Was Goldman Sachs und eine ostfriesische Sparkasse gemeinsam haben…

Berlin, 7:29, Tag 164

Wieder zurück und gleich intensiv geträumt, und sehr leicht geschlafen. Ich war fest davon überzeugt, mir den Traum merken zu können… Pustekuchen!

Aber dann zeitige, lange, ruhige 40m Meditation… die war toll! Wieder nur auf den Atem konzentriert und heute mit mehr Zeit, waren so viele Gedanken die kamen und gingen und sich dabei sortierten. Ab und zu zeigt sich ein leichter Streifen von Gelassenheit am Horizont… manche Worte bekommen wirkliche Bedeutung, andere verlieren die Ihre. Mein Leben wird reicher, je mehr Optionen ich sehe.

Noch beim Aufstehen bin ich einmal durch den Facebook Stream geschwommen… ein Executive Director von Goldman Sachs hat sich mit einem offenen Brief von seinem Arbeitsplatz verabschiedet und es damit gestern auf Seite 27 der ehrwürdigen New York Times geschafft.

Er beklagt meiner Meinung nach vor allem die Gewinnfixierung der Investmentbank. Einer seiner Punkte ist, dass die Goldman Sachs eigenen Interessen und Gewinnabsichten über die Interessen der Kunden stellt. Es ginge nur noch darum, wieviel Geld sie mit den Kunden machen wollen, nicht eine Sekunde darum, wie sie den Kunden helfen können. Die Bank würde ihren Kunden solche Aktien oder andere Anlagen verkaufen, die sie selbst aufgrund zu geringer Profitabilität loswerden will.

People who care only about making money will not sustain this firm — or the trust of its clients — for very much longer.

Mir ist das wohl deshalb aufgefallen, weil ich die von ihm kritisierten Zustände Anfang der 90iger Jahre in einer ländlichen, ostfriesischen Sparkasse selbst erlebt habe.

Die Fixierung einer Bank auf eigene Gewinne und nicht auf die Maximierung des Mehrwertes für den Kunden waren mit ein Grund dafür, dass ich 1995 eine Karriere in der Sparkassenwelt aufgegeben habe. Hier ein paar Hintergründe:

Ich hatte irgendwann in 1994 die Vertretung bei der Pflege der Deckungsbeitragsrechnung einer kleineren Sparkasse übernommen. Ich war noch Auszubildender, aber weil ich mich mit Computern auskannte, durfte ich die Pflege der Open Access III (Hiess dass überhaupt so? Ich finde nichts im Web dazu. Kennt das noch jemand?) Tabellen und Datenbanken für ein halbes Jahr übernehmen.

Was haben wir dort in den Tabellen gemacht? Für jedes Produkt der Bank haben wir genau ermittelt, wieviel Gewinn über welchen Zeitraum für die Bank gemacht wird. Ich erinnere mich daran, dass wir so den Kundenberatern Vorgaben für Zielmargen gemacht haben, also wie viel Gewinn jeder zu produzieren hat, in seiner Filiale.

Das zweite war, dass wir Produktempfehlungen für Anlagen mit höheren Margen für die Berater ausgearbeitet haben: wenn ein Kunde einen Bundesschatzbrief möchte – an dem die Bank xx€/Jahr verdient – soll ihm statt dessen der vergleichbare Sparkassenbrief angeboten werden – an dem die Bank yyy€/Jahr verdient.

Wir haben sogar ausgerechnet, dass wir mit dem Verkauf von Bundesschatzbriefen, aufgrund unserer Kostenstrukturen, bereits im DB II Verluste machen, also mit den direkt dem Produkt zuordenbaren Kosten bereits einen negativen Deckungsbeitrag haben. Diese Art zu denken, sollte mir auch später immer wieder begegnen… mit der gleichen Methode errechnet man auch ganz wundersame ROIs, wenn man Banken teure IT-Projekte verkaufen möchte.

Es ging aber soweit, dass die Kunden, die trotzdem unbedingt Bundesschatzbriefe wollten, bewusst nicht darüber informiert wurden, dass diese kostenfrei bei der Bundesschuldenverwaltung hinterlegt werden können. Statt dessen sollten die Berater empfehlen, diese ins sparkasseneigene Depot zu legen. Über die dadurch anfallende jährliche Depotgebühr, könnten die achso schlechten Margen wenigstens etwas ausgeglichen werden.

Spannend ist dabei doch, dass die Sparkassen in Ihrer Satzung ausdrücklich Gewinnmaximierung als Unternehmensziel ausschließen… mir ist das als Doppelmoral negativ aufgefallen. Vielleicht aber auch nur deshalb, weil ich mit meiner DDR Erziehung, das für mich in diesen Jahren noch „neue“ System Kapitalismus aus anderen Augen betrachten konnte.

Dem Executive Director von Goldman Sachs ist nach zwölf Jahren klar geworden, was das Geschäftsmodell seiner Bank eigentlich ist! Nun versucht er einen Verfall von Wert- und Moralvorstellungen seiner Kollegen durch den – wie die ftd titelt – öffentlichen Brandbrief aufzuhalten? Ich wünsche ihm Glück, falls er sich wirklich auf diese Mission begeben haben sollte…

Euch wünsche ich einen wunderbaren Donnerstag!

3 thoughts on “Was Goldman Sachs und eine ostfriesische Sparkasse gemeinsam haben…

  1. Die moralischen Entgleisungen von GS sind ihm anscheinend erst dann aufgefallen, als das eigene Depot auf den Cayman Islands bereits ausreichend gefüllt war. Ein Schelm, wer böses dabei denkt..

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  2. daran habe ich auch gedacht, aber seine intention lässt sich aus seinen worten nicht wirklich ableiten… er scheint aber echt frustriert zu sein. und auch ich würde erst nach den bonuszahlungen kündigen, klar! 😉

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