Monat: Mai 2012

tagebuch

Aus Angst wird Mut…

Berlin, 6:20, Tag 241

Wieder zurück schrieb Åsmund mir aus der Seele! Bin so unzufrieden eingeschlafen und habe geträumt von norwegischen Holzhäusern und einem Gehöft daneben, darin ein Co-Working Space, von Konzerten in Google+ Hangouts und von Investoren. Bin ganz unruhig aufgewacht…

Manchmal glauben Menschen, allein von ihrem Besitz leben zu können. Dann glauben sie, einen Anspruch zu haben an andere Dinge, an andere Menschen und verlangen, Zinsen zu erhalten. Sie glauben, ihnen steht das einfach zu und dass es doch immer schon so war und gar nicht anders geht. Sie denken, dass diese Regeln für sie gemacht worden sind und dass sie allein deshalb Recht haben. Alles was sie können und haben und sind, scheint ihr Besitz zu sein, über den sie frei zu ihrem alleinigen Wohle verfügen wollen. Sie geben etwas nur mit der Absicht, den eigenen Besitz zu mehren. Denn ihr Ziel ist dann einfach ein bequemes, sorgen- und arbeitsfreies Leben. Sie wollen eine Zukunft, basierend auf dem in der Vergangenheit erworbenen Besitz. Alles was davon ablenkt, wird dann bekämpft. Alles was es unterstützt, wird gebunden.

Manchmal bedeutet der Besitz von Dingen ihnen auch etwas ganz anderes. Das Konzept, des etwas Besitzen zu können ist dann einfach nur praktisch, sie leiten dann keine Ansprüche an Andere und an Anderes daraus ab. Es entstehen nur Ansprüche an sich selbst, an ihr eigenes Handeln. Immer dann wissen die Menschen, dass alles im Leben sehr zerbrechlich ist und sich jederzeit alles ändern kann. Und dann können sie Geben ohne Absicht. Dann ändern sich auch die Ziele. Dann ändern sich die Bewertungen und Bedeutungen. Sorgen, Unbequemlichkeit und Arbeit verschwinden plötzlich von allein. Der Sinn ist zu Suchen, das Ziel liegt im Jetzt. Alles was davon ablenkt, gehört dazu. Alles was es unterstützt, wird gebunden.

Ich habe manchmal solche Angst vor anderen Menschen! Und ich spiele mit dem Feuer, das hier zu schreiben und auch gleich aufzustehen und raus zu gehen. Ich will in meinem Zimmer sitzen bleiben, für immer! Und ich weiss, dass ich gerade jetzt wirklich lebe, wenn ich genau das fühle. Immer wenn die Angst am größten ist, ich gar nicht mehr will, immer wenn sich alles in mir sträubt, dann schwingt das Pendel auch schon wieder zurück. Und dann kommt die Nähe, die Freude und Liebe, dann spüre ich Vertrauen… das Warten darauf ist die Hölle!

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Noch ein Reisetag…

Immer noch Istanbul, 6:01, Tag 240

Heute Nacht geträumt von offenen Räumen in denen gearbeitet wurde. Wir diskutierten und wollten eine neue Anwendung entwickeln, jemand brauchte dazu Windows 7. Es sollte installiert werden, per Softwareverteilung, natürlich nicht auf Macs. Ich fühlte mich ausgeschlossen und bin erst mal aufs Klo in ein grossen Raum mit abgetrennten Abteilen, das Klopapier waren grüne grosse Zettel. Man war hier nie alleine. Wie ich Ferienlager und Wohnheime dafür hasste. Dann aber eine ganz lustige Musikeinlage: Western mit einem alternden Star. Die tollste Frau der Welt sollte tanzen und zierte sich. Gerade als sie doch richtig loslegen wollte, musste ein Truck durch den Raum eine Rampe hoch fahren. Kein Witz! Ich habe während des Tanzes meiner tollen Frau einen grossen Truck durch den Raum fahren lassen in meinem Traum und bin inmitten dieser Szene eine Stunde vor dem Wecker aufgewacht…

Gestern lagen die Ereignisse eben nicht vorher fest. Erst eine Stunde, dann zwei Stunden, dann in den Bus, dann wieder raus aus dem Bus, dann Warten, dann 3 Stunden Verspätung. Viele andere Flüge wurden nach vielen Stunden des Wartens dann doch gecancelt. Viel Chaos, weil die Angestellten des türkischen Flughafens und die Piloten für ihr Streikrecht streikten. Es sollte ihnen gestern im türkischen Parlament wohl genommen werden, so jedenfalls meine Interpretation der türkischen Aufgeregtheit. Es sollen sogar 150 Streikende per SMS gefeuert worden sein. So anstrengend ich die Auswirkungen finde, so wichtig finde ich ein Streikrecht. Auch für alle Angestellten eines Flughafens oder Airline. Vor allem hier in der Türkei.

Aber dank Frequent Traveller Status konnten wir eh die meiste Zeit des Wartens in der zwar übervollen, aber immerhin in der Lounge verbringen und dank einer grossartig kämpfenden tollsten Frau nach drei h Ungewissheit sogar auf heute umbuchen. Während ich und alle anderen Ausländer auf englisch zu hören bekamen: we cannot transfer your ticket, if your flight is not cancelled haben sie ihr nach einem charmanten Wortwechsel in höheren Tonlagen natürlich unsere Tickets kostenfrei umgebucht. Krass! Und unser Flieger ging statt um 11 dann abends um 6… ohne uns.

Nun denn, gleich gehts los zum zweiten Versuch. Und noch sieht alles super aus.

Wünsche allen einen grossartigen Mittwoch.

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Tiefe Wolken ziehen schnell vorüber…

Noch Istanbul, 7:29, Tag 239

Heute habe ich mich bestimmt zehn Jahre zurück geträumt. Ein Hof voll vieler Menschen, für die ich mit verantwortlich gemacht worden war von meinem damaligen Partner. Ich bewege mich zwischen den sich unterhaltenden Gruppen hindurch. Keiner stellt mich vor, alle wissen wer ich bin, welche Rolle mir gegeben wurde, niemand kennt mich. Ich kenne nur die Namen, nicht die Gesichter. Dann in der Wohnung einer jungen Frau aus der Gruppe, rund, aus Glas in einer kleinen Stadt. Ich soll das Auto nehmen, um etwas zu holen. Fahre mit dem kleinen Wagen, bemerke Abstands und Spurassistenten und spiele damit herum. In Kurven ohne Standstreifen muss ich korrigieren, den Abstand kann er von alleine halten, verwirrt mich mit der Warnung vor zu nahen Autos hinter mir. Aber kein Navi. Wie soll ich zurück finden? Ich habe sogar den Namen der kleinen Stadt vergessen, dann angerufen und froh doch erinnert… ich finde den Weg und wache eine halbe Stunde vor dem Wecker auf.

Heute ist Reisetag, mit der ganzen Familie nach Berlin zurück. In wenigen Minuten müssen wir los.

Und es ist wieder mal so viel Widerstand in mir. Ich sehe zu viel. Ich will einfach nichts wissen und nichts wollen! Mich einfach treiben lassen. Bei mir bleiben, ruhig bleiben, nicht gleich reagieren, nichts sagen, nichts denken. Und es geht nicht. Gerade an Reisetagen geht das nicht. Die Uhr tickt unerbittlich. Die Abfolge der Ereignisse liegt vorher fest oder auch nicht. Tiefe Wolken ziehen schnell vorüber. Lächeln und zum Atem zurück kehren. Ein schöner Dienstag!

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Pfingsmontagstagebuch…

Istanbul, 7:59, Tag 238

Heute Nacht habe ich wohl aus Versehen eine Friseurin eingeladen, jedenfalls lief sie mir aus dem Laden hinterher. Das war wohl falsch, denn ich telefonierte mit der tollsten Frau, die nur schweigt. Immer wenn ich denke, sie hat aufgelegt, sagt sie doch noch was, um mich weiter anschweigen zu können. Es ist traurig. Dann sitze ich in der Bahn nach Hause, in das ich grade eingezogen bin, und erkenne Twitterer, die auch auf der re:publica waren und fange ein steifes Gespräch an. Fühle mich viel älter. Ich komme nach Hause, etwas ist komisch. Ich will Tee kochen, will die Nachbarn begrüßen, da bemerke ich Sand im Ausguss, jemand hat Sand in den Ausguss geschüttet. Dann sehe ich im Bad, dass nur noch eine halbe Badewanne da ist, jemand hat die halbe Badewanne geklaut, längs durchgeschnitten. Die Nachbarn können mich nicht leiden und mobben mich, wie sind sie in die Wohnung gekommen? Ich öffne die Flurtür, schaue mich um, sehe die Twitterer wieder, lade sie ein, versuche das verkorkste Verhältnis irgendwie zu reparieren. Als ich merke, dass es sinnlos ist, wache ich auf… aus dem Albtraum!

Gestern vormittag Jahresabschluss an der Vorschule meiner süssen Kleenen mit anschliessendem Kinderfest. War’n die alle aufgeregt und glücklich und die Lehrerinnen ganz wehmütig.

  

Nachmittags dann Abschluss meines Besuchsprogramms, ganz ruhig in Beyoğlu rumspaziert, den Ausblick vom Galataturm genossen, Fisch gegessen und Tee und O-saft und Wasser am Golden Horn getrunken und dann über das irre Gewusel der Istiklal Caddesi zurück. Noch ein Simit und ’nen Tee im Park auf dem Taksim, dann herrrrrrliches Kebap in Levent genossen. Um 10 danach Verdauungspaziergang durch den Kanyon.

  

Es hat geregnet, die ganze Nacht, um 6 ziehen Wolken schnell vorbei, die Sonne strahlt. Heute habe ich frei!

  

Wünsch einen tollen Start in die neue Woche und frohe Pfingsten!

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Sonntagspausenpost…

Istanbul, 7:53, Tag 237

Heute habe ich eine neue Fahrradkette aus Soff gekauft, viel leichter 69,99€, das alte schwere Schloss war weg. Dann bin ich Zug gefahren. O. arbeitete jetzt für jemanden den ich von früher kenne. Er konnte mir nicht mehr in die Augen schauen. Aber die Entscheidung war getroffen, der Jemand fragte mich über meine Meinung und fand die seine wohl bestätigt. M. aus Hamburg spielte mit zwei weisse Mäusen, eine davon krabbelte über seine Schulter aus dem Fenster, nach draussen. Alle andern waren froh, dass dies ihnen nicht passiert ist… ich wache auf.

Wünsche einen tollen Sonntag!

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Zwischen den Welten…

Istanbul, 7:34, Tag 236

Meinen Aufwachtraum hab ich noch, der davor ist verschwunden. War zu Besuch bei einer jungen Familie mit Baby. Ich stand im Flur und wurde ge*pssssst*, die Mutter würde das Kleine grad ins Bett bringen. Ich sah durch den Flur die mit einem Spalt geöffnete Kinderzimmertür. Nach ein paar Minuten kamen raus und alle begannen Krach zu machen, dass es mich wunderte. Eine Party startet. Eine übertriebene Vorsorge auf der einen, eine unheimliche Sorglosigkeit auf der anderen Seite, mit dem Gefühl wachte ich auf…

Gestern war schön und anstrengend, sind leider ein ganz klein wenig zu spät zu Blauen Moschee gekommen, haben uns dafür später dann die ebenfalls sehr beeindruckende Neue Moschee an der Galata Brücke angeschaut. Die Zisterne, unser Mittagessen, die Wasserpfeife, der Grand und Spice Bazaar, die Bootsfahrt zum Abendessen, das Essen selbst… irgendwie hat alles geklappt. Ein paar wenige Bilder hier noch, dann Frühstück, dann geht’s los in den Tag Zwei!

 

  

 

Wünsche einen tollen Start in Euer Wochenende!

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Ohne Widerstand…

Istanbul, 7:57, 235

Krass, heute hatte ich keinen Zugang zu meinen Träumen. Ist der dritte Tag in Folge mit 2-3h zu wenig Schlaf, es gibt einfach zu viel zu tun als ein Ergebnis, habe ich hier gestern echt fünf Posts rausgehauen – oha!

Nachher geht’s los mit der Drei Tage Istanbul Tour. Bin ruhig und aufgeregt zugleich, fühle mich verantwortlich und herausgefordert…

Gestern Abend war ich mit ganz lieben Bekannten aus Berlin noch im Sunset, einem echten Schickimicki Laden voller internationaler Geschäftsleute und lokaler B-Promis, die Damen fast alle extremst aufgestylt – Istanbul eben! Die Küche ist mehr als fantastisch, aber auch ziemlich teuer, hier wird das Publikum über den Preis differenziert.

Dabei ist der Ausblick grandios: auf den Bosphorus genau zwischen den beiden Brücken gelegen. Wer das edle, schöne, reiche Istanbul erleben will, der sollte hier unbedingt hier einen Tisch reservieren (lassen).

Neben den ganzen touristischen Aktivitäten ziehen wir im Netz – voll in der Cloud – eine neue Entwicklungsumgebung hoch und richten uns gemütlich ein.

Hier werden wir uns bis zum Jahresende tummeln und viel Zeit verbringen und hoffentlich sehr schnell Fahrt aufnehmen können. Wir haben ein Riesending vor uns und können jede Welle, jeden Ruderer, jeden Windstoss, jeden Sonnenstrahl gebrauchen, um ordentlich und noch mehr Fahrt aufzunehmen. Unsere ganzen Ansätze, Vorarbeiten, Ideen des letzten Jahres fliessen nun zusammen in ein ganz konkretes Projekt, mit ganz konkreten Anforderungen, ganz konkreten Schritten.

Ich habe oft in den letzten Tagen das Gefühl, meine Arbeitsweise wieder umstellen zu müssen: zurück zu diesem Projektmanagementkrams. Das Wort „zurück“ beschreibt schon, wie  ich dazu stehe. Fühle mich inmitten einer Transformation, zu etwas ganz Neuem, einer ganz neuen Arbeitsweise, einer ganz neuen Verbindlichkeit: Rework von Jason Fried und David Hansson fällt mir dazu sofort ein. Das Vorgängerbuch wurde mir gestern geschickt. Ich hatte es – obwohl ich grosser 37signals Fan bin – bisher übersehen.

Gestern Abend nun – mitten im Gespräch über alles und nichts, beim Austausch unserer Erfahrungen und Erlebnisse, unserer Sichtweisen, Werte und beim Reden über die Dinge, die wir lieben – bekam das Gespräch ein überraschend grosse  Tiefe:

Es ging um die Überwindung unseres Bedürfnisses nach Sicherheit, also der Angst,
die so oft Antrieb für unser Tun ist. 

Es ging um die Überwindung unseres Bedürfnisses nach (dem Anhäufen von) Besitz,
mit dem wir uns so oft selbst definieren.

Es ging um die Überwindung unseres Bedürfnisses nach einem eigenständigen Selbst,
das uns so oft davon abhält genau jetzt glücklich zu sein.

Genau solche Gespräche passieren nur an Tagen, in Momenten ohne Widerstand. Danke, Åsmund, dein Wünschen hat geholfen!

  

Mit drei Bildern des heutigen Sonnenaufgangs hier, wünsche ich Euch allen auch einfach einen wunderbaren Tag – ohne Widerstand! 😉