Warum ich weiss, was Satori Chan heisst…

Istanbul, 7:30, Tag 140

Meine Tochter hat heute von kleinen Wölfen und bösen, großen Affen geträumt. Mir hat im Traum jemand die ideale EC-Karte für Istanbul verkaufen wollen, es war eine Postbeamtin, konnte sie erfreuen mit der Tatsache, dass ich die Sparcard 3000 schon benutze und habe ihr flüssig deren Features aufgezählt, was sie sehr erfreute und beschämte. Sie hatte die Argumente nur auswendig gelernt, ich sie selbst erfahren. Komischer Traum, nicht wirklich beeindruckend oder intensiv, eher so dahin plätschernd. Bin heute ruhig und zufrieden aufgewacht… das ist nicht immer so!

heisst Zen oder Chan

und ist eine Form des Mahayana Buddhismus und bedeutet im eigentlichen Wortsinn „Meditation“, also Stille und Konzentration.

悟りheisst Satori oder Erleuchtung

und bedeutet im eigentlichen Wortsinn „verstehen“.

Hier hatte ich schon mal über den Insight Timer berichtet, eine Anwendung mit der man Klangfolgen für Meditationssitzungen erzeugen und speichern kann, sowie die Dauer der Meditationen in einem Log speichern und sogar in Facebook, Twitter teilen und als einfache Grafiken im Telefon anzeigen lassen kann. Es gibt sogar eine Android Version, aber alles macht irgendwie einen halb fertigen Eindruck und die Macher scheinen einen rein funktionalen Fokus zu haben. Anders ausgedrückt: mir gefällt die Idee der App sehr!

Ich habe mir das Thema in den letzten Wochen ausgeguckt, um daran – wie in einem Sandkasten – probieren und spielen zu können, wie viel einfacher oder schwerer es geworden ist, mit den ach so tollen und neuen Technologien etwas fertig zu bekommen. Mein Verdacht ist, dass natürlich der Teufel immer noch im Detail steckt und das „A fool with a tool is still a fool“, es also immer noch nicht auf das Tool, das Framwork, die Sprache oder Library ankommt. Es kommt immer darauf an, die richtigen Menschen zu finden oder zusammen zu bringen, die etwas fertig stellen können. Die Ami’s sagen dazu vielleicht Execution/Ausführung, aber das ist mir zu reduziert, denn es gibt Leute die excellent ausführen können und doch nichts fertig bekommen.

Was ich meine, ist die besondere Fähigkeit an einer Idee dran zu bleiben und sie bis zum Ende – also zu einem Stadium zu führen, in der andere Menschen den Sinn der Lösung sofort und einfach kapieren können und sie intuitiv benutzen können.

Dabei ist u.a. entscheidend, eine Idee so aus Anforderungen, Wünschen und Möglichkeiten zu extrahieren und zu formulieren, dass sie als Ausrichtung, als Ziel dienen kann, um allein oder zusammen etwas zu verändern, zu schaffen, zu bauen. Wenn ich das hier so hin schreibe, dann merke ich, dass das ja genau das ist, was ich seit Jahren als meinen Beruf bezeichne: das Anschieben, das Initiieren und das Begleiten des Entstehens von Problemlösungen mittels der Informations Technologie. Und das ist ein unendlich komplexer Vorgang, der nur sehr selten mit einem „Fertig, wir haben es geschafft.“ belohnt wird. Vor allem nicht, wenn man damit sein Lebensunterhalt verdienen möchte und das im Auftrag dritter, also von Kunden macht.

Zwar gibt es jede Menge künstlicher Erfolge, wie das Einhalten von Terminen, die man vor ein paar Wochen, Monaten und Jahren mal so erraten, ähm vorgegeben, hat. Oder das Einhalten von Budgets, also dem Vergleichen von Zahlen in unterschiedlichen Listen. Oder auch der Fertigstellung von Teilergebnissen: einer Spezifikation, eines Angebotes, einer Präsentation, einer Iteration, eines Paketes, eines ToDos… ja es ist wunderbar, wenn alles wie am Schnürchen, wie geplant funktioniert. All diese Erfolge sagen nichts darüber aus, was die wirkliche Veränderung, was das wirkliche Ergebnis ist.

Und beim Spielen im Sandkasten mit der Idee eines Meditionstimers für das Sammeln und Teilen von Minuten, lass ich den Kunden und Geld als Quelle der Motivation und für die Definition von Erfolg einfach weg. Und sofort passieren lustige, spannende Dinge. Als erstes hat Brent einen Namen und einen Stil gefunden, mein Insight Timer würde also Satorichan heissen. Dann war ja niemand da, der eine Spezifikation beauftragt, abnimmt und dann die Teilrechnung frei zeichnet. „Internes“ Projekt, heisst solche Arbeit bei uns, denn sie haben keinen klassischen Kunden, aber sie haben jemanden der den Wunsch danach und auch das Geld dazu hat, nämlich wir selbst. Ich überlege und erfasse den Wert einer Spezifikation doch völlig anders, wenn kein Kunde da ist, dem ich sie zuvor verkauft habe! Wenn ich mir klar mache, dass wir das nur für uns, allein für das Projekt, das Produkt gemacht haben…

In relativer Stille und Konzentration mein Verständnis zu vertiefen, das ist mein Ziel! Stille ist Reduktion und Konzentration ermöglicht das Erkennen des Wesens. Denn die Konzentration auf das Wesentliche erlaubt uns manchmal einen kurzen Blick auf das eigentlich Neue, auf das authentische Original. Das wir nicht finden werden, wenn wir an Werteverwertung, Standardisierung und den Kommerz denken.

Denn dann würde jeder Starkoch ja nur noch Tütensuppe kochen, sagt Gunter Dueck in seiner aktuellen Kolumne und

Ökonomie soll eigentlich mit Ressourcen und Anstrengungen effizient umgehen, aber sie erzieht oder zwingt uns, die Ressourcen effizient und anstrengungslos zu verbrauchen… das muss Ökopathie sein.

Und da er diese Kolumnen übrigens gerade in einem Buch kommerzialisiert, verabschiede ich mich erst mal in den Montag und damit in die neue Woche…

…und wünsche allen ganz viel Erfolg! 😉

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