Heute nur Fotos, also fast…

Istanbul, 7:30, Reisetag 142

Bin schon am Flughafen, hab geträumt, meine Sachen wurden ausgepackt, als wir ankamen, im Freien, bei noch Sonnenschein, nicht gut, nicht schlecht, nur komisch.

Hab beschlossen, heute gibt’s nur Fotos…  so! Als erstes die zerzauste Katze auf den Büchern in Ortaköy. Das ist ein Touristen Hotspot, aber nicht nur. Vor allem in dieser Jahreszeit sind auch viele Türken hier, wie zur Kurz- oder Naherholung, wie wir das früher nannten. Es gibt dort bestimmt 20 identisch aussehende Stände, die einer nebeneinander das Gleiche verkaufen: gebackene Kartoffeln mit DIY – Du suchst selbst 3 aus 20 Beilagen aus Kocherlebnis. Dahinter etwas versteckt sind fünf Stände Ramschantiquariat, die aufgrund einer Katzenfreundin von Stand Zwei ständig von zehn Streunern umlagert sind. Es sind so ca. 8 Grad in Istanbul und auch einzelne Sonnenstrahlen wärmen schon…

Ich laufe gerne von Gayrettepe nach Ortaköy, das dauert eine halbe Stunde und man kommt an seltsamsten Schaufenstern vorbei. Hier hat der Besitzer einfach aussen! seine Sammlung von Glühbirnenverpackungen ans Fenster geklebt. Sieht man nicht ganz so gut auf dem Bild, aber 3D Werbung ist voll der Hype in ganz Istanbul.

Nicht weit weg von der 3D Werbung ein toller beweglicher, bepflanzter Poller. Bestimmt das Mitbringsel eines Stahlflechters auf einer der unzähligen Baustellen in Istanbul: „Schatz, hast Du mir was mitgebracht?“ Ja, meine Süsse. Hier schau, dass habe ich vorhin in der Pause schnell geflochten und gegossen…“

Apropos Bausstelle, da hab ich noch ein Bild. Die Baustelle war komplett ungesichert, dem Bagger fehlte die Frontscheibe und tief unten in dem Loch arbeiteten drei Stahlflechter am Fundament… die Baggerschaufel dort, wird gerade zur Entwässerung der Baugrube benutzt: also, der Bagger taucht tief unten seine Schaufel in die größte Pfütze, sie läuft rand voll und balanciert sie ganz sanft, denn bei jedem Ruck platschen ca. 100l Dreckbrühe auf die drei Stahlflechter runter, zum Gulli auf der Hauptstrasse. Da es sich um einen Kettenbagger handelt und ca. 10m zwischen Pfütze in Grube und Gulli auf Hauptstrasse befinden, quitscht und knirscht und kleckert es ganz gewaltig auf historischem Plaster… ist doch irre, was alles in diesem Bild steckt, oder?

Und zum Schluss noch das letzte Morgenbild für eine sehr lange Woche.

Wünsche allen einen spannenden Mittwoch!

Über die Folge von Möglichkeiten…

Istanbul, 8:16, Tag 141

Wieder ein Traum in einer Gruppe geträumt mit viel Interaktion und Kommunikation, aber nichts erzählenswertes…

Gestern erst ein Magazin entdeckt und mich etwas eingelesen und dabei über den Begriff Öffentlichkeit gestolpert. Im  Mission Statement von The European steht so was drin: „Ehrliche Debatte braucht Öffentlichkeit. Das Internet als weltumspannender Marktplatz der Ideen und Innovationen hat wie kein anderes Medium zuvor eine solche Öffentlichkeit geschaffen.“

Nun schreibe ich hier auch in dieser Öffentlichkeit. Ich nutze die durch das Internet „geschaffenen“ Raum einfach und publiziere, veröffentliche meine Gedanken, meine Träume, manchmal auch meine Gefühle, viel mehr aber mache ich öffentlich meine Interessen und Fähigkeiten bekannt bzw. leichter auffindbar. Aber A fool with a tool is still a fool trifft auch hier zu, es fühlt sich immer neu an für mich. Irgendwie braucht es Übung, um mit einer solchen Öffentlichkeit überhaupt umgehen zu können.

Lange Zeit war es für mich so, als ob ich ein selbstgemaltes Schild in meinen Vorgarten stelle, welches von einer öffentlichen Strasse aus eingesehen werden kann. Auf der Strasse ist vielleicht viel los, aber nur sehr wenige schauen rüber. Das ist auch ganz gut so, man kann das Schild dann auch mal wegnehmen oder drei auf einmal hinstellen, oder drauf rum klecksen und nicht jeder Schreibfehler fällt auf. Ein paar Leute, vielleicht meine Nachbarn, Freunde, Kollegen und Bekannte aus dem gleichen Dorf, dem gleichen Kiez, die bemerken viele meiner Aktivitäten auf den Schildern in meinem Vorgarten aus den Augenwinkeln und manchmal sprechen sie darüber und mich sogar darauf an. Es gibt auch ein paar völlig Fremde, die auf der Durchreise, zufällig kurz anhalten und sich meine Schilder anschauen…

Ich hätte mir früher und auch heute natürlich nie die Mühe des Schilder malens im Vorgarten gemacht, aber dafür gebe ich mir auch hier jeden Tag Mühe. Überhaupt geben sehr viele Menschen sehr viel ihrer Energie für Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit aus. Es scheint ihnen wichtig, wie die anderen, wie die verschwommene, undefinierte Öffentlichkeit sie wahrnimmt.

Es gibt da ein Dorf in Brandenburg, da steht in fast jedem Fenster eine Orchidee. Alle scheinen dort Orchideen zu züchten und sie auszustellen, man sollte sich das mal anschauen. Aber ich erlebe dort das gleiche Phänomen, welches ich hier auch habe. Dabei hatten sie dort sogar mal Brecht und das Naturschutzgebiet Klobichsee (mit vielen einheimischen Orchideenarten, ahh!;). Aber die verfallenden Häuser in den Seitenstrassen verraten doch, dass es mit einer richtig grossen Öffentlichkeit in Buckow nicht weit her ist.

Vielleicht sehe ich das auch falsch, weil ich von den vielen Buckow Fans einfach nichts weiss, sie nicht sehe, keinen davon kenne, bin ja auch  kein Brecht-, Orchideen- oder Brandenburg Fan. Aber mein Punkt ist der, dass jetzt mit dem Internet ein weiteres Kommunikationsmedium für die Öffentlichkeit entstanden ist, denn Buckow hat keinen Flughafen, keine Umgehungsstrasse, keinen Autobahnanschluss, vielleicht noch nen Bahnhof von früher. Eigentlich kann die Öffentlichkeit gar nicht nach Buckow kommen, es sei denn es gibt dramatisch besseren Content als Brecht, Orchideen oder ein Moor. Vielleicht würde mit einem ein Promi oder einer die Orchideen bedrohenden Blattlausinvasion, die Öffentlichkeit mal einen Augenblick lang Buckows gewahr werden, aber dann doch gleich weiter ziehen. Ich könnte mir noch vorstellen, dass einmal im Jahr eine RBB Reporterin nachschaut, ob man mal wieder was in Buckow machen sollte – also auch wenn nichts los ist, weil Buckow beim Öffentlichen Rundfunk in einer Wiedervorlagemappe liegt.

Naja, eigentlich wollte ich am Anfang dieses Artikels noch etwas zu Masse und Momentum erzählen… Jetzt hat mich die Metapher, die Analogie davon getragen… war aber auch zu schön! Drüben bei Instagram, da erlebe ich eine etwas andere Öffentlichkeit und zwar nicht nicht die schweigsam, ignorierende. Dort folgen meinen Fotos tatsächlich knapp über 28.000 Menschen – was ca. 18 x mehr Menschen sind, als in Buckow überhaupt wohnen! Und da erlebe ich erstmals so etwas wie eine anonyme Öffentlichkeit, so wie die oben im The European erwähnte: mir völlig unbekannte Menschen kommentieren die Bilder aus meinem Leben, nehmen Anteil: werfen mir ständig Zettel über den Zaun, auf denen dann Kommentare zum Motiv und zur Qualität meines Schildes in meinem Vorgarten oder auch Fragen zum warum und wie und ganz selten sogar schon trollige Sachen stehen.

Und ich merke, wie neu immer wieder das Gefühl dieser Art von Öffentlichkeit für mich ist! Achwas, meist verdränge und vergesse ich es, so wie fast alle wohl die Öffentlichkeit ihres Vorgartens verdrängen und vergessen. Wohl einfach weil es nichts mit mir zu tun hat, sondern nur eine Folge der Möglichkeiten ist.

Wünschen einen tollen Nachmittag! 😉

Warum ich weiss, was Satori Chan heisst…

Istanbul, 7:30, Tag 140

Meine Tochter hat heute von kleinen Wölfen und bösen, großen Affen geträumt. Mir hat im Traum jemand die ideale EC-Karte für Istanbul verkaufen wollen, es war eine Postbeamtin, konnte sie erfreuen mit der Tatsache, dass ich die Sparcard 3000 schon benutze und habe ihr flüssig deren Features aufgezählt, was sie sehr erfreute und beschämte. Sie hatte die Argumente nur auswendig gelernt, ich sie selbst erfahren. Komischer Traum, nicht wirklich beeindruckend oder intensiv, eher so dahin plätschernd. Bin heute ruhig und zufrieden aufgewacht… das ist nicht immer so!

heisst Zen oder Chan

und ist eine Form des Mahayana Buddhismus und bedeutet im eigentlichen Wortsinn „Meditation“, also Stille und Konzentration.

悟りheisst Satori oder Erleuchtung

und bedeutet im eigentlichen Wortsinn „verstehen“.

Hier hatte ich schon mal über den Insight Timer berichtet, eine Anwendung mit der man Klangfolgen für Meditationssitzungen erzeugen und speichern kann, sowie die Dauer der Meditationen in einem Log speichern und sogar in Facebook, Twitter teilen und als einfache Grafiken im Telefon anzeigen lassen kann. Es gibt sogar eine Android Version, aber alles macht irgendwie einen halb fertigen Eindruck und die Macher scheinen einen rein funktionalen Fokus zu haben. Anders ausgedrückt: mir gefällt die Idee der App sehr!

Ich habe mir das Thema in den letzten Wochen ausgeguckt, um daran – wie in einem Sandkasten – probieren und spielen zu können, wie viel einfacher oder schwerer es geworden ist, mit den ach so tollen und neuen Technologien etwas fertig zu bekommen. Mein Verdacht ist, dass natürlich der Teufel immer noch im Detail steckt und das „A fool with a tool is still a fool“, es also immer noch nicht auf das Tool, das Framwork, die Sprache oder Library ankommt. Es kommt immer darauf an, die richtigen Menschen zu finden oder zusammen zu bringen, die etwas fertig stellen können. Die Ami’s sagen dazu vielleicht Execution/Ausführung, aber das ist mir zu reduziert, denn es gibt Leute die excellent ausführen können und doch nichts fertig bekommen.

Was ich meine, ist die besondere Fähigkeit an einer Idee dran zu bleiben und sie bis zum Ende – also zu einem Stadium zu führen, in der andere Menschen den Sinn der Lösung sofort und einfach kapieren können und sie intuitiv benutzen können.

Dabei ist u.a. entscheidend, eine Idee so aus Anforderungen, Wünschen und Möglichkeiten zu extrahieren und zu formulieren, dass sie als Ausrichtung, als Ziel dienen kann, um allein oder zusammen etwas zu verändern, zu schaffen, zu bauen. Wenn ich das hier so hin schreibe, dann merke ich, dass das ja genau das ist, was ich seit Jahren als meinen Beruf bezeichne: das Anschieben, das Initiieren und das Begleiten des Entstehens von Problemlösungen mittels der Informations Technologie. Und das ist ein unendlich komplexer Vorgang, der nur sehr selten mit einem „Fertig, wir haben es geschafft.“ belohnt wird. Vor allem nicht, wenn man damit sein Lebensunterhalt verdienen möchte und das im Auftrag dritter, also von Kunden macht.

Zwar gibt es jede Menge künstlicher Erfolge, wie das Einhalten von Terminen, die man vor ein paar Wochen, Monaten und Jahren mal so erraten, ähm vorgegeben, hat. Oder das Einhalten von Budgets, also dem Vergleichen von Zahlen in unterschiedlichen Listen. Oder auch der Fertigstellung von Teilergebnissen: einer Spezifikation, eines Angebotes, einer Präsentation, einer Iteration, eines Paketes, eines ToDos… ja es ist wunderbar, wenn alles wie am Schnürchen, wie geplant funktioniert. All diese Erfolge sagen nichts darüber aus, was die wirkliche Veränderung, was das wirkliche Ergebnis ist.

Und beim Spielen im Sandkasten mit der Idee eines Meditionstimers für das Sammeln und Teilen von Minuten, lass ich den Kunden und Geld als Quelle der Motivation und für die Definition von Erfolg einfach weg. Und sofort passieren lustige, spannende Dinge. Als erstes hat Brent einen Namen und einen Stil gefunden, mein Insight Timer würde also Satorichan heissen. Dann war ja niemand da, der eine Spezifikation beauftragt, abnimmt und dann die Teilrechnung frei zeichnet. „Internes“ Projekt, heisst solche Arbeit bei uns, denn sie haben keinen klassischen Kunden, aber sie haben jemanden der den Wunsch danach und auch das Geld dazu hat, nämlich wir selbst. Ich überlege und erfasse den Wert einer Spezifikation doch völlig anders, wenn kein Kunde da ist, dem ich sie zuvor verkauft habe! Wenn ich mir klar mache, dass wir das nur für uns, allein für das Projekt, das Produkt gemacht haben…

In relativer Stille und Konzentration mein Verständnis zu vertiefen, das ist mein Ziel! Stille ist Reduktion und Konzentration ermöglicht das Erkennen des Wesens. Denn die Konzentration auf das Wesentliche erlaubt uns manchmal einen kurzen Blick auf das eigentlich Neue, auf das authentische Original. Das wir nicht finden werden, wenn wir an Werteverwertung, Standardisierung und den Kommerz denken.

Denn dann würde jeder Starkoch ja nur noch Tütensuppe kochen, sagt Gunter Dueck in seiner aktuellen Kolumne und

Ökonomie soll eigentlich mit Ressourcen und Anstrengungen effizient umgehen, aber sie erzieht oder zwingt uns, die Ressourcen effizient und anstrengungslos zu verbrauchen… das muss Ökopathie sein.

Und da er diese Kolumnen übrigens gerade in einem Buch kommerzialisiert, verabschiede ich mich erst mal in den Montag und damit in die neue Woche…

…und wünsche allen ganz viel Erfolg! 😉

Ein Sonntagspausenpost…

Istanbul, 8:32, Tag 139

Heute habe ich vergessen, ob ich geträumt habe, aber…

Dworni ist ein Superstar und Lisa war in Istanbul. Bei epagee kann man Publikationen suchenDie Kaltmamsell fängt neu an und schaut beim Sterben zu. Herr Seemann hatte schon vor fast drei Wochen ein Dilemma. Ich! Suche! Dich! das war meine Version des Dilemmas. Herr Baranek hat tolle Tips fürs Schreiben hier. Und Berlin jetzt eine Open Data Strategie. Ein Berglöwe ist angekündigt. Eine Pressemitteilung Ertrinkender wird zerlegt. Dave Winer zitiert Jon Postel: Be liberal in what you accept, and conservative in what you send. Paul Osman ist jetzt DevEvangelist bei Soundcloud. Ich weiss jetzt von Menschen, die Polizeifunk ihrer Stadt mit Ambient Sound mischen möchten.

Genug! Nun leg ich die Morgenzeitung weg, mach noch ein Photo und dann gibt’s Frühstück!

Wünsche lächelnd eine tollen Sonntag…

Stets rechtlich korrekt…

Istanbul, 8:20, Tag 138

Heute von einem Hang geträumt, mit Tischen und Stühlen und einer Scheune und Werkstatt und einem Fluss ganz unten im sich schlängelnden Tal. Es kommen Gäste, sie sagen nicht Hallo, fühlen sie sich nicht wohl? Arbeiter beginnen schon damit, einen alten Zaun zu entfernen, sind das die neuen Nachbarn? Wie unterhalten Sie sich denn, ich glaube, sie sprechen Deutsch, wenn auch einen Dialekt, sollten wir ihnen mit Ihnen Tee trinken? Sie setzen sich an einen Tisch, der Junge steht auf und fragt, ob sie frische Eier von den Hühner hier kriegen würden. Ich bemerke jetzt erst die Hühner im Stall und wundere mich, denn wir kaufen unsere Eier… na, das kann ja heiter werden, wenn die hier bauen. Und ich wache auf…

So, nun will ich doch ein paar Worte zur Causa Wolff verlieren, ich hab gestern live im Netz seine Rücktrittsrede geschaut und vor allem bei seinem „Die Berichterstattung haben meine Frau und mich verletzt“ habe ich gedacht: „oha, krass – er hat es wirklich getan…“ Er hat den Medien die Schuld gegeben an seinem Rücktritt. Er versteht es immer noch nicht! Aber viele andere auch nicht, die jetzt in das gleiche Horn von Hetzjagd, Kampagne und Vorverurteilung blasen.

Ich glaube auch, dass er es erst meint, wenn er sagt, dass er sich „stets rechtlich korrekt verhalten hat“. Aber genau darum geht es, denn man kann sich auch nicht stets rechtlich korrekt und doch richtig verhalten…

Dazu schrieb gestern ein Bekannter, dass er ihm auf einer Party gar mal einen Virgin Strawberry Daiquiri für umsonst gegeben hätte… aber lest doch lieber selbst den ganzen Kommentar:

Und genau hier scheiden sich die Geister! Denn mir geht es wieder um die Intention, die Absicht hinter den Handlungen, die das Annehmen eines Daiquiri OK oder eben nicht OK erscheinen lassen. Es ist nicht der Kontext, es ist nur die Intention, die den Unterschied macht.

Und da kommt mir eines der Rotary Prinzipien zu Hilfe: Service above Self wenn die Sache oder die Aufgabe größer ist, als man selbst, größer als seine Bedürfnisse, Wünsche und Träume; wenn man die eigene Person, das eigene Ego in den Dienst der Aufgabe und des Amtes stellt, es erst anstrebt und dann sogar ausüben darf; und wenn dabei „mit ganzer Kraft“ keine Floskel ist. Als er Ministerpräsident eines Bundeslandes war und nachdem er seiner Wahl zum Bundespräsidenten zugestimmt hat und sich in seinem Leben stets „rechtlich korrekt“ verhalten hat, warum bleibt er dann nicht und stellt sich mit donnernder Stimme hin und verteidigt seine persönlichen Werte- und Moralvorstellungen, sein Verhalten nicht? Warum geht tritt er verletzt zurück? Warum stellt er das Amt nicht über sich selbst? Für mich ganz klar, weil er einfach nicht die Größe besitzt, die dieses Amt erfordert. Oder um es dissoziiert auszudrücken, weil er einfach nicht in der Lage ist, genügend Vertrauen in seine Größe in der Öffentlichkeit – durch die Medien – zu erzeugen.

Warum lacht er nicht und sagt, na klar trinke ich bei meinem Freund Clark auf jeder seiner Parties Virgin Strawberry Daiquiries, was wollen sie von mir? Ich bin der Bundespräsident! Na klar, nehme ich von einer Freundin gerne 500k€ Darlehen an, was wollen sie von mir? Ich war der Ministerpräsident! Na klar fahre ich gerne in die Ferienhäuser meiner Freunde! Na klar nehme ich Sonderkonditionen von VW, was wollen sie von mir? Ich bin in deren Aufsichtsrat! Na klar lasse ich mich auf Sylt ins Hotel einladen, was wollen sie von mir? Schliesslich habe ich mein Wohl immer  dem Wohl des Amtes, des Landes und des Staates untergeordnet! Warum kommt er nicht auf diese simple Idee, dass er immer offen zu dem, was er ist und was er getan hat, stehen kann, soll und sogar muss?

Na klar egal, dass er sich stets rechtlich korrekt verhalten hat, das geht ja eigentlich gar nicht bei der Fülle von Gesetzen und dem Interpretationsspielraum menschlicher Sprache geschuldet. Aber warum sagt er denn nicht: ich habe mich stets moralisch korrekt verhalten, meinen eigenen Moral und Wertevorstellungen entsprechend! Warum braucht er Anwälte, er hatte doch ein ganzes Präsidialamt zur Verfügung. Warum ruft er Chefredakteure an? Warum sitzt er im Fernsehen und spricht davon, dass Journalisten jeden Beleg seiner Vergangenheit umdrehen, ja und? Er könnte Bewunderung oder auch Bedauern empfinden, aber nein… er fühlt sich belästigt und dann verletzt! Krass!

Der Kommentar von Roland Nelles bei SPON trifft es meiner Meinung nach ganz gut.

Wulff hat es selbst vermasselt. Es bleibt das Bild eines Gernegroß, der zu klein war für das Amt, dem letztlich seine Mittelmäßigkeit zum Verhängnis wurde.

Hoffentlich habe ich das jetzt richtig zitiert, aber da ich mir nicht die Mühe mache, es zu überprüfen, werde ich wohl niemals sagen können: „ich habe mich stets rechtlich korrekt verhalten“.

Es gibt da draussen doch nur mittelmäßige Menschen! „Stell Dir vor, der scheißt auch nur im Sitzen“ lautet ein etwas derbes Sprichwort zu Mittelmäßigkeit aus meiner Jugend… aber einige dieser mittelmäßigen Menschen bewundere ich für ihre herausragende Leistung, für ihr besonderes Rechtsempfinden, ihre strengen Moral- oder Wertevorstellungen, für das Erreichen eines Amtes oder für die Ausübung einer Funktion, und manche auch einfach für ihr Sein.

Und ja, Christian Wulff hat viel erreicht für einen, der auch nur im Sitzen scheisst und er hat sich dabei im Rahmen seiner Möglichkeiten stets rechtlich einwandfrei verhalten! Nur ihn konnte ich nie bewundern…

Wünsche eine tollen Start in ein sonniges Wochenende!

Die Intention verändert alles…

Istanbul, 8:11, Tag 137

Heute auch geträumt, wieder mal ’ne Dachterasse mit meinen beiden Damen und wir schauen über die Stadt, ich sehe drei Windhosen oder eher Tornados, richtige Strudel die aus den Wolken kommen, eher als ob die Wolken durch diese Strudel komplett auslaufen, ich sehe das Wasser wie aus einem Abfluss auströmen, darunter die Häuser verschwinden in der Gischt. Einer der Strudel kommt natürlich näher aber kurz vor unserem Dach ist die Wolke alle und ein leerer Stutzen, das untere Ende der Wolke knallt gegen das Dach und rumpelt, klappernd mit der nächsten Windböe darüber hinweg. Was mache die anderen Tornados? Zwei habe ich noch im Blick, die werden uns hoffentlich nicht gefährlich. Ich checke hektisch die Dichtigkeit der Fenster und suche nach eventuellen Abflüssen im Boden, falls wir direkt getroffen werden… und wache auf von leisem Getrappel und Geflüster der Kleenen.

Habe gestern einen langen Tag im Cafe verbracht und durch das Posten eines Laptop vor Bosphorus Bildes wohl einen falschen Eindruck erweckt, welchen ich durch ein tristes Schneegestöber Bildes von heute morgen wieder korrigiert habe!

Da sitze ich jetzt nicht direkt am Bosphorus, sondern schaue auf ungefähr 10 Hochhäsuer, habe quasi ein Häusermeer statt einer Meerenge vor mir. Aber diesmal wird gar nicht kommentiert werden…

Ich denke noch drüber nach und mir fällt ein: Neid und Mitgefühl sind sehr eng verwandt! Es gibt nur einen winzigen aber entscheidenden Unterschied. Und der ist an den Worten nicht zu sehen. Zwischen einem: Du hast es aber gut… und einem Du hast es aber gut… liegt der Unterschied nur in der Intention des jeweiligen Kommentators.

Alles, was ich glaube über die Person zu wissen, fliesst in meine Bewertung seiner Intention ein. Und damit sind wir jetzt doppelt dissoziiert und normalerweise nicht mehr auf eine gesellschaftlich akzeptierte Art zu einer normalen Unterhaltung fähig.

Aber wenn wir uns schon mal ausserhalb der Konventionen bewegen, dann frage ich mich natürlich noch einmal zurückspulend, was mich dazu bewegt, solche Bilder überhaupt zu posten? Es ist nicht nur die Absicht des life streamings an sich, sondern auch hier gibt es die eine Art: ego getrieben, mit irgendeiner Absicht, einem Hintergedanken, aus einem unbewussten Mangel heraus oder aufgrund eines unerfüllten Bedürfnisses.

Und dann die andere Art, das seltenere absichtslose Handeln, frei von Ego, also frei von dem Gedanken eines eigenständig- und unabhängig existierenden Selbst.

Die Intention verändert alles, die Intention entscheidet alles… ich glaube nicht, dass sich irgend jemand jemals der Wirkung der Intention, also der Absicht seiner Handlungen entziehen kann.

Heute ist ja schon Freitag… na dann, wünsche einen tollen letzten Tag der Woche!

Lose Gedanken über Marketing…

marketing soll sein: transparente quelle für inspiration und des lernens, es lässt uns einander zuschauen beim benutzen der bank, der firma, der software, des produktes, des services….

marketing wird so sein, dass man bekannten, die einem etwas empfehlen beim benutzen desselben zuschauen kann, deren profil überprüfen un dabei feststellen kann, ob sie wirklich experten für das thema sind, man kann dann fühlen, ob sie authentisch sind.

marketing erfolgt in wellen, wie memes, die durch das internet wie dna geistern, sich fortsetzen, ständig mutieren, sich verteilen und teilen.

das wissen über gute lösungen zu gemeinsamen problemen wird immer größer. wir finden heute einfacher die anderen, die das gleiche problem haben. wir googlen sie, wir fragen unser netzwerk danach, wir suchen die öffentlichen informationen der freunde unserer freunde unserer freunde ab.

wir sind alle über 4,74 ecken miteinander verbunden, hat facebook für 2011 herausgefunden. das ist erschreckend wenig, das heisst doch: dass ein freund von mir einen freund hat, der wiederum einen freund hat, der jemanden kennt, der mit dem präsidenten der usa befreundet ist. und das im statistischen mittel, es kann also sein, dasss ihn ein freund kennt oder ich auch über 6 ecken, keine verbindung zu ihm finden kann.
das trifft auch auf probleme oder lösungen zu. wenn irgend jemand auf der welt das problem schon mal hatte, vor dem ich grade stehe, dann sind wir nur 4,74 hops von demjenigen entfernt.

ich sehe nur, dass wir entscheidungen wohl leichter, beruhigter, entspannter treffen, wenn wir mit dem strom schwimmen, wenn wir nichts neues, revolutionäres, noch nie dagewesenens tun, sondern einfach das, was mir ein freund empfohlen hat, was ihm auch geholfen hat, ihn irgendwie reich, berühmt oder zumindest einen moment lang glücklich gemacht hat.

aber wir passen auf, wenn wir uns in unbekannte gewässer begeben, wenn wir neues ausprobieren. wir schalten die aufmerksamkeitskamera an, passen besonders gut auf, sind ganz vorsichtig, dokumentieren alles, prägen uns alles besonders gut ein. und vor allem: wir erzählen dann den anderen von unseren abenteuern. wir zeigen die bilder, drucken sie aus, halten vorträge, schreiben bücher, werden geehrt, gefilmt, verfilmt, damit auch alle davon erfahren, von unserem glück, unserem unglück, der schläue oder dummheit, und eigentlich nur um zu wissen, wie wir uns entschieden haben. um es anderen zu ermöglichen, auch entscheiden zu können, ob sie das risiko eingehen wollen. die anderen können so sehen, wie es ausgegangen ist, auf der timeline vor und zurück spulen und auf ein scheinbar objektives gedächtnis zurück greifen.

ein gedächtnis, in denen alle noch so kleinen details abgelegt sind, denn irgend etwas war ganz sicher von bedeutung, ja entscheidender bedeutung.

mich interessiert wirklich, wie bekannte und freunde, die ich für bestimmtes verhalten bewundere oder auch nur einfach kenne, manche dinge in echt tun, die ich auch tue oder tun will: der hat einen job und so viel geld, wie ich auch gern hätte, wie überweist der sein eigentlich sein geld, welche musik hört der eigentlich, welche kreditkarten hat er, und wo kauft der online ein, ach der kauft gar nicht online ein, der geht in die mall, usw.

und genauso dieses erlebnis wird marketing in der zukunft leisten, genau so wird uns gutes marketing in der zukunft erreichen. es geht darum, glaubhaft transparenz zu erzeugen. und wirklich gutes marketing ist schon heute genau so, es kommt uns nur nicht als marketing vor oder hat vermutlich nicht diese bezeichnung.

ich sehe schon skandale, die vielleicht dazu führen werden, dass doch mehr menschen ehrlich bei werbung für produkte sind und nur für dinge werben, die sie auch wirklich selbst benutzen oder zumindest mal benutzen wollen. das machen die amis vor, sie stellen blogger an, bezahlen sie, damit sie weiter über das bloggen, was sie interessiert, was sie benutzen, toll finden und machen damit indirekt ein unglaublich authentisches marketing für ihre firma und deren produkte. aber sie machen uns auch das genaue gegenteil dessen vor, mit affiliate netzen, seo und allen anderen irgendwie (google) adwords basierten formen der algorithmischen werbung im netz.

dabei werden negativ effekte genauso berücksichtigt werden, denn auch wenn negativ über themen, lösungen, produkte gesprochen wird – werde die beiträge mit den positiven berichten schneller gefunden werden. vor allem natürlich im vergleich zu produkten, über die gar nicht oder nur positiv gesprochen wird. alle skandale lohnen sich von diesem standpunkt aus, weil es schnell und einfach aufmerksamkeit für das produkt, das thema erzeugt.

genauso wird es mit produkten sein, mit dingen, die wir kaufen und dann verbrauchen oder benutzen, aber auch mit diejenigen, die wir in der firma einsetzen, die wir im büro auf unserem computer benutzen, um bestimmte probleme zu lösen. egal, ob positiv oder negativ, die reale erfahrung zählt mehr und mehr.

wir gehen auf konferenzen von menschen, die vermutlich das gleiche oder ähnliche problem haben und hören denjenigen zu, die dafür lösungen versprechen. wenn wir glück haben, dann können wir dort andere finden, die diese lösungen bereits ausprobiert haben und von ihren erfahrungen mit dem produkt berichten. und es wird immer jemand geben, die irgend etwas zum ersten mal oder anders macht. genau die werden wir immer leichter finden können.

ich möchte sehen können, wie andere menschen in meiner situation in der vergangenheit gehandelt haben, als sie das produkt noch nicht hatte, als sie es dann hatten und auch nachdem sie es eine weile benutzt haben.

denn wenn ich das wüsste, dann könnte ich einen unterschied erzeugen.

ich würde ja eher etwas anders machen können als meine vorgänger, und zwar viel eher. und je besser ich die anderen finden kann, desto besser kann ich mich vergleichen. je mehr daten ich zur verfügung habe, um so interessanter wird das experiment für mich. dann kann ich immer mehr unterschiede (=unsicherheiten) ausschliessen, die nicht überein gestimmt haben. ich kann das risiko des unbekannten minimieren, länger leben, mehr tun…

unsere gesellschaft strebt genau deshalb immer zu einer höhere transparenz, zu einer anderen „privatsphäre“ hin.

jeder mensch geht heute schon jeden moment einen handel ein: wieviel von mir will ich in der situation preisgeben, wieviel von meinem geld, von meinem wissen, von meiner aufmerksamkeit, von meinen daten, um das gewünschte zu bekommen?

wieviel muss ich geben, um einen schritt weiter gehen zu können? wenn ich doch endlich die anderen finden kann, die jetzt grade, gestern, letzte woche, letztes jahr oder letztes jahrzehnt das gleiche problem hatten, wie ich?

ich müsste mindestens folgende information bekannt geben:

ich! suche! dich!

also selbst findbar machen, dass ich dieses spezifische problem habe. und je spezifischer ich das problem beschreibe, um so wahrscheinlicher finde ich den richtigen menschen oder die richtigen finden mich.
voraussetzung dafür ist, das jemand anders das auch so gemacht hat in der vergangenheit und sich ebenso vernetzt hat und aufgeschrieben hat oder auf meine frage reagiert, wie er denn das problem gelöst hat.

je länger man also einheitliche suchanfragen und die suchen, mit den ergebnissen der suche verknüpft, um so schlauer werden wir alle. und das ist beleibe keine neue erkenntnis oder revolution! vor allem nicht für bibliothekare, lehrer, spezialisten… aber

mit den heute verfügbaren tools führt das dazu, dass uns zB googles suchmaschine relevantes in etwa so definiert: andere, die nach diesem wort gesucht haben, haben am häufigsten auf folgendes geklickt und sind danach am seltensten zurück gekommen.

einfach weil sie diese information messen, speichern und auswerten (=lernen) können. google kann so statistisch nachweisen, dass ein zusammenhang besteht zwischen der zeit die zwischen dem klick auf das suchergebnis und der erneuten suche nach diesem wort besteht. je länger diese zeitspanne ist, je zufriedener war der benutzer der suchmaschine.

wenn man diese daten nun noch verknüpfen könnte mit dem lebenslauf, mit der ausbildung, mit dem alter, der firma, der größe der firma, der anzahl der kinder, eben mit beliebigen faktoren, von denen ich(!) denke, dass sie relevant sein könnten, dass sie die lösung sind, die lücke, der zusammenhang, den bisher noch niemand gesehen hat?

gute entscheidungen würden sich schneller weiter verbreiten, besonders gut verbreiten sich natürlich einfache probleme und die lösungen, die sich leicht erzählen lassen, die sich einfach teilen lassen, weil und jetzt tausend gründe: w-lan verfügbar war, und bloggen ging, flickr erfunden war in das die die leute kostenlos bilder laden können u.u.u.

aber auch diese aufmerksamkeit, der aufwand der betrieben wird, um entscheidungen abzusichern, ist begrenzt. je effizienter die daten, entscheidungen, das wissen ist, um so bessere entscheidungen können wir alle treffen und so schneller entwickeln wir uns weiter.

wir alle treffen jeden tag, tausende und abertausende winzig kleine einzelentscheidungen, die sich zu unserem leben summieren. dabei investieren wir unsere zeit, unsere aufmerksamkeit in dinge, die uns nützen, um weiterleben zu können.

dass wir versuchen zu erinnern, wie wir oder zu erfahren wie andere das schon mal gemacht haben, ist damit ein grundbedürfnis. von dieser leistung hängt weitestgehend der erfolg unseres eigenen überlebens ab.

wir versuchen immer, uns zu vergleichen, uns unserer identität durch vergleich zu vergewissern… ja, wir sind der herr, (im vergleich) mittleren alters, mit dem (im vergleich) etwas längeren haar und dem (im vergleich) unkonventionellen auftreten. aber nur wenn der meme stark genug ist, dann wird er weiter erzählt: dieser herr hat folgende entscheidung getroffen, als er heute morgen in der von mir beschrieben situation was, er hat – vielleicht unbewusst – folgendes produkt benutzt, gekauft, beantragt, installiert, gelöscht, folgendes getippt, die maus dort oder dahin bewegt, dies oder jenes davor oder danach gegessen hat.

und diese information, wird nur dann weiter getragen, wenn der impact, die auswirkung, die wir dem ereignis, der erkennnis zuschreiben viel grösser ist, als der aufwand zur verbreitung selbst. je kleiner das ereignis, je kleiner der aufwand, um so unwahrscheinlicher ist es, dass diese situation, davor dieses ereignis in seinen zusammenhängen dokumentiert ist. aber je größer die auswirkungen, umso mehr hilfen, ratgeber, investitionen in die weiterverbreitung der information gibt es bereits.

durch das internt, durch cloudcomputing und die immer weiter gehende sozialisierung der anwendungen erfolgt eine starke ausdehnung der verfügbaren informationmenge zu einer stark wachsenden anzahl von ereignissen, die bisher gar nicht oder nur zufällig dokumentiert worden sind, weil die dokumentation dieses wissens bisher keine lebensgrundlage bot.

tl;dr

die zunehmende vernetzung und verdatung ermöglicht ein verändertes, authentisches marketing auf basis tatsächlicher handlungen bekannter.