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Übers Träumen…

Berlin, 7:18, Tag 221

Auch heute ein Traum, kurz vorm Aufwachen, vom Wecker heraus gerissen, noch mitten in der Geschichte, in einem Raum, einer Wohnung, ein kranker Junge hustet und wird versorgt vom Grossvater, mit Kaffee, Eiswürfelwasser und Creme. Ich schaue den Vorbereitungen zu. Warum auch immer wird Kaffee vorbereitet, mit Filter und Kessel und Aufbrühen und langsamen, vorsichtigen Schlucken, des an den Mund des Jungen gehaltenen Bechers. Dann ein Tisch, eine Schüssel, ein Messer, ein andere Schüssel, die Würfel werden in Wasser geschüttet, bilden das Wasser beim Tauen und kühlen das heisse Gesicht des Jungen, verschaffen Linderung. Das Gesicht getrocknet, der Husten noch schlimm, eine Creme und endlich ein Lächeln, er lehnt sich zurück, kann endlich schlafen und genau in diesem Moment der Erleichterung, weckt mich der Wecker…

Manchmal verbiete ich mir zu träumen. Manche Tagträume lenken mich ab, verwirren mich, verunsichern. Ich glaube, sie berühren negative Erinnerungen. Sie schauen in die Vergangenheit, holen sie zurück, machen sie wieder größer und stärker, drängen auf Wiederholung. Manche Erfahrungen waren wohl nicht tief genug, nicht traumatisch genug, nicht kraftvoll genug.

Ich träume meist einfach trotzdem davon. Will es doch noch einmal genau so erleben, bestimmt hat es heute einen anderen Ausgang, vielleicht verstehe ich dann endlich, bestimmt wird es diesmal besser, ganz sicher ist es heute richtig. Ich vergesse beim Träumen oft den Preis, den ich damals gezahlt habe. Ich träume dann davon, dass es diesmal billiger wird. Ich verkenne die Kraft dieser Gedanken und Träume, ich träume doch nur.

Die Stärke der Anziehungskraft von Themen aber auch Menschen basiert auf meinen Erinnerungen, Erfahrungen auf meinen Gedanken, Konzepten und Projektionen. Und manchmal denke ich dann, dass ich doch gar keine Wahl habe, dass alles vorherbestimmt ist. Doch dann merke ich dass, es einen winzig kleinen Bereich gibt, den ich allein bestimmen kann. Wenn ich mich selbst wahrnehme, bei dem was ich tue. Dann gibt es einen kleinen Moment, der die Richtung ändert.

Hin zu dem Tagtraum, rein in den Gedanken, hoch mit dem Gefühl oder eben weg davon. Und mit weg meine ich nicht wegrennen oder dämpfen oder ignorieren, was ich super gut konnte und immer noch kann. Nein, mit weg meine ich – dass ich mich entscheide, jetzt einfach ein- und wieder auszuatmen und dabei an nichts anderes zu denken.

Ich entscheide mich für ein Lächeln und mache mir bewusst, was ich da tue. Mache mir bewusst, dass ich gerade einatme. Und dass ich grade ausatme. Und was ich dabei fühle, was ich träume, wünsche, ersehne. Und dann ist die Automatik, der Strudel schon gestoppt. Ein anderer beginnt, die Prioritäten sind neu justiert.

Wohin mich das alles führt, weiss ich doch jetzt nicht. Aber was ich weiss ist, dass ich nicht in den Zirkeln, Loops und Reflexen meiner Vergangenheit gefangen sein möchte, dass ich nicht endlos immer wieder in dieselben Probleme, Aufgaben laufen will. Ich weiss, dass Veränderung möglich ist und dass dann neue Probleme und Aufgaben auf mich warten.

Heute ist Freitag! Das Wochenende steht bevor, geniesst den Tag!

 

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