Technologiebegeisterung und -kritik in der Patent Information

Berlin, 8:28, Tag 254

Geträumt hab ich auch! Von Verhandlungen, aber beim Augenaufschlag war der morgige Vortrag so präsent und ich sehr schnell schlimm aufgeregt, dass schnell alle weiteren Verbindungen zu meinen Träumen gekappt waren.

Und ich habe viel zu viele Folien!

Bin eben, nachdem ich einen letzten 5km Testlauf für Freitag gelaufen, 20min meditiert und meine Sachen für die nächsten drei Tage ins Auto geschafft habe, meine Folien durchgegangen und will eigentlich mit 6 neuen Folien frei vortragen, ähnlich wie in Lyon… alles andere hat doch keinen Sinn! Alles muss jetzt Neu, im Stress. Panik! Oje, das Timing, das muss ich mir dann auch noch überlegen, oder ich lass es drauf ankommen. Was sind eigentlich die Hauptthesen? Aaahhrg… also jetzt gaaaanz langsam!

Cloud Computing, Soziale Netze und Soziales Design sind Treiber von Innovationen im Internet, die ganz sicher (irgendwann) auch die Patent Informationsbranche verändern werden.

Nun ertappe ich mich oft dabei, dass ich das Neue, die Digitalisierung, die sozialen Netze sehr optimistisch sehe: die komplizierten Herausforderungen der Vergangenheit  in der Patent Industrie sind bald alle überwunden. Alles wird besser und ganz einfach, wie die Qualität wird steigen, die Quantität sinken, die Relevanz sich erhöhen, unterschiedliche Klassifizierungsysteme werden vereinheitlicht, Sprachbarrieren verschwinden, unvollständige, uneinheitliche Rechtstände gehören durch die neue Technologien endlich der Vergangenheit an, schwammige ST36 und andere Standards werden plötzlich überflüssig. Das Ende der Knappheit von IT-Ressourcen und Spezial Know How ist nahe, die Cloud, die Crowd, gutes Design lösen alle Probleme. Alles wird umsonst oder zumindest dramatisch billiger werden. Technologien wie die soziale Netze schaffen Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und letztlich Weltfrieden.

Und die Patentämter, Patent Informations Anbieter, also alle Patent Professionals nutzen die Innovationen, die dabei entstehen, heute einfach (noch) nicht für ihre Arbeit. Gaaanz Schlümm!

Ich glaube, sie denken viel zu konservativ und pessimistisch: Das geht schon bald wieder weg, das ist nur ein Hype oder alter Wein in neuen Schläuchen. Soziale Netzwerke sind doch Privatsache, die braucht niemand bei der Arbeit, deshalb haben wir Facebook und Youtube einfach mal geblockt, aus Datenschutzgründen, versteht sich. Das Eine ist doch so wie das Andere, das Neue wie das Alte. Was soll denn daran besser sein? Ich bin mit den Datenbanken, die ich habe, ganz zufrieden. Und ausserdem bin ich bei Xing, dann brauche ich nicht auch noch bei LinkedIn oder Facebook zu sein, und Google+ das ist von Google, die verdienen eh schon Milliarden mit meinen(!) Daten, das unterstütze ich nicht. Und ausserdem ist das nur Unterhaltung oder Spielzeug für Kinder, wie soll man denn damit sein Geld verdienen können. Die paar Leute, die das Neue wollen, sollen erst mal beweisen, dass es beser ist. Und die können es sich ja auch leisten, mal auf die Nase zu fallen. Wer soll das alles noch lesen? Ich habe gar nicht so viel Zeit, mich um all das Neue auch noch zu kümmern, ich sitze schon genug vorm Rechner. Einiges, was sie gesagt haben, ist ja ganz ok. Aber doch noch irgendwie auch mangelhaft und unprofessional. Das Killerfeature der alten Anwendung fehlt ja! Und wie sollen die Anderen da noch mitkommen. Unsere Kunden sind schon heute völlig überfordert mit den Informationen, die sie von uns bekommen. Dazu kommt ja auch noch, dass diese ganze Neue unsere langerprobten (wissenschaftliche, juristsche, technische), und sehr wichtig gewordenen Arbeitsweisen, unsere Werte und Gewohnheiten einfach nur zum Schlechten verändert! Früher war alles noch besser. (Auf zu Manufactum,) Denn es gibt sie ja auch noch, die guten alten Dinge.

Also, was sage ich morgen?

Ich habe keine Ahnung!

PS: Dieser Post wurde inspiriert von der tollen Kathrin Passig, die hier auf der re:publica so grossartig beide Seiten: die der Technologiekritiker und die der Technologiebegeisterten beleuchtet hat.

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