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Kritik ist, was man draus macht…

Istanbul, 7:15, Tag 194

Tiefer traumloser Schlaf bis zum wach werden ohne Wecker zur üblichen Zeit… bin noch müde, mir fehlen 2h Schlaf. Aber zum Glück ist ja Wochenende.

Gestern vormittag ein tolles Arbeitsmeeting, aber der ganze Tag war irgendwie noch bestimmt vom Nachgefühl des Vortrages, auch weil dann schon am Flughafen ein kritischer Kommentar hier meine Motivation kräftig angekurbelt hat. Irgendwie hat mich das herausgefordert.

Ich wusste erst gar nicht, wie ich reagieren sollte. Der Kommentar ging mit der Vergabe von einem Bewertungssstern (very poor) zu den Artikeln über den Vortrag einher (was ja egal ist, da wir hier nicht bei eBay sind;). Ich empfand das erst mal als negativ-kritisch, fast schon leicht trollig.

Ich habe den Kommentator so verstanden, dass mein Vortrag kaum Bezug zum gewerblichen Rechtsschutz, also zu Patentinformationen gehabt hätte. Tja, da wurde ich wohl missverstanden, denn ich denke ja eher, dass der gewerbliche Rechtsschutz selbst heute nichts mit dem Social Web zu tun hat.

Ich hab sofort – kurz vorm Boarding – in diesem Sinne eine spontane Antwort geschrieben. Und ich hab Lust, hier nun noch ein mehr dazu zu schreiben:

Denn so ist das, wenn man im Web publiziert, man setzt sich natürlich quasi öffentlicher Kommentare/Kritik aus. Kritik ist an sich etwas Neutrales, ein Kritiker kann loben oder tadeln. Und was manchen vielleicht als ein Nachteil erscheint, ist ein Vorteil für den Kommentator.

Ich habe dabei die Erfahrung gemacht, das die von Kritikern gesendeten Informationen in den aller meisten Fällen nichts mit (mir) dem Empfänger der Botschaft zu tun haben, sondern rein aus der subjektiven Wahrnehmung des Senders entspringen und die kann ich – wenn überhaupt – nur sehr marginal beeinflussen.

Aber dadurch, dass ich die sozialen Objekte ‚Blogartikel‘ hier im Web publiziert habe, lade ich jeden, der Lust dazu hat, über deren Funktionen: Like, Vote, Share und Comment ein, mit mir zu kommunizieren.

Dazu kommt ein weiterer Vorteil. Der Kommentator braucht sich nicht während oder nach dem Vortrag persönlich zu melden und so seine Identität preisgeben. Übrigens, weil ich das bewusst hier so erlaube – ist ja mein Blog – um genau eben solche Erfahrungen machen zu können.

Das was dem Kommentator zum Vorteil gereicht ist auch für mich ein Vorteil, denn ich würde diesen Kommentar ja gar nicht erhalten haben, wenn ich nur authentifizierte Nutzer zulassen würde. Dabei weiß der anonyme Kommentator, dass ich von allen Teilnehmern des Vortrages den Namen  und die Firma kenne. Und vielleicht hat er sich sogar mit einen der zahlreichen Diskussionsbeiträge während oder nach dem Vortrag eingebracht.

Das bringt mich aber zu einer der Fragen beim Vortrag:

Welche Nachteile/Vorteile können sich für Unternehmen ergeben, deren Mitarbeiter sich in der Crowd engagieren?

Ich sehe hier die Gefahr, dass Mitarbeiter (ungewollt) internes, nicht veröffentlichtes KnowHow anderen Teilenehmern der Crowd offenbaren, und dieses KnowHow für den patentrechtlichen Schutz dann „verbrannt“ ist. Wie schätzen Sie dieses Problem ein?

Meine Antwort war vorgestern und ist heute: Ja, diese Gefahr besteht.

Das klingt natürlich so, als ob ich die Frage übergehe, sie nicht oder nicht ausreichend beantworte. Ich habe die Frage, und damit den Fragenden, ja tatsächlich nicht ausreichend gewürdigt. Und ja, das liegt wohl unter anderem daran, dass ich eben kein Patentanwalt bin, sondern ein Experte für Patentinformationen (aber auch kein Experte für Vorträge, Podiumsdiskussionen oder Fragen;).

Auch die rechtlichen Aspekte und Hintergründe dieser Frage kenne ich einfach nicht gut genug und genau aus diesem Grund stand ein Patentanwalt mit mir vorn am Mikro, der das Publikum durch seine Frage auf diesen wichtigen Punkt aufmerksam gemacht hat.

Ich erinnere mich, dass ein Teilnehmer in der Diskussion ergänzte, dass die Geheimnisse immer von den Mitarbeitern verraten werden und nicht durch die Tools. Auch ich bin überzeugt, dass immer Gefahr besteht, dass internes Know How anderen zugänglich wird, wenn man sich nicht informiert, trainiert und geeignete Maßnahmen zum Schutz sensibler Informationen ergreift.

Ebenso erinnere ich mich, dass ein ander Teilnehmer in der anschliessenden Diskussion eingeworfen hat, dass die Einführung eines begrenzten Neuheitsschutzes (wie in den USA oder bei den Geschmacksmustern) diesem Problem der vorzeitigen Offenbarung/Veröffentlichung von Details eigentlich schutzwürdiger Erfindungen abhelfen würde. Aber auf diese Antwort wäre ich nicht gekommen, bin ja kein Anwalt.

Aber ich habe grade eben in der Beschäftigung mit dem Kommentar sehr viel gelernt:

1. wie wichtig die richtige Vorstellung meiner Person ist, und zwar nicht nur, wer ich bin und was ich kann, aber auch den Mut zu finden, die Felder zu nennen, in denen ich mich nicht oder nur sehr oberflächlich auskenne.

2. wie wichtig die ausführliche Abstimmung, Vorstellung der Ziele und Inhalte einer solchen Veranstaltung ist und wie wichtig ebenfalls ist, diese auch ernst und sich selbst zurück zu nehmen und hinter die Ziele zu stellen.

3. dass erst in der anschliessenden Diskussion um unterschiedliche Meinungen das größte Potential für Erkenntnisgewinn bei allen liegt, auch in einer möglichen Diskussion hier. Und

4. die wichtigste Erkenntnis für mich: entweder werde ich in Zukunft einen Vortrag halten oder aber an Podiumsdiskussionen teilnehmen. Mix ist Murx, etwas dazwischen gibt es einfach nicht!

Wir beide, aus unterschiedlichen Fachrichtungen kommend, hätten ohne Moderator, der neutral die Fragen zum Thema stellt, überhaupt keine Podiumsdiskussion führen können. Dazu sind unsere Persönlichkeiten, Erfahrungen und Vortragsstile viel zu unterschiedlich.

Und jetzt weiss ich auch auch, was mein Disputant damit gemeint hat, als er nach dem Ende zu mir sagte: ich sei viel zu schnell. Danke für das Feedback, danke fürs Aushalten und Ruhig bleiben! Und auch danke für den herausfordernden Kommentar, wer immer den schrieb.

Nun, nach dem ihr mir beim Denken zuschauen konntet, nun noch ein paar Bilder vom Heimflug gestern. Hier das erste von der Besucherterasse des Münchener Flughafens.

Dank eines netten Busfahrers, konnte etwas näher ran an den Flieger als eigentlich erlaubt und dieses Bild von der Nase eines kleinen A320 machen.

Und dann der Sonnenuntergang über München beim Steigflug.

Und mit einem Sonnenaufgang hier in Istanbul…

…verabschiede ich mich lächelnd in den Samstag.

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