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Im Spiegel beim digitalen Lesen…

Berlin, 8:39, Tag 223

Habe mir nichts aufgeschrieben, es ist nur noch eine Versuchung in Erinnerung, der ich nicht nachgegeben habe und sehr stolz darauf war. Habe heute ausgeschlafen, dann ganz ruhig eine Stunde meditiert. Es ist sehr kalt. Erst wollte ich noch einmal laufen, dann entschied ich mich doch fürs Sitzen und dann hier her kommen, fürs Lesen und Schreiben und Sortieren. Gestern habe ich umgeräumt, optimiert und meine Einsamkeit genossen, gleichzeitig vermisse ich meine beiden Mädels sehr, am Nachmittag ging der Schwimmunterricht der Kleenen schief und ich war nicht da. Na, die packen das schon und noch ein paar Tage und ich bin wieder unten…

Wenn ich Sachen sehe, lese und verarbeite, beobachte ich an mir verschiedene Reaktionen. Manchmal fühle ich mich angeregt, unterhalten, fange an zu denken, hake ein, bekomme Impulse, reflektiere meine eigenen Erfahrungen. Dann wieder, fühle ich mich manchmal – so wie gestern – herausgefordert, widerspreche, verteidige und will mich erklären. Ab und zu passiert es mir, dass ich mich mit der Person des Urheber vergleiche und mich daneben dann meist kleiner, dümmer, ärmer oder schwächer fühle.

Eine der drei Kategorien trifft mehr oder weniger immer zu, denn Sachen, die mich langweilen oder einfach nicht berühren, lese ich eher nicht, die überfliege ich höchstens bei der Suche nach dem, was mich trotzdem interessieren könnte.

Manchmal überlappen sich meine Zuordnungen, machmal sind eindeutig nur Anregend oder nur Herausfordernd oder nur Verkleinernd. Egal, was ich wo lese, wenn ich einem Autor, einer Publikation eine Zeit lang folge, so dass ich sie wieder erkenne, dann hat sich ein Vorurteil bei der Zuordnung heraus gebildet.

Ich überlege gerade, ob ich mich manchmal auch dem Autor überlegen fühle, wenn ich Texte lese. Das kann natürlich einer meiner blinden Flecke sein, aber ich suche und lese eher keine Texte, bei denen meine erste Reaktion ist, dass ich das sicher besser selbst hinbekommen hätte.

Manchmal gehen meine Reaktionen auf  die Texte und meine Einschätzung der Person stark auseinander. Ich mag dann die Texte, aber nicht die Person. Dieser Unterschied kann noch stärker werden, wenn ich dem Autor dann im echten Leben irgendwo begegne oder über ihn lese und dort dann meine Meinung bestätigt wird.

Ab und zu führt das sogar dazu, dass ich die Texte nach einer Begegnung nicht mehr mag, sie mit anderen Augen lese und mir die Freude daran vergangen ist. Umgekehrt ist es aber weit häufiger so, dass ich Menschen, die ich bei Auftritten gesehen hab und deren Art mich beeindruckt hat, danach eine Zeit lang sehr gerne und mit ganz anderen Augen lese. Die Wirkung guter Auftritte lässt dann mit der Zeit nach, so dass die Qualität der eigentlichen Texte wieder mehr in den Vordergrund rückt…

Neuentdeckung des Sonntag Morgens sind die Texte von Julia Schramm. Irgendwie bin ich über Wahrheit und Normen gestolpert und wollte gleich noch viel mehr lesen. Absolut Kategorie 1 – Anregend. Mir ist sie bisher nur bei Twitter als @laprintemps ab und zu aufgefallen, sonst hatte ich noch gar kein Bild, Erinnerung oder Eindruck. Dann habe ich hier etwas mehr über die Person gelesen: 26, Politologin, Piratin, Feministin und zack sind die Texte in Kategorie 3 abgerutscht. Fast immer, wenn sich mein Ego meldet, läuft das auf diese Kategorie hinaus, verstehe ich gerade.

Beim Lesen von engagierten politisch- oder philosophisch angehauchten Texten halte ich immer meine Erfahrungen, mein Wissen aus der Beschäftigung mit dem Buddhismus dagegen. Vor allem Thich Nhat Hanhs Texte, aber auch die ganzen anderen Zen Meister, die ich in den letzten Jahren gelesen habe, fallen mir dann ein.

Beim ganzen Reflektieren und dann Schreiben, steigt aber der Wunsch nach Aktion in mir hoch. Ich will jetzt gleich noch mehr einfach lesen, mich von Link zu Link hangeln, den Texten der Menschen in Twitter, im GReader in den Blogs folgen und wenn ich davon genug habe, zur Abwechslung wieder etwas schreiben, sortieren, ausprobieren, basteln, also arbeiten 😉

Und dann, wenn ich müde bin und der Akku vom Macbook endlich leer sein wird, werd ich vielleicht eine Runde laufen oder einfach nur spazieren gehen, dann was essen und aufräumen.

Wünsche Euch allen ein erholsamen, angenehmen Sonntag!

  1. Das war mal wieder einer deiner Posts, die mich berühren (anregen, weiterbringen – vielleicht auch, weil ich selbst gerade vom Laufen komme?). Danke!

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    13. Mai 2012
    • und ich danke für den kommentar! dein blog ist auf den ersten blick ja wohl voll kat 1… 😉

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      13. Mai 2012

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