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Bitte Zurückbleiben!

Letztens bei meinem Zahnarzt habe ich mich aufgeregt über die lahme BVG, nein – eigentlich über die lahmen, uralten BVG Automaten. Wenn Du noch zwei Minuten bis zur nächsten Bahn hast und einen Fahrschein brauchst und einen freien Automaten findest: vergiss es!

Wir sind hier in Berlin, der Hauptstadt des Landes der Ideen, wer braucht da schon moderne Fahrkartensysteme! Die Angestellten des öffentlichen Dienstes mit dem dicken, satten Kater Wowi an der Spitze sicher nicht. Die BVG Mitarbeiter sowieso nicht, die fahren eh alle umsonst. Eigentlich betrifft das Problem ja nur Gelegenheitsfahrer, wie mich und die paar Millionen Touristen, die jährlich Berlin besuchen!

Also, die meisten Automaten nehmen keine Scheine an, sondern nur Kleingeld, das ich oft keines habe. Dann also EC-Karten Zahlung. Die is so langsam, dass man an einen halbautomatischen Betrieb glaubt: ganz sicher schaut im Callcenter noch mal jemand schnell über meine Kartendaten, ob auch alles OK ist. Nach endlosen Sekunden des Wartens, der PIN Eingabe endlich: Zahlung erfolgt. Aber, die Karte wird weiter festgehalten, denn der 9 Nadel Drucker initialisiert sich erst, positioniert sich und lädt das Papier. Dann kreischen die Nadeln Zeile für Zeile über den zukünftigen Fahrschein, um wer weiss was ganz frisch zu drucken.

Die Bahn ist längst eingefahren: Bitte zurückbleiben! höhnt die immer gleiche Stimme. Dann endlich kommt der Fahrschein, die Karte wird mit einem Klacken freigegeben und nun wartet man auf die Quittung, die auf einem zweiten Drucker, mit einem zweiten Papiereinzug mit allen meinen Kontodetails gedruckt wird und die man bitte nicht zurücklassen sollte.

Oha, was für eine Geduldsprobe für alle Benutzer: Zen im Alltag, der Weg ist das Ziel. Ja, klar!

Die zweite Bahn fährt ein und ich sicher zurück, denn ich habe immer noch keinen Quittung. Nur um die Schmach des Bitte zurückbleiben! nur an einem Tag im Monat ertragen zu müssen, wollte ich mir schon die Monatskarte kaufen, die sich für mich gar nicht rechnet. Aber nur fast! Denn vorgestern bin auch ich endlich über Touch & Travel, dem Foursquare der Deutschen Bahn, gestolpert:

Und bin erlöst! Nie wieder werde ich diese bescheuerten Automaten aus dem letzten Jahrhundert benutzen müssen. Nie wieder!

Obwohl es in der Anwendungen nicht einen einzigen Hinweis darauf gibt, dass man damit auch U-Bahn in Berlin fahren kann. Man kann! Man kann sogar 1. Klasse U-Bahn fahren, wenn man möchte. Das kostet auch nur 2,30€, genau so viel wie am Bitte zurückbleiben! Automaten. Sehr schön.

  

Drei mal Touch und Schwupp kann man Traveln. Mit einem Online Ticket, welches hoffentlich sogar den Fahrkartenkontrolleuren gefällt. Ich bin mir noch sicher, ob die schon QR Codes lesen können und nicht blos 9 Nadelstreifengedrucke Monats-, Tages- und Einzelfahrscheine. Ich werde es bald herausfinden.

  

Beim Aussteigen meldet man sich einfach wieder ab oder auch nicht. Und wenn man drei mal an einem Tag fahren muss, dann – wirklich – werden aus 3 mal 2,30 wird trotzdem nur ein Tagesticket für 6,30€ abgerechnet, einmal im Monat per Lastschrift!

Wie oft bin ich gelaufen oder doch dem Fahrrad gefahren, nur weil ich nach einer Hin- und Rückfahrt am Morgen mit zwei Einzeltickets am Nachmittag noch mal los wollte und mich einfach über meine Planlosigkeit geärgert habe, für die ich nun 9,20 statt 6,30 bezahlen durfte. Aber das ist auch Vergangenheit.

Denn nun werde ich -auch ohne Monatskarte- vorbei laufen an den Schlangen der Touristen. Ab und zu werde ich helfen, mit Kleingeld und Rat und Tat und einem Hinweis auf die App und immer wenn das Bitte zurückbleiben! erklingt, steige ich ein und lasse sie zurück…

PS: dieser Post wird nicht in Innovation kategorisiert!

  1. ist gibt noch eine schnellere Variante, Ticket bei einem der Fahrschein-Wiederverkäufer lösen 😉 benötigt man zwar auch Kleingeld aber die Herren wechseln auch gerne, ist natürlich nichts für Touristen

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    16. Mai 2012
    • Ulrich Romahn #

      Du siehst gar nicht so aus, als wenn du dir einen Fahrschein nicht leisten könntest und deshalb auf die Graufahrer-Tickets zurückgreifen müsstest.

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      16. Mai 2012
      • er fährt eh nur fahrrad inne stadt… 😉

        und auch von mir haben die jungs weit mehr tickets bekommen, als ich dort „kaufe“. is ja eher eine form des bettelns.

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        16. Mai 2012
    • ja, das hab ich auch manchmal gemacht, aber zb in der gneisenau fängt der „verkäufer“ erst mittags an…

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      16. Mai 2012
  2. Ulrich Romahn #

    Schade dass das ganze nicht überall in Deutschland schon verfügbar ist…

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    16. Mai 2012

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