoch hinaus…

Bad Saarow, 6:51, Tag 108

Eine der Traumsequenzen heute Nacht war recht passend zum heute bevorstehenden mtc Strategiemeeting: Ich war auf der Spitze eines neu zu bauenden Hochhauses und sah Arbeitern zu, die Stahlbetonsäulen – das Rückrat aller modernen Wolkenkratzer – bauten. Sie erklärten mir alles und liessen mich Hilfsarbeiten verrichten. Es sah etwas nach senkrechter Tunnelbohrmaschine aus, alles voller Technik, Rohre, Verschalungen und mittendrin, die vier Arbeiter an vier Säulen, die immer eine neues Segment erzeugten, indem sie Stahlröhren ineinander schraubten. Wenn vier Röhren an den vier Säulen komplett befestigt waren, konnten wir mit der gesamten Plattform eine Ebene höher fahren und das Verschrauben begann von vorn. Ich wachte erholt eine halbe Stunde vor dem Wecker auf…

Hier ist alles noch dunkel, erst in 50min ist Sonnenaufgang…

Und grad gesehen, dass ich genau vor einem Jahr das erste mal über Path gestolpert bin und zwar auf Instagram bei Chris Messina.

Path is the smart journal that helps you share life with the ones you love.

Shawn Fanning, der Napster Erfinder ist mit im Board bei Path, die erst am 29.11. mit der Version Zwei einen totalen Relaunch mit völlig überarbeitetem Design gemacht haben, das übrigens mit 11,2 Mio $ an Risikokapital lt. CrunchBase im Rücken.

Aber der Kommentar von mike3k vom 19.01.2011 trifft es leider immer noch, trotz tollstem, echt führendem App Design und einem tollen Konzept und sehr viel Geld, nutzt es niemand von meinen Freunden regelmässig, so dass ich nach ein paar Tagen/Wochen der Nutzung etwas gelangweilt bin, wenn auch wunderschön gelangweilt. Das innovative Konzept, mein Leben nur mit max 150 Freunden teilen zu können, funktioniert einfach nicht, wenn niemand von meinen engsten Freunden es regelmässig benutzt und ich mein Leben also mit den Weak Ties und den üblichen Early Adoptern teile. Nicht dass ich meine Weak Ties nicht auch liebe, aber eben anders… 😉 Spannend wird sein, ob es path.com schafft – ich glaube, nicht! Es wird wohl Shawn Fanning’s Schicksal sein, zu innovativ zu sein und damit leider, selbst nichts langfristig Erfolgreiches bauen zu dürfen.

So, nun aber zurück zur Vorbereitung des Strategiemeetings, vorher noch etwas Frühstücken, der Sonnenaufgang versteckt sich heute hinter Wolken, ich werde trotzdem ein Foto des Sees machen und dabei noch ein bischen frische Luft schnappen, ehe wir tagen. Wünsche gespannt lächelnd eine tollen Donnerstag!

Entdecken, Teilen, Mögen…

Berlin, 7:54, Tag 107

Heute mein Traum: im Parkhaus ein gläserner Fahrstuhl nach unten… begleitet von einer extrem fordernden Person, den Schlüssel des Mietautos bei der Rezeption des Hotels abgeben und den Eingang des Clubs finden, habe aber etwas vergessen im Kofferraum, und wieder zurück mit vielen schrägen Gedanken und Gefühlen… und endlich aufgewacht.

Ein ruhigerer Tag steht bevor, das Nachzuräumen, was gestern liegen blieb. Es wurden dann ja doch sechs Treffen, aber sehr wichtige und auch schöne… und alle anders, als beabsichtigt und erwartet. Das liebe ich immer mehr an meinem Leben, es ist nicht planbar, nicht kontrollierbar. Man kann es nur annehmen, so wie es kommt. Man kann seine Erwartungen haben, jeder plant doch, Planung ist wichtig, aber wenn der geplante Moment auftaucht und anders ist, ihn dann lächelnd anzunehmen und das tun, was dran ist! Und nicht das, was dran sein sollte… nicht kämpfen, um den Plan von gestern zu erfüllen, sondern einfach das Sehen, was heute ist.

Unsere Gesellschaft ist so voller Regeln und Gesetze und heimlichen, unausgesprochenen Dingen, die – erst wenn nicht befolgt, beachtet oder ignoriert – zu intensivem, wunderschönem Kontakt mit dem wahren Leben führen.

Ooookeeh, heute gibt es noch drei Anregungen aus dem „Curated Content ist der Megatrend 2012“-Universum (danke Matze, für den Link).

Erstens das vor allem in US stark gehypte Pinterest:

Eigentlich „nur“ Listen von Bildern und Webseiten, die man sich an eine virtuelle Pinwand klebt und mit seinen Freunden teilen kann.

Ein mit 37,5 Mio $ „wellfunded“ Team von 14 Leuten in Paolo Alto, versucht sich an organize and share things you love. Ein sehr hoher Frauenanteil bei den Nutzern und schon 11 Millionen monatliche Besucher in der noch einladungsbasierten, geschlossenen Betaversion sind die bisherigen Erfolge.

Und die zweite Anregung ist eine ganz ähnliche Webseite: WeHeartIt mit dem Motto: discover and share your favorite images from the web. Viel ist nicht rauszukriegen über die Macher oder Hintergründe der Site. Nur eine Adresse in Berkeley, ich habe keinen Namen, kein Team, keine Story gefunden, auch spannend. Wenn da jemand von Euch mehr finden kann, wäre ich über einen Hinweis in den Kommentaren/per PM dankbar.

Dann als dritte Anregung: ganz neu, erst seit gestern draussen, ein Video von wunderkit.com, der neuen Idee des Berliner Startups 6Wunderkinder, die mittlerweile 11 sind und u.a. vom Skype Mitgründer Niklas Zennström mit zuletzt 4,2Mio$ mitfinanziert werden.

Das Motto: a new way to organize your life.  

Haut mich nicht um, wie auch schon Wunderlist nicht, das erste Produkt der Berliner. Im Grunde genommen eine nett gemachte ToDo Listenverwaltung für Teams. Trello.com, OmniFocus oder Any.Do (mit make things happen übrigens die mit dem genialsten Claim!) sind die meinen Augen innovativeren, besseren und schöneren GTD Lösungen, augenblicklich jedenfalls.

Aber, wie die 6Wunderkinder ihr Reality Distortion Field aufbauen, ist ziemlich spannend zu beobachten. Sie haben sich in der Berliner/Deutschen Startup Szene bereits einen Namen mit indirekter Kritik an der Klonefabrik der Samwer Brüder gemacht. Die kritische Welle an Berichten über „Kopieren als Geschäftsmodell“ und den Managementstil im Samweruniversum ist von TechCrunch nun auch bei Spiegel Online angekommen, aber das ist ein anderes Thema.

Und heute habe ich wieder mal wehmütig lächelnd an Stralau denken müssen, der Sonnenaufgang war ganz sicher grossartig dort…

Aber der hier ja auch, oder? Wünsche einen tollen Tag!