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Noch mehr über die normative Kraft des Faktischen…

Noch Berlin, 7:12, Tag 227

Nach einer kurzen Nacht, es gab -wie vorhergesagt- noch viel Energie für Vieles zu tun, bin ich trotzdem zeitig wach geworden. Die innere Uhr erinnert unbeirrbar. Habe geträumt von schönen Dingen…

Bin nun reisefertig und entsprechend gespannt und doch ruhig. Ich versuche, mit so wenig Dingen wie möglich zu reisen. Es ist eigentlich nur die Technik, die ich nicht doppeln mag und immer dabei haben möchte: Kindle, iPad und Macbook. So reise ich nur mit einem kleinem Rucksack, wenn ich ein paar paar Besorgungen mit bringen möchte oder einfach mit meiner Laptoptasche, wie ich sie immer dabei habe. Ein klein wenig voller, wegen Backupfestplatte und Kamera und weil ich es noch nicht geschafft habe, alle Netzteile auch in Istanbul zu haben.

Habe grade im Büro noch kurz die Boardkarte gedruckt, das geht für THY hier noch nicht elektronisch und dabei hatte ich vergessen, dass heute Feiertag ist und damit die Schliesszeit der Alarmanlage anders. Ein Anruf beruhigte den Wachschutz. Und wie immer hier in Berlin sitze ich, aber nur dank Gregor, in der noch geschlossenen Espressolounge, weil auch die an Sonntagen und Feiertagen erst ab 8 offen ist. Beides weiss ich eigentlich, beides hatte ich einfach vergessen, nicht beachtet.

Viele Störungen entstehen aus einfacher Unachtsamkeit. Wenn ich meinen Rucksack durch gehe, dann stelle ich mir vor, wie ich in Istanbul ohne diese Dinge bin. Ich brauche sie nicht wirklich, nichts davon. Etwas vergessen zu haben bedeutet doch nur, dass unsere Erwartungen nicht mit der Realität übereinstimmen. Wir denken, wir würden das jetzt wirklich brauchen. Aber wenn wir es wirklich brauchen würden, dann vergessen wir es nicht. Ich bin heute morgen in selbst gemachte Regeln gelaufen: an Feiertagen wird später oder nicht gearbeitet, was dazu führt, dass niemand so früh im Büro sein sollte und wir Alarmanlage eben scharf schalten. Diese Regel führt auch dazu, dass niemand so früh einen Tee serviert bekommt, einfach weil es sich nicht lohnt, es gibt zu wenige, die an Feiertagen so zeitig wach und unterwegs sind.

Grad sehe ich wieder eine Verbindung zu etwas ganz anderem.

Heute morgen beim meditieren, habe ich an Dirk denken müssen, der eine erfolgreiche Filmproduktionsfirma führt und fest daran glaubt, dass die Piraten das Urheberrecht abschaffen wollen. Ich aber glaube, er möchte einfach nicht, dass andere Menschen die Regeln in seiner Branche verändern. Es geht gar nicht ums Urheberrecht. Es geht um genau so eine Regel, wie die, dass in manchen Branchen an Feiertagen gar nicht gearbeitet werden darf(!). Leider schaffte ich es bisher nicht, ihm zu  erklären, dass ich niemand das Urheberrecht abschaffen möchte und alle sehr gerne für Filme und Musik, die sie lieben, bezahlen möchten, es aber manchmal – aufgrund von dem Ladenschlussgesetz ähnlichen Regeln – nicht können.

Ich kann aktuell in D nicht viele Serien oder Filme bequem, gestreamt im Netz schauen. Aufgrund von Regeln darf nicht mal die ARD, für die wir alle Gebühren zahlen, ihr Programm ins Netz streamen und dort länger als 7 Tage abrufbar halten. Und es gibt irgendwo Regeln, dass ich aktuelle Kinofilme erst im Kino schauen darf, dann gibt es eine Regel, dass ich sie auf DVD bekomme oder oha als 2,5GB Download in iTunes kaufen darf, dann irgendwann gibt es die Regel, dass darf ich sie im Fernsehen sehen kann. Die Rechtesituation ist so komplex und die Kosten für diese Rechte sind so enorm, dass niemand bisher in der Lage war, einen wirklich benutzerfreundlichen Dienst wie Spotify es für Musik ist oder Netflix es für Serien und Filme in den US ist, hier in D zu bauen und anzubieten. Bei Spotifiy bezahle ich schon das Premuim Abo. Von Netflix werde ich informiert, wenn sie es endlich schaffen sollten, diesen Dienst auch hier anzubieten.

Auch weil das alles so kompliziert geblieben ist, schaue ich in den letzten Jahren viel weniger Filme, sondern zB immer mehr Letz Plays und andere neue spannende Unterhaltungsformate, die ich immer und überall anschauen kann und die genauso werbefinanziert sind, wie es Privatfernsehen seit langem schon ist. Und ich sorge genau deshalb dafür, dass ich immer und überall schnelles Internet dabei habe und gebe dafür einiges an Geld aus. Ich sorge genau deshalb dafür, dass ich immer einen vollen Akku dabei habe und nehme dafür einiges an Mühen auf mich.

OK! Eh ich mich hier zu sehr verstricke, habe ich jetzt ein paar Absätze mit wilden, unausgegorenen Gedanken wieder gelöscht. Jetzt lade ich mein tägliches Bild vom Kiez hier hoch und gehe gemütlich zum Flughafen.

Wünsche allen, die frei haben und auch allen, die arbeiten müssen (oder können) einen tollen Feiertag!

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