Über meinen Hungergeist…

Berlin, 5:57, Tag 123

Die Suche nach Hungergeist in meinem Blog ergab 0 Treffer! Das wird heute geändert. Aber erst mal mein Traum, den ich gerade vergesse… ahh, ist schon weg, Hammer! Hab heute mal keine Notizen noch im Bett gemacht, und siehe da, das Hirn schaltet sofort auf Tagesbetrieb um und sortiert den Traum in den unteren Schubladen weg.

Für Leser von gestern ein Update vorweg: am nachmittag war die Heizung wieder aufgefüllt und begann sich, das Haus und dann auch uns wieder anzuwärmen.

Der Hungergeist in mir war gestern wieder sehr präsent, vielleicht weil es gestern morgen von meinem Freund Tony kurz erwähnt worden ist? 😉 Das Konzept der Hungergeister entstammt der buddhistischen Psychologie, mir kam es eben wieder in den Sinn, weil es so schön anschaulich eine der Ursachen unseres Unglücklichsein, Kampfes und Leidens beschreibt.

Hier ein paar Auszüge:

We all have been in hell. Hell is not very far away. Hell is right here. In the Buddhist tradition, we believe that there are beings called hungry ghosts. A hungry ghost has a very big belly and a throat as small as a needle. They can never satisfy their hunger.

schreibt Thich Nhat Hanh in seinem Transformation at the Base. Und weiter:

Hungry ghosts are not just beings of traditional Buddhist belief. Our society creates thousands of hungry ghosts every day. Looking deeply, we see that they are everywhere around us. These are people without roots. In their family, their parents did not demonstrate that happiness is possible. They did not feel understood or accepted by their church or community. So they have rejected everything. They don’t believe in family, society, or religion. They don’t believe in their own traditions. But they are still looking for something good, beautiful, and true to believe in; they are hungry for understanding and love.

Weil die Kehle so dünn ist und der Bauch so gross, kann der Hungergeist in mir niemals satt werden, er will auch das ganze vor mir ausgebreitete wunderbare Essen gar nicht sehen, er kann eh nicht genug davon bekommen, so gibt er sehr schnell auf und versucht es manchmal gar nicht erst. Hungergeister sind in jedem von uns und der Hungergeist in mir erkennt gleiche Eigenschaften sehr schnell in anderen Menschen und verbindet sich mit ihnen, gemeinsam jammere ich dann oder streite mich und bin doch nie zufrieden.

Gleich und Gleich gesellt sich gern sagt ein altes Sprichwort und die Buddhisten sagen nach dem Gesetz der Affinität finden sich diejenigen zusammen, die die gleichen Interessen teilen. Wenn man also nur am Unglücklichsein interessiert ist, dann wird man automatisch andere finden, die das gleiche Interesse haben. Und niemand gibt das gerne zu! Dieses Modell hilft mir sehr, mich von diesen negativen Eigenschaften in mir zu distanzieren. Es hilft mir, mehr und mehr positive, glücklich machende Dinge zu sehen in meinem Umfeld und wahrzunehmen. Und das hilft die Kehle meines Hungergeistes immer ein kleines Stückchen zu weiten…

Nun habe ich lange Stunden für meine Morgenmeditation, mein Rotary Sunrise Meeting und ein ganz grossartiges Bewerbungsgespräch unterbrochen.

Während der Meditation fiel mir mein Traum wieder ein. Ich habe für Taru und Alex den Pass verlängern müssen, bei einem deutschen Grenzbeamten. Er bestand darauf, dass ich die beiden in der Karibik anrufe, um den schriftlichen Antrag telefonisch zu bestätigen. Ich ärgerte mich, er ignorierte die Zeitverschiebung und die Tatsache, dass die beiden auf deinem Segelboot unterwegs sind. Die ganze Unterhaltung fand bei einem Essen statt, in einer Art Bahnhofsrestaurant… der Beamte sass mir schräg gegenüber und lächelte komisch über meine Bemühungen, seine Anforderungen zu erfüllen.

Während des Sunrise Meetings hat vielleicht mein Hungergeist zugeschlagen… ich bin mir nicht sicher, meine Emotionen haben kurz die Kontrolle übernommen, aber der Reihe nach.

Ich wollte eigentlich von dem heute vortragenden Christian Wolf, dem Geschäftsführer von asgoodas.nu GmbH wissen, was seiner Meinung nach einen Social Entrepeneur auszeichnet und unterscheidet von klassischen Business Entrepeneur und wie er sich mit seinem Dienst positioniert. Wirtschaftliches Handeln und soziales Engagement schliessen sich nicht aus, im Gegenteil schaffen wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen die Grundlage allen sozialen Engagements. Aber für mich unterscheidet sich der Social vom Business Entrepeneur in den Zielen und Ergebnissen seiner gesamten wirtschaftlichen Tätigkeit: beim klassischen Entrepreneuer ist das die langfristige Gewinnerzielung/-maximierung, beim Social Entrepeneur ist es die langfristige Maximierung des angstrebten positiven sozialen und gesellschaftlichen Wandels.

Christian behauptete in seinem Vortrag nur ganz nebenbei, in seiner Antwort auf meine Frage gar nicht und auch nicht auf seiner Website, dass er ein Social Entrepeneur sei. Lediglich, dass er das Projekt unseres Rotary Clubs: handyspenden.de als eine von mehreren gemeinnützigen Organisationen unterstützt. Auf handyspenden.de rufen wir unter dem Motto: Handy Spenden – Polio Bekämpfen, dazu auf – gebrauchte Handies an Christian zu verkaufen und dann den Erlös zur Bekämpfung von Kinderlähmung zu spenden. Dazu können wir das „Shopsystem“ von wirkaufens.de – also der Aqkuise/Marketingplattform von Christians Firma – kostenfrei benutzen, immerhin! Die Preisfindung und der tatsächliche Verbleib der so „verkauft-gespendeten“ Handies bleiben allein die Sache von asgoodas.nu. Bei nicht mehr funktionsfähigen Handies wird „versucht“,  diese über zwei „deutsche“ Recyclingpartner auch in Deutschland zu recyclen, immerhin!

Nun hat mein Hungergeist (=Ego) die Frage wohl als Angriff formuliert, denn anders kann ich mir nicht erklären, dass meine rotarischen Freunde engagiert diese Vermischung unseres sozialen Engagements mit dem „guten“ Zweck der asgoodas.nu GmbH verteidigten und keine Probleme, Interessenskonflikte oder Intransparenzen sehen können. Wirklich erklären kann ich mir meine Emotionen bei diesem Thema auch nicht, aber die Buddhisten würden unser Handyspenden Projekt wohl als „undichtes“ Phänomen bezeichnen: also etwas Gutes zu Tun mit einer versteckten, eigennützigen Absicht.

Manche spenden/helfen nicht um einfach zu Helfen, sondern um ihren sozialen Status zu demonstrieren und zu festigen oder ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen oder um den Investoren von asgoodas.nu indirekt eine hübsche Rendite zu bescheren – Multi Win eben: unser Rotary Club hat Spendengelder und steht damit gut da, asgoodas.nu hat Umsatz und die Chance gutes Geld zu verdienen mit den gespendeten Handies, die Spender haben das gute Gefühl, mit ihrem Elektroschrott noch etwas Gutes zu tun und ein bisschen Geld zur Bekämpfung von Kinderlähmung kommt ja dabei auch noch zusammen, besser als nichts zu tun, ist es alle mal… so haben einfach alle was davon!

ABER, hier nochmal mit Thich Nhat Hanhs Worten, was mein eigentlicher Punkt ist:

Purified action does not calculate the amount of work required, or the glory and benefits that may accrue. It arises naturally from insight and freedom. For this reason, the happiness brought about by a purified action is much greater, because it is liberated and not based on external signs.

Und mit dieser Beschreibung meiner Ideale verabschiede ich mich ungewöhnlich spät, aber wieder lächelnd, in den heutigen Restfreitag…

3 thoughts on “Über meinen Hungergeist…

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