Wie ertappt…

Istanbul wieder im Regen, 7:32, Tag 189

Heute geträumt, aber beim Aufwachen nichts notiert und wie fast immer, war nach Dusche und Meditation alles verschwunden. Nur ein Gefühl ist geblieben. Genau, wie in den letzten Nächten. Ein beobachtendes, abwartendes Gefühl, als ob es nicht meine Träume sind…

Habe grade ein paar Themen, über die direkt zu reden, ich hier ausspare. Über die ich denke, nicht wirklich schreiben zu können. Sie sind scheinbar nicht fertig gefühlt, gedacht. Vielleicht kommt daher das abwartende Gefühl beim Aufwachen?

Es gibt viele Signale, die mir den Weg zeigen, die mir zeigen, dass und wie ich etwas ändern kann, das etwas Tun, das einfach Anfangen ausreicht.

Und eigentlich schreibe ich schon jetzt über das Ausgesparte, das Peinliche, das Sorgen machende, über Ängste, Befürchtungen, über die dunkle Seiten. Aber sagen wir einfach so: es gibt immer ein, zwei Dinge, die mich mehr als andere beschäftigen.

Ich merke das immer dann, wenn sie wieder und wieder kommen und ich mich darin einstrudeln, verlieren möchte – in Gedanken, ohne wirklich etwas zu tun. Wenn das schlecht fühlen stärker und stärker und das Tun, das Anfangen immer wieder aufgeschoben wird.

Hier beim Frühstück im Durak Büfe starren die Gäste und Servicekräfte mich alle ständig an. Nein, sie starren natürlich nicht mich an, denn schräg über mir hängt ein Flachbildschirm an der Wand. Ich sitze so schräg unter ihm, ich kann die Wandhalterung sehen.

Es läuft atv mit türkischen Nachrichten, die von den Aussenreportern geschrien und von den Nachrichtensprecherinnen gesäuselt werden. Seriös klingende Off-Sprecher kommentieren die sich ständig wiederholenden, von Überwachungs- oder Handykameras aufgenommen Live Bilder der Unfälle des gestrigen Tages. Wenn Werbung kommt, gibt’s anregende Musik.

Oft schauen viele der hier Anwesenden starr, versunken, abwesend, fast schon süchtig auf die Bilder an der Wand, und damit auch auf mich. Sie kauen, sie servieren Tee, sie bezahlen, sie lassen zahlen. Sie sitzen und schauen, oder sie gehen und schauen mit sich verdrehendem Kopf. Die Augen sind so starr, wie das Kanonenrohr eines Panzers, der das Ziel fixiert, während er durch unwegsames Gelände schaukelt.

Da ich schräg darunter sitze, schau ich öfter einfach zurück. Wie ertappt –  kehren die Menschen zu sich selbst, zu ihren eigentlichen Beschäftigungen zurück. Sie wenden sich wieder dem Gast, dem Gegenüber, dem Essen zu. Oder sie schauen – leicht schuldbewusst – erst mal weg. Wenn meine Aufmerksamkeit sich wieder abwendet, ich mich wieder in mein Laptop hier versenke, dann fängt das Starren wieder an. Ich spüre es, ohne selbst hinzuschauen, sehe im Augenwinkel, wenn es wieder los geht.

Und genau so ist das auch mit meinen Gedanken zu den Themen, die mich nicht loslassen. Ich bin wie erstarrt. Ich starre auf die sich ständig wiederholenden Bilder in meinem Kopf, ich höre das Geschrei, höre das Gesäusel, lausche den seriösen Kommentaren und der verführerischen Musik. Ich kann mir nicht erklären, warum mich das so fasziniert, was mich so in seinen Bann zieht. Ich bin wie betäubt, in passiver Starre.

Manchmal bemerke ich dann, dass es doch nur inneres Fernsehen ist. Dazu reicht schon, mir selbst kurz in die Augen zu schauen. Und wie ertappt – kehre ich zu mir selbst, zu meinem Leben zurück.

Wünsche einen tollen Ostermontagmorgen!

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