Über die Überwindung von Angst…

Berlin, 7:14, Tag 206

Heute erinnere ich mich nicht an meine Träume. Hab mich auch nicht wirklich beim Aufwachen daran erinnert. Bin zeitig ins Bett gestern, nach wieder mal wunderschönen ruhigen Abendstunden mit der tollsten Frau. Und da die süssteste Tochter grad bei Oma und Opa ist, geniessen wir doch sehr unsere seltene Zweisamkeit…

Grade kam Tischler Richard hier ins Blinis und sofort war Abschied das Thema. Verluste und Trennungen sind einerseits sehr schwierig und schmerzhaft, andererseits aber immer auch befreiend. Richards Werkstatt, seit 17 Jahren hinterm dem Finanzamt hier in Kreuzberg, musste er aufgeben. Aufgrund des Miet- und Investmentpokers der im Kiez gerade stattfindet, hat der Senat plötzlich doch andere Pläne mit dem Gelände. Ich glaube, ich habe die letzten Bilder dort gemacht. Seine neue Werkstatt in Tempelhof habe ich noch gar nicht besuchen können.

Dass er die Rednerpulte der Bundesministerien und -regierung macht und ich in diesem Jahr ja einige, viele Vorträge und Reden gehalten habe ist eine sehr spannende Verbindung, die ich eben erst entdeckt habe. Irgendwann wird er mir vielleicht ein Pult machen… 😉

Über eine andere Verbindung – er fährt ja einen 50 Jahre alten schwarzen Benz, und ich – etwas jünger – fahre einen 13 Jahre alten, aber ebenfalls schwarzen, Benz haben wir uns überhaupt erst getroffen.

Und auch erst heute morgen habe ich entdeckt, dass uns der Abschied von grossartigen Menschen verbindet, denn mit beruflichen Veränderungen gehen immer auch persönliche Abschiede einher. Unsere Anhaftung an Dinge, Personen, Konzepte, Idee und Rituale verursacht viel Schmerzen und Leid. Immer dann, wenn wir merken, dass wir nichts festhalten und bewahren können.

Diese Erfahrung des Verlustes verbindet uns übrigens mit allen Menschen, jeder kennt das und jeder das hat schon erlebt. Ich bemerke in Momenten des Abschiedes, dass das Wesen der Natur, meiner mich umgebenden Welt beständige Veränderung ist.

Und dann fühle ich Angst.

Angst vor dem Neuen, dem Unbekannten, vorm Alleine sein und vorm Zusammenbrechen von allem, was mir heute so wichtig ist, mir meine Identität zu geben, was mich auszumachen scheint. Ein und Ausatmen, lächeln hilft mir dann sehr, mich nicht in dieser Angst zu verlieren. Denn sie ist ein schlechter Ratgeber. Sie kostet vor allem mehr Energie, als sie jemals erzeugen kann. Wenn wir aus Angst heraus handeln, ist unsere Energiebilanz negativ. Wir brauchen dann anderen Menschen. Wir brauchen dann unbedingt dieses Ding, diesen Drink, die nächste Zigarette, ein ordentliches Steak, diesen Job, diesen Auftrag, den einen nächsten Kunden, oder dieses Haus, dieses Auto, dieses Laptop, genau diese Frau, dieses irgendwas irgendwen irgendwo, sonst… ja, was sonst?

Gestern sprach ich mit einem, bei dem ich das Gefühl habe, nicht der einzig Verrückte auf der Welt zu sein. Und ich sprach gleichzeitig mit jemandem, bei dem ich das Gefühl habe, nicht der einzig Normale auf der Welt zu sein. Es gibt Seiten in mir, die in der Lage sind, die Ebene der Anhaftung an Konzepte, an Form wie die Buddhisten sagen, zu verlassen. Es gibt eine Seite, die realisiert, wie viel mehr es noch gibt, dass es immer noch etwas gibt, was über diese Furcht hinaus geht. Und immer wenn ich mit dieser Seite in Kontakt bin, dann fühle ich mich glücklich und frei und fang ganz von alleine an zu lächeln…

Wünsche einen schönen Guten Morgen!

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