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Auf geht’s! Beirut, wir kommen…

Noch Istanbul, 11:22, Tag 270

Nun sitzen wir am Flughafen, gleich geht der Flieger nach Beirut. Keine Ahnung, was uns erwartet. Unser Apartment, das wir gefunden haben für die nächsten drei Monate, können wir erst morgen beziehen. Wir treffen uns heute nachmittag aber schon mit dem Vermieter.

Ich hab uns eine Karte in Google Maps angelegt, in der ich alle Orte speichern werde, die ich hier erwähne, oder die ich mir einfach merken möchte. Von einem Bekannten habe ich schon einen Tip für einen schönen Strand nördlich von Beirut bekommen.

Na jedenfalls bin ich ziemlich gespannt, wo wir heute Abend landen werden, wie die ersten Eindrücke so sind, wie chaotisch, wie schön, wie heiss es dort wirklich ist. Einen Reiseführer hab ich mir nicht gekauft, nicht mal recherchiert habe ich. Den Europäer, den Deutschen soll ich im Flugzeug lassen, hat mir eine Freundin geraten. Und genau das habe ich vor: einfach freundlich und wach sein und mit allen Sinnen aufnehmen, was dort ist. Eine grossartige Übung in Gelassenheit schon jetzt, bevor wir überhaupt da sind.

Steh auf und beginne, deinen Zweifel zu lieben…

Istanbul, 7:36, Tag 270 (noch 94 Tage)

Bin sehr müde, hab herrlich zu kurz geschlafen, auch etwas geträumt, ist aber alles verschwunden. Es ist erst halb 7 in Berlin.Gestern Abend habe ich ein Video von meinem vorletzten Trainer Training bekommen. So schreibe ich heute nicht weiter und lass mich mal selbst reden. Ungewohnt, mich so zu sehen. Vielleicht ganz interessant für Euch, vor allem für diejenigen, die mich nicht persönlich kennen oder mich ganz selten sehen. Unser Trainer Udo Nowozin hat mit professioneller Ausstattung aufgezeichnet, vielen Dank dafür.

 

Hier noch das Video von Richard Feynmann welches ich erwähnt hab und hier auch der Traum von Udo Samel aus der Zeit.

Wünsche einen grossartigen Morgen, einen schönes Wochenende voller Zweifel!

Mein Reisebuddha…

Berlin, 9:01, Tag 269 (noch 95 Tage)

Heute Reisetag, kein Traum, kein Thema, vielleicht später nochmal.

Da fällt mir ein, ich stell Euch einen meiner Talismane vor. Los gehts mit dem jüngsten Zugang, meinem Reisebuddha, den ich von einem grossartigen Freund auf dem Sommerfest geschenkt bekommen habe.

Er ist so gross, wie mein kleiner Finger und in einer der Fächer meiner Laptoptasche immer bei mir. Ich bin nicht wirklich abergläubisch, es ist wohl eher so, dass diese kleinen Talismane mit helfen, mich auf den vielen Reisen bei mir selbst zu Hause fühlen. Der neue Reisebuddha hat ausser Stuttgart noch nichts erlebt mit mir, aber heute gehts los nach Istanbul, morgen gehts weiter nach Beirut. Danke, Michael für diesen Begleiter.

Und mit drei Bildern von gestern abend und heute morgen verabschiede ich mich von hier für die nächsten drei Wochen!

 

 

Tschüss Berlin!

Ordnung schaffen…

Berlin, 7:19, Tag 268 (noch 96 Tage)

Gestern mein Vortrag (lief suuper!) und ein Heimflug, zeitig um 10 ins Bett. Um zwölf dann wach, als ob ich aufstehen könnte. Selten traumlos weiter bis zwei Minuten vor dem Wecker geschlafen. Heute ein Workshop zur Entwicklung einer digitalen Strategie. Super spannende Kiste. Bin aufgeregt gespannt, aber ohne das übliche „Du machst Dich sicher gleich zum Obst auf der Bühne“-Gefühl. Es gibt ja auch keine Bühne, also nur die kleine, ausgedachte in unserem grossartigen Meetingraum-Terassen-Ensemble.

Hab grad schon die Metaplanwände und das Flipchart vorbereitet, Tee hingestellt, den Monitor gecheckt, ein Mindmap angelegt, eben Ordnung gemacht, aufgeräumt. Ich glaube, es zeigt Wertschätzung, wenn alles „ready to rock“ ist. Und es erzeugt nebenbei irgend etwas unfassbares, unbestimmbares Gefühl, so etwas wie gute Stimmung, Energie, Karma.

Ich hab lange nicht mehr aus dem Zenkoch zitiert, heute ist es mal wieder soweit:

The cleaning process itself changes the cook as well as the surroundings and the people who come into those surroundings— whether we’re in a Zen meditation hall, a living room, a kitchen, or an office.

Ok, genau das wird mir immer bewusster und immer wichtiger. Das wunderbare ist, dass alleine der Prozess des Aufräumens, Sortierens, des Säuberns seine ganz eigene Kraft hat und entfaltet. Unabhängig davon, wie man sich dabei fühlt und ob man es mag oder nicht. Ein wertungs- und absichtsloses Aufräumen der Dinge, Dateien, Texte, Räume die einen umgeben, erzeugt diese Kraft, die viel stärker wirkt, als mir lange Zeit bewusst war.

Beim Fliegen räume ich manchmal die Dateien in meiner Dropbox auf. Denn manchmal mag ich keinen Film schauen, keine Musik hören, mich nicht unterhalten, nichts mehr lesen. Es gibt Momente, da kann ich keinen neuen Input mehr ertragen. Es passt nichts mehr rein, ich bin wohl einfach satt.

Dann gibt es für mich drei Alternativen. Ich schliesse die Augen und meditiere, mache gar nichts, faulenze, stoppe alle Aktivitäten. Oder aber ich fange an zu schreiben, zu malen, das aufgenommene der letzten Tage, Wochen will dann wieder raus, sich ausserhalb von mir manifestieren. Und die dritte Alternative ist das Aufräumen von Dingen, auch eine Art Meditation. Das schönste Aufräumen ist, wenn ich nicht aufräume, um irgend einen Mangel zu beseitigen oder um irgend etwas zu finden, sondern einfach so, um Ordnung zu schaffen.

Im Zenkoch geht es dann auch weiter, mit diesem Satz:

The process of cleaning also allows us to discover the ingredients that are already in this space. We begin to see the ingredients we already have.

Man kann nicht nur in physischen oder virtuellen Dingen Ordnung schaffen, auch in seinem Kopf selbst, kann man ab und zu mal durchfegen und alles anschauen, sortieren und wieder an seinen Platz stellen. Es gibt viele Möglichkeiten dazu, jeder hat seinen eigenen Weg, seine eigenen Möglichkeiten entwickelt, die einen Laufen, gehen Spazieren, setzen sich auf den Balkon oder in ein Cafe oder fahren Auto, U-Bahn und schauen aus dem Fenster. Der für mich effektivste Weg für das Aufräumen des Geistes, den ich in den letzten Jahren entdeckt habe, ist aber meine morgendliche Sitzmeditation.

Just as we start cooking a meal by cleaning the kitchen, it’s helpful to start the day by cleaning our mind. In Zen Buddhism, we clean the clean the mind by the process of meditation, or zazen, which literally means “just sitting.”

Wünsche allen einen wunderbaren Tag!

Willkommen in Stuttgart…

Stuttgart, 7:56, Tag 267 (noch 97 Tage)

Geträumt vom Gespräch mit einem Kunden. Sie bezahlen in Zukunft die Steuern für uns und wollen uns deshalb komplett übernehmen. Er ist falsch freundlich, wie immer. Das Argument stimmt sicher nicht, da ist was im Busch… Ich unterhalte mich mit anderen und fühle mich immer unwohler. An einem Ballon am Seil hängend gleite ich aus der Szene. Durch Gedanken zu steuernd, gleite ich zusammen mit G. dahin, über ein Feld, knapp an Pappelbäumen vorbei landen wir. Ein Parkhaus, der Eingang verschüttet, zugemüllt und das Treppenhaus so niedrig, dass ich es auf allen vieren krabbelnd frei räume. Auf halber Treppe kommt von unten ein gehetztes Reh und schaut mich aus grossen Augen an und stürzt sich todesmutig an mir vorbei ins Freie, es folgen ein Hirsch und ein Rehbock. Eine Geschäftsfrau erscheint die meine Fische füttern möchte und mich um Futter bittet. Ich schicke sie ins Dorf. Nach 10min Fussweg dort gibt es Poğaça (eine türkisches Brötchen). Ihr ist es zu weit und ich wache zu früh auf und fotografier den Sonnenaufgang vom Hotelzimmer aus…

Heute halte ich hier auf dem Tag der gewerblichen Schutzrechte den Schlussvortrag gegen halb 5. Ich bin nicht so aufgeregt, wie in Ilmenau und mache mir schon Sorgen, dass deshalb nachher die Anspannung fehlt. Klassische Selbstsabotage. Auch fühle ich mich schlecht vorbereitet, was wohl auch Quatsch ist, weil ich wohl keinen Vortrag in meinem Leben öfter gehalten, stärker variiert und weiterentwickelt habe, also mich nie intensiver mit den paar Slides auseinander gesetzt habe, wie mit diesen.

Den Fokus zu entwickeln, scheint schwierig heute. Das Programm richtet sich an ein reines Fachpublikum: Besichigungsverfügungen, White-Spot-Analysen, Änderungen im US-Patentrecht, Herausforderungen einer Patentabteilung, Verzahnung von F&E und Patentmanagement, optimaler Produktschutz, International schützen, national anmelden  und dann ich mit Was haben Soziale Netzwerke mit Patenten zu tun? Und meiner Standardantwort: noch nix, aber das wird sich ändern und genau deshalb stehe ich hier!

Wer hier ab und zu mitliest, der weiss, ich baue gerne individuelle Einleitungen zu meinen Vorträgen, die ich dann nicht halte, weil ich spontan doch was ganz anderes erzähle.

Diesmal habe ich für die Einleitung, seit Jahren mal wieder, zwei Tageszeitungen in die Hand genommen, die Stuttgarter Zeitung und die Stuttgarter Nachrichten. Vielleicht weil ich heute ein konservatives, regionales Publikum erwarte. Wenn überhaupt jemand anders noch von der Konferenz twittert, bin ich überrascht!

Na, jedenfalls habe ich heute Morgen ganz schön viel mit irgendwie Bezug zu sozialen Netzen und digitalem Wandel gefunden:

Rette die Kassette! Günter Schlienz gründet ein Label für die guten alten Kassetten, aber „Die Vermarktung läuft über das Internet: Blogs und Labels haben die Funktion wie früher ein Plattenladen“. Stuttgarter Nachrichten, Stuttgart Flair, S. 24

Wer E-Mails sät, wird E-Mails erneten. Anitra Eggler verrät Regeln gegen das Sinnlos-Surfen, die Meeting-Malaria und die Präsentations-Pest und macht damit per Vortrag Werbung für ihr Buch. Stuttgarter Nachrichten, Stuttgart und Region, S. 18

Sandberg neben Zuckerberg. Ist nur ne kurze Meldung, aber mit einem riesigem fast halbseitigem Bild der schicken 42jährigen Marketingchefin von Facebook, die jetzt auch im Verwaltungsrat des Börsenneulings und mit knapp 1 Mrd Mitgliedern grössten sozialen Netzwerkes der Welt sitzen wird. Stuttgarter Nachrichten, Wirtschaft, S. 11

E-Akten ersetzen bald das Papier! Die Bundesagentur für Arbeit schafft ihre Papierakten ab. Ab 3. September soll es in Baden-Würtemberg soweit sein, dann sind 22,2 Millionen Kundenakten gescannt und digitalisiert. Täglich kommen in der BA 400k Dokumente hinzu. Stuttgarter Zeitung, Landespolitik, S. 5

Flirten oder Fernsehen? Neue Leute lernt man nicht mehr zufällig kennen. Mobile oder Online-Dienste bringen Fremde für gemeinsame Aktivitäten zusammen. In Deutschland machen Millionen mit. Stuttgarter Zeitung, Aus Aller Welt, S. 10.

Microsoft übernimmt soziales Netzwerk. Der Softwareriese kauft „Yammer“ für 1,2 Mrd Dollar, Stuttgarter Zeitung, Wirtschaft S. 14

Das geballte Wissen der Stadt. Rund 128000 Medieneinheiten enthält die Rathausbibliothek, die 2009 bereits geschlossen werden sollte und knapp von den Gemeinderäten gerettet wurde. Nähere Infos: http://www.stuttgart.de/rathausbibliothek, Stuttgarter Zeitung, Stuttgart, S. 24

Zum Computerspiel und zurück. Über die Durchdringung moderner Medien, Teenager entwickeln aus Computerspielen Filme, der Archivar wird zum Animateur, Grenzen zwischen den Medien heben sich auf. All das wurde in einem zweitägigen Symposium der Merz-Akademie behandelt. Stuttgarter Zeitung, Medien, S. 34

 

Wenn auf der Konferenz so gar nichts gesagt werden sollte, was sich für eine Einleitung eignet, dann werd ich wohl die Zeitungsartikel hochhalten und so etwas sagen wie: Auch wenn sie nicht bei Facebook, Xing, LinkedIn, Twitter sind, das Thema findet sie auch so und ich erklär ihnen warum, sagen.

OK, jetzt registriere ich mich mal und verabschiede mich von Euch mit einem nun doch langsam aufgeregten Lächeln…

PS: eine Werbung in Form des Ortsschildes für diese Facebookseite hängt draussen am Schillersaal, dem Konferenzgebäude heute,  nicht schlecht, oder? 😉

Die es uns schwer machen, sind unsere Lehrer…

Berlin, 7:31, Tag 266 (noch 98 Tage)

Heute war ich an einer Grenze, ich sass in meinem schönen Auto, hielt an, zwei Kontrolleure in ihren Häuschen hinter Glas, nebeneinander. Der eine war Meiner, der andere, der Fremde. Der Fremde kontrollierte aufwendig und langsam. Es war eng in ihren Kabinen, daneben ein Schlafsaal, Chaos, Decken, Schlafsäcke, Matratzen, Betten. Mein Pass war doch in Ordnung, ich ging zurück zum Auto, wollte losfahren, doch es brach Chaos draussen aus, die Grenze löste sich auf. Ich sollte wegfahren, konnte nicht, Sperren, Soldaten, Gefahr – Schnitt – ein grosses Schiff fährt durch einen Kanal, der Bug bis fast zur Mitte lose hängend, schwingend, schwebte über’m Wasser. Das Schiff parkte elegant am Kai ein, der Bug ragte weit ins Land hinein. Ich wachte auf…

Die es uns schwer machen, sind unsere Lehrer.

Wenn meine Grenzen überschritten werden, meine Komfortzone verletzt wird, wenn ich mich aufrege, ärgere, wütend werde. Wenn mich jemand enttäuscht, nicht das macht, was ich von ihm erwarte, nicht mit denkt oder sich ungeschickt anstellt…

Wenn das immer wieder passiert, es sich wiederholt, manchmal über Jahre, immer die gleichen Themen, immer die gleichen Muster, Fehler, Schwächen in immer ähnlichen Situationen…

Wenn es unangenehm wird, ich dem Gespräch ausweiche, es vermeide, übergehe, überdecke, dämpfe und beim nächsten Mal dann doch fast explodiere, überreagiere mit schnellen Mails, Kommentaren, Gesprächen oder Anrufen voller Vorwürfe und Beschwerden…

Wenn das, was ist, was war, was hätte sein sollen und noch hätte sein können mir einfach nicht reicht…

Wenn meine Grenzen überschritten werden, wenn es mich konkret betrifft, wenn ich betroffen bin. Dann ruhig zu bleiben, die Energie zu nutzen und entschlossen klar zu machen, was grad mit mir passiert, dabei keine Vorwürfe zu schleudern und ohne diesen Frust zu zeigen. Das zu Lernen, ist mein Weg.

Heute morgen dann ein Aufleuchten von Erkenntnis, von Ausweg: ich kann doch ohne, diese eine Sache, dieses eine Ding. Ich kann weiter, ohne dem vergangenen Nichttun von Nichtigem hinter her zu hängen. Denn ich kann immer ohne! Ohne dass der Andere sich ändert, ohne dass sich etwas verändert. Einfach weil es geht.

Und dann genau im Moment des Erkennens findet mich der Weg. Das beim Anderen Gesuchte taucht plötzlich doch auf. Alles war umsonst und doch notwendig.

Wünsche einen Tag voller Kraft, seine Lehrer zu finden, anzunehmen und auszuhalten…

Wenn Du schnell sein willst, gehe langsam…

Berlin, 7:38, Tag 265 (noch 99 Tage;)

Aufgewacht. Geduscht. Sonnenaufgang fotografiert.

Dann 30min meditiert. Und dabei fiel mir in den ersten paar Atemzügen mein schon vergessener Traum wieder ein. Ich bin einkaufen. Laufe durch ein völlig verwinkelten Bazaar, ähnlich einem Einkaufszentrum mit niedrigen Decken, offenen Geschäften, trete durch die Auslagen, die Austellungsstücke hindurch für Abkürzungen. Ich muss verhandeln. Die Hälfte anzahlen, Lieferung mit Hubschrauber, muss das sein? Dann fahre ich vor, eine dünne Strasse durch die Berge, wenn ich nicht aufpasse, falle ich Abhang runter. Ich glaube nicht an eine Lieferung, das Geld ist weg, und wieder hab ich was gelernt…

Jetzt hab ich schon Flug und Hotel für Stuttgart morgen organisiert. Die Agenda für den Workshop am Donnerstag steht eigentlich auch schon. Und sogar mein Flug am Freitag ist nun erst mal gebucht, denn am Samstag geht’s wirklich nach Beirut, rein ins Abenteuer! Und neben der ganzen Schauerei, Mailerei und Bucherei ist meine Tagebuchzeit nun wie im Flug vergangen. Statt für mich zu schreiben, habe ich ein paar überfällige Sachen erledigt, diese letzte Woche ist unruhiger als normale Wochen. Deshalb geh ich erst mal ganz langsam zu meinem ersten Termin zu Fuss. Und wünsche einen tollen Start in die neue Woche!

Schon drei mtc-Sommerfestgruppenbilder…

Berlin, 8:36, Tag 264

Mein Traum führte mich heute eine Treppe hinunter, mit Puzzles und Wasser und Brücken. Auf einem Feuerwehrfest. Erst zu Fuss, dann mit einem Auto, erst mit Aleyna, dann mit Freunden. Ein hoher Bordstein, Risse in der Strasse, dann geschafft und aufgewacht…

Es ist so viel los grade. Nein, es fühlt sich nur so an. Nach dem Sommerfest am Donnerstag startete der dritte Block eines Trainer Training bis heute, eine Weiterbildung für meine vielen Vorträge und Workshops und Trainings, die ich eh schon gebe. Die nächste Woche ist die letzte vor drei Wochen Urlaub. Also schwirren so viele Themen in meinem Kopf rum, die ich angehen möchte, über die ich hier schreiben möchte, über die ich schreiben könnte. Und noch viel mehr Themen, die ich machen möchte.

Aber hier erst mal ein Vorabzug unseres diesjährigen mtc Sommerfestgruppenbildes mit knapp – wie irre – etwa 110 ganz wunderbaren Menschen drauf! Es war eine so tolle Feier, herzlichen Dank auch hier noch mal an alle, die sie möglich gemacht haben und an alle, die mit gefeiert haben… es hat irre Spass und Freude gemacht!

5. mtc Sommerfest, 21. Juni 2012 (Photo: matzeschmidbauer.de)

Und ich hab schnell mal gesucht, hier noch die Bilder aus den letzten Jahren, in denen wir auch genug Entschlossenheit zum Bild fanden.

4. mtc Sommerfest, 23. Juni 2011 (Photo: matzeschmidbauer.de)

Drei mal schon… hier zum Abschluss das erste, aus 2008!

2. mtc Sommerfest, Juni 2008 (Photo: matzeschmidbauer.de)

Ist es nicht herrlich zu sehen, wie sich etwas entwickelt? Wie aus drei Fenstern, vier werden und dann der Lift dazu kommt? Ach, wie schön dabei sein zu dürfen, wenn sich etwas entwickelt. Es geht mir gar nicht so sehr um Größe oder Anzahl, es ist eher das mehr an Erfahrung und an Beziehung, das mehr an Leben, was ich in den Bildern sehe und worüber ich sehr dankbar bin!

Bei allem eine Freude am Sein zu haben, wird immer stärker und immer wichtiger für mich. Raus aus dem Mangel, raus aus der Angst, hin zu Spass und Freude. Ohne Druck und Stress, ohne zu Vergleichen, keine Wertung, hin zu dem, was nun dran ist, was hier vorhanden ist. Es dann mit einem Lächeln, einem ruhigen Atem annehmen können. Den Tag mit einem optimistischen: ja, schön! begrüßen. Wenn die eigenen Akkus voll sind, fliegt man so leicht durchs Leben. Dann sieht man endlich, ohne sich gleich drauf zu stürzen. Dann spürt man endlich, was wirklich möglich ist. Dann kann man helfen, ohne selbst zum Wrack zu werden. Dann kann man durchs Leben gehen, ohne weg zu laufen.

Schönen Sonntag wünsch ich allen…

 

Nur ein Traum…

Berlin, 7:43, Tag 263

In einem halben Restaurant standen Tische. Mittagesbuffet, verschiedene Schnitzel, gestapelt auf Tellern. Braune Kruste, weisse Tischdecke. Nudeln in Schüsseln. Andere Gäste löffeln und schneiden an den verbliebenen Tischen. Vor dem Fenster die besten Plätze gibt es nicht. Nur das Parkett glänzt. Ich nahm nur Nudeln. Grosse Stücke. Ich sitze G. gegenüber und starre auf sein Essen. Dann wartete ein Taxi. Einsteigen, losfahren. Gerade aus. Dann eine Kreuzung, wir müssen rechts. Aber warum fahre ich denn selbst? Ich wende lieber. Zurück zum Restaurant. Es ist nicht weit. Die Strasse jetzt viel dunkler, mit Absperrungen. Polizeikontrolle. Sie suchen mich. Und winken das Taxi durch. Wieder im Licht wache ich müde auf…

Wünsche ein tolles Wochenende…

Meine Rede zum Sommerfest…

Berlin, 7:20, Tag 262

Hier meine gestrige Rede zu unserem 5. mtc Sommerfest. Eine Inspiration kam diesmal von Gunter Dueck, dessen Reden ich begeistert verfolge aber dessen Bücher ich nicht lese. Herzlichen Dank auch an ihn dafür!

meine rede zum 5. mtc-Sommerfest

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herzlich willkommen! ich begrüsse meine eltern, alle mtc kollegen, unseren dj aus wien, die incos aus gorzow, die bundesdruckerei und jouve.

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nur bayer schickt keinen, angeblich aus compliance gründen, dafür feiern wir auf ihren parties.

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herzliche grüße auch an alle anderen, die es nicht möglich machen konnten, zu kommen!

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ich nerve ab und zu meine freunde vor veranstaltungen und reden wie diesen und frage sie nach tips.

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sie sagen dann meist so etwas wie: es ist doch egal, was ich sage oder sage einfach kurz allen danke, das reicht doch.

oder berichte doch über ein paar highlights, wie taskoutsourcing oder die ausschreibung patprod oder über unsere forschungsprojekte aus dem letzten jahr

oder wiederhole doch einfach die rede vom letzten jahr, das merkt eh keiner.

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also mach ich, wie in letzter zeit sehr oft, mal was ganz anderes und neues für mich und halte eine grundsatzrede für mein team und ihr alle könnt dabei zuhören.

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heute morgen habe ich von einem ex-ibm’er gehört: die informationstechnologie industrialisiert die vermittlung/intermediäre. ich sag euch jetzt, was ich dabei gedacht habe.

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banken, da kommen wir her, vermitteln zwischen anlegern und kreditnehmern, versicherungen verbinden risikoträger mit kunden, apotheken verbinden pharmafirmen mit patienten, handel generell verbindet produzenten mit konsumenten.

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aber das internet, auf basis von informationstechnolgie, mit der wir uns richtig gut auskennen, verbindet alles miteinander. und zwar, ohne die alten vermittler zu fragen oder wirklich zu brauchen.

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und auch auf uns selbst trifft das zu.

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das internet wird dabei oft nur für sich selbst benutzt – also ala, dann machen wir jetzt auch einen webshop, online banking, eine datenbank, einen blog, eine facebookpage, einen twitteraccount.

dabei wird das internet nicht für die kunden benutzt, sondern es wird „nur“ bestehendes vereinfacht, automatisiert, commodifiziert, gecrowdsourced, ausgenutzt, kostengesenkt, optimiert…

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und genau davon leben wir heute.

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denn genau das machen wir: wir vereinfachen, wir automatisieren, wir industrialisieren… und das können wir verdammt gut.

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unsere kunden machen diese projekte sehr oft nicht, weil sie lust drauf haben oder wenigestens spass dran hätten, sondern weil sie angst um ihr armes geschäft haben, angst um ihre karrieren, um ihren bonus, um ihren status.

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und genau so etwas regt mich unwahrscheinlich auf und gleichzeit auch -an!

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unsere heutigen kunden (wir selbst eingeschlossen) nutzen das internet nur, um uns selbst zu industrialisieren, manchmal bis zur aufgabe der eigenen identität.

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auf das wirklich neue, haben sie (noch) keine lust.

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sie wollen sich nicht kannibalisieren, sie wolles retten und bewahren: die musikbranche die cd, die filmbranche die dvd, verlage, druckerein die zeitung und das buch, aber auch banken und versicherungen ihre beratung, pharmafirmen ihr wissen um heilung und natürlich auch wir unser produkt deparom und -profil!

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alle denken, wir, die patentämter, die patentabteilungen, auch pharmafirmen, dass schon nichts passieren wird, dass es schon nicht so schlimm wird, dass sich vielleicht der hype um cloud, crowd, um soziale netzerke und social business sich bald wieder legen wird. bis zur rente wird es schon reichen. hoffentlich.

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und während wir auf der einen seite noch distanz zur konkurrenz, zu anderen software- und beratungsfirmen suchen, werden wir auf der anderen seite überholt von agilen netzwerken von freiberuflern und kleinen teams, die sich nicht mal mehr berater oder entwickler oder firma nennen möchten, weil es ihnen zu oldfashioned ist.

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sie sind all-in the cloud, publizieren ihren code in github, lassen die anwendungen auf heroku laufen.

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haben mail, durch facebook und reddit ersetzt. wenn sie nach berlin kommen, melden sie sich nicht mal mehr bei immoscout an, sondern buchen urlaubsunterkünfte bei freunden, bei airbnb oder couchsurfing. statt den immoteil der zeitung anzumarkern oder ins reisebüro oder bei deren lustlosen internet versuchen wie reise.de zu gehen, kriegen sie eine push notifiation aufs handy, wenn eine neue wohnung eingestellt worden ist.

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sie machen selber, statt vermitteln zu lassen.

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sie diskutieren ihre probleme in ihren blogs oder auf reddit, erzählen ihre geschichten auf twitter und vor allem, sie machen nur projekte, auf die sie lust haben, lassen sich flattern, schreiben ihre rechnungen über wepay, oder paypal und verkaufen die links auf frei im netz liegende dateien über gumroad oder machen alles zusammen oder ganz anders.

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das sind tatsachen, die zu sehen, mir richtig spass machen, das zu erkennen mich mit freude, mit unbändiger vorfreude erfüllt.

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wisst ihr warum mich das so freut?

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weil ich sehe, was ihr alles baut und auch was ihr alles noch bauen könntet!

weil es mir jeden tag spass macht, mit und für euch zu arbeiten. und dafür bin ich extrem dankbar und darauf bin ich verdammt stolz.

weil ich sehe, dass wir mehr und mehr das glück haben, die probleme des erfolges zu erfahren.

dass wir nicht mehr zu allem ja sagen, dass wir zwar immer noch angst haben, dass wir nicht durch kommen, dass das alles nicht sein kann, dass es morgen vorbei ist.

denn das größte problem des erfolges ist, dass die welt da draussen sich zu verschwören scheint, um uns davon abzuhalten, das weiter zu tun, was uns erfolgreich gemacht hat.

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und ich glaube, dass uns folgende werte so erfolgreich haben werden lassen:

wir versuchen zu überzeugen, statt anzuweisen
wir bevorzugen projekte, statt routine
wir haben offene, statt (fester) strukturen
wir beobachten, statt zu kontrollieren
wir sind freundschaftlich, statt formal

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das sind unsere stärken, die uns verbunden mit gutem handwerk, mit der beherrschung der tools und technolgien, auch in zukunft erfolgreich bleiben lassen.

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so, nun komme ich zum schluss und möchte euch noch das wahre geheimnis unseres erfolges verraten.

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ich ahne nämlich, warum uns unsere kunden wirklich bezahlen. es gibt dafür drei gründe: ok, wir müssen einen guten job machen, es macht zweitens spass, mit uns zu arbeiten und drittens wir liefern unsere arbeit auch pünktlich ab.

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und das eigentlich geheimnis ist dabei, dass wir nicht mal alle drei zu erfüllen brauchen, zwei reichen völlig aus.

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wenn es unseren kunden spass mit uns macht, verzeihen sie uns unpünktlichkeit oder auch mal ein nicht so tolles ergebnis.

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wenn einige von uns permanent unzuverlässig sind, müssen sie schon grandiose arbeit machen, und die kunden müssen sie mögen. und wenn es tatsächlich vorkommen sollte, dass es mal keinen spass mit uns machen sollte,… nun ihr habt verstanden.

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aber meist machen wir doch alles dreies zusammen!

und genau der spass ist der hauptgrund für diese party heute!

jetzt sage ich nur noch danke beim team von monopol, und bei aschi, die heute dafür arbeiten, dass wir hier spass haben und auch danke zu ira, sabrina und udo, die die hauptlast der vorbereitung für diese party trugen.

auf ein tolles sommerfest. prosit!

(arne krueger, 21. juni 2012)