Einfach ist nicht wenig, sondern genau richtig…

Berlin, 7:17, Tag 219

Was schreib ich denn heute mal? Ein Traum habe ich geträumt, aber etwas blass und eindruckslos. Habe in einer Schlange gestanden, mit einem Mini Baseballschläger, der starke Benutzungsspuren hatte. Es sollten Bälle über einen roten Teppich an eine Wand geschlagen werden. Ich übte und es klappt jedesmal super, als ich an der Reihe war, kam die Aufregung und ich versaute den Schlag. Danach viele Kinder und eine Unterhaltung mit einer der Mütter über irgendetwas. Dann sollte ich einen Brief für meine Schwiegerma mit einer Entschuldigung an irgendwen versenden. Es macht alles irgendwie keinen Sinne, erkenne keine Story, keinen Enthusiasmus. Ich wachte müde auf und snoozte aus Protest mit mir zwei mal.

Wir starten die Sozialisierung von Patenten habe ich im Oktober schon hier geschrieben. Nun ist mit über 220 Kalendertagen gleichzeitig viel und wenig Zeit vergangen. Gestern haben wir unser Projekt neu ausgerichtet und initialisiert. Ohne grosses öffentliches Ritual, aber doch wirksam und beeindruckend. Die Unruhe vom Morgen drückte sich in Klarheit am Nachmittag aus.

Heute Morgen dann fand ich mit diesem Artikel hier wieder mal die Bestätigung, dass gerichtete Aufmerksamkeit funktioniert, dass immer alles schon vorhanden ist, dass man es einfach nur nicht sehen kann vor lauter Konzepten, Ideen und Gedanken. Der Autor erklärt was einfach bedeutet, also nicht nur einfach sondern angemessen oder genau richtig. Das kling im Englischen alles vertrauter:

Simple doesn’t mean “less”. A better definition would be “just enough”.

Er hat dann weiter drei Punkte aufgeführt, die dazu führen und die ich nur voll bestätigen kann.

  1. Have a single core idea (not several ideas, or a partial idea)
  2. Improve clarity over time (don’t overwhelm with inappropriate details)
  3. Use consistency (avoid using unnecessarily unique interfaces and messages)

zu 1. Ein einziger Grundgedanke

Nicht mehrere Ideen oder nur einen Teilaspekt, das kann ich voll bestätigen und nenne ich oft Vision oder manchmal auch Mission. Ich prüfe an diesem einen Grundgedanken jede Frage, jede Möglichkeit, stimmt die Richtung noch, dient diese Funktion dem Grundgedanken oder lenkt sie davon ab. Das fällt manchmal sehr schwer

2. Erlange mehr und mehr Klarheit

Mich stören oft die ersten Detailfragen fast körperlich, denn es gibt solche und solche Detailfragen, die angemessenen und unangemessen unterscheidet einfach mein Bauch für mich. Die Fragen, die der Steigerung der Produktivität oder dem Ausräumen von gedanklichen oder technischen Hindernissen oder auch der Festlegung der Richtung dienen, die nerven überhaupt nicht. Aber alles, was die Lösung komplizierter macht, was Features hinzufügt, die zu früh oder nur für einen kleinen Nutzerkreis oder einfach nur schön zu haben/nice 2 have oder noch schlimmer die Fragen nach Funktionen, die nur der technischen Plattform geschuldet sind, löst mehr oder weniger starken Brechreiz aus. Vor allem der letzte Punkt ist oft ruinös für Softwareprojekte und passiert genau dann, wenn die Macht der Nutzer und Designer nicht im Gleichgewicht mit denen der Technikern und Ingenieuren ist. Ganz schlimm werden Projekten, bei denen die Nutzer ebenfalls Ingenieure sind. Dort haben Designer oder Amateuere einfach keine Chance. Die Dicke der Handbücher ist übrigens ein guter Indikator für solche Produkte.

Und schliesslich 3. Sei konsistent

Erst mit diesem letzten Punkt erlangt das Modell seine innere Balance, erst durchs Dran bleiben, erst durchs Durchhalten erlangt man Klarheit bei der Formulierung seiner

Die grosse Herausforderungen bei allen Anwendungen ist das Oberflächendesign, es ist aber eingeübt und wird benutzt, hat sich eingeschliffen und es ist für viele verdammt schwer, etwas Neues zu benutzen. Vor allem, wenn man Termindruck hat oder einfach Dinge fertig machen muss, dann probiert man nichts Neues, dann will man nichts anders machen als gestern. Das ist das schwerste überhaupt. Als Entwickler ist man überzeugt davon, dass das neue Design doch so viel besser ist, weil es einfach ist und schneller geht. Aber die Nutzer stöhnen und jammern über die neue Version und wollen an der gleichen Stelle klicken.

Alle drei Punkte zusammen machen erst Sinn. Nur der Grundgedanke reicht nicht, nur Klarheit darüber reicht nicht, nur konsitent sein reicht nicht… alle drei Zutaten benötigt man, um eine neue Anwendung zu schaffen.

Es ist schon wieder sehr spät, eine erste Abstimmung, etwas Lesen, ein paar Mails kamen mir hier schon dazwischen. Aber nun, mit einem Bild vom Sonnenaufgang halb sechs vorhin verabschiede ich mich von Euch in einen sicher tollen Mittwoch.

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