Vom Umgang mit Übertragungen…

Berlin, 6:10, Tag 242

Heute Nacht von der Vorbereitung einer Gerichtsverhandlung geträumt. Ich sass mit bestimmt 4 Anwälten zusammen. Ein Mann machte sich Notizen. Der Rest waren Frauen, denen ich versuchte, alle Umstände genauestens zu erzählen. Dabei verdrehte ich die Tatsachen zu meinen Ungunsten. Nach den geschockten Reaktionen fiel mir ein, wie es wirklich war. Fast ein Albtraum. Ich wache zeitig auf und meine Tochter ruft laut im Traum: çalışmıyor – was übersetzt funktioniert nicht heisst.

Gestern habe ich nach dem Tag im Büro noch einen Spaziergang im Regen mit ihr durch den Viktoriapark gemacht, der war einfach wunderschön! Dann waren wir Essen, einen Tee trinken und sind zeitig ins Bett. Was wohl nicht funktioniert hat, in ihrem Traum? Vielleicht erinnert sie sich nachher noch daran. Heute habe ich hier leider nicht viel Zeit, das erste Meeting ist schon halb acht und dann geht’s wieder mal Schlag auf Schlag. In Istanbul ist Zeit für Reflektion, hier ist die Zeit der Interaktion…

Und sofort begegnete mir ein neues Thema, nach dem Post über Besitz gestern, heute sollte es um Übertragung gehen. Also darum, dass Menschen oft und sehr gerne ihre eigenen Sorgen, Probleme, Nöte und Ängste auf anderen Menschen übertragen… einfach um zu sehen, wie diese darauf reagieren, was diese machen, um sie anzutreiben, etwas für Sie zu tun. Fast nie schaffen wir es, diese Übertragung zu als solche erkennen. Fast immer sprechen diese Übertragungen eigene Gedanken an und aus. Solche Übertragungen dienen meist dazu, dass man andere dazu bringen möchte, einem die eigenen Probleme zu lösen, was allerdings niemals funktionieren wird.

Diese Übertragung ist eine andere Form von Flucht vor sich selbst. Man rennt vor der Erkenntnis weg, dass man es doch immer selbst in Hand hat und vor allem davor, dass man selbst verantwortlich ist. Man denkt, wenn der andere das doch endlich einsieht, endlich das tut, was ich möchte, dann wäre alles so viel einfacher. Der muss doch nur meine Dienstleistung bestellen, endliche diese Funktion in die Software einbauen, sich nicht immer so doof anstellen, einfach öfter anrufen, mehr mit mir reden, mich mehr einbeziehen, mir sagen, wo es lang geht, wo er hinwill, was ich machen soll. Ich brauche das unbedingt, jetzt! Warum versteht der andere das denn nicht, ich habe es ihm doch schon so oft erzählt…

Immer wenn ich solche Form der Übertragung erkenne, dann gehe ich normalerweise in den Kampfmodus. Ich lehne diese Forderungen der anderen vehement ab, lehne jede Form der Unterstützung ab, bis der andere vor seiner eigenen Haustür gekehrt hat, bis er verstanden hat, dass es seine Probleme sind und nicht die meinen, dass ich meine eigenen Sorgen und Nöte habe, um die ich mich auch erst mal zu kümmern habe, eh ich Zeit für ihn habe.

Und erst in letzter Zeit verstehe ich ab und zu, dass ich selbst verantwortlich bin für die Konflikte, die in solchen Fällen meist sehr schnell entstehen, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, mit solchen Übertragungen umzugehen…

So, nun darf ich los! Es gibt noch nicht mal ein Bild. Wünsche trotzdem einen tollen Tag mit klarem Blick…

PS: es war das Laptop, was nicht funktionieren wollte! 😉

 

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