Über die Folge von Möglichkeiten…

Istanbul, 8:16, Tag 141

Wieder ein Traum in einer Gruppe geträumt mit viel Interaktion und Kommunikation, aber nichts erzählenswertes…

Gestern erst ein Magazin entdeckt und mich etwas eingelesen und dabei über den Begriff Öffentlichkeit gestolpert. Im  Mission Statement von The European steht so was drin: „Ehrliche Debatte braucht Öffentlichkeit. Das Internet als weltumspannender Marktplatz der Ideen und Innovationen hat wie kein anderes Medium zuvor eine solche Öffentlichkeit geschaffen.“

Nun schreibe ich hier auch in dieser Öffentlichkeit. Ich nutze die durch das Internet „geschaffenen“ Raum einfach und publiziere, veröffentliche meine Gedanken, meine Träume, manchmal auch meine Gefühle, viel mehr aber mache ich öffentlich meine Interessen und Fähigkeiten bekannt bzw. leichter auffindbar. Aber A fool with a tool is still a fool trifft auch hier zu, es fühlt sich immer neu an für mich. Irgendwie braucht es Übung, um mit einer solchen Öffentlichkeit überhaupt umgehen zu können.

Lange Zeit war es für mich so, als ob ich ein selbstgemaltes Schild in meinen Vorgarten stelle, welches von einer öffentlichen Strasse aus eingesehen werden kann. Auf der Strasse ist vielleicht viel los, aber nur sehr wenige schauen rüber. Das ist auch ganz gut so, man kann das Schild dann auch mal wegnehmen oder drei auf einmal hinstellen, oder drauf rum klecksen und nicht jeder Schreibfehler fällt auf. Ein paar Leute, vielleicht meine Nachbarn, Freunde, Kollegen und Bekannte aus dem gleichen Dorf, dem gleichen Kiez, die bemerken viele meiner Aktivitäten auf den Schildern in meinem Vorgarten aus den Augenwinkeln und manchmal sprechen sie darüber und mich sogar darauf an. Es gibt auch ein paar völlig Fremde, die auf der Durchreise, zufällig kurz anhalten und sich meine Schilder anschauen…

Ich hätte mir früher und auch heute natürlich nie die Mühe des Schilder malens im Vorgarten gemacht, aber dafür gebe ich mir auch hier jeden Tag Mühe. Überhaupt geben sehr viele Menschen sehr viel ihrer Energie für Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit aus. Es scheint ihnen wichtig, wie die anderen, wie die verschwommene, undefinierte Öffentlichkeit sie wahrnimmt.

Es gibt da ein Dorf in Brandenburg, da steht in fast jedem Fenster eine Orchidee. Alle scheinen dort Orchideen zu züchten und sie auszustellen, man sollte sich das mal anschauen. Aber ich erlebe dort das gleiche Phänomen, welches ich hier auch habe. Dabei hatten sie dort sogar mal Brecht und das Naturschutzgebiet Klobichsee (mit vielen einheimischen Orchideenarten, ahh!;). Aber die verfallenden Häuser in den Seitenstrassen verraten doch, dass es mit einer richtig grossen Öffentlichkeit in Buckow nicht weit her ist.

Vielleicht sehe ich das auch falsch, weil ich von den vielen Buckow Fans einfach nichts weiss, sie nicht sehe, keinen davon kenne, bin ja auch  kein Brecht-, Orchideen- oder Brandenburg Fan. Aber mein Punkt ist der, dass jetzt mit dem Internet ein weiteres Kommunikationsmedium für die Öffentlichkeit entstanden ist, denn Buckow hat keinen Flughafen, keine Umgehungsstrasse, keinen Autobahnanschluss, vielleicht noch nen Bahnhof von früher. Eigentlich kann die Öffentlichkeit gar nicht nach Buckow kommen, es sei denn es gibt dramatisch besseren Content als Brecht, Orchideen oder ein Moor. Vielleicht würde mit einem ein Promi oder einer die Orchideen bedrohenden Blattlausinvasion, die Öffentlichkeit mal einen Augenblick lang Buckows gewahr werden, aber dann doch gleich weiter ziehen. Ich könnte mir noch vorstellen, dass einmal im Jahr eine RBB Reporterin nachschaut, ob man mal wieder was in Buckow machen sollte – also auch wenn nichts los ist, weil Buckow beim Öffentlichen Rundfunk in einer Wiedervorlagemappe liegt.

Naja, eigentlich wollte ich am Anfang dieses Artikels noch etwas zu Masse und Momentum erzählen… Jetzt hat mich die Metapher, die Analogie davon getragen… war aber auch zu schön! Drüben bei Instagram, da erlebe ich eine etwas andere Öffentlichkeit und zwar nicht nicht die schweigsam, ignorierende. Dort folgen meinen Fotos tatsächlich knapp über 28.000 Menschen – was ca. 18 x mehr Menschen sind, als in Buckow überhaupt wohnen! Und da erlebe ich erstmals so etwas wie eine anonyme Öffentlichkeit, so wie die oben im The European erwähnte: mir völlig unbekannte Menschen kommentieren die Bilder aus meinem Leben, nehmen Anteil: werfen mir ständig Zettel über den Zaun, auf denen dann Kommentare zum Motiv und zur Qualität meines Schildes in meinem Vorgarten oder auch Fragen zum warum und wie und ganz selten sogar schon trollige Sachen stehen.

Und ich merke, wie neu immer wieder das Gefühl dieser Art von Öffentlichkeit für mich ist! Achwas, meist verdränge und vergesse ich es, so wie fast alle wohl die Öffentlichkeit ihres Vorgartens verdrängen und vergessen. Wohl einfach weil es nichts mit mir zu tun hat, sondern nur eine Folge der Möglichkeiten ist.

Wünschen einen tollen Nachmittag! 😉

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