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Dann lächelt es mich…

Istanbul, 7:30, Tag 135

Wild geträumt, von dem Konzert eines Violine spielenden Gitarristen, das ich mit der besten Frau der Welt und unserem Kinde besuchte und auf dem ich dann einen Grossteil unser Kommunikationsmissverständnisse der letzten Jahre erneut durchleben durfte. Bin ganz leise atmend, den beiden zuhörend, eine halbe Stunde länger liegen geblieben…

Nach meiner Morgenroutine (Duschen&Meditieren) habe ich erst mal weiter Psychohygiene betrieben und mich meiner Inbox gewidmet. Ein paar Mails verschicken und der Box beim Abnehmen zu schauen, das gibt Instant Gratification, sofortige Belohnung. Bin heute noch nicht durch den Reader, die Timeline oder die andere Ströme geschwommen – keine Unterhaltung, keine Ablenkung, bitte!

Habe zwei Nachrichten ausgespart, die ich aufgrund meines Schreibens hier erhalten und über die ich mich sehr gefreut habe, das tut wirklich richtig gut! Aber ich schaffe es kaum, zu antworten. Ich erinnere mich daran, auf anderes positives Feedback mit immer gleicher starrer Reaktion zu antworten. Um so unerwarteter, je starrer werde ich! Wenn ich da jetzt kurz im Thema drin bleibe und mir die Situationen vor Augen führe, dann fällt mir  das Grundmuster all dieser Konstellationen auf:

(Keine) Arbeit > (Unerwartetes) Lob > (Unwillkürliches) Lächeln > (Anhaltende) Starre

Warum, verdammte Axt, will ich dann überhaupt Anerkennung, Lob, Beachtung, positives Feedback für diese Dinge und kann so gar nicht damit umgehen? Denn wenn ich das dann wirklich aus einer unerwarteten Ecke auch bekomme, dann lächelt es mich und dann ich sitze erst mal da und weiss nichts Sinnvolles darauf zu sagen. Ich bin komplett unzufrieden mit allen Gedanken der möglichen Antwort: ein Danke auf ein Lob geht doch gar nicht! Wenn ich diejenigen kenne, dann fällt mir die Auflösung der Starre leichter, hab dann wohl schnell eine Erklärung für das Lob. Aber je weniger ich diejenigen kenne, je mehr ich auf sie projiziere oder sie bewundere oder auch nur „beobachte“… umso schlimmer ist die Starre.

Zwei Erklärungen habe ich für dieses seltsame Verhalten:

Zufriedenheit und Glück gibt es nur nach langer, harter, entbehrungsreicher Arbeit! Das Muster: mehr Lob = mehr Arbeit = mehr Leiden erzeugt die Starre, weil eben jedes Lob immer zu mehr Arbeit führt. Lob für Tätigkeiten, die ich nicht als Arbeit betrachte, ist grundsätzlich verdächtig. Es könnte ja dazu führen, dass die Dinge, die ich liebe zu tun, plötzlich die Bedeutung von Arbeit bekommen, und damit meinem Glück und meiner Zufriedenheit im Weg stehen.

Und dann überfliege ich das hier noch einmal und suche nach der anderen Seite dieses, meines Stresses und finde erst mal nichts, ausser diese Gedanken nicht zu denken… und nach langem Grübeln sehe ich dann doch noch etwas Licht. Wenn ich mein Ego und seine Wertung versuche, raus zu nehmen (das ist immer der Trick!), dann bleibt doch auch so etwas wie Empathie übrig: ein Interesse für die Auswirkungen meines Handelns und damit auch die Fähigkeit, diese Auswirkungen bei Anderen wahr- und ernst zu nehmen.

Hoffnungsvoll, vorsichtig lächelnd…

…wünsche ich einen arbeitsreichen Mittwoch! 😉

  1. „Das Tun umsonst“ ist jenseits der Verirrung von Lob und Tadel…
    Es ist dabei sehr konstruktiv, kreativ und erfüllend…
    Einfach ist es und von großer Kraft!
    Detlef 😉

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    15. Februar 2012

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