Keine Spuren…

Istanbul, 7:55, Tag 179

Und weiter gehts, wieder ein Traum. Diesmal habe ich mich wohl mit diesem Traum von W. verabschiedet, ein Kollege der vor kurzem verstorben ist und mich die letzten Jahre bei jedem unserer Treffen immer sehr beeindruckt hat. Jedenfalls, waren wir beim ihm eingeladen und sollten weiter zu einer Spassparty nach Boliven aufbrechen. Das alles eigentlich in Hamburg, nur dass es auf einer Karte eher Borkum war und dass das Boliven hinter Groningen in Holland lag. Wir, das is eine Gruppe von vielleicht zehn Leuten, die sich auf Autos verteilen soll. Ich brauche nicht selbst fahren, mein Platz und Mitfahrer sind schon von W. festgelegt, so isser eben.

Wir gehen in die Garage, aber dort hat jemand über Nacht mit einem Ziegelstein alle Auto so demoliert und alles mitgehen lassen, was abgefallen ist, dass nur noch Autoreste zu erkennen sind. Wir können den Bus der Firma nehmen, statt jetzt kurzfristig und teuer etwas zu mieten und ich biete an, weil ich nicht trinke, die Rückfahrt zu übernehmen, schliesslich habe ich einen P-Schein. Ich laufe auf Toilette, will mich umziehen und stehe plötzlich nackig zwischen all den Leuten und renne peinlichst berührt schnell zurück, um meine Sachen zu holen und wache eine halbe Stunde vor dem Wecker – irgendwie gerührt – auf…

Heute komme ich noch mal auf meine kleine Pferde Serie zurück, denn ich habe vorgestern im Flieger noch einen Abschnitt bei Suzuki gefunden, der auch hier her gehört, vielleicht bildet sich damit ein Abschluss. Es geht in dem Kapitel Keine Spuren darum, was ich gerne undichte Handlungen nenne, also um die Intention, die Absicht hinter einer Aktion, die uns oft nicht bewusst sind. Suzuki spricht davon, dass solche undichten Aktionen, die eine versteckte selbstbezogene Absicht haben, immer eine Spur oder einen Schatten hinterlassen.

Der Absatz passt so sehr zum Pferde Thema vom Montag und dem sich anschliessenden über Unvollkommenheit vom Dienstag, dass ich ihn ganz zitieren möchte:

Oft denken wir, was wir getan haben, sei gut, aber vielleicht verhält es sich gar nicht so. Wenn wir alt werden, sind wir oft sehr stolz auf das, was wir vollbracht haben. Wenn andere zuhören, wie einer mit Stolz von den Dingen erzählt, die er getan hat, haben sie ein komisches Gefühl, denn sie wissen, dass seine Erinnerung einseitig ist. Sie wissen, dass das, was er ihnen erzählt, nicht genau das ist, was er getan hat. Außerdem, wenn er auf seine Taten stolz ist, wird dieser Stolz ihm selbst ein Problem schaffen. Wenn er seine Erinnerungen auf diese Weise ständig wiederholt, wird seine Persönlichkeit immer verdrehter, bis er ein unangenehmer, sturer Kerl geworden ist. Das ist ein Beispiel dafür, wie das Denken eines Menschen Spuren hinterlässt. Wir sollten nicht vergessen, was wir gemacht haben, aber es sollte ohne zusätzliche Spur sein.

Sich selbst bewusst sein, ist etwas anderes als selbstbewusst sein. Diese Erkenntnis begleitet mich schon etwa 15 Jahre, also schon weitaus länger, als ich mich mit buddhistischen Denkmodellen beschäftige. Aber sie enthält genau den gleichen Punkt.

Mich an meine Vergangenheit, an meine Erfolge und Misserfolge, also mich an meine Taten zu erinnern, ist die eine Sache. Aber ich brauche meine Vergangenheit nicht zu benutzen, um meine Identität zu rechtfertigen oder mein Handeln im Heute zu begründen.

Aber genau das hält unsere Gesellschaft heute für Selbstbewusstsein und fördert und belohnt solch ein Verhalten. Ich halte das für selbstbezogen, für egoistisch und für überflüssig. Es hat nur sehr indirekt etwas mit dem aktuellen Moment, der aktuellen Situation zu tun.

Immer wenn ich ein: Das haben wir immer schon so gemacht oder ein Darin habe ich jahrelange Erfahrungen und ähnliches höre, werde ich sehr aufmerksam und frage nach, fordere heraus und stelle in Frage. Solche Sätze deuten immer auf undichte Handlungen. Auf Aktionen mit einer versteckten, heimlichen Absicht, einem Hintergedanken und immer verursachen sie damit mehr Probleme, als sie lösen. Sie verkomplizieren das Leben.

All das, was wir heute hier tun wollen, bedarf keinerlei Begründung oder gar einer Rechtfertigung aus der Vergangenheit… das ist vergangen und vorbei. Die Bedingungen im Heute sind definitiv völlig andere, als in der Vergangenheit. Auch wenn sie uns noch so bekannt oder vertraut vorkommen sollten.

Wünsche Euch einen wunderbaren Tag… mit Sonne im Herzen und auf der Haut!

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