Zum Inhalt springen

Über die Macht von Gewohnheiten…

Berlin, 7:27, Tag 127

Heute erinnere ich mich nur an einen Traum, bin halb 2 aufgewacht und hab notiert: Club Mate im Kaufhaus, Anstehen, viele Menschen… die dazugehörige Stimmung habe ich aber vergessen. Sie wurde überlagert von einem intensiven Traum der Erinnerung, die ca. vier Jahre zurück liegt, eine unangenehme, man sagt wohl traumatische Erfahrung, an die ich mich erinnert habe. Sehr deutlich habe ich die Essenz des damaligen Verhaltens in wenigen Gesten, Worten oder Bildern gesehen und all die vergessenen Gefühle in mir wieder berührt. Bin aufgewacht durch den Wecker und wusste nicht so recht, was ich mit dieser Vergangenheit anfangen sollte. Warum habe ich mich erinnert, was hat das Erinnern wohl ausgelöst? Ist es Teil der Verarbeitung, der Transformation, die ich durchlaufe? Es war eher keine Sehnsucht da… und das hat mich beruhigt.

Hab mir gleich vorgenommen, heute über die Macht von Gewohnheiten zu schreiben, hatte ja vor zwei Tagen hier schon mal den Coolidge erwähnt: Gewohnheiten sind fast alles in unserem Leben, mir kommt immer 97% in den Sinn, nur die letzten 3% sind Unerwartetes, Neues und Bewusst sein.

Vor vielleicht so ca. drei Jahren sah mein Tagesplan (der ideale, an den ich mich selten – also eigentlich nie – gehalten habe) so aus, wie ich ihn hier in OmniFocus mal aufgeschrieben hatte.

Damals fing ich an, auf meine Gewohnheiten zu achten, sie zu beobachten und zu reflektieren. Ich hatte bei Thich gelesen und oft von Tony gehört, dass Achtsamkeit der Schlüssel zu allem sei. Und ich wollte einige schlechte Gewohnheiten ändern, also zB keine Zigaretten mehr rauchen…

Schlechte Gewohnheiten übernehmen wir ohne Mühe, ohne zu Jammern oder viel Anstrengung. Wir können beim Fernesehen stundenlang ruhig dasitzen, aber die ersten 20min Sitzmdeditation kommen uns wie ein Marathon vor. Das gleiche gilt für die Gewohnheit, Alkohol zu trinken… das braucht uns niemand beibringen, dafür gibt es keine Kurse, Ausbildung oder sind keine Ermahnungen unserer Eltern nötig, das lernt jeder Jugendlich von ganz allein, aber es einfach nicht zu tun, kostet scheinbar viel Kraft und Überwindung oder Überzeugung (und wird immer noch eher als asoziales Verhalten interpretiert). Oder nicht ganz so beladen, die Gewohnheit im Büro statt ständig Kaffee zu trinken statt lieber einer Kanne (grünen) Tee, das kostete mich Disziplin und immer noch gibt es ständig Rückfälle.

Mit dem Erlernen und Anwenden andere Gewohnheiten tun wir uns unendlich schwerer. Wenn wir etwas erreichen wollen, verbinden wir das mit Mühe, Anstrengung und Arbeit. Aber genau diese Glaubenssätze zu erkennen, zu hinterfragen und dann zu ändern, ist für mich der Schlüssel zu einem erfüllten, sinnvollen Leben.

Beim Aufhören mit dem Rauchen haben ich mir zum Beispiel klar gemacht, dass es viel mehr Mühe macht, Zigaretten zu kaufen, ein Feuerzeug nicht zu vergessen, die Schachtel aufzupuhlen, eine Zigarette raus zu holen, irgendwo hin zu gehen, wo Rauchen erlaubt ist… als all das einfach nicht zu tun. Ich habe versucht, zu erkennen, wie mühevoll und anstrengend das Rauchen im Gegensatz zum Nicht Rauchen eigentlich ist. Wenn man immer darauf achtet, achtsam ist und wahrnimmt, was wirklich passiert, dann erkennt man seine eigenen Gewohnheiten und ist in einem nächsten Schritt, in der Lage sie sogar zu ändern. Vielleicht schafft man es einmal, nicht zu rauchen und auch einmal kein Glas Wein zum Abendbrot, zum Feierabend, zum Runterkommen zu trinken. Alles(!) beginnt mit dem ersten Schritt in die richtige Richtung, und das gilt genau so fürs Nicht Tun… für die guten, wie die schlechten Gewohnheiten.

So, nun kann ich meinen Tagesplan aktualisieren… sich ein Ziel zu setzen und dann einfach darauf vertrauen zu können, dass es durch Achtsamkeit passieren wird, ist eine ganz grossartige Erfahrung…und dann werde ich vielleicht in drei Jahren wieder zurückblicken und wieder erkennen, wie kraftvoll Gewohnheiten sind.

Wünsche wieder lächeln einen tollen Dienstag!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s