Berlusconi, Tim Berners-Lee und ein Porsche…

Lyon, 6:22, Tag 199

Heute Nacht entwickelte ich Marketingkampagnen für Mercedes-Benz, kriege ein neues Telefon in meiner Wohnung, sitze auf nem Klo, Handwerker kommen. Dann wollen wir los, Sachen verkaufen. Ich laufe einen Weg entlang, dabei dämmert es, wird dunkler und dunkler. Ich werde müde, sehr müde, schleppe mich den Weg entlang, ziehe mich an Büschen und Gras weiter, und bin unendlich müde. Schnitt. Ein Babysitter kommt, ein Bagger, baggert an der Böschung neben einer Strasse und dann weiter viele Meter unter die Strasse. Laufe nach Hause, steige über ein umgefallenes Hochspannungskabel, der Rest geht in einem Albtraum unter. Wache munter und irgendwie distanziert auf.

Bin das erste mal auf einer Dresscode: Informal Konferenz. Hier sind die meisten Leute, also bis auf die Standbetreuer und einige der VIPs ganz ’normal‘ angezogen. Gehört sich auch so bei einer Webkonferenz, aber ist wirklich angenehm.

Und noch was, die Konferenz hier heisst: dab, dab, dab 2012  und nicht weh, weh, weh 2012 oder doublejuh, doublejuh, doublejuh 2012.  Ist für die echten Nerds unter Euch jetzt ein ganz alter Hut, weil die Konferenz sicher eh keine Rolle spielt oder so, aber ich fand diese Erkenntnis bei der Eröffnung gestern am überraschendsten.

Der Bürgermeister von Lyon sieht aus wie Berlusconi, scheint aber echt verstanden zu haben, dass er mit einem klaren Bekenntnis zum Internet: Breitband für alle und car2go oder Velo’v Angeboten die Attraktivität seiner Stadt relativ günstig enorm steigern kann.

Doch dann kam Tim Berners-Lee, der die erste Keynote der Konferenz hielt. Etwas zerstreut, aber auch dadurch sehr sympathisch.

Seine Themen waren gute Architektur des Webs mit mobilen Web Apps, deklarativen Programmiersprachen und dass technische Architekturen und dass technisches Design auch immer soziales Design ist.

Technical architectures and technical designs are social design.

Es gibt Untersuchungen über die Modularität und Architektur grosser Softwareprojekte, bei denen sich heraus stellte, dass sie der Projekt-/Organisationsstruktur der Erzeuger entsprach.

Er ruft dazu auf, dass wir dafür kämpfen, dass wie vollen Zugriff auf unsere Computer behalten und sie uns nicht zu Kühlschränke machen lassen, also dass wir als Nutzer Zugriff auf die gesamte Power und alle Funktionen erhalten und installieren können, was immer wir wollen und nicht, was den Regeln der Hardware und Betriebssystemhersteller entspricht.

We have to fight for the general purpose machine, not a refrigerator.

Dann ein längere Teil über Privatsphäre und  Vertrauen im Web, welche Strukturen und Probleme er sieht. Ein Problem der PKI’s im Web, dass er die Institutionen nicht kennt, denen er vertrauen soll.

I don’t trust the instituion in the chain.

Dass eventuell soziale Netzwerke ein Ausweg sind, weil sie die natürlichen Beziehungen der Menschen, die sich untereinander vertrauen, abbilden. Er positionierte sich sehr klar gegen eine Vorratsdatenspeicherung durch staatliche Organisationen:

Don’t collect by default, this is too dangerous.

aber ein paar Minuten später auf eine Publikumsfrage:

Say goodbye on locking down data: this is gone!

Was mich begeistert hat, dass er eben immer auch die andere Seite beleuchtet, also eigentlich die Überwindung der Dualität propagierte oder anders gesprochen, sich nicht auf eine Seite stellte. Vielleicht macht das auch seinen Erfolg oder ist mit ein Grund für seine Bekanntheit.

Ok, aber nun zum Schluss dieses Postes (ich sitze schon im grossen Amphietheater und versuche der ersten Keynote des Tages Chris Welty, einem der Mitarbeiter am IBM Watson Projekt, über einen Jeopardy spielen kann), noch ein drei Eindrücke aus dem Rückweg von der Konferenz.

Das hier ist übrigens ein seltener und heute sauteurer Oldtimer. Porsche 1600 Super steht hinten drauf, die sind zwischen 1948 und 65 gebaut worden, sagt Wikipedia. Direkt vor mir, fuhr ihn ein älterer Herr gerade in seine Garage.

Und mit diesem tollen Auto verabschiede ich mich seelig lächelnd in den Freitag…

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