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Marketing ist überflüssig, wenn…

Istanbul, 7:33, Tag 180

Heute bin ich aufgewacht und dachte so bei mir, für diesen Traum brauchst du dir nur ein Wort zu merken, um dich zu erinnern. Ach wenn ich mich jetzt nach Duschen und Meditation nur erinnern würde, wie dieses Wort war…

Gestern ist mir wieder mal aufgefallen, wie überflüssig Marketing manchmal ist.

Wir sind seit Jahren basecamp.com Kunde, einer kleinen, feinen Online Projektmanagement Software. Mit der manage – hauptsächlich ich – ein paar Projekte mit externen Mitarbeitern oder auch Kunden. Ich mag auch das Buch rework, der beiden Gründer sehr.

Mit basecamp, so steht auf der Homepage sind schon ca. 8 Mio Projekte angelegt worden von hunterttausenden Kunden. Seit kurzem gibt es eine völlig überarbeitete, moderne basecamp Version und ich habe alle unsere Projekte erfolgreich migriert und den alten Plan gekündigt, den Account gleich mit gelöscht – losgelassen. Wozu noch aufheben, dachte ich so bei mir.

Gestern dann wollte ich mich wieder mal kurz mit Alternativen zu unserem relativ schwergewichtigen selbstgehosteten Kundenverwaltungs Systemen umschauen, wir haben bei mtc von Microsoft Dynamics und auch noch ein Lotus Notes basierte Anwendung im Einsatz für unsere ca. 8.000 Adressen.

Immer wenn wir die Einladungen zum Sommerfest oder auch Weihnachten vor der Tür steht, gibt es in mir das Bedürfnis: dieses mal werden wir unsere Adressen aufräumen, überprüfen und in ein System überführen, das wirklich einfach ist und alle Funktionen bietet, die wir für diese Aktionen benötigen.

Zum Beispiel mit Mailchimp, von denen kriege ich bestimmt zwei Drittel aller Newsletter, und zwar die von den wirklich coolen Firmen. Und dann lege ich mir dort einen Account an oder logge mich wieder mal ein, und versuche meine 1.000 eigenen Kontakte zu importieren und die neuen Funktionen auszuprobieren.

Wie ich mich also gestern – mal wieder – mit Mailchimp beschäftige, fällt mir dort im Bereich Integration auf, dass man neben Google Apps nun auch Highrise, die leichtgewichtige Kundenverwaltung der 37signals Mädels&Jungs, in Mailchimp integrieren kann.

Grossartig, dachte ich so bei mir! Das probiertst Du jetzt mal aus und wollte mir einen 30 Tage Testaccount bei Highrise anlegen, bzw. meinen Account reaktivieren. Durch die Migration zum neuen Basecamp und die Löschung meines alten Accounts war dies aber leider nicht möglich. Die Funktion war einfach nicht vorhanden.

Also, klicke ich auf den Support Button auf der linken Seite und nachdem ich in den FAQ nichts gefunden habe, fülle ich ein klassisches Supportformular aus und schicke es ab. Ich erhalte innerhalb weniger Sekunden eine erste Bestätigung.

Ich hab das aber gar nicht so genau gelesen, das Thema hatte ich für gestern schon abgehakt und mir vorgenommen, wenn in ein paar Tagen oder Wochen die Antwort da ist, dann werde ich das in Ruhe austesten. Ein ToDo brauchte ich mir nicht anlegen, die Antwortmail sollte das triggern. Doch dann:

Halb sechs abends, keine 90min nach Arbeitsbeginn der 37signals Supporter und keine 6h nach meiner Anfrage habe ich schon eine Antwort und nicht nur eine Antwort, sondern mein Problem ist gelöst und ein Highrise Account ist für mich aktiviert.

Oha! Mich hat es kurz aus dem Sofa hochschnellen lassen, so beeindruckt und begeistert war ich. Denn genau so muss Kundensupport aussehen, genau das ist Marketing. Die Jungs brauchen wohl nicht mal Mailchimp, sondern die machen einfach ihren Job und das Marketing übernehmen ihre zufriedenen Kunden, so wie ich es gerade mit diesem Blogpost tue. Ich bewundere 37signals absolut für diese Leistung!

Ich bemerke sofort, dass ich nun nicht nur unsere Kundverwaltung modernisieren möchte, sondern auch noch unsere Supportprozesse. Es gibt so viel zu tun… und solche grossartigen Beispiele inspirieren mich sehr und geben mir viel Kraft, einfach anzufangen und immer weiter zu machen! Einfach weil ich sehe, dass es funktioniert.

Marketing ist überflüssig, wenn man einfach seinen Job macht. Oder positiver ausgedrückt, das bessere Marketing ist es, wenn es gelingt, die Erwartungen seiner Kunden zu übertreffen.

So, nun aber zuklappen… jetzt ist Wochenende!

And If you have any questions, just let me know and I’ll be happy to help. And have an awesome weekend!

Keine Spuren…

Istanbul, 7:55, Tag 179

Und weiter gehts, wieder ein Traum. Diesmal habe ich mich wohl mit diesem Traum von W. verabschiedet, ein Kollege der vor kurzem verstorben ist und mich die letzten Jahre bei jedem unserer Treffen immer sehr beeindruckt hat. Jedenfalls, waren wir beim ihm eingeladen und sollten weiter zu einer Spassparty nach Boliven aufbrechen. Das alles eigentlich in Hamburg, nur dass es auf einer Karte eher Borkum war und dass das Boliven hinter Groningen in Holland lag. Wir, das is eine Gruppe von vielleicht zehn Leuten, die sich auf Autos verteilen soll. Ich brauche nicht selbst fahren, mein Platz und Mitfahrer sind schon von W. festgelegt, so isser eben.

Wir gehen in die Garage, aber dort hat jemand über Nacht mit einem Ziegelstein alle Auto so demoliert und alles mitgehen lassen, was abgefallen ist, dass nur noch Autoreste zu erkennen sind. Wir können den Bus der Firma nehmen, statt jetzt kurzfristig und teuer etwas zu mieten und ich biete an, weil ich nicht trinke, die Rückfahrt zu übernehmen, schliesslich habe ich einen P-Schein. Ich laufe auf Toilette, will mich umziehen und stehe plötzlich nackig zwischen all den Leuten und renne peinlichst berührt schnell zurück, um meine Sachen zu holen und wache eine halbe Stunde vor dem Wecker – irgendwie gerührt – auf…

Heute komme ich noch mal auf meine kleine Pferde Serie zurück, denn ich habe vorgestern im Flieger noch einen Abschnitt bei Suzuki gefunden, der auch hier her gehört, vielleicht bildet sich damit ein Abschluss. Es geht in dem Kapitel Keine Spuren darum, was ich gerne undichte Handlungen nenne, also um die Intention, die Absicht hinter einer Aktion, die uns oft nicht bewusst sind. Suzuki spricht davon, dass solche undichten Aktionen, die eine versteckte selbstbezogene Absicht haben, immer eine Spur oder einen Schatten hinterlassen.

Der Absatz passt so sehr zum Pferde Thema vom Montag und dem sich anschliessenden über Unvollkommenheit vom Dienstag, dass ich ihn ganz zitieren möchte:

Oft denken wir, was wir getan haben, sei gut, aber vielleicht verhält es sich gar nicht so. Wenn wir alt werden, sind wir oft sehr stolz auf das, was wir vollbracht haben. Wenn andere zuhören, wie einer mit Stolz von den Dingen erzählt, die er getan hat, haben sie ein komisches Gefühl, denn sie wissen, dass seine Erinnerung einseitig ist. Sie wissen, dass das, was er ihnen erzählt, nicht genau das ist, was er getan hat. Außerdem, wenn er auf seine Taten stolz ist, wird dieser Stolz ihm selbst ein Problem schaffen. Wenn er seine Erinnerungen auf diese Weise ständig wiederholt, wird seine Persönlichkeit immer verdrehter, bis er ein unangenehmer, sturer Kerl geworden ist. Das ist ein Beispiel dafür, wie das Denken eines Menschen Spuren hinterlässt. Wir sollten nicht vergessen, was wir gemacht haben, aber es sollte ohne zusätzliche Spur sein.

Sich selbst bewusst sein, ist etwas anderes als selbstbewusst sein. Diese Erkenntnis begleitet mich schon etwa 15 Jahre, also schon weitaus länger, als ich mich mit buddhistischen Denkmodellen beschäftige. Aber sie enthält genau den gleichen Punkt.

Mich an meine Vergangenheit, an meine Erfolge und Misserfolge, also mich an meine Taten zu erinnern, ist die eine Sache. Aber ich brauche meine Vergangenheit nicht zu benutzen, um meine Identität zu rechtfertigen oder mein Handeln im Heute zu begründen.

Aber genau das hält unsere Gesellschaft heute für Selbstbewusstsein und fördert und belohnt solch ein Verhalten. Ich halte das für selbstbezogen, für egoistisch und für überflüssig. Es hat nur sehr indirekt etwas mit dem aktuellen Moment, der aktuellen Situation zu tun.

Immer wenn ich ein: Das haben wir immer schon so gemacht oder ein Darin habe ich jahrelange Erfahrungen und ähnliches höre, werde ich sehr aufmerksam und frage nach, fordere heraus und stelle in Frage. Solche Sätze deuten immer auf undichte Handlungen. Auf Aktionen mit einer versteckten, heimlichen Absicht, einem Hintergedanken und immer verursachen sie damit mehr Probleme, als sie lösen. Sie verkomplizieren das Leben.

All das, was wir heute hier tun wollen, bedarf keinerlei Begründung oder gar einer Rechtfertigung aus der Vergangenheit… das ist vergangen und vorbei. Die Bedingungen im Heute sind definitiv völlig andere, als in der Vergangenheit. Auch wenn sie uns noch so bekannt oder vertraut vorkommen sollten.

Wünsche Euch einen wunderbaren Tag… mit Sonne im Herzen und auf der Haut!

Über meine erste echte Meditation…

Istanbul, 7:52, Tag 178

Auch heute geträumt, aber ein flacher, wenig intensiver Traum… bin 4min vor dem Wecker wach geworden, obwohl mir durch die späte Rückkehr aus Wien eigentlich 3h Schlaf fehlten, konnte aber noch froh 20min warten, bis die Trippelschritte zu hören waren.

Heute ist zum zweiten Mal in Folge InsightTimer abgestürzt, muss ich wohl mal löschen und neu laden. Die süsseste Tochter der Welt wachte zum zweiten Mal auf, meditierte mit mir ein, zwei Minuten… danach bemerkte ich durch einen Blick auf die Uhr, den ich normalerweise vermeide, um meiner Unruhe beim Sitzen kein Futter zu geben, dass die geplante Zeit schon überschritten war.

Gestern wurde ich gefragt, woher ich die Energie nehmen würde, mit Kind und Firma und den vielen Reisen trotzdem jeden Morgen hier zu schreibe. Ob das an der Meditation liegen würde, und wie ich das gelernt hätte… ich hab mir gestern schon gedacht, dass ich wohl in einem Absatz, und vielleicht in einem Tweet antworten würde.

Es fing alles vor mehr als sechs Jahren damit an, dass mir mein Freund Tony einmal zeigte, die man einfache Atem-/Sitzmeditation macht, also Hinsetzen und den Atem zählen, beim Einatmen Eins, beim Ausatmen Zwei, bis Zehn, dann von vorne. Er malte dazu ein Bild von einem U-Boot im Wasser und sagte, dass unserer Gehirn sich auch mal ausruhen müsste, und beim Zählen des Atems, würde sich das Hirn langweilen und ruhiger werden und mit leichten Hin- und Herschwüngen, liess er das U-Boot auf den Grund des gemalten Wassers sinken.

Dort unten, sagte er weiter, verliert man dann das Zeitgefühl… das wäre die eigentliche Bedeutung von Transzendenz und wenn das Gehirn in diesem Zustand sei, dann würde es sich endlich mal erholen können, was sonst nur in den Tiefschlafphasen nachts möglich ist. Dann hockte ich mich auf ein Kissen auf den Boden und ich begann, meinen Atem zu zählen.

Da sein Büro und Wohnung in der Einflugschneise von Tegel lag, hörte ich alle zwei Minuten ein tief fliegendes Flugzeug über mir… nach 2 Flugzeugen gongte es. Na, wie viel Zeit ist vergangen, fragte Tony. Höchstens 6 Minuten, ich hab nur zwei Flugzeuge gehört. Dann schau mal auf die Uhr! Es waren volle 20 Minuten vergangen und ich habe nicht geschlafen, das geht im Sitzen (für uns Europäer zumindest) eher schwer, ohne umzufallen.

Dann gab er mir ein Buch mit von Thich Nhat Hanh, einem vietnamesischen Zen Meister, der in Frankreich lebt und sagte noch: zwei Minuten jeden Tag würden schon reichen, um eine Wirkung zu erzielen. Versuche, es zu einer Gewohnheit zu machen. Aber in unsere Gewohnheiten stecken ungeheure Energien, und sie seien nur sehr schwer zu ändern.

An einen weiteren Tip zum Abschied nach meiner ersten Meditation erinnere ich mich noch: Achtung Arne, wer meditiert, kriegt mehr Kraft und Leistungsfähigkeit, das ist wie ein Turbo oder eine Kopfschmerztablette. Nutze es bitte nicht nur, um noch mehr zu arbeiten.

Ich glaube heute, mit diesen beiden letzten Sätzen war bei mir sehr effektiv die Saat gelegt. Ich wollte wissen, ob das tatsächlich eine Wirkung hat und natürlich beweisen, dass ich die Kraft habe, meine Gewohnheiten zu ändern. Seit dem probiere ich es immer wieder, und immer mehr, aus. Ich bemerkte sehr schnell, dass es stimmt, und ich mehr arbeiten kann. Aber die Geschwindigkeit der Veränderungen, die ich auch der Meditation zuschreibe, hat seit dem eher zugenommen und erstreckt sich nicht nur auf meine Leistungsfähigkeit und Schmerztoleranz, sondern inzwischen auf alle Bereiche meines Lebens.

Oje, ist das jetzt schon wieder viel geworden… wollte doch noch was ganz anderes schreiben. Aber erst mal ein paar Bilder, meines gestrigen Spaziergangs nach dem XML Raw Data Day des EPO’s in Wien. Einmal kurz über Schwarzenbergplatz, an der Oper vorbei über den Karlsplatz zurück zum Rennweg, mehr Zeit war leider nicht.

Der Riesenspringbrunnen am Schwarzenbergplatz gab ein dankbares Motiv in der Spätnachmittagssonne…

Und ist beliebter Leseplatz bei Wienern, trotz Sprühregen bei drehenden Winden…

Dann mit dem Flieger um acht zurück, und um kurz nach Mitternacht (durch die 1h Zeitverschiebung) war ich zu Hause und wenig später schon im Bett.

Heute morgen begrüßte mich mit einem etwas zu hohen Landeanflug eine Möve, wieder mit ganz tollem Licht hier in Gayrettepe.

Hey, eben entdecke ich noch ein Flugzeug in dem Bild… ganz klein, Hammer! Das wollte ich schon länger mal schaffen, Flugzeug und Möve auf einem Bild und ohne es zu wollen, gelingt es mir heute morgen. Sehr schön.

Mit einem glücklich, zufriedenen Lächeln verabschiede ich mich jetzt aber in den Donnerstag von Euch! Lasst es Euch gut gehen! Und bestimmt schreibe ich Euch morgen, was ich heute nicht geschrieben habe… 😉

Sonnenuntergang in Gayrettepe…

Istanbul/Vienna, 6:39, Tag 177

Zwei Träume! Im ersten über riesigen Bunkeranlagen, mind dreistöckig in die Tiefe. Mit T. einem Kollegen, den ich bestimmt schon 14 Jahre nicht mehr gesehen habe. Hatte das Gefühl gleichzeitig in einer Software zu sein, ich mach Fotos in kahlen Räumen, erkenne Gorbatschow, der mit abgewandtem Gesicht an einer Wand lehnt. Die Chefin von T. trifft Entscheidungen ohne ihn, die er aber ausbaden muss, im Hintergrund schreien seine beiden Kinder… dann weiter über zugeschneite Kabeltrassen, jetzt Fotos im Wald des Sperrgebietes über dem Bunker.

Zwei Stunden später mit einem anderen T. in der S-Bahn, zwei Stationen noch, dann müssen wir raus. Wir halten an, steigen aus. Die Bahn fährt an, wir rufen und pfeifen, weil T. sein Fahrrad drin vergessen hat, an dem er sich die ganze Zeit festhielt. Wir laufen zur Arbeit, auf ein riesiges Gelände zu, fast wie das Sperrgebiet vorhin, vielleicht ein Stadion? Es ist Sommer, viele Menschen liegen auf der Handtüchern auf der Wiese, wir kommen an eine Hochbahn unter der es rappelvoll von Badegästen ist. Dort ist Oma und die süsseste Tochter der Welt, sie schläft. Ich will nur kurz nach dem rechten sehen, sie wacht natürlich auf… alle finden mich grob. Jemand springt auf und zählt den Kindern etwas vor… die laut mitzählen. Dann verschwindet meine Kleene mit Oma und es bleiben nur sehr viele Betreuer übrig, die Kinder zwischen ihnen haben keine Gesichter mehr, alles verschwommen und ein Albtraum beginnt, weil die Betreuer alle Zombies sind, die durch mich erlöst werden müssen… ich wache schwer atmend durch den Wecker auf!

Schon während des Duschens war ich beruhigt, die 20min Meditation taten ein übriges… habe den Gong heute nicht gehört und nach 27min war ich mir sicher, dass es so war und checkte den Timer.

Vielleicht war der Post gestern etwas einseitig… es gibt schon die Seite in mir, die weiss, was ich kann. Die weiss, dass die letzten Jahre sehr erfolgreich in fast allen Facetten waren, und die meinen Anteil daran anerkennt. Empty Sea ist extrem gewachsen, wir haben gemeinsam sehr viel erreicht und unglaublich tolle Projekte realisiert… es gab viele wunderbare, tolle Momente, vor allem auch privat. Für mich ist das Loslassen der Erfolge der Vergangenheit und damit des eigenen Egos ein Weg, um gelassener mit den auftretenden Problemen umgehen zu können… die Umwege über den Schmerz sind wohl deshalb seltener geworden, weil ich mir meiner Unvollkommenheit bewusster als früher bin und ich einfach auch öffentlich dazu stehen kann.

So, eh es ein dritter Teil wird, hier noch ein paar Bilder von einem abendlichen Spaziergang durch meine zweite Heimat, Gayrettepe… selbst hier in einem Geschäfts- und Wohnviertel, zwar nah am Bosphorus aber ohne Aussicht darauf, in den 60iger und 70iger Jahren des letzten Jahrhunderts gebaut und immer mal wieder renoviert oder durch Neubauten ergänzt, gibt es schöne Augenblicke und tolle Aussichten. Aber seht selbst… die Schönheit liegt wie immer im Auge des Betrachters.

Hier ein Blick auf die neu eröffneten Trump Towsers in Sisli, ca. 20min Fussweg von hier…

Fast ein Selbstportrait, der Klassiker nicht nur bei iPhoneographen, wie ich einer geworden bin… und überall die Möven, die einen an ständig den nahem Bosphorus und das ebenso nahe Marmarameer erinnern.

Wenn der Wind von Westen kommt, liegt die Einflugschneise vom Attatürk Airport direkt über dem Zentrum von Istanbul, genau alle zwei Minuten überfliegt ein Jet die Stadt…

Und damit, verabschiede ich mich lächelnd von Euch. Heute schon vom Flughafen auf dem Weg nach Wien, zu den XML Raw Data Day des Europäischen Patentamtes… wünsche ich Euch einen fantastischen Tag!

Über meine Unvollkommenheit…

Istanbul, 8:03, Tag 176

Heute wild geträumt, ein Typ wie Pete Cashmore war der Star, er war DJ und Accountant seiner eigenen Firma, ich begleitet ihn wie mit einer Kamera oder in seinem Tross durch die Nacht. Durch verlassene Fabrikgebäude, in Fahrstühlen, die die Stockwerke nie genau trafen und man immer klettern musste, in Clubs in denen er auflegen sollte, aber doch lieber über dem Excel seiner Buchungen hing und einfach ein anderer hinters Pult gezerrt wurde, der fälschlicherweise für den Echten gehalten wurde. In der Hälfte des Traumes war Pete verschwunden, gegen Ende tauchte wieder auf und machte uns Vorwürfe, dass wie ihn verpasst hätten… was das alles sollte, keine Ahnung. Bin ratlos zeitig wach geworden, habe ruhig auf Aleynas Trippelschritte gewartet, dann bis sie wieder eingeschlafen ist bei uns im Bett, und ich mich leise für meine Meditation rausschleichen konnte… so soll es sein, so macht das grosse Freude!

Nun beim Frühstück im Durak Bufe! Habe viel zu tun, aber trotzdem das Gefühl, mehr Zeit zu haben. Wenn die Selbst- über die Fremdbestimmtheit gewinnt, dehnt sich die Zeit. Die Erwartungen anderer verkürzt sie. Ich könnte noch mal kurz auf die Pferde von gestern zurück kommen, hatte ja nur ne knappe halbe Stunde zum Schreiben, ein paar Aspekte sind einfach zu kurz gekommen.

Ich habe mich immer schon für das schlechteste Pferd im Stall gehalten, denn ich musste immer über den Umweg des Schmerzes gehen, um so schnell laufen zu können, wie die besten Pferde.

Der Schmerz ist einer der Wege Gottes, der uns zu unserer wahren Natur erweckt. Die unmittelbare Erfahrung eines Augenblicks des Schmerzes ist in sich selbst eine Offenbarung.

Wenn ich von mir denke, dass ich gut bin, kriege ich sehr schnell vom Leben gezeigt, dass es nicht so sein soll, dass ich das nicht von mir denken sollte. Wenn ich mich als Chef für gut halte, kriege ich die Kündigungen eines wertvollen Kollegen. Wenn ich mich als Vertriebler für gut halte, gewinnt die Konkurrenz den Auftrag. Wenn ich mich als Projektleiter für gut halte, vergeigen wir einen Meilenstein nach dem anderen. Wenn ich mich als Architekt für gut halte, fliege ich aus dem Projekt. Wenn ich mich als Stratege für gut halte, versteht mich niemand. Und so weiter… das und mehr ist mir alles schon passiert.

Ganz langsam ändert sich das in den letzten Jahren. Meine eigene Unvollkommenheit führt nicht mehr konstant dazu, dass ich mich selbst verletze, mit mit meiner eigenen eingebauten Peitsche. Dass ich nicht auf mich achte, nicht gesund esse, zu viel Kaffee, zu viel Alkohol trinke, dass zu lange arbeite, dass ich ungeduldig mit mir und allen anderen bin, dass ich schlechte Laune habe und unglücklich bin.

Ich erkenne mehr und mehr die Kraft, die darin liegt, immer genau zu wissen, dass alles noch besser gehen könnte, dass man selbst nicht perfekt ist und eigentlich keine Ahnung hat und nichts darüber weiss, was man seinen Job, sein Leben, seine Familie nennen darf!

Nicht, dass man sich nicht anstrengen sollte, nicht kämpfen, nicht hart arbeiten sollte… doch, das soll man! Man soll sich immer anstrengen, immer bemühen – das Richtige zu tun. Es geht aber nur darum, dass zu tun, was dem jeweiligen Moment und der Situation angemessen ist. Wenn ich dabei die Kategorien gut und schlecht für einen Moment vergesse, dann spüre ich, dass mein Wissen über meine Unvollkommenheit der Kompass ist.

Meine Unvollkommenheit ist der Kompass, der mir zeigt in welche Richtung ich gehen soll, wohin ich schauen soll, was als Nächstes zu tun ist. Meine Unzufriedenheit mit mir gibt mir mehr und mehr die Kraft und die Entschlossenheit, etwas zu ändern, etwas zu tun. Und immer weniger nutze ich sie, um auf andere und mich selbst einzuprügeln, sie und mich anzutreiben mit einer Peitsche… die doch nur Schmerzen verursacht.

Dazu nun noch das zweite Zitat, heute aus einem anderen Buch das ich gerade lese. Daraus Worte von Sandra Jishu Holmes, der verstorbenen zweiten Frau von Bernard Glassman:

Nur der verwundete Heiler ist in der Lage zu heilen. Solange wir denken, dass spirituelle Führer perfekt sein müssen, leben wir in Armut. Ich habe einen perfekten Lehrer in mir, es gibt keinen perfekten Lehrer ausserhalb (aus ihrem Tagebuch).

Diese Worte habe ich beim ersten Lesen schon übertragen in meine Welt. Statt der Worte Jishus, las ich gestern Abend: Nur der gescheiterte Chef, Vertriebler, Projektleiter, Architekt, Stratege kann wirklich gute Arbeit leisten. Perfektion ausserhalb mir selbst zu suchen, verursacht nur Probleme und Stress…

Vielleicht erscheint das paradox, aber einen perfekten Lehrer in sich zu wissen und sich selbst gleichzeitig für unvollkommen zu halten, ja das geht. Mit dieser leichten Herausforderung für unser normales, dualistisches Denken lass ich Euch nun erst mal allein und verabschiede mich in einen sonnig, kühlen Tag.

Und wünsche allen Lesern hier mit einem Lächeln einen ganz wunderbaren Dienstag!

Vier Arten von Pferden…

Noch Berlin, 7:21, Tag 175

Und wieder ein Spielfilm geträumt. Ich erinnere besonders einen Character, der verschiedene Visitenkarten dabei hatte und durchprobierte. Er hat so versucht, mich davon zu überzeugen, dass er das sei, was auf den Karten steht… ein Blender. Der ganze Film, drehte sich um eine Bewerbungsituation. Ich in der Mitte, zwischen den Positionen, zwischen den Gedanken der Beteiligten hin- und herwechselnd, alles mit dem Ziel, in die Gruppe aufgenommen zu werden… ich bin weit vor dem Wecker wach geworden.

Heute ist Reisetag… ich fliege nach Istanbul, hole die süsseste Tochter vom Schulbus ab und noch sitze ich in Berlin. Die Welt ist verrückt und das Leben grossartig!

Wir haben uns viel mit Shunryuku Suzuki beschäftigt, auch gestern habe ich schon aus dem Kapitel Das Mark des Zen zitiert, weil es mich so sehr beeindruckt hat. Er schreibt dort auch:

In der Zazen Haltung haben Euer Geist und Euer Körper große Kraft, die Dinge so anzunehmen, wie sie sind, ganz gleich, ob sie euch recht sind oder nicht.

Weiter schildert er am Beispiel von Pferden, dass in unserer Unvollkommenheit die Grundlage für unser Leben liegt. Dass es keine Rolle spielt, ob wir uns für das beste oder das schlechteste Pferd im Stall halten.

Dazu erläutert er, dass es vier Arten von Pferden gibt: hervorragende, gute, mittelmässige und schlechte. Das hervorragende läuft nach dem Willen des Lenkers rechts links, langsam, schnell noch ehe es den Schatten der Peitsche sieht. Das zweitbeste läuft so gut, wie das erste, gerade bevor die Peitsche sein Fell berührt. Das dritte läuft, wenn es den Schmerz an seinem Körper fühlt und das schlechteste läuft erst, wenn der Schmerz ihm bis ins Mark seiner Knochen gedrungen ist.

Wir sollten aufhören, das beste Pferd im Stall sein zu wollen. Er sagt weiter „Ein guter Vater ist kein guter Vater“. Also ein Vater, der sich für einen guten Vater hält, sei wohl kein so guter. Oder auch jemand der denkt, ein guter Ehemann zu sein, wohl auch keiner ist. Denn wer denkt, er sei ein miserabler Ehemann, der ist vielleicht ein guter, sofern er sich von ganzem Herzen bemüht, ein guter Ehemann zu sein…

Diese Zeilen beeindrucken mich tief, sie spiegeln meine Erfahrungen mit mir selbst und vielen anderen. Sie machen mir auch Mut, dass es reicht sich zu bemühen. Und das es letztendlich keine Frage ist, ob wir das beste oder schlechteste Pferd sind…

Ihr merkt, ich bin noch tief beeindruckt von der Mediationswoche… finde langsam erst zurück in einen Alltag, der irgendwie so anders ist. Gleicht startet das erste Meeting, der erste Kollege kommt durch die Tür…

…wünsche allen einen tollen Start in die neue Woche!

Die Antwort liegt im Tun…

Noch Rheinsberg, 8:24, Tag 174

Heute Nacht ein heftiger Drehbuchtraum… ich habe einen behinderten Bruder, wegen eines Steinwurfes von mir vor vielen Jahren, kann er nicht laufen. Er wirft es mir indirekt, subtil immer und ständig vor. Wir fahren Auto, eine ansteigende Strasse, wir halten an einer Parkbucht, Busse halten an, fahren weiter, fahren vorbei und Wasser aus Pfützen spritzt uns an, obwohl wir hinter unserem Auto an der offenen Beifahrertür stehen. Er auf meinem Arm, ganz nah. Schliesslich machen wir unseren Frieden miteinander. Er verzeiht mir. Nein, er verzeiht wohl eher sich. Und muss pinkeln und geht dafür ausser Sichtweite. Plötzlich rollt eine Welle Polizisten an und will Fahrbahn und Parkbucht räumen, SEK in voller Montur, einer kommt auf mich zu und bedeutet mir, schnellstens loszufahren. Ich halte ein Bild von meinem Bruder hoch, sage, dass er behindert ist und ich auf ihn warten muss. Ich sehe, wie es in dem Polizisten arbeitet, wie er in Konflikt geht mit seinen Befehlen und der Situation und… wache dankbar auf!

Mein iPhone soll die Zeit nicht automatisch setzen, trotzdem hat es von Winter auf Sommerzeit automatisch umgestellt und ich bin so eine ganze Stunde zu früh wach, die ich meditierend verbringe, dazu sind wir schließlich hier. Es wird die ruhigste, konzentrierteste, leichteste Stunde… vielleicht auch, weil es die letzte Stunde, der letzte Morgen unseres Retreats ist.

Wenn wir darüber nachdenken, was wir in unserem täglichen Leben tun, sind wir immer über uns selbst beschämt.
-Shunryu Suzuki in Zen-Geist Anfänger Geist

Am Leben zu sein, heißt aktiv sein, etwas tun… und ich will noch so viel tun. Es gibt einfach so viel zu tun, die Liste ist endlos. Allein heute gibt es so viele Möglichkeiten, etwas zu tun. Viel zu oft stecke ich doch meinen Kopf in den Sand, und verdränge, dämpfe, flüchte mich in Routinen, in Zeitung, Fernseher, eher nur noch Laptop, in Arbeit, Konflikte oder reinen Aktionismus. Wenn ich nicht alleine bin, versuche ich, die Verantwortung für mein Handeln los zu werden: Schatz, was machen wir denn heute? oder Kollegen, na was liegt an? Ich merke hier, wie weit weg ich dabei von mir selbst bin… von dem, was wirklich zählt!

In dieser einen Woche hier, finde ich ein Stück zurück zu mir. Es verschieben sich die Perspektiven. Ein kleines Stück nur, aber so, dass ich es bemerke und sehr geniesse. Ich bin sehr dankbar für diese Zeit. Ausklinken, Rückzug, alle Routinen abschalten und ersetzen durch einfachste, neutrale Routinen. Selbst kochen und nur Zeit für sich haben, ohne Wellnessangebot, ohne Tisch reservieren, Weinprobe, ohne Grillabend, ohne Besichtigungs- oder Kanutouren, ohne Interaktion mit anderen, selbst ohne die Frage: Tee oder Kaffee zum Frühstück… na, dann vielleicht ein Rührei oder Spiegelei? Neeeeeeiiiin! Reset!

Ich nehme mir einmal im Jahr eine Woche nur dafür Zeit, um Antworten auf simple, kraftvolle und riesengrosse Fragen zu finden. Was ist der Sinn meines Lebens? Warum bin ich hier? Was ist mir wirklich wichtig? Was will ich noch sehen? Wie kann ich glücklich werden? Wann bin ich glücklich? Was liebe ich wirklich? Wer bin ich wirklich?

Und ich verstehe mehr und mehr, dass es darauf keine endgültigen Antworten geben wird. Es gibt nur eine Abfolge vieler, kleiner Entscheidungen: so wie die Entscheidung hierher zu fahren, hier zu meditieren und heute wieder ab zu fahren und auch wie die Entscheidung, vorher noch 10km durch kühlen Nebel zu laufen… denn die Antwort auf all diese Fragen liegt nur im aktiven Tun!

Ich danke aus ganzem Herzen Tony, dass er mir das vor sechs Jahren das erste mal gezeigt hat und mich seit dem immer wieder dazu bringt, diese eine Woche im März auch wirklich weg zu fahren. Und ich danke aus ganzem Herzen der tollsten Frau und der süssesten Tochter der Welt für ihr liebevolles Verständnis dafür!

Shoshaku jushaku…

Rheinsberg, 6:38, Tag 173

Weiter gehts! Ein Traum von einem Traum, mit einer mir unbekannten türkischen Familie im Tiergarten, der Sohnemann fühlt sich von mir provoziert und manipuliert seinen Vater mit einem klassischen Er hat die Ehre der Familie verletzt gegen mich in Stellung. Ich steh neben meinem Auto, die tollste Frau der Welt ist auch dabei. Eine Polizistin kommt angebraust im dritten Auto, um zu schlichten, und alles wird schlimmer. Die kleine Schwester des Bruders taucht auf, mischt sich ein, erklärt und beruhigt ihren Bruder. Wir regen uns alle ab, liegen uns schliesslich in den Armen, die Polizistin verschwindet mahnend… ich wache auf. 3:41 am vierten und letzten vollen Tag unseres Retreats.

Nach dem Traum bin ich nicht mehr eingeschlafen, sondern habe einen – in letzter Zeit ganz seltenen – Anfall von leichter Panik bekommen. Es ging früher und auch heute immer um meine Arbeit und Dinge die dort passiert sind. Filmisch lasse ich Meetings wiederholen, plane Szenen der nächsten Woche, führe Telefonate, erinnere Gespräche. Dann male ich mir die Konsequenzen, unseres gemeinsamen Handelns aus. Und zwar unerwartete, unangenehme Konsequenzen, das Ende von Projekten oder aufbrechende Konflikte… dabei spüre ich in die Zukunft, ahne wie es sein wird, spiele Möglichkeiten durch, male mir alles in dramatisch Farben aus. Es ist wie ein Sog, die Erregung dabei, die Aufgeregtheit, die viele Energie… ja, leichte Panik, beschreibt das wohl am Besten.

Es gibt jetzt sehr viele Dinge in meinem Leben, die mir die Angst nehmen, in der die Panik früher schwamm. Jetzt atme ich einfach, so kann ich den Film anhalten, mich des Soges entziehen, wann immer ich will. Es ist unglaublich, was so ein bisschen Meditation, kein Alkohol, kein Verdrängen mehr oder ein paar Jahre älter sein… eines davon oder alles zusammen, so bewirken können.

Die Erfahrung zu machen, dass nur der Moment zählt. Und ich meine, wirklich die Erfahrung machen… das man damit die Panik vor einer möglichen Zukunft sofort ausschalten kann. Wenn man sich nur auf sein Kissen setzt oder auch sich in sein Kissen kuschelt und nur beginnt, seinen Atem zu zählen. Das ist echt grossartig!

Und unser gestriger Tag? Viel Sitzmeditation (zusammen 170min), tolle Gespräche, herrliches achtsames Kochen…

 

 

Und heute morgen, nach der leichten Panik, nach dem Atmen, nach dem Sitzen… eine kurze Runde durch den kühlen Sonnenaufgang:

Dieses mal 20min später als gestern und alles ist ganz anders…

Wünsche Euch allen einen entspannten Start in ein sonniges Wochenende!

Anm. (24.3.12 10:42) hab grad den Titel von „Der Zenkoch…“ in den richtigen geändert…

Spiegelgleiche Weisheit…

Rheinsberg, 5:22, Tag 172

Wilde Träume! Mit meiner Familie in einem Parkhaus, ein riesiges, offenes, zerfallenes, vielstöckiges Gebäude, welches sich gleich hinter unserer Wohnung befand. Wir suchen unser Auto, geräuschlos gleitet mir irgendetwas aus der Hand, in den mittleren Schacht. Das Parkhaus ist so tief, wir hören den Aufprall nicht… wir laufen weiter, sind plötzlich Gäste einer Party, die sich gerade bildet und die Gäste sammeln sich vom Parkhaus kommend vor einer Tür. Schnitt.

Der Q-Cells Gründer sieht aus wie ein Mormone, mit ganz langem Rauschebart und tief liegenden glühenden Augen (wie sehen Mormonen eigentlich aus?). Um ihn herum 4 Kinder unterschiedlichen Alters, eine Frau. Schnitt.

Ah, ich lese den Stern, der Artikel handelt von der Verschwendungssucht der Solarbranche und deren beispiellosen Absturz von Milliardären zu Millionären, die Armen. Dann blättere ich um.

Mike Krüger ist mit Babsi Becker zusammen? Ihre künstlich mit Schminke verunstalteten, aufgedunsenen Gesichter lachen mich auf einer Doppelseite an. Blättern.

Zwei verkümmerte, eingefallene alte Menschen im Bett. Künstlerisch absolut wertvolle Fotos der Beiden… aus dieser Szene rettet mich der Wecker.

Heute bin ich wirklich sehr zeitig auf und schreibe hier vor der Meditation, gleich nach dem Duschen, so wie früher. Bin im sechsten Jahr auf diesen Retreats, habe immer vor dem Aufstehen die Träume in meine Hefte geschrieben und was mich sonst noch bewegt. Und ToDo Listen, die Rezepte und sogar ein paar Zeichnungen finden sich dort, ebenso wie kräftiges, ausgiebiges Jammern… ahh, das hat sich auch verändert, ich jammere weniger, viel weniger – denn ich lächle mehr!

Habe so zwei Stunden für mich allein, eh der gemeinsame dritte Tag des Retreats beginnt. Und habe Zeit für Morgenmeditation, Blog und für einen Spaziergang in den Sonnenaufgang, der in einer halben Stunde sein wird. Ich übe schon für die Sommerzeit.

Je ruhiger man ist, je mehr man in sich ruht, um so mehr kann man die Dinge sehen, wie sie wirklich sind. Hier werde ich ruhig. Und so komme ich in die staubigen, dunklen Ecken meiner Persönlichkeit. Es gibt kein Verdrängen mehr, wenn man nur auf seinen Atem achtet und auf einem Kissen sitzt. Und vor allem, wenn man sitzen bleibt, wenn man aufstehen will. Und wenn man nicht auf die Uhr schaut, wenn man unruhig wird. Und wenn man sich nicht bewegt, wenn man es will. Einfach sitzen bleiben, bei seinen Gedanken bleiben. Sie so annehmen, wie sie sind. Sich so annehmen, wie man ist…

Die Sonne scheint schon so warm… ich wünsche einen ganz wunderbaren Freitag!

Wunder des Lebens…

Rheinsberg, 7:03, Tag 171

Eine sehr kindlich aussehende Plastikpuppe muss aus einem Fluss gerettet werden, ich renne hinterher, verpasse sie knapp, der Boden ist lehmig, glitschig, ich renne, springe, klettere und verpasse sie immer knapp. Ein Tal öffnet sich, der Fluss verschwindet ab und zu im Boden und ich verfolge weiter die Puppe, die irgendwo dort ist. Dann ein Raum, der Fluss auch hier, eine Stelle an der man Müll aus dem Fluss fischen kann, hier muss sie sein. Ich finde sie nicht. Der Raum wird zum Bahnhof, ich steige in die S-Bahn, wir fahren los, einen Berg hoch, die Bahn nimmt Schwung, als sie es nicht mehr schafft, hakt sich das Zahnrad ein und wir knirschen den steilen Anstieg hoch.

 

Bereits eine Stunde gesessen heute morgen. Es ist interessant, wie sich alles verändert, vor allem in der zweiten Hälfte. Als ob Transformation startet und sich die Relationen von allem zu allem verändert. Zumindest spüre ich die Möglichkeit dazu.

Dabei ganz allein zu sein, wie heute morgen ist eine zusätzliche Herausforderung. Es ist niemand da, nur das eigene Gewissen, die eigene Entschlusskraft. Keine Ausrede möglich, aber auch kein Zuspruch, keine Anregung, kein Austausch… und viel Freiheit. Gibt es zu viel Freiheit?

Ich habe mein letztes Papier Tagebuch mitgenommen und lese ein wenig aus dem Frühjahr 2010, das ist erst zwei Jahre her. Es fühlt sich alles so fremd und anders an. Und dann doch das übliche, du kämpfst doch immer noch den gleichen Kampf, alles noch das gleiche. Und etwas drittes: Ah, spannender Traum, sehr kreativ. Oh, das Meeting, ja das war gar nicht schlecht… und wenn dann die Vergleiche zu heute einsetzen, klappe ich fast angewidert zu.

Wobei, habe ein Rezept vom 4.3.2010 gefunden… ich tipp das jetzt mal ab, das passt zum Retreat (btw. von 7-8 ist Pause, die ich für mein Tagebuch opfere).

Miso Suppe „Wunder des Lebens“ (für zwei Personen) 

Zutaten:

2 volle Esslöffel Tokujyo Miso Shiro „Takeya“
1 l Wasser

Zwiebel, Ingwer, Champignons (2 Stück reichen)
Trockenes Weißbrot (2 Scheiben)
Taifun Räuchertofu
Mildes Olivenöl

Zubereitung:

Das Weißbrot in kleine Würfel schneide, und in Olivenöl goldbraun braten, schon auf den Tisch stellen. Miso in Wasser auflösen, aufkochen lassen. Champignons in ganz schmale Streifen schneiden. Räuchertofu würfeln. Zwiebel auch. Den Ingwer in schmale kurze Streifen schneiden.

Alles wird einzeln angebraten und nacheinander in die Suppe gegeben. Der Ingwer kann in reichlich Öl fast frittiert werden, er löst sich dabei fast auf.  Das Öl aufheben und für ein Pfannengemüse verwenden, es ist vom Ingwer stark aromatisiert.

Wichtig ist, alles ganz langsam und ordentlich – also achtsam oder bewusst – zuzubereiten: keine Gespräche, kein Radio, Fernseher sowieso nicht. Auch keine Unterbrechungen, wenn möglich. Je mehr Zeit man sich lässt, je aufmerksamer man ist, umso besser schmeckt die Suppe.

 

Hier mal zur Illustration von gestern, was ich mit aufmerksamer Zubereitung meine. Ich hab hier keine Miso Suppe gemacht, sondern einfachen Gemüsemix für meinen Reis.

So, mit einem Bild von heute gaaanz zeitig…

Verabschiede ich mich in einen sonnigen Tag…