Begegnungen auf Reisen…

Istanbul, 7:49, Tag 228

Heute geträumt und vergessen. Die Notizen erzählen etwas von umgeworfenen Harleys und Kämpfen mit Eisenstangen, habe wirklich ich das aufgeschrieben?

Nachdem ich gestern in der LH Lounge neben Gottschalk und einem der Samwer Brüder gesessen habe und ich unfreiwillig bei ihren lauten Telefonaten schräge Einblicke in ihr Leben erhalten konnte…

…habe ich später im Flugzeug den Techno- und House DJ D-Nox kennen gelernt und so Einblicke in noch ein verrückteres und so ganz anderes Leben bekommen.

Er flog über Istanbul nach Tel Aviv für Freitag, weiter nach Haifa am Samstag und dann Montreal und Toronto für Montag und Dienstag und twitterte noch beim Losrollen, das machte mich neugierig.

Wenn das Essen kommt, ist immer eine gute, ungefährliche Gelegenheit für den Test, ob eine Unterhaltung mit dem Sitznachbarn im Flieger spannend werden könnte. Denn wenn’s schief geht, kann man mit vollem Mund nickend jede nervende Fortsetzung des Gespräches abwürgen. Aber gestern wurde schnell sehr interessant und unterhaltsam.

Er berichtete davon, dass ihn Facebook und Twitter schon etwas anstrengen und für ihn reine Promotiontools seien, dass er die meisten Follower und das meiste Engagement auf Soundcloud erlebt, aber dort selbst (noch) kein Geld verdienen kann. Zu den Dimensionen dort: der letzte Track vor fünf Tagen hochgeladen hat schon 7k Plays und über 2,5k Downloads. Das sind schon Zahlen, die ich als hoch empfinde.

Er erzählte weiter, dass er Beatport als die geniale Plattform für DJs einschätzt. Aber seit einiger Zeit, wohl seit das Berliner Büro geschlossen ist, haben sie im Kundenservice stark nachgelassen.

Es gibt keine wirkliche Konkurrenz, die ähnlich funktional und so tief verlinkt ist und diese Art Livecharts errechnet. Viele kleine Nachlässig- und Unregelmässigkeiten sind passiert. Sein Vertrauen wurde strapaziert, als einmal die Verkaufszahlen seine erfolgreichsten Stückes nachträglich halbiert per Mail worden sind: aufgrund eines technischen Fehlers, der ihm jede Menge Geld kostete und für den sich Beatport wohl nicht mal entschuldigte.

Youtube als Einnahmequelle hatte er gar nicht auf dem Schirm, obwohl ein paar seiner Fans mit Mitschnitten seiner Gigs sechstellige Views haben würden und er selbst ab und zu mit GoPro und Mac Videos schneiden würde.

Seine Haupteinnahmen sind die fast wöchentlichen Auftritte in den Clubs der ganzen Welt. Mit der Nebenwirkung: höchste Vielfliegerkategorie, durch die vielen internationalen Langstreckenflüge.

Ein einfaches Shop System für den Download und Verkauf seiner Stücke auf seiner Homepage fehlten ihm heute.

Ich konnte ihm von ganz neuen Ansätzen wie gumroad.com erzählen und von der Story von Louis C.K. berichten, der ohne Agentur/Vermarkter mit einem sehr simplen Weg seine Shows seit ein paar Monaten direkt und neu selbst mit riesigem Erfolg selbst vermarktet: Louis verdiente 1 Mio $ in 12 Tagen mit Videos seiner Show, die er ohne DRM, ohne iTunes, einfach auf sein Homepage als Dateien in zwei Formaten zum Download sowie als Stream mit einem Paypal Button für den legalen Erwerb für 5$ versehen hat.

Ich bin ja absoluter Banause, was diese Musikszene angeht. Ich kenne wirklich überhaupt nichts und keinen der Namen, die D-Nox im Gespräch erwähnt hat.  Ich war seit Jahren in keinem Club mehr. Aber D-Nox hat ebenfalls eine interessante Distanz zu dieser jungen Feierszene:

(Sein Gig startete Montags um 10 Uhr vormittags!)

Es war wirklich spannend, seine Reaktionen auf diese Entwicklungen zu sehen und einen solch tiefen Einblicke in seine Sicht auf das moderne Musikgeschäft zu bekommen. Danke D-Nox dafür! Und viel Kraft für die nächsten Tage auf Reisen und in den Clubs!

Dazu gab es aber interessante Parallelen in unserer Biographie, die wir im Laufe der Unterhaltung entdeckt haben. Vielleicht sind die Grund, dass wir uns trotz völlig unterschiedlichem Verlauf unseres Lebens, krass anderem Umfeld und so anderen Interessen doch so gut verstanden haben auf den 2,5h Stunden Flug von Tegel nach Istanbul.

Für mich sind solche Begegnungen der Ausgleich für die Strapazen des Reisens. Und ich kann nur jedem empfehlen,  ab und zu mal seine Routinen, seinen Alltag zu verlassen und los zu fahren oder raus zu gehen, anderen Menschen gegenüber offen zu sein und zu zu hören und dabei nach den Parallelen und Verbindungen zum eigenen Weg zu suchen… so etwas macht irre Spass!

Wünsche einen allen lächelnd einen wunderbaren Freitag!

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